Rebellengeist-Lied

(zu singen nach der Melodie: "Was gehn euch meine Lumpen an...")



Wie vor mir mancher tapfre Mann,
so stehe ich in Acht und Bann;
doch straft mich auch das Hochgericht,
in Schimpf und Schande steh ich nicht -
in Schimpf und Schande steh ich nicht !

Urewiger Ahnen bin ich Spross,
der Freigeist ist mein Schwertgenoss';
unsterblich wächst mir neu der Mut
aus Ketzer- und Rebellenblut -
aus Ketzer- und Rebellenblut !

Die Pfeife schrillt, die Trommel dröhnt,
und ob auch Pfaff' und Kanzler stöhnt,
wär selbst ihr Thron der Hohe-Stauf,
die Sperre bricht, ich komm hinauf -
die Sperre bricht, ich komm hinauf !

Ich fasse sie beim Rock und Schopf
und zause ihren Lügenzopf
und brenne ihren falschen Bart,
nach frecher, freier Wiking-Art -
nach frecher, freier Wiking-Art !

Ich folge keines Laffen Mund,
war demütig zu keiner Stund';
war niemals eines Meisters Knecht,
ich macht es keinem Herren recht -
ich macht es keinem Herren recht !

Ich brauche keines Rektors Rat,
geh nie den ausgetretnen Pfad,
ich folge nur dem graden Sinn,
mich reizt kein Zins, kein Geldgewinn -
mich reizt kein Zins, kein Geldgewinn !

Bin fessel- und bin vogelfrei,
ich trage keine Scham dabei;
ich spucke keck in Teufels Schlund;
die Welt ist weit, die Welt ist rund -
die Welt ist weit, die Welt ist rund !

Ich kenne Reue nicht, noch Schuld,
mir ist es gleich, ob Hass, ob Huld
begleiten meine Sternenbahn,
nichts hält mich nieder, hält mich an -
nichts hält mich nieder, hält mich an !

Der Liebe nur bin ich geweiht,
zur höhren Art und Menschlichkeit,
sie ist die einzge Gotteskraft,
die Welten sprengt und bessre schafft -
die Welten sprengt und bessre schafft !


Gerhard Hess