10. Kapitel Ursachen des Zusammenbruchs
Die Tiefe des Falles irgendeines
Körpers ist immer das Maß der Entfernung seiner augenblicklichen Lage von der
ursprünglich eingenommenen. Dasselbe gilt auch über den Sturz von Völkern und
Staaten. Damit aber kommt der vorherigen Lage oder besser Höhe eine
ausschlaggebende Bedeutung zu. Nur was sich über die allgemeine Grenze zu
heben pflegt, kann auch ersichtlich tief fallen und stürzen. Das macht für
jeden Denkenden und Fühlenden den Zusammenbruch des Reiches so schwer und
entsetzlich, daß er den Sturz aus einer Höhe brachte, die heute, angesichts
des Jammers der jetzigen Erniedrigung, kaum mehr vorstellbar ist.
Schon die Begründung des Reiches schien umgoldet vom Zauber eines die ganze
Nation erhebenden Geschehens. Nach einem Siegeslauf ohnegleichen erwächst
endlich als Lohn unsterblichen Heldentums den Söhnen und Enkeln ein Reich. Ob
bewußt oder unbewußt, ganz einerlei, die Deutschen hatten alle das Gefühl, daß
dieses Reich, das sein Dasein nicht dem Gemogel parlamentarischer Fraktionen
verdankte, eben schon durch die erhabene Art der Grün dung über das Maß
sonstiger Staaten emporragte; denn nicht im Geschnatter einer
parlamentarischen Redeschlacht, sondern im Donner und Dröhnen der Pariser
Einschließungsfront vollzog sich der feierliche Akt einer Willensbekundung,
daß die Deutschen, Fürsten und Volk, entschlossen seien, in Zukunft ein Reich
zu bilden und aufs neue die Kaiserkrone zum Symbol zu erheben. Und nicht durch
Meuchelmord war es geschehen, nicht Deserteure und Drückeberger waren die
Begründer des Bismarckschen Staates, sondern die Regimenter der Front.
Diese einzige Geburt und feurige Taufe allein schon umwoben das Reich mit dem
Schimmer eines historischen Ruhmes, wie er nur den ältesten Staaten – selten –
zuteil zu werden vermochte.
Und welch ein Aufstieg setzte nun ein!
Die Freiheit nach Außen gab das tägliche Brot im Innern. Die Nation wurde
reich an Zahl und irdischen Gütern. Die Ehre des Staates aber und mit ihr die
des ganzen Volkes war gehütet und beschirmt durch ein Heer, das am
sichtbarsten den Unterschied zum einstigen deutschen Bunde aufzuzeigen
vermochte.
So tief ist der Sturz, der das Reich und das deutsche Volk trifft, daß alles,
wie vom Schwindel erfaßt, zunächst Gefühl und Besinnung verloren zu haben
scheint; man kann sich kaum mehr der früheren Höhe erinnern, so traumhaft
unwirklich gegenüber dem heutigen Elend erscheint die damalige Größe und
Herrlichkeit.
So ist es denn auch erklärlich, daß man nur zu sehr geblendet wird vom
Erhabenen und dabei vergißt, nach den Vorzeichen des ungeheuren Zusammenbruchs
zu suchen, die doch irgendwie schon vorhanden gewesen sein mußten.
Natürlich gilt das nur für die, denen Deutschland mehr war als ein reiner
Aufenthaltsraum zum Geldverdienen und verzehren, da ja nur sie den heutigen
Zustand als Zusammenbruch zu empfinden vermögen, während er den anderen die
längst ersehnte Erfüllung ihrer bisher ungestillten Wünsche ist.
Die Vorzeichen aber waren damals sichtbar vorhanden, wenn auch nur sehr wenige
versuchten, aus ihnen eine gewisse Lehre zu ziehen.
Heute aber ist dies nötiger denn je.
So wie man zur Heilung einer Krankheit nur zu kom men vermag, wenn der Erreger
derselben bekannt ist, so gilt das gleiche auch vom Heilen politischer Schäden.
Freilich pflegt man die äußere Form einer Krankheit, ihre in das Auge
stechende Erscheinung, leichter zu sehen und zu entdecken als die innere
Ursache. Dies ist ja der Grund, warum so viele Menschen über die Erkenntnis
äußerer
Wirkungen überhaupt nicht hinauskommen und sie sogar mit der Ursache
verwechseln, ja das Vorhandensein einer solchen am liebsten ganz zu leugnen
versuchen. So sehen auch jetzt die meisten unter uns den deutschen
Zusammenbruch in erster Linie nur in der allgemeinen wirtschaftlichen Not und
den daraus sich ergebenden Folgen. Diese hat fast jeder persönlich mit zu
tragen – ein triftiger Grund also zum Verstehen der Katastrophe für jeden
einzelnen. Viel weniger aber sieht die große Masse den Zusammenbruch in
politischer, kultureller, sittlichmoralischer Hinsicht. Hier versagen bei
vielen das Gefühl und auch der Verstand vollkommen.
Daß dies bei der großen Masse so ist, mag noch hingehen, daß aber auch in
Kreisen der Intelligenz der deutsche Zusammenbruch in erster Linie als „wirtschaftliche
Katastrophe" angesehen und mithin die Heilung von der Wirtschaft erwartet wird,
ist mit eine der Ursachen, warum es bisher gar nicht zu einer Genesung kommen
konnte. Erst dann, wenn man begreift, daß auch hier der Wirtschaft nur die
zweite oder gar dritte Rolle zufällt und politischen, sittlichmoralischen
sowie blutsmäßigen Faktoren die erste, wird man zu einem Verstehen der
Ursachen des heutigen Unglücks kommen und damit auch die Mittel und Wege zu
einer Heilung zu finden vermögen.
Die Frage nach den Ursachen des deutschen Zusammenbruchs ist mithin von
ausschlaggebender Bedeutung, vor allem für eine politische Bewegung, deren
Ziel ja eben die Überwindung der Niederlage sein soll.
Aber auch bei einem solchen Forschen in der Vergangenheit muß man sich sehr
hüten, die mehr in das Auge springenden Wirkungen mit den weniger sichtbaren
Ursachen zu verwechseln.
Die leichteste und daher auch am meisten verbreitete Begründung des heutigen
Unglücks ist die, daß es sich dabei um die Folgen des eben verlorenen Krieges
handle, mit hin dieser die Ursache des jetzigen Unheils sei.
Es mag viele geben, die diesem Unsinn ernstlich glauben werden, es gibt aber
noch mehr, aus deren Munde eine
solche Begründung nur Lüge und bewußte Unwahrheit sein kann. Dieses letztere
gilt für alle heute an den Futterkrip pen der Regierung Befindlichen. Denn
haben nicht ge rade die Verkünder der Revolution einst dem Volke immer wieder
auf das angelegentlichste vorgehalten, daß es sich für die breite Masse ganz
gleichbleibe, wie dieser Krieg ausgehe? Haben sie nicht im Gegenteil auf das
ernsteste versichert, daß höchstens der „Großkapitalist" ein Interesse an der
siegreichen Beendigung des ungeheuren Völkerringens haben könne, niemals aber
das deutsche Volk an sich oder gar der deutsche Arbeiter? Ja, erklärten denn
diese Weltversöhnungsapostel nicht gerade im Gegenteil, daß durch die deutsche
Niederlage nur der „Militarismus" vernichtet, das deutsche Volk aber seine
herrlichste Auferstehung feiern würde? Pries man denn nicht in diesen Kreisen
die Güte der Entente und schob man dort nicht die Schuld des ganzen blutigen
Ringens auf Deutschland? Hätte man es aber zu tun vermocht ohne die Erklärung,
daß auch die militärische Niederlage für die Nation ohne besondere Folgen sein
würde? War denn nicht die ganze Revolution mit der Phrase verbrämt, daß durch
sie der Sieg der deutschen Fahne verhindert würde, dadurch aber das deutsche
Volk seiner inneren und auch äußeren Frei heit erst recht entgegengehen werde?
War dies etwa nicht so, ihr elenden und verlogenen Burschen?
Es gehört schon eine wahrhaft jüdische Frechheit dazu, nun der militärischen
Niederlage die Schuld am Zusammenbruch beizumessen, während das Zentralorgan
aller Landesverräter, der Berliner „Vorwärts", doch schrieb, daß das deutsche
Volk dieses Mal seine Fahne nicht mehr siegreich nach Hause bringen dürfe!
Und jetzt soll es der Grund unseres Zusammenbruches sein?
Es wäre natürlich ganz wertlos, mit solchen vergeßlichen Lügnern streiten zu
wollen, und ich würde deshalb auch gar keine Worte darüber verlieren, wenn
nicht dieser Un sinn leider auch von so vielen völlig gedankenlosen Menschen
nachgeplappert würde, ohne daß gerade Bosheit oder bewußte Unwahrhaftigkeit
dazu die Veranlassung gäben. Weiter auch sollen diese Erörterungen für unsere
Kämpfer der Aufklärung Hilfsmittel bieten, die ohnehin sehr nötig sind in
einer Zeit, da einem das gesprochene Wort oft schon im Munde verdreht zu
werden pflegt.
So ist zu der Behauptung, der verlorene Krieg trage die Schuld am deutschen
Zusammenbruche, folgendes zu sagen:
Allerdings war der Verlust des Krieges von einer entsetzlichen Bedeutung für
die Zukunft unseres Vaterlandes, allein sein Verlust ist nicht eine Ursache,
sondern selber nur wieder eine Folge von Ursachen. Daß ein unglückliches Ende
dieses Kampfes auf Leben und Tod zu sehr verheerenden Folgen führen mußte, war
ja jedem Einsichtigen und nicht Böswilligen vollkommen klar. Leider aber gab
es auch Menschen, denen diese Einsicht zur richtigen Zeit zu fehlen schien,
oder die, entgegen ihrem besseren Wissen, dennoch diese Wahrheit erst
abstritten und wegleugneten. Das waren zum größten Teil diejenigen, die nach
der Erfüllung ihres geheimen Wunsches auf einmal die späte Einsicht in die
Katastrophe, die durch sie mit angerichtet wurde, erhielten. Sie aber sind die
Schuldigen am Zusammenbruch und nicht der verlorene Krieg, wie sie plötzlich
zu sagen und zu wissen belieben. Denn der Verlust desselben war ja nur die
Folge ihres Wirkens und nicht, wie sie jetzt behaupten wollen, das Ergebnis
einer „schlechten" Führung. Auch der Gegner bestand nicht aus Feiglingen, auch
er wußte zu sterben, seine Zahl war vom ersten Tage an größer als die des
deutschen Heeres, und seiner technischen Rüstung standen die Arsenale der
ganzen Welt zur Verfügung; mithin kann die Tatsache, daß die deutschen Siege,
die vier Jahre lang gegen eine ganze Welt erfoch ten wurden, bei allem
Heldenmut und aller „Organisa tion", nur der überlegenen Führung zu verdanken
waren, nicht aus der Welt geleugnet werden. Die Organisation und Leitung des
deutschen Heeres waren das Gewaltigste, was die Erde bisher je gesehen. Ihre
Mängel lagen in der Grenze der allgemeinen menschlichen Zulänglichkeit
überhaupt.
Daß dieses Heer zusammenbrach, war nicht die Ursache unseres heutigen Unglücks,
sondern nur die Folge anderer Verbrechen, eine Folge, die allerdings selber
wieder den Beginn eines weiteren und dieses Mal sichtbaren Zusammenbruchs
einleitete.
Daß dem so ist, geht aus folgendem hervor:
Muß eine militärische Niederlage zu einem so restlosen Niederbruch einer
Nation und eines Staates führen? Seit wann ist dies das Ergebnis eines
unglücklichen Krieges? Gehen denn überhaupt Völker an verlorenen Kriegen an
und für sich zugrunde?
Die Antwort darauf kann sehr kurz sein: Immer dann, wenn Völker in ihrer
militärischen Niederlage die Quit tung für ihre innere Fäulnis, Feigheit,
Charakterlosigkeit, kurz Unwürdigkeit erhalten. Ist es nicht so, dann wird die
militärische Niederlage eher zum Antrieb eines kommenden größeren Aufstieges
als zum Leichenstein eines Völkerdaseins.
Die Geschichte bietet unendlich viele Beispiele für die Richtigkeit dieser
Behauptung.
Leider ist die militärische Niederlage des deutschen Volkes nicht eine
unverdiente Katastrophe, sondern eine verdiente Züchtigung der ewigen
Vergeltung. Wir haben diese Niederlage mehr als verdient. Sie ist nur die
größte äußere Verfallserscheinung unter einer Reihe von inneren, die
vielleicht in ihrer Sichtbarkeit den Augen der meisten Menschen verborgen
geblieben waren, oder die man nach der VogelStraußManier nicht sehen wollte.
Man beachte doch einmal die Begleiterscheinungen, unter denen das deutsche
Volk diese Niederlage entgegennahm. Hatte man nicht in vielen Kreisen in der
schamlosesten Weise geradezu Freude über das Unglück des Vaterlandes geäußert?
Wer aber tut dieses, wenn er nicht wirklich eine solche Strafe verdient? Ja,
ging man nicht noch weiter und rühmte sich, die Front endlich zum Weichen
gebracht zu haben? Und diese tat nicht etwa der Feind, nein, nein, solche
Schande luden Deutsche auf ihr Haupt!
Von den Deutschen jeder Dritte ein Verräter 251
Traf sie etwa das Unglück zu Unrecht? Seit wann aber geht man dann noch her
und mißt sich selbst auch noch die Schuld am Kriege zu? Und zwar wider bessere
Erkenntnis und besseres Wissen!
Nein und nochmals nein: In der Art und Weise, in der das deutsche Volk seine
Niederlage entgegennahm, vermag man am deutlichsten zu erkennen, daß die wahre
Ursache unseres Zusammenbruches ganz woanders zu suchen ist als in dem rein
militärischen Verlust einiger Stellungen oder dem Mißlingen einer Offensive;
denn hätte wirklich die Front als solche versagt und wäre durch ihr Unglück
das Verhängnis des Vaterlandes hervorgerufen worden, so würde das deutsche
Volk die Niederlage ganz anders aufgenommen haben. Dann hätte man das nun
folgende Unglück mit zusammengebissenen Zähnen ertragen oder von Schmerz
überwältigt beklagt; dann würden Wut und Zorn die Herzen erfüllt haben gegen
den durch die Tücke des Zufalls oder auch des Schicksals Willen zum Sieger
gewordenen Feind; dann wäre die Nation ähnlich dem römischen Senat den
geschlagenen Divisionen entgegengetreten mit dem Danke des Vaterlandes für die
bisherigen Opfer und der Bitte, am Reiche nicht zu verzweifeln. Selbst die
Kapitulation aber wäre nur mit dem Verstande unter zeichnet worden, während
das Herz schon der kommenden Erhebung geschlagen hätte.
So würde eine Niederlage aufgenommen worden sein, die nur dem Verhängnis
allein zu danken gewesen wäre. Dann hätte man nicht gelacht und getanzt, hätte
sich nicht der Feigheit gerühmt und die Niederlage verherrlicht, hätte nicht
die kämpfende Truppe verhöhnt und ihre Fahne und Kokarde in den Schmutz
gezerrt, vor allem aber: dann wäre es nie zu jener entsetzlichen Erscheinung
gekommen, die einen englischen Offizier, Oberst Repington, zu der
verächtlichen Äußerung veranlaßte: „Von den Deutschen ist jeder dritte Mann
ein Verräter." Nein, diese Pest hätte dann niemals zu jener erstickenden Flut
anzusteigen vermocht, die nun seit fünf Jahren aber auch den letzten Rest von
Achtung auf seiten der übrigen Welt für uns ertränkte.
Daran sieht man die Lüge der Behauptung, daß der verlorene Krieg die Ursache
des deutschen Zusammenbruchs wäre, am allerbesten. Nein, dieser militärische
Zusammenbruch war selber nur die Folge einer ganzen Reihe von
Krankheitserscheinungen und ihrer Erreger, die schon in der Zeit des Friedens
die deutsche Nation heimgesucht hatten. Es war dies die erste allen sichtbare
katastrophale Folge einer sittlichen und moralischen Vergiftung, einer
Minderung des Selbsterhaltungstriebes und der Voraussetzungen hierzu, die
schon seit vielen Jahren die Fundamente des Volkes und Reiches zu unterhöhlen
begonnen hatten.
Es gehörte aber die ganze bodenlose Verlogenheit des Judentums und seiner
marxistischen Kampforganisation dazu, die Schuld am Zusammenbruche gerade dem
Manne aufzubürden, der als einziger mit übermenschlicher Wil lens und Tatkraft
versuchte, die von ihm vorausgesehene Katastrophe zu verhüten und der Nation
die Zeit der tief sten Erniedrigung und Schmach zu ersparen. Indem man
Ludendorff zum Schuldigen am Verluste des Weltkrieges stempelte, nahm man dem
einzigen gefährlichen Ankläger, der gegen die Verräter des Vaterlandes
aufzustehen vermochte, die Waffen des moralischen Rechtes aus der Hand. Man
ging dabei von dem sehr richtigen Grundsatze aus, daß in der Größe der Lüge
immer ein gewisser Faktor des Geglaubtwerdens liegt, da die breite Masse eines
Volkes im tiefsten Grunde ihres Herzens leichter verdorben als bewußt und
absichtlich schlecht sein wird, mithin bei der primitiven Einfalt ihres
Gemütes einer großen Lüge leich ter zum Opfer fällt als einer kleinen, da sie
selber ja wohl manchmal im kleinen lügt, jedoch vor zu großen Lügen sich doch
zu sehr schämen würde. Eine solche Unwahrheit wird ihr gar nicht in den Kopf
kommen, und sie wird an die Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der
infamsten Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja selbst bei
Aufklärung darüber noch lange zweifeln und schwanken und wenigstens irgendeine
Ursache doch noch als wahr annehmen; daher denn auch von der frechsten
Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird – eine Tatsache, die alle
großen Lügenkünstler und Lügenvereine dieser Welt nur zu genau kennen und
deshalb auch niederträchtig zur Anwendung bringen.
Die besten Kenner aber dieser Wahrheit über die Möglichkeiten der der
Anwendung von Unwahrheit und Verleumdungen waren zu allen Zeiten die Juden;
ist doch ihr ganzes Dasein schon auf einer einzigen großen Lüge aufgebaut,
nämlich der, daß es sich bei ihnen um eine Religionsgenossenschaft handle,
während es sich um eine Rasse – und zwar was für eine – dreht. Als solche aber
hat sie einer der größten Geister der Menschheit für immer festgenagelt in
einem ewig richtigen Satze von fundamentaler Wahr heit: er nannte sie „die
großen Meister der Lüge". Wer dieses nicht erkennt oder nicht glauben will,
der wird nimmermehr auf dieser Welt der Wahrheit zum Siege zu verhelfen
vermögen.
Für das deutsche Volk darf man es fast als ein großes Glück betrachten, daß
die Zeit seiner schleichenden Erkrankung plötzlich in einer so furchtbaren
Katastrophe abgekürzt wurde, denn im anderen Falle wäre die Nation wohl
langsamer, aber um so sicherer zugrunde gegangen. Die Krankheit wäre zu einer
chronischen geworden, während sie in der akuten Form des Zusammenbruches
mindestens den Augen einer größeren Menge klar und deutlich erkennbar wurde.
Der Mensch wurde nicht durch Zufall der Pest leichter Herr als der
Tuberkulose. Die eine kommt in schrecklichen, die Menschheit aufrüttelnden
Todeswellen, die andere im langsamem Schleichen; die eine führt zur
entsetzlichen Furcht, die andere zur allmählichen Gleichgültigkeit. Die Folge
aber ist, daß der Mensch der einen mit der ganzen Rücksichtslosigkeit seiner
Energie entgegentrat, während er die Schwindsucht mit schwächlichen Mitteln
einzudämmen versucht. So wurde er der Pest Herr, während die Tuberkulose ihn
selber beherrscht.
Genau so verhält es sich auch mit Erkrankungen von Volkskörpern. Wenn sie
nicht katastrophal auftreten, beginnt sich der Mensch langsam an sie zu
gewöhnen und geht endlich an ihnen, wenn auch erst nach Zeiten, so doch um so
gewisser, zugrunde. Es ist dann schon ein – freilich bitteres – Glück, wenn
das Schicksal sich entschließt, in diesen langsamen Fäulnisprozeß einzugreifen
und mit plötzlichem Schlage das Ende der Krankheit dem von ihr Erfaßten vor
Augen führt. Denn darauf kommt eine solche Katastrophe öfter als einmal
hinaus. Sie kann dann leicht zur Ur sache einer nun mit äußerster
Entschlossenheit einsetzenden Heilung werden.
Aber auch in einem solchen Falle ist die Voraus setzung doch wieder das
Erkennen der inneren Gründe, die zu der in Frage stehenden Erkrankung die
Veranlas sung gaben.
Das Wichtigste bleibt auch hier die Unterscheidung der Erreger von den durch
sie hervorgerufenen Zuständen. Diese wird um so schwerer werden, je länger die
Krankheitsstoffe in dem Volkskörper sich befinden und je mehr sie diesem schon
zu einer selbstverständlichen Zugehörigkeit geworden waren. Denn es kann sehr
leicht vorkom men, daß man nach einer bestimmten Zeit unbedingt schädliche
Gifte als Bestandteil des eigenen Volkstums ansieht oder doch höchstens als
notwendiges Übel duldet, so daß ein Suchen nach dem fremden Erreger gar nicht
mehr für notwendig erachtet wird.
So waren im langen Frieden der Vorkriegsjahre sehr wohl gewisse Schäden
aufgetreten und als solche erkannt worden, obwohl man sich um den Erreger
derselben so gut wie gar nicht kümmerte, von einigen Ausnahmen abgesehen.
Diese Ausnahmen waren auch hier wieder in erster Linie die Erscheinungen des
wirtschaftlichen Lebens, die dem einzelnen stärker zum Bewußtsein kamen als
etwa die Schäden auf einer ganzen Reihe von anderen Gebieten.
Es gab viele Verfallszeichen, die zum ernsten Nachden ken hätten anregen
müssen.
In wirtschaftlicher Hinsicht wäre hierzu folgendes zu sagen:
Durch die rasende Vermehrung der deutschen Volkszahl vor dem Kriege trat die
Frage der Schaffung des nötigen täglichen Brotes in immer schärfer werdender
Weise in den Vordergrund alles politischen und wirtschaftlichen Denkens und
Handelns. Leider konnte man sich nicht entschließen, auf billigerem Wege das
Ziel auch erreichen zu können. Der Verzicht auf die Gewinnung neuen Bodens und
ihr Ersatz durch den Wahn einer weltwirtschaftlichen Eroberung mußte am Ende
zu einer ebenso schrankenlosen wie schädlichen Industrialisierung führen.
Die erste Folge von schwerster Bedeutung war die dadurch hervorgerufene
Schwächung des Bauernstandes. In dem gleichen Maße, in dem dieser zurückging,
wuchs die Masse des großstädtischen Proletariats immer mehr an, bis endlich
das Gleichgewicht vollständig verloren wurde.
Nun kam auch der schroffe Wechsel von arm und reich so beieinander, daß die
Folgen davon sehr traurige sein konnten und mußten. Not und häufige
Arbeitslosigkeit begannen ihr Spiel mit den Menschen und ließen als Erinnerung
Unzufriedenheit und Erbitterung zurück. Die Folge davon schien die politische
Klassenspaltung zu sein. Bei aller wirtschaftlichen Blüte wurde so der Unmut
dennoch immer größer und tiefer, ja es kam so weit, daß die Überzeugung „es
könne so nicht mehr lange weitergehen", eine allgemeine wurde, ohne daß aber
die Menschen sich eine bestimmte Vorstellung von dem, was hätte kommen sollen,
machten oder gar nur machen konnten.
Es waren die typischen Zeichen einer tiefen Unzufriedenheit, die auf solche
Weise sich zu äußern versuchten.
Schlimmer als diese aber waren andere Folgeerscheinungen, die die
Verwirtschaftlichung der Nation mit sich brachte.
In eben dem Maße, in dem die Wirtschaft zur bestimmenden Herrin des Staates
aufstieg, wurde das Geld der Gott, dem alles zu dienen und vor dem sich jeder
zu beugen hatte. Immer mehr wurden die himmlischen Götter als veraltet und
überlebt in die Ecke gestellt und statt ihnen der Weihrauch dem Götzen Mammon
dargebracht. Eine wahrhaft schlimme Entartung setzte ein, schlimm besonders
deshalb, weil sie zu einer Zeit eintrat, da die Nation höchste heldische
Gesinnung nötiger denn je brauchen konnte. Deutschland mußte sich gefaßt
machen, eines Tages mit dem Schwert für seinen Versuch, auf dem Wege einer
„friedlichen, wirtschaftlichen Arbeit" sich das tägliche Brot zu sichern,
einzustehen.
Die Herrschaft des Geldes wurde leider auch von der Stelle aus sanktioniert,
die sich am meisten dagegen hätte auflehnen müssen: Seine Majestät der Kaiser
handelte unglücklich, als er besonders den Adel in den Bannkreis des neuen
Finanzkapitals hineinzog. Freilich mußte man ihm zugute rechnen, daß leider
selbst Bismarck in dieser Hinsicht die drohende Gefahr nicht erkannte. Damit
aber waren die ideellen Tugenden praktisch hinter den Wert des Gel des
getreten, denn es war klar, daß, auf solchem Wege erst begonnen, der
Schwertadel in kurzer Zeit schon hinter dem Finanzadel zurücktreten mußte.
Geldoperationen gelingen leichter als Schlachten. So war es auch nicht mehr
einladend für den wirklichen Helden oder auch Staatsmann, in Beziehung zum
nächstbesten Bankjuden gebracht zu werden; der wirklich verdienstvolle Mann
konnte kein Interesse an der Verleihung billiger Dekorationen mehr besitzen,
sondern lehnte dankend für sich ab. Aber auch rein blutsmäßig betrachtet war
eine solche Entwicklung tief traurig: der Adel verlor immer mehr die rassische
Voraussetzung zu seinem Dasein, und zu einem großen Teile wäre viel eher die
Bezeichnung „Unadel" für ihn am Platze gewesen.
Eine schwere wirtschaftliche Verfallserscheinung war das langsame Ausscheiden
des persönlichen Besitzrechtes und allmähliche Übergehen der gesamten
Wirtschaft in das Eigentum von Aktiengesellschaften.
Damit erst war die Arbeit so recht zum Spekulationsobjekt gewissenloser
Schacherer herabgesunken; die Entfremdung des Besitzes gegenüber dem
Arbeitnehmer aber wurde in das unendliche gesteigert. Die Börse begann zu
triumphieren und schickte sich an, langsam, aber sicher das Leben der Nation
in ihre Obhut und Kontrolle zu nehmen.
Die Internationalisierung der deutschen Wirtschaft war schon vor dem Kriege
über dem Umwege der Aktie in die Wege geleitet worden. Freilich versuchte ein
Teil der deutschen Industrie, sich noch mit Entschiedenheit vor diesem
Schicksale zu bewahren. Sie fiel schließlich aber auch dem vereinigten Angriff
des gierigen Finanzkapitals, das diesen Kampf besonders mit Hilfe seines
treuesten Genossen, der marxistischen Bewegung, ausfocht, zum Opfer.
Der dauernde Krieg gegen die deutsche „Schwerindustrie" war der sichtbare
Beginn der durch den Marxismus erstrebten Internationalisierung der deutschen
Wirtschaft, die allerdings erst durch den Sieg des Marxismus in der Revolution
ganz zu Ende geführt werden konnte. Wäh rend ich dieses niederschreibe, ist ja
endlich auch der Generalangriff gegen die deutsche Reichsbahn gelungen, die
nun zu Händen des internationalen Finanzkapitals überwiesen wird. Die
„internationale" Sozialdemokratie hat damit wieder eines ihrer Hochziele
erreicht.
Wie weit diese „Verwirtschaftung" des deutschen Volkes gelungen war, geht wohl
am ersichtlichsten daraus hervor, daß endlich nach dem Kriege einer der
führenden Köpfe der deutschen Industrie und vor allem des Handels die Meinung
zu äußern vermochte, daß die Wirtschaft als solche allein in der Lage wäre,
Deutschland wieder aufzurichten. Dieser Unsinn wurde in dem Augenblick
verzapft, da Frankreich den Unterricht seiner Lehranstalten in erster Linie
wieder auf die humanistischen Grundlagen stellte, um so dem Irrtum
vorzubeugen, als ob die Nation und der Staat ihr Fortbestehen etwa der
Wirtschaft und nicht ewigen ideellen Werten verdanken. Die Äußerung, die
damals ein Stinnes in die Welt setzte, richtete die unglaublichste Verwirrung
an; wurde sie doch sofort aufgegriffen, um nun in staunenswerter Schnelligkeit
zum Leitmotiv all der Kurpfuscher und Salbader zu werden, die das Schicksal
seit der Revolution als „Staatsmänner" über Deutschland losgelassen hatte.
Eine der bösesten Verfallserscheinungen war im Deutschland der Vorkriegszeit
die allenthalben immer mehr um sich greifende Halbheit in allem und jedem. Sie
ist immer eine Folge von eigener Unsicherheit über irgend eine Sache, sowie
einer aus diesen und anderen Gründen resultierenden Feigheit. Gefördert wurde
diese Krankheit noch durch die Erziehung.
Die deutsche Erziehung vor dem Kriege war mit außerordentlich vielen Schwächen
behaftet. Sie war in sehr einseitiger Weise auf die Anzüchtung von reinem
„Wissen" zugeschnitten und weniger auf das „Können" eingestellt. Noch weniger
Wert wurde auf die Ausbildung des Charakters des einzelnen gelegt – soweit
diese überhaupt mög lich –, ganz wenig auf die Förderung der
Verantwortungsfreudigkeit und gar nicht auf die Erziehung des Willens und der
Entschlußkraft. Ihre Ergebnisse waren wirklich nicht die starken Menschen,
sondern vielmehr die gefügigen „Vielwisser", als die wir Deutsche vor dem
Kriege ja allgemein galten und demgemäß auch eingeschätzt wurden. Man liebte
den Deutschen, da er sehr gut zu verwenden war, allein man achtete ihn wenig,
gerade infolge seiner willensmäßigen Schwäche. Nicht umsonst verlor gerade er
am leichtesten unter fast allen Völkern Nationali tät und Vaterland. Das
schöne Sprichwort „Mit dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land"
besagt alles.
Geradezu verhängnisvoll wurde diese Gesellschaft aber, als sie auch die Form
bestimmte, unter der allein es gestattet war, dem Monarchen entgegenzutreten.
Die Form verlangte demgemäß: Nie widersprechen, sondern alles und jedes
gutheißen, was Seine Majestät zu geruhen beliebt. Gerade an dieser Stelle aber
war freie Manneswürde Totengräber der Monarchie am nötigsten, die monarchische
Institution mußte sonst eines Tages an dieser Kriecherei zugrunde gehen; denn
es war Kriecherei und sonst nichts weiter! Und nur elenden Kriechern und
Schliefern, kurz, der ganzen Dekadenz, die sich an den allerhöchsten Thronen
von jeher wohler ge fühlt hatte als die redlichen und anständig ehrlichen
Seelen, vermag dies als die allein gegebene Form des Verkehrs mit den Trägern
einer Krone zu gelten! Diese „alleruntertänigsten" Kreaturen haben allerdings,
bei aller Demut vor ihrem Herrn und Brotgeber, schon von jeher die größte
Unverfrorenheit der anderen Menschheit gegenüber bewiesen, am stärksten dann,
wenn sie sich mit frecher Stirn als einzig „monarchisch" den übrigen Sündern
vorzustellen beliebten; eine wirkliche Unverschämtheit, wie sie nur so ein
geadelter oder auch ungeadelter Spulwurm fertigbringt! Denn in Wahrheit sind
diese Menschen noch immer die Totengräber der Monarchie und besonders des
monarchischen Gedankens gewesen. Es ist dies auch gar nicht anders denkbar:
ein Mann, der bereit ist, für eine Sache einzustehen, wird und kann niemals
ein Schleicher und charakterloser Kriecher sein. Wem es wirklich ernst ist um
die Erhaltung und Förderung einer Institution, der wird mit der letzten Faser
seines Herzens an ihr hängen und es gar nicht zu verwinden vermögen, wenn sich
in ihr irgendwelche Schäden zeigen. Der wird dann allerdings nicht in aller
Öffentlichkeit herumschreien, wie dies in genau so verlogener Weise die
demokratischen „Freunde" der Monarchie taten, wohl aber Seine Majestät, den
Träger der Krone selber, auf das ernstlichste warnen und zu bestim men
versuchen. Er wird sich dabei nicht auf den Standpunkt stellen und stellen
dürfen, daß es Seiner Majestät dabei frei bleibe, doch noch nach seinem Willen
zu handeln, auch wenn dies ersichtlich zu einem Unheil führen muß und wird,
sondern er wird in einem solchen Falle die Monarchie vor dem Monarchen in
Schutz zu nehmen haben, und zwar auf jede Gefahr hin. Wenn der Wert dieser
Einrichtung in der jeweiligen Person des Monarchen läge, dann wäre dies die
schlechteste Institution, die sich nur denken läßt; denn die Monarchen sind
nur in den seltensten Fällen Auslesen der Weisheit und Vernunft oder auch nur
des Charakters, wie man dies gerne hinstellen möchte. Das glau ben nur die
berufsmäßigen Kriecher und Schleicher, aber alle geraden Menschen – und dies
sind denn doch noch die wertvollsten des Staates – werden sich durch das
Vertre ten eines solchen Unsinns nur zurückgestoßen fühlen. Für sie ist eben
Geschichte Geschichte und Wahrheit Wahrheit, auch wenn es sich dabei um
Monarchen handelt. Nein, das Glück, einen großen Monarchen als großen Menschen
zu besitzen, wird den Völkern so selten zuteil, daß sie schon zufrieden sein
müssen, wenn die Bosheit des Schicksals wenigstens vom allerärgsten Mißgriff
absieht.
Somit kann der Wert und die Bedeutung der monarchischen Idee nicht in der
Person des Monarchen selber liegen, außer der Himmel entschließt sich, die
Krone einem genialen Helden wie Friedrich dem Großen oder einem weisen
Charakter wie Wilhelm I. auf die Schläfen zu drücken. Dies kommt in
Jahrhunderten einmal vor und kaum öfters. Sonst aber tritt die Idee hier vor
die Person, indem nun der Sinn dieser Einrichtung ausschließlich in der Insti
tution an sich zu liegen hat. Damit aber fällt der Monarch selber in den Kreis
des Dienens. Auch er ist nun nur mehr ein Rad in diesem Werke und ist als
solches demselben verpflichtet. Auch er hat sich nun dem höheren Zweck zu
fügen und „monarchisch" ist dann nicht mehr, wer den Träger der Krone
schweigend an derselben freveln läßt, sondern wer dies verhütet. Läge nicht
der Sinn in der Idee, son dern in der „geheiligten" Person um jeden Preis,
dürfte ja nicht einmal die Absetzung eines ersichtlich geisteskranken Fürsten
vorgenommen werden.
Es ist notwendig, heute schon dies niederzulegen, tauchen doch in letzter Zeit
immer mehr die Erscheinungen wieder aus dem Verborgenen hervor, deren
jämmerlicher Haltung der Zusammenbruch der Monarchie nicht am wenigsten mit
zuzuschreiben ist. Mit einer gewissen naiven Unverfrorenheit reden diese Leute
jetzt wieder nur mehr von „ihrem" König – den sie aber denn doch vor wenigen
Jahren erst in der kritischen Stunde auf das allerjämmerlichste im Stiche
gelassen hatten – und beginnen, jeden Menschen, der es nicht fertigbringen
will, in ihre verlogenen Tiraden mit einzustimmen, als schlechten Deutschen
hinzustellen. Und in Wahrheit sind dies doch genau dieselben Hasenfüße, die im
Jahre 1918 vor jeder roten Armbinde auseinander und auf und davonsausten,
ihren König König sein ließen, die Hellebarde schleunigst mit einem
Spazierstock vertauschten, neutrale Krawatten umbanden und als friedliche
„Bürger" aber auch schon spurlos verschwanden! Mit einem Schlage waren sie
damals weg, diese königlichen Kämpen, und erst nachdem sich der revolutionäre
Sturmwind, dank der Tätigkeit anderer, so weit wieder gelegt hatte, daß man
sein „Heil dem König, Heil" wieder in die Lüfte hinausschmettern konnte,
begannen diese „Diener und Ratgeber" der Krone wieder vorsichtig aufzutauchen.
Nun aber sind sie alle da und äugen sehnsuchtsvoll nach den Fleischtöpfen
Ägyptens zurück, können sich kaum mehr halten vor Königstreue und Tatendrang,
bis wohl wieder die erste rote Binde eines Tages auftauchen wird und der ganze
Interessentenspuk der alten Monarchie aufs neue, wie die Mäuse vor der Katze,
ausreißt!
Wären die Monarchen nicht selber schuld an diesen Dingen, könnte man sie nur
auf das herzlichste bedauern ob ihrer Verteidiger von heute. Sie dürfen aber
jedenfalls überzeugt sein, daß man mit solchen Rittern wohl Throne verliert,
aber keine Kronen erficht.
Diese Devotheit jedoch war ein Fehler unserer ganzen Erziehung, der sich nun
an dieser Stelle in besonders entsetzlicher Weise rächte. Denn ihr zufolge
konnten sich diese jammervollen Erscheinungen an allen Höfen halten und die
Grundlagen der Monarchie allmählich aushöhlen. Als das Gebäude dann endlich
ins Wanken kam, waren sie wie weggeblasen. Natürlich: Kriecher und
Speichellecker lassen sich für ihren Herrn nicht totschlagen. Daß die
Monarchen dies niemals wissen und fast grundsätzlich auch nicht lernen, ist
von jeher zu ihrem Verderben geworden.
Eine Folgeerscheinung verkehrter Erziehung war Feigheit vor der Verantwortung
und die daraus sich ergebende Schwäche in der Behandlung selbst
lebenswichtiger Probleme.
Der Ausgangspunkt dieser Seuche liegt bei uns aller dings zu einem großen
Teile in der parlamentarischen Institution, in der die Verantwortungslosigkeit
geradezu in Reinkultur gezüchtet wird. Leider ging diese Erkran kung langsam
aber auch auf das gesamte sonstige Leben über, am stärksten auf das
staatliche. Man begann überall der Verantwortung auszuweichen und griff aus
diesem Grunde am liebsten zu halben und ungenügenden Maßregeln; erscheint doch
bei ihrer Anwendung das Maß der persönlich zu tragenden Verantwortung immer
auf den kleinsten Umfang herabgedrückt.
Man betrachte nur die Haltung der einzelnen Regie rungen gegenüber einer Reihe
von wahrhaft schädlichen Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens, und man
wird die fürchterliche Bedeutung dieser allgemeinen Halbheit und Feigheit vor
der Verantwortung leicht erkennen.
Ich nehme nur einige Fälle aus der Unmasse vorhandener Beispiele heraus:
Man pflegt gerade in Journalistenkreisen die Presse gerne als eine „Großmacht"
im Staate zu bezeichnen. Tatsächlich ist ihre Bedeutung denn auch eine
wahrhaft ungeheuerliche. Sie kann überhaupt gar nicht überschätzt werden;
bewirkt sie doch wirklich die Fortsetzung der Erziehung im späteren Alter.
Man kann dabei ihre Leser im großen und ganzen in drei Gruppen einteilen:
erstens in die, die alles, was sie lesen, glauben;
zweitens in solche, die gar nichts mehr glauben;
drittens in die Köpfe, welche das Gelesene kritisch prü fen und danach
beurteilen.
Die erste Gruppe ist ziffernmäßig die weitaus größte. Sie besteht aus der
großen Masse des Volkes und stellt demgemäß den geistig einfachsten Teil der
Nation vor.
Sie kann aber nicht etwa in Berufen benannt werden, sondern höchstens in
allgemeinen Intelligenzgraden. Ihr gehören alle an, denen selbständiges Denken
weder angeboren noch anerzogen ist, und die teils aus Unfähigkeit, teils aus
Nichtkönnen alles glauben, was man ihnen schwarz auf weiß gedruckt vorsetzt.
Auch jene Sorte von Faulpelzen gehört dazu, die wohl selber denken könnte,
aber aus reiner Denkfaulheit heraus dankbar alles auf greift, was ein anderer
schon gedacht hat, in der bescheidenen Voraussetzung, daß dieser sich schon
richtig angestrengt haben wird. Bei all diesen Menschen nun, die die große
Masse vorstellen, wird der Einfluß der Presse ein ganz ungeheurer sein. Sie
sind nicht in der Lage oder nicht willens, das ihnen Dargebotene selber zu
prüfen, so daß ihre gesamte Einstellung zu allen Tagesproblemen nahezu
ausschließlich auf die äußere Beeinflussung durch andere zurückzuführen ist.
Dies kann von Vorteil sein dann, wenn ihre Aufklärung von ernster und
wahrheitsliebender Seite vorgenommen wird, ist jedoch von Unheil, sowie dies
Lumpen und Lügner besorgen.
Die zweite Gruppe ist in der Zahl schon wesentlich kleiner. Sie ist zum Teil
aus Elementen zusammengesetzt, die erst zur ersten Gruppe gehörten, um nach
langen bitteren Enttäuschungen nun in das Gegenteil umzuschlagen und überhaupt
nichts mehr zu glauben, soferne es nur gedruckt vor ihr Auge kommt. Sie hassen
jede Zeitung, lesen sie entweder überhaupt nicht oder ärgern sich ausnahmslos
über den Inhalt, da er ihrer Meinung nach ja doch nur aus Lüge und Unwahrheit
zusammengesetzt ist. Diese Menschen sind sehr schwer zu behandeln, da sie auch
der Wahrheit immer mißtrauisch gegenüberstehen werden. Sie sind damit für jede
positive Arbeit verloren.
Die dritte Gruppe endlich ist die weitaus kleinste; sie besteht aus den
geistig wirklich feinen Köpfen, die natürliche Veranlagung und Erziehung
selbständig denken gelehrt hat, die sich über alles ihr eigenes Urteil zu
bilden versuchen und die alles Gelesene auf das gründlichste noch einmal einer
eigenen Prüfung und Weiterentwicklung unterziehen. Sie werden keine Zeitung
anschauen, ohne in ihrem Gehirn dauernd mitzuarbeiten, und der Verfasser hat
dann keinen leichten Stand. Die Journalisten lieben solche Leser denn auch nur
mit Zurückhaltung.
Für die Angehörigen dieser dritten Gruppe ist allerdings der Unsinn, den eine
Zeitung zusammenschmieren mag, wenig gefährlich oder auch nur bedeutungsvoll.
Sie haben sich ohnehin zumeist im Laufe eines Lebens angewöhnt, in jedem
Journalisten grundsätzlich eine Spitzbuben zu sehen, der nur manches Mal die
Wahrheit spricht. Leider aber liegt die Bedeutung dieser prachtvollen Menschen
eben nur in ihrer Intelligenz und nicht in der Zahl – ein Unglück in einer
Zeit, in der die Weisheit nichts und die Majorität alles ist! Heute, da der
Stimmzettel der Masse entscheidet, liegt der ausschlaggebende Wert eben bei
der zahlreichsten Gruppe, und diese ist die erste: der Haufe der Einfältigen
oder Leichtgläubigen.
Es ist ein Staats und Volksinteresse ersten Ranges, zu verhindern, daß diese
Menschen in die Hände schlechter, unwissender oder gar übelwollender Erzieher
geraten. Der Staat hat deshalb die Pflicht, ihre Erziehung zu über wachen und
jeden Unfug zu verhindern. Er muß dabei besonders der Presse auf die Finger
sehen; denn ihr Ein fluß ist auf diese Menschen der weitaus stärkste und
eindringlichste, da er nicht vorübergehend, sondern fortgesetzt zur Anwendung
kommt. In der Gleichmäßigkeit und ewigen Wiederholung dieses Unterrichts liegt
seine ganz unerhörte Bedeutung. Wenn also irgendwo, dann darf gerade hier der
Staat nicht vergessen, daß alle Mittel einem Zwecke zu dienen haben; er darf
sich nicht durch das Geflunker einer sogenannten „Pressefreiheit" beirren und
beschwätzen lassen, seine Pflicht zu versäumen und der Nation die Kost
vorzuenthalten, die sie braucht und die ihr gut tut; er muß mit
rücksichtsloser Entschlossenheit sich dieses Mittels der Volkserziehung
versichern und es in den Dienst des Staates und der Nation stellen.
Welche Kost aber hat die deutsche Presse der Vorkriegszeit den Menschen
vorgesetzt? War es nicht das ärgste Gift, das man sich nur vorzustellen
vermag? Wurde dem Herzen unseres Volkes nicht schlimmster Pazifismus zu einer
Zeit eingeimpft, da die andere Welt sich schon anschickte, Deutschland
langsam, aber sicher abzudrosseln? Hatte die Presse nicht schon im Frieden dem
Gehirn des Volkes den Zweifel an das Recht des eigenen Staates eingeflößt, um
es so in der Wahl der Mittel zu seiner Verteidigung von vornherein zu
beschränken? War es nicht die deutsche Presse, die den Unsinn der „westlichen
Demokratie" unserem Volke schmackhaft zu machen verstand, bis dieses endlich,
von all den begeisterten Tiraden gefangen, glaubte, seine Zukunft einem
Völkerbunde anzuvertrauen zu können? Hat sie nicht mitgeholfen, unser Volk zu
einer elenden Sittenlosigkeit zu erziehen? Wurden nicht Moral und Sitte von
ihr lächerlich gemacht, als rückständig und spießig gedeutet, bis endlich auch
unser Volk „modern" wurde? Hat sie nicht in dauerndem Angriff die Grund festen
der Staatsautorität so lange unterhöhlt, bis ein einziger Stoß genügte, um
dieses Gebäude zum Einsturz zu bringen? Hat sie nicht einst gegen jeden
Willen, dem Staate zu geben, was des Staates ist, mit allen Mitteln
angekämpft, nicht in dauernder Kritik das Heer herabgesetzt, die allgemeine
Wehrpflicht sabotiert, zur Verweigerung der militärischen Kredite aufgefordert
usw., bis der Erfolg nicht mehr ausbleiben konnte?
Die Tätigkeit der sogenannten liberalen Presse war Totengräberarbeit am
deutschen Volk und Deutschen Reich. Von den marxistischen Lügenblättern kann
man dabei überhaupt schweigen; ihnen ist das Lügen genau so
Lebensnotwendigkeit wie der Katze das Mausen; ist doch ihre Aufgabe nur, dem
Volke das völkische und nationale Rückgrat zu brechen, um es so reif zu machen
für das Sklavenjoch des internationalen Kapitals und seiner Herren, der Juden.
Was aber hat der Staat gegen diese Massenvergiftung der Nation unternommen?
Nichts, aber rein gar nichts! Ein paar lächerliche Erlasse, ein paar Strafen
gegen allzu heftige Niederträchtigkeit, und damit war Schluß. Dafür aber
hoffte man, sich diese Seuche wohlgeneigt zu machen durch Schmeicheleien,
durch Anerkennung des „Wertes" der Presse, ihre „Bedeutung", ihrer
„erzieherischen Mission" und ähnlichen Blödsinns mehr – die Juden aber nahmen
es schlau lächelnd entgegen und quittierten mit verschmitztem Dank.
Der Grund jedoch zu diesem schmählichen Versagen des Staates lag nicht so sehr
im Nichterkennen der Gefahr, als vielmehr in einer zum Himmel schreienden
Feigheit und der daraus geborenen Halbheit aller Entschlüsse und Maßnahmen. Es
hatte niemand den Mut, durchgreifende Radikalmittel anzuwenden, sondern man
pfuschte hier wie überall mit lauter halben Rezepten herum, und statt den Stoß
ins Herz hinein zu führen, reizte man die Viper höchstens – mit dem Ergebnis,
daß nicht nur alles beim alten blieb, sondern im Gegenteil die Macht der zu
bekämpfen den Institutionen von Jahr zu Jahr zunahm.
Der Abwehrkampf der damaligen deutschen Regierung gegen die die Nation langsam
verderbende Presse, hauptsächlich jüdischer Herkunft, war ohne jede gerade
Linie, ohne Entschlossenheit, vor allem aber ohne jedes sichtbare Ziel. Hier
versagte der geheimrätliche Verstand vollständig, sowohl in der Einschätzung
der Bedeutung dieses Kampfes wie auch in der Wahl der Mittel und der
Festlegung eines klaren Planes. Planlos dokterte man herum, sperrte manchmal,
wenn man zu sehr gebissen wurde, eine solche journalistische Kreuzotter auf
einige Wochen oder auch Monate ein, das Schlangennest als solches aber ließ
man schön in Ruhe.
Freilich – zum Teil war dies auch die Folge der un endlich schlauen Taktik der
Judenheit auf der einen und einer wirklich geheimrätlichen Dummheit oder
Harmlosigkeit auf der anderen Seite. Der Jude war viel zu klug, als daß er
seine gesamte Presse gleichmäßig hätte angreifen lassen. Nein, ein Teil
derselben war da, um den anderen zu decken. Während die marxistischen
Zeitungen in der gemeinsten Weise gegen alles, was Menschen heilig zu sein
vermag, in das Feld zogen, Staat und Regierung in der infamsten
Weise angriffen und große Volksteile gegeneinander hetzten, verstanden es die
bürgerlichdemokratischen Judenblätter, sich den Anschein der berühmten
Objektivität zu geben, mieden peinlich alle Kraftworte, genau wissend, daß
alle Hohlköpfe nur nach dem Äußeren zu urteilen vermögen und nie die Fähigkeit
besitzen, in das Innere einzudringen, so daß für sie der Wert einer Sache nach
diesem Äußeren bemessen wird statt nach dem Inhalt; eine menschliche Schwäche,
der sie auch die eigene Beachtung verdanken.
Für diese Leute war und ist freilich die „Frankfurter Zeitung" der Inbegriff
aller Anständigkeit. Verwendet sie doch niemals rohe Ausdrücke, lehnt jede
körperliche Brutalität ab und appelliert immer an den Kampf mit den
„geistigen" Waffen, der eigentümlicherweise gerade den geistlosesten Menschen
am meisten am Herzen liegt. Das ist ein Ergebnis unserer Halbbildung, die die
Menschen von dem Instinkt der Natur loslöst, ihnen ein gewisses Wissen
einpumpt, ohne sie aber zur letzten Erkenntnis führen zu können, da hierzu
Fleiß und guter Wille allein nichts zu nützen vermögen, sondern der nötige
Verstand, und zwar als angeboren, da sein muß. Die letzte Erkennt nis aber ist
immer das Verstehen der Instinktursachen – das heißt: der Mensch darf niemals
in den Irrsinn verfallen, zu glauben, daß er wirklich zum Herrn und Meister
der Natur aufgerückt sei – wie der Dünkel einer Halbbildung dies so leicht
vermittelt –, sondern er muß die fundamentale Notwendigkeit des Waltens der
Natur verstehen und begreifen, wie sehr auch sein Dasein die sen Gesetzen des
ewigen Kampfes und Ringens nach oben unterworfen ist. Er wird dann fühlen, daß
in einer Welt, in der Planeten und Sonnen kreisen, Monde um Planeten ziehen,
in der immer nur die Kraft Herrin der Schwäche ist und sie zum gehorsamen
Diener zwingt oder zerbricht, für den Menschen nicht Sondergesetze gelten
können. Auch für ihn walten die ewigen Grundsätze dieser letzten Weisheit. Er
kann sie zu erfassen versuchen, sich von ihnen zu lösen vermag er niemals.
Gerade für unsere geistige Halbwelt aber schreibt der Jude seine sogenannte
Intelligenzpresse. Für sie sind die „Frankfurter Zeitung" und das „Berliner
Tageblatt" gemacht, für sie ist ihr Ton abgestimmt, und auf diese üben sie
ihre Wirkung aus. Indem sie alle scheinbar äußerlich rohen Formen auf das
sorgfältigste vermeiden, gießen sie das Gift aus anderen Gefäßen dennoch in
die Herzen ihrer Leser. Unter einem Geseire von schönen Tönen und Redensarten
lullen sie dieselben in den Glauben ein, als ob wirklich reine Wissenschaft
oder gar Moral die Triebkräfte ihres Handelns seien, während es in Wahrheit
nur die ebenso geniale wie gerissene Kunst ist, dem Gegner auf solche Weise
die Waffe gegen die Presse überhaupt aus der Hand zu stehlen. Denn indem die
einen vor Anstand triefen, glauben ihnen alle Schwachköpfe um so lieber, daß
es sich bei den anderen nur um leichte Auswüchse handle, die aber niemals zu
einer Verletzung der Pressefreiheit – wie man den Unfug dieser straflosen
Volksbelügung und Volksvergiftung bezeichnet – führen dürften. So scheut man
sich, gegen dieses Banditentum vorzugehen, fürchtet man doch, in einem solchen
Falle auch sofort die „anständige" Presse gegen sich zu haben; eine Furcht,
die auch nur zu begründet ist. Denn sobald man versucht, gegen eine dieser
Schandzeitungen vorzugehen, werden sofort alle anderen deren Partei ergreifen,
beileibe nicht etwa, um ihre Art des Kampfes gutzuheißen, Gott bewahre – nur
um das Prinzip der Pressefreiheit und der Freiheit der öffentlichen Meinung
dreht es sich; allein dieses soll verteidigt werden. Vor diesem Geschrei aber
werden die stärksten Männer schwach, kommt es doch aus dem Munde von lauter
„anständigen" Blättern.
So konnte dieses Gift ungehindert in den Blutlauf unseres Volkes eindringen
und wirken, ohne daß der Staat die Kraft besaß, der Krankheit Herr zu werden.
In den lächerlichen halben Mitteln, die er dagegen anwandte, zeigte sich der
bereits drohende Verfall des Reiches. Denn eine Institution, die nicht mehr
entschlossen ist, sich selbst mit allen Waffen zu schützen, gibt sich
praktisch auf. Jede Halbheit ist das sichtbare
Zeichen des inneren Verfalls, dem der äußere Zusammenbruch früher oder später
folgen muß und wird.
Ich glaube, daß die heutige Generation, richtig geleitet, dieser Gefahr
leichter Herr werden wird. Sie hat verschiedene Dinge miterlebt, die die
Nerven bei dem, der sie nicht überhaupt verlor, etwas zu stärken vermochten.
Sicher wird auch in kommender Zeit der Jude in seinen Zeitungen ein gewaltiges
Geschrei erheben, wenn sich erst einmal die Hand auf sein Lieblingsnest legt,
dem Presseunfug ein Ende macht, auch dieses Erziehungsmittel in den Dienst des
Staates stellt und nicht mehr in der Hand von Volksfremden und Volksfeinden
beläßt. Allein ich glaube, daß dies uns Jüngere weniger belästigen wird als
einstens unsere Väter. Eine DreißigZentimeterGranate zischte immer noch mehr
als tausend jüdische Zeitungsvipern – also laßt sie denn nur zischen!
Ein weiteres Beispiel für Halbheit und Schwäche in den wichtigsten
Lebensfragen der Nation bei der Leitung des Vorkriegsdeutschlands ist
folgendes: Parallel der politischen, sittlichen und moralischen Verseuchung
des Volkes lief schon seit vielen Jahren eine nicht minder entsetzliche
gesundheitliche Vergiftung des Volkskörpers. Die Syphilis begann besonders in
den Großstädten immer mehr zu grassieren, während die Tuberkulose gleichmäßig
fast im ganzen Lande ihre Todesernte hielt.
Trotzdem in beiden Fällen die Folgen für die Nation entsetzliche waren,
vermochte man sich nicht zu entscheidenden Maßnahmen dagegen aufzuraffen.
Besonders der Syphilis gegenüber kann man das Ver halten der Volks und
Staatsleitung nur mit vollkommener Kapitulation bezeichnen. Bei einer
ernstgemeinten Bekämpfung mußte man schon etwas weiter ausgreifen, als dies in
Wirklichkeit geschah. Die Erfindung eines Heilmittels fraglicher Art sowie
dessen geschäftstüchtige Anwendung vermögen bei dieser Seuche nur wenig mehr
zu helfen. Auch hier konnte nur der Kampf gegen die Ursachen in Frage kommen
und nicht die Beseitigung der Erscheinungen. Die Ursache aber liegt in erster
Linie in unserer Prostituierung der Liebe. Auch wenn ihr Ergebnis nicht diese
natürliche Seuche wäre, wäre sie dennoch von tiefstem Schaden für das Volk,
denn es genügen schon die moralischen Verheerungen, die diese Entartung mit
sich bringt, um ein Volk langsam, aber sicher zugrunde zu richten. Diese
Verjudung unseres Seelenlebens und Mammonisierung unseres Paarungstriebes
werden früher oder später unseren gesamten Nachwuchs verderben, denn an Stelle
kraftvoller Kinder eines natürlichen Gefühls werden nur mehr die
Jammererscheinungen finanzieller Zweckmäßigkeit treten. Denn diese wird immer
mehr die Grundlage und einzige Voraussetzung unserer Ehen. Die Liebe aber tobt
sich wo anders aus.
Eine gewisse Zeit kann man natürlich auch hier die Natur verhöhnen, allein die
Rache bleibt nicht aus, sie tritt hier nur später in Erscheinung, oder besser:
sie wird von den Menschen oft zu spät erkannt.
Wie verheerend aber die Folgen einer dauernden Mißachtung der natürlichen
Voraussetzungen für die Ehe sind, mag man an unserem Adel erkennen. Hier hat
man die Ergebnisse einer Fortpflanzung vor sich, die zu einem Teile auf rein
gesellschaftlichem Zwang, zum anderen auf finanziellen Gründen beruhte. Das
eine führte zur Schwächung überhaupt, das andere zur Blutvergiftung, da jede
Warenhausjüdin als geeignet gilt, die Nachkommenschaft Seiner Durchlaucht –
die allerdings dann danach aus sieht – zu ergänzen. In beiden Fällen ist
vollkommene Degeneration die Folge.
Unser Bürgertum bemüht sich heute, den gleichen Weg zu gehen, und wird am
gleichen Ziele enden.
Mit gleichgültiger Hast versucht man, an den unangenehmen Wahrheiten
vorüberzugehen, als ob man durch ein solches Gehaben die Dinge selber
ungeschehen machen könnte. Nein, die Tatsache, daß unsere großstädtische
Bevölkerung immer mehr in ihrem Liebesleben prostituiert wird und gerade
dadurch in immer weiterem Kreise der syphilistischen Seuche anheimfällt, kann
nicht einfach weggeleugnet werden, sondern sie ist da. Die sichtbarsten
Resultate dieser Massenverseuchung kann man auf der einen Seite in den
Irrenanstalten finden, auf der anderen aber leider in unseren – Kindern.
Besonders diese sind das traurige Elendserzeugnis der unaufhaltsam
fortschreiten den Verpestung unseres Sexuallebens, in den Krankheiten der
Kinder offenbaren sich die Laster der Eltern.
Es gibt verschiedene Wege, sich mit dieser unangenehmen, ja schrecklichen
Tatsache abzufinden: Die einen sehen überhaupt nichts oder wollen, besser
gesagt, nichts sehen; dieses ist natürlich die weitaus einfachste und
billigste „Stellungnahme". Die anderen hüllen sich in den Heiligenmantel einer
ebenso lächerlichen wie noch dazu verlogenen Prüderie, reden von dem ganzen
Gebiete überhaupt nur als von einer großen Sünde und äußern vor allem vor
jedem ertappten Sünder ihre tiefinnerlichste Entrüstung, um dann vor dieser
gottlosen Seuche die Augen in frommer Abscheu zu schließen und den lieben Gott
zu bitten, er möchte doch – wenn möglich nach ihrem eigenen Tode – in dieses
ganze Sodom und Gomorrha Schwefel und Pech hineinregnen lassen, um so wieder
einmal an dieser schamlosen Menschheit ein erbauliches Exempel zu statuieren.
Die dritten endlich sehen sehr wohl die entsetzlichen Folgen, die diese Seuche
dereinst mit sich bringen muß und wird, allein sie zucken nur mit den Achseln,
überzeugt, ohnehin nichts gegen die Gefahr unternehmen zu können, so daß man
die Dinge laufen lassen müsse, wie sie eben laufen.
Dieses alles ist freilich bequem und einfach, nur darf nicht vergessen werden,
daß einer solchen Bequemlichkeit eine Nation zum Opfer fallen wird. Die
Ausrede, daß es den anderen Völkern ja auch nicht besser gehe, vermag
natürlich auch an der Tatsache des eigenen Untergangs kaum etwas zu ändern, es
wäre denn, daß das Gefühl, auch andere vom Unglück betroffen zu sehen, allein
schon für viele eine Milderung der eigenen Schmerzen mit sich brächte. Aber
die Frage ist dann ja eben erst recht die, welches Volk von sich aus als
erstes und selbst einziges dieser Pest Herr zu werden vermag, und welche
Nationen daran zugrunde gehen. Darauf aber kommt es am Schlusse hinaus. Auch
dies ist nur ein Prüfstein des Rassenwertes – die Rasse, welche die Probe
nicht besteht, wird eben sterben und gesünderen oder doch zäheren und
widerstandsfähigeren den Platz räumen. Denn da diese Frage in erster Linie den
Nachwuchs betrifft, gehört sie zu denen, von welchen es mit so furchtbarem
Recht heißt, daß die Sünden der Väter sich rächen bis in das zehnte Glied –
eine Wahrheit, die nur von Freveln am Blute und an der Rasse gilt.
Die Sünde wider Blut und Rasse ist die Erbsünde dieser Welt und das Ende einer
sich ihr ergebenden Menschheit.
Wie wahrhaft jammervoll aber stand das Vorkriegsdeutschland gerade dieser
einen Frage gegenüber. Was geschah, um der Verpestung unserer Jugend in den
Großstädten Einhalt zu gebieten? Was, um der Verseuchung und Mammonisierung
unseres Liebeslebens auf den Leib zu rücken? Was, um die daraus resultierende
Versyphilitisierung des Volkskörpers zu bekämpfen?
Die Antwort ergibt sich am leichtesten durch die Feststellung dessen, was
hätte geschehen müssen.
Man durfte diese Frage zunächst nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern
mußte verstehen, daß von ihrer Lösung das Glück oder Unglück von Generationen
abhängen würde, ja, daß sie bestimmend für die ganze Zukunft unseres Volkes
sein konnte, wenn nicht sein mußte. Eine solche Erkenntnis aber verpflichtete
zu rücksichtslosen Maßnahmen und Eingriffen. An die Spitze aller Erwägungen
hatte die Überzeugung zu treten, daß zu allererst die Aufmerksamkeit der
gesamten Nation auf die entsetzliche Gefahr zu konzentrieren war, so daß jeder
einzelne sich der Bedeutung dieses Kampfes innerlich bewußt zu werden
vermochte. Man kann wahrhaft einschneidende und manchmal schwer zu ertragende
Verpflichtungen und Lasten nur dann zu einer allgemeinen Wirksamkeit bringen,
wenn dem einzelnen außer dem Zwang auch noch die Erkenntnis der Notwendigkeit
vermittelt wird. Dazu gehört aber eine ungeheure Aufklärung unter Ausschaltung
aller sonst noch ablenkend wirkenden Tagesfragen.
Es muß in allen Fällen, in denen es sich um die Erfüllung scheinbar
unmöglicher Forderungen oder Aufgaben handelt, die gesamte Aufmerksamkeit
eines Volkes nur auf diese eine Frage geschlossen vereinigt werden, so, als ob
von ihrer Lösung tatsächlich Sein oder Nichtsein abhänge. Nur so wird man ein
Volk zu wahrhaft großen Leistungen und Anstrengungen willig und fähig machen.
Dieser Grundsatz gilt auch für den einzelnen Menschen, sofern er große Ziele
erreichen will. Auch er wird dies nur in stufenförmigen Abschnitten zu tun
vermögen, auch er wird dann immer seine gesamten Anstrengungen auf die
Erreichung einer bestimmt begrenzten Aufgabe zu vereinigen haben, so lange,
bis diese Erfüllung erscheint und die Absteckung eines neuen Abschnittes
vorgenommen werden kann. Wer nicht diese Teilung des zu erobernden Weges in
einzelne Etappen vornimmt und diese dann planmäßig unter schärfster
Zusammenfassung aller Kräfte einzeln zu überwinden trachtet, wird niemals bis
zum Schlußziel zu gelangen vermögen, sondern irgendwo auf dem Wege, vielleicht
sogar abseits desselben, liegen bleiben. Dieses Heranarbeiten an das Ziel ist
eine Kunst und erfordert jeweils den Einsatz aber auch der letzten Energie, um
so Schritt für Schritt den Weg zu überwinden.
Die allererste Vorbedingung also, die zum Angriff auf eine so schwere
Teilstrecke des menschlichen Weges not tut, ist die, daß es der Führung
gelingt, der Masse des Volkes gerade das jetzt zu erreichende, besser zu
erkämpfende Teilziel als das einzig und allein der menschlichen Aufmerksamkeit
würdige, von dessen Eroberung alles abhänge, hinzustellen. Die große Menge des
Volkes kann ohnehin nie den ganzen Weg vor sich sehen, ohne zu ermüden und an
der Aufgabe zu verzweifeln. Sie wird in einem gewissen Umfang das Ziel im Auge
behalten, den Weg aber nur in kleinen Teilstrecken zu übersehen vermögen,
ähnlich dem Wanderer, der ebenfalls wohl das Ende seiner Reise weiß und kennt,
der aber die endlose Straße besser überwindet, wenn er sich dieselbe in
Abschnitte zerlegt und auf jeden einzelnen losmarschiert, als ob er schon das
ersehnte Ziel selber wäre. Nur so kommt er, ohne zu verzagen, dennoch
vorwärts.
So hätte man unter Anwendung aller propagandistischen Hilfsmittel die Frage
der Bekämpfung der Syphilis als die Aufgabe der Nation erscheinen lassen
müssen, nicht als auch eine Aufgabe. Man hätte zu diesem Zwecke ihre Schäden
als das entsetzlichste Unglück in vollem Umfange, und zwar unter Anwendung
aller Hilfsmittel, den Menschen einhämmern müssen, bis die ganze Nation zur
Überzeugung gekommen wäre, daß von der Lösung dieser Frage eben alles abhänge,
Zukunft oder Untergang.
Erst nach einer solchen, wenn nötig, jahrelangen Vorbereitung wird die
Aufmerksamkeit und damit aber auch Entschlossenheit eines ganzen Volkes so
sehr geweckt sein, daß man nun auch zu sehr schweren und opfervollen Maßnahmen
wird greifen können, ohne Gefahr laufen zu müssen, vielleicht nicht verstanden
oder plötzlich vom Wollen der Masse im Stiche gelassen zu werden.
Denn um dieser Pest ernstlich an den Leib zu rücken, sind ungeheure Opfer und
ebenso große Arbeiten nötig.
Der Kampf gegen die Syphilis erfordert einen Kampf gegen die Prostitution,
gegen Vorurteile, alte Gewohnheiten, gegen bisherige Vorstellungen, allgemeine
Ansichten, darunter nicht zum letzten gegen die verlogene Prüderie in gewissen
Kreisen.
Die erste Voraussetzung zu einem, aber auch nur moralischen Rechte, gegen
diese Dinge anzukämpfen, ist die Ermöglichung einer frühen Verehelichung der
kommenden Generationen. Im späten Heiraten liegt allein schon der Zwang zur
Beibehaltung einer Einrichtung, die, da kann man sich winden wie man will,
eine Schande der Menschheit ist und bleibt, eine Einrichtung, die verflucht
schlecht einem Wesen ansteht, das sich in sonstiger Bescheidenheit gern als
das „Ebenbild" Gottes ansieht.
Die Prostitution ist eine Schmach der Menschheit, allein man kann sie nicht
beseitigen durch moralische Vorlesungen, frommes Wollen usw., sondern ihre
Einschränkung und ihr endlicher Abbau setzen eine Unzahl von Vorbedingungen
voraus. Die erste aber ist und bleibt die Schaffung der Möglichkeit einer der
menschlichen Natur entsprechenden frühzeitigen Heirat vor allem des Mannes,
denn die Frau ist ja hier ohnehin nur der passive Teil.
Wie verirrt, ja unverständlich aber die Menschen heute zum Teil schon geworden
sind, mag daraus hervorgehen, daß man nicht selten Mütter der sogenannten
„besseren" Gesellschaft reden hört, sie wären dankbar, für ihr Kind einen Mann
zu finden, der sich die „Hörner bereits abgestoßen habe" usw. Da daran
meistens weniger Mangel ist als umgekehrt, so wird das arme Mädel schon
glücklich einen solchen enthörnten Siegfried finden, und die Kinder werden das
sichtbare Ergebnis dieser vernünftigen Ehe sein. Wenn man bedenkt, daß
außerdem noch eine möglichst große Einschränkung der Zeugung an sich erfolgt,
so daß der Natur jede Auslese unterbunden wird, da natürlich jedes auch noch
so elende Wesen erhalten werden muß, so bleibt wirklich nur die Frage, warum
eine solche Institution überhaupt noch besteht und welchen Zweck sie haben
soll? Ist es dann nicht genau dasselbe wie die Prostitution an sich? Spielt
die Pflicht der Nachwelt gegenüber überhaupt keine Rolle mehr? Oder weiß man
nicht, welchen Fluch man sich bei Kind und Kindeskind aufladet durch eine der
artige verbrecherisch leichtsinnige Weise in der Wahrung des letzten
Naturrechtes, aber auch der letzten Naturverpflichtung?
So entarten die Kulturvölker und gehen allmählich unter.
Auch die Ehe kann nicht Selbstzweck sein, sondern muß dem einen größeren
Ziele, der Vermehrung und Erhaltung der Art und Rasse, dienen. Nur das ist ihr
Sinn und ihre Aufgabe.
Unter diesen Voraussetzungen aber kann ihre Richtigkeit nur an der Art
gemessen werden, in der sie diese Aufgabe erfüllt. Daher schon ist die frühe
Heirat richtig, gibt sie doch der jungen Ehe noch jene Kraft, aus der allein
ein gesunder und widerstandsfähiger Nachwuchs zu kommen vermag. Freilich ist
zu ihrer Ermöglichung eine ganze Reihe von sozialen Voraussetzungen nötig,
ohne die an eine frühe Verehelichung gar nicht zu denken ist. Mithin kann eine
Lösung dieser nur so kleinen Frage schon nicht stattfinden ohne einschneidende
Maßnahmen in sozialer Hinsicht. Welche Bedeutung diesen zukommt, sollte man am
meisten in einer Zeit begreifen, da die sogenannte „soziale" Republik durch
ihre Unfähigkeit in der Lösung der Wohnungsfrage allein zahlreiche Ehen
einfach verhindert und der Prostitution auf solche Weise Vorschub leistet.
Der Unsinn unserer Art der Gehaltseinteilung, die viel zu wenig Rücksicht
nimmt auf die Frage der Familie und ihre Ernährung, ist ebenfalls ein Grund,
der so manche frühe Ehe unmöglich macht.
Es kann also an eine wirkliche Bekämpfung der Prostitution nur herangegangen
werden, wenn durch eine grundsätzliche Änderung der sozialen Verhältnisse eine
frühere Verheiratung, als sie jetzt im allgemeinen stattfinden kann,
ermöglicht wird. Dies ist die allerbeste Voraussetzung zu einer Lösung dieser
Frage.
In zweiter Linie aber hat Erziehung und Ausbildung eine ganze Reihe von
Schäden auszumerzen, um die man sich heute überhaupt fast nicht kümmert. Vor
allem muß in der bisherigen Erziehung ein Ausgleich zwischen geistigem
Unterricht und körperlicher Ertüchtigung eintreten. Was heute Gymnasium heißt,
ist ein Hohn auf das griechische Vorbild. Man hat bei unserer Erziehung
vollkommen vergessen, daß auf die Dauer ein gesunder Geist auch nur in einem
gesunden Körper zu wohnen vermag. Besonders wenn man, von einzelnen Ausnahmen
abgesehen, die große Masse eines Volkes ins Auge faßt, erhält dieser Satz
unbedingte Gültigkeit.
Es gab im Vorkriegsdeutschland eine Zeit, in der man sich überhaupt um diese
Wahrheit nicht mehr kümmerte. Man sündigte einfach auf den Körper los und
vermeinte, in der einseitigen Ausbildung des „Geistes" eine sichere Gewähr für
die Größe der Nation zu besitzen. Ein Irrtum, der sich schneller zu rächen
begann, als man dachte. Es ist kein Zufall, daß die bolschewistische Welle
nirgends besser Boden fand als dort, wo eine durch Hunger und dauernde
Unterernährung degenerierte Bevölkerung haust: in Mitteldeutschland, Sachsen
und im Ruhrgebiet. In allen diesen Gebieten findet aber auch von der
sogenannten Intelligenz ein ernstlicher Widerstand gegen diese Judenkrankheit
kaum mehr statt, aus dem einfachen Grunde, weil ja auch die Intelligenz selber
körperlich vollständig verkommen ist, wenn auch weniger durch Gründe der Not
als durch Gründe der Erziehung. Die ausschließlich geistige Einstellung
unserer Bildung in den oberen Schichten macht diese unfähig in Zeiten, in
denen nicht der Geist, sondern die Faust entscheidet, sich auch nur zu halten,
geschweige denn durchzusetzen. In körperlichen Gebrechen liegt nicht selten
der erste Grund zur persönlichen Feigheit.
Die übermäßige Betonung des rein geistigen Unterrichtes und die
Vernachlässigung der körperlichen Ausbildung fördern aber auch in viel zu
früher Jugend die Entstehung sexueller Vorstellungen. Der Junge, der in Sport
und Turnen zu einer eisernen Abhärtung gebracht wird, unterliegt dem Bedürfnis
sinnlicher Befriedigungen weniger als der ausschließlich mit geistiger Kost
gefütterte Stubenhocker. Eine vernünftige Erziehung aber hat dies zu
berücksichtigen. Sie darf ferner nicht aus dem Auge verlieren, daß die
Erwartungen des gesunden jungen Mannes von der Frau andere sein werden als die
eines vorzeitig verdorbenen Schwächlings.
So muß die ganze Erziehung darauf eingestellt werden, die freie Zeit des
Jungen zu einer nützlichen Ertüchtigung seines Körpers zu verwenden. Er hat
kein Recht, in diesen Jahren müßig herumzulungern, Straßen und Kinos unsicher
zu machen, sondern soll nach seinem sonstigen Tageswerk den jungen Leib
stählen und hart machen, auf daß ihn dereinst auch das Leben nicht zu weich
finden möge. Dies anzubahnen und auch durchzuführen, zu lenken und zu leiten
ist die Aufgabe der Jugenderziehung, und nicht das ausschließliche Einpumpen
sogenannter Weisheit. Sie hat auch mit der Vorstellung aufzuräumen, als ob die
Behandlung seines Körpers jedes einzelnen Sache selber wäre. Es gibt keine
Freiheit, auf Kosten der Nachwelt und da mit der Rasse zu sündigen.
Gleichlaufend mit der Erziehung des Körpers hat der Kampf gegen die Vergiftung
der Seele einzusetzen. Unser gesamtes öffentliches Leben gleicht heute einem
Treibhaus sexueller Vorstellungen und Reize. Man betrachte doch den
Speisezettel unserer Kinos, Varietés und Theater, und man kann wohl kaum
leugnen, daß dies nicht die richtige Kost, vor allem für die Jugend, ist. In
Auslagen und an Anschlagsäulen wird mit den niedrigsten Mitteln gearbeitet, um
die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zu ziehen. Daß dies für die Jugend zu
außerordentlich schweren Schädigungen führen muß, ist wohl jedem, der nicht
die Fähigkeit, sich in ihre Seele hineinzudenken, verloren hat, verständlich.
Diese sinnlich schwüle Atmosphäre führt zu Vorstellungen und Erregungen in
einer Zeit, da der Knabe für solche Dinge noch gar kein Verständnis haben
dürfte. Das Ergebnis dieser Art von Erziehung kann man an der heutigen Jugend
in nicht gerade erfreulicher Weise studieren. Sie ist frühreif und damit auch
vorzeitig alt geworden. Aus den Gerichtssälen dringen manches Mal Vorgänge an
die Öffentlichkeit, die grauenhafte Einblicke in das Seelenleben unserer 14
und 15jährigen gestatten. Wer will sich da wundern, daß schon in diesen
Alterskreisen die Syphilis ihre Opfer zu suchen beginnt? Und ist es nicht ein
Jammer, zu sehen, wie so mancher körperlich schwächliche, geistig aber
verdorbene junge Mensch seine Einführung in die Ehe durch eine großstädtische
Hure vermittelt erhält?
Nein, wer der Prostitution zu Leibe gehen will, muß in erster Linie die
geistige Voraussetzung zu derselben beseitigen helfen. Er muß mit dem Unrat
unserer sittlichen Verpestung der großstädtischen „Kultur" aufräumen, und zwar
rücksichtslos und ohne Schwanken vor allem Geschrei und Gezeter, das natürlich
losgelassen werden wird. Wenn wir die Jugend nicht aus dem Morast ihrer
heutigen Umgebung herausheben, wird sie in demselben untersinken. Wer diese
Dinge nicht sehen will, unterstützt sie und macht sich dadurch zum
Mitschuldigen an der langsamen Prostituierung unserer Zukunft, die nun einmal
in der werdenden Generation liegt. Dieses Reinemachen unserer Kultur hat sich
auf fast alle Gebiete zu erstrecken. Theater, Kunst, Literatur, Kino, Presse,
Plakat und Auslagen sind von den Erscheinungen einer verfaulenden Welt zu
säubern und in den Dienst einer sittlichen Staats und Kulturidee zu stellen.
Das öffentliche Leben muß von dem erstickenden Parfüm unserer modernen Erotik
befreit werden, genau so wie von jeder unmännlichen prüden Unaufrichtigkeit.
In allen diesen Dingen muß das Ziel und der Weg bestimmt werden von der Sorge
für die Erhaltung der Gesundheit unseres Volkes an Leib und Seele. Das Recht
der persönlichen Freiheit tritt zurück gegenüber der Pflicht der Erhaltung der
Rasse.
Erst nach der Durchführung dieser Maßnahmen kann der medizinische Kampf gegen
die Seuche selber mit einiger Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden. Allein
auch dabei kann es sich nicht um halbe Maßregeln handeln, sondern auch hier
wird man zu den schwersten und einschneidendsten Entschlüssen kommen müssen.
Es ist eine Halbheit, unheilbar kranken Menschen die dauernde Möglichkeit
einer Verseuchung der übrigen gesunden zu gewähren. Es entspricht dies einer
Humanität, die, um dem einen nicht wehe zu tun, hundert andere zugrunde gehen
läßt. Die Forderung, daß defekten Menschen die Zeugung anderer ebenso defekter
Nachkommen unmöglich gemacht wird, ist eine Forderung klarster Vernunft und
bedeutet in ihrer planmäßigen Durchführung die humanste Tat der Menschheit.
Sie wird Millionen von Unglücklichen unverdiente Leiden ersparen,
in der Folge aber zu einer steigenden Gesundung überhaupt führen. Die
Entschlossenheit, in dieser Richtung vorzugehen, wird auch der
Weiterverbreitung der Geschlechtskrankheiten einen Damm entgegensetzen. Denn
hier wird man, wenn nötig, zur unbarmherzigen Absonderung unheilbar Erkrankter
schreiten müssen – eine barbarische Maßnahme für den unglücklich davon
Betroffenen, aber ein Segen für die Mit und Nachwelt. Der vorübergehende
Schmerz eines Jahrhunderts kann und wird Jahrtausende vom Leid erlösen.
Der Kampf gegen die Syphilis und ihre Schrittmacherin, die Prostitution, ist
eine der ungeheuersten Aufgaben der Menschheit, ungeheuer deshalb, weil es
sich dabei nicht um die Lösung einer einzelnen Frage an sich handelt, sondern
um die Beseitigung einer ganzen Reihe von Schäden, die eben als
Folgeerscheinung zu dieser Seuche Veranlassung geben. Denn die Erkrankung des
Leibes ist hier nur das Ergebnis einer Erkrankung der sittlichen, sozialen und
rassischen Instinkte.
Wird dieser Kampf aber aus Bequemlichkeit oder auch Feigheit nicht
ausgefochten, dann möge man sich in fünfhundert Jahren die Völker ansehen.
Ebenbilder Gottes dürfte man nur mehr sehr wenige finden, ohne des
Allerhöchsten freveln zu wollen.
Wie aber hatte man im alten Deutschland versucht, sich mit dieser Seuche
auseinanderzusetzen? Bei ruhiger Prüfung ergibt sich darauf eine wirklich
betrübliche Antwort. Sicher erkannte man in den Kreisen der Regierungen die
entsetzlichen Schäden dieser Krankheit sehr wohl, wenn man sich auch
vielleicht die Folgen nicht ganz zu überlegen vermochte; allein im Kampfe
dagegen versagte man vollständig und griff statt zu durchgreifenden Reformen
lieber zu jämmerlichen Maßnahmen. Man dokterte an der Krankheit herum und ließ
die Ursachen Ursachen sein. Man unterzog die einzelne Prostituierte einer
ärztlichen Untersuchung, beaufsichtigte sie, so gut es eben gehen mochte, und
steckte sie im Falle einer festgestellten Krankheit in irgendein Lazarett, aus
dem sie nach äußerlich erfolgter Heilung wieder auf die andere Menschheit
losgelassen wurde.
Man hatte freilich einen „Schutzparagraphen" eingeführt, nach dem der nicht
ganz Gesunde oder Geheilte bei Strafe den sexuellen Verkehr zu meiden habe.
Sicher ist diese Maßnahme an sich richtig, allein in der praktischen
Durchführung versagte sie so gut wie vollständig. Erstens wird es die Frau im
Falle eines sie dadurch treffenden Unglückes – schon infolge unserer oder
besser ihrer Erziehung – in den meisten Fällen wohl ablehnen, sich als Zeugin
gegen den elenden Dieb ihrer Gesundheit – unter doch oft peinlichen
Begleitumständen – auch noch in den Gerichtssaal hineinzerren zu lassen.
Gerade ihr nützt dies sehr wenig, sie wird ohnehin in den meisten Fällen die
darunter am meisten Leidende sein – trifft sie doch die Verachtung ihrer
lieblosen Umgebung noch viel schwerer, als dies beim Manne der Fall wäre.
Endlich stelle man sich ihre Lage vor, wenn der Überbringer der Krankheit der
eigene Gatte ist! Soll sie nun klagen? Oder was soll sie dann tun?
Bei dem Manne aber kommt die Tatsache hinzu, daß er leider nur zu häufig
gerade nach reichlichem Alkoholgenuß dieser Pest in den Weg läuft, da er in
diesem Zustande am wenigsten in der Lage ist, die Qualitäten seiner „Schönen"
zu beurteilen, was der ohnehin kranken Prostituierten auch nur zu genau
bekannt ist und sie deshalb immer veranlaßt, gerade nach Männern in diesem
idealen Zustande zu angeln. Das Ende aber ist, daß der später unangenehm
Überraschte auch bei eifrigstem Nachdenken sich seiner barmherzigen
Beglückerin nicht mehr zu erinnern vermag, was einen in einer Stadt wie Berlin
oder selbst München nicht wundernehmen darf. Dazu kommt noch, daß es sich oft
um Besucher aus der Provinz handelt, die dem ganzen Großstadtzauber ohnehin
vollkommen ratlos gegenüberstehen.
Endlich aber: Wer kann denn wissen, ob er nun krank oder gesund ist? Kommen
nicht zahlreiche Fälle vor, in denen ein scheinbar Geheilter wieder rückfällig
wird und nun entsetzliches Unheil anrichtet, ohne es zunächst auch nur selber
zu ahnen?
So ist also die praktische Wirkung dieses Schutzes durch die gesetzliche
Bestrafung einer schuldigen Ansteckung in
Wirklichkeit gleich Null. Ganz das gleiche gilt von der Beaufsichtigung der
Prostituierten, und endlich ist auch die Heilung selber sogar heute noch
unsicher und zweifelhaft. Sicher ist nur eines: die Seuche griff trotz aller
Maß nahmen immer weiter um sich. Dadurch aber wird auf das schlagendste die
Wirkungslosigkeit derselben bestärkt.
Denn alles, was sonst noch geschah, war ebenso ungenügend wie lächerlich. Die
seelische Prostituierung des Volkes wurde nicht verhindert; man tat auch
überhaupt nichts zur Verhinderung.
Wer aber geneigt ist, dies alles auf die leichte Schulter zu nehmen, der
studiere nur einmal die statistischen Grundlagen über die Verbreitung dieser
Pest, vergleiche ihr Wachstum seit den letzten hundert Jahren, denke sich dann
in diese Weiterentwicklung hinein – und er müßte schon die Einfalt eines Esels
besitzen, wenn ihm nicht ein unangenehmes Frösteln über den Rücken liefe!
Die Schwäche und Halbheit, mit der man schon im alten Deutschland zu einer so
furchtbaren Erscheinung Stellung nahm, darf als sichtbares Verfallszeichen
eines Volkes gewertet werden. Wenn die Kraft zum Kampfe um die eigene
Gesundheit nicht mehr vorhanden ist, endet das Recht zum Leben in dieser Welt
des Kampfes. Sie gehört nur dem kraftvollen „Ganzen" und nicht dem schwachen
„Halben".
Eine der ersichtlichsten Verfallserscheinungen des alten Reiches war das
langsame Herabsinken der allgemeinen Kulturhöhe, wobei ich unter Kultur nicht
das meine, was man heute mit dem Worte Zivilisation bezeichnet. Diese scheint
im Gegenteil eher eine Feindin wahrer Geistes und Lebenshöhe zu sein.
Schon vor der Jahrhundertwende begann sich in unsere Kunst ein Element
einzuschieben, das bis dorthin als vollkommen fremd und unbekannt gelten
durfte. Wohl fanden auch in früheren Zeiten manchmal Verirrungen des
Geschmackes statt, allein es handelte sich in solchen Fällen doch mehr um
künstlerische Entgleisungen, denen die Nachwelt wenigstens einen gewissen
historischen Wert zuzubilligen vermochte, als um Erzeugnisse einer überhaupt
nicht mehr künstlerischen, sondern vielmehr geistigen Entartung bis zur
Geistlosigkeit. In ihnen begann sich der später freilich besser sichtbar
werdende politische Zusammenbruch schon kulturell anzuzeigen.
Der Bolschewismus der Kunst ist die einzig mögliche kulturelle Lebensform und
geistige Äußerung des Bolschewismus überhaupt.
Wem dieses befremdlich vorkommt, der braucht nur die Kunst der glücklich
bolschewisierten Staaten einer Betrachtung zu unterziehen, und er wird mit
Schrecken die krankhaften Auswüchse irrsinniger und verkommener Menschen, die
wir unter den Sammelbegriffen des Kubismus und Dadaismus seit der
Jahrhundertwende kennenlernten, dort als die offiziell staatlich anerkannte
Kunst bewundern können. Selbst in der kurzen Periode der bayerischen
Räterepublik war diese Erscheinung schon zutage getreten. Schon hier konnte
man sehen, wie die gesamten offiziellen Plakate, Propagandazeichnungen in den
Zeitungen usw. den Stempel nicht nur des politischen Verfalls, sondern auch
den des kulturellen an sich trugen.
So wenig etwa noch vor sechzig Jahren ein politischer Zusammenbruch von der
jetzt erreichten Größe denkbar gewesen wäre, so wenig auch ein kultureller,
wie er sich in futuristischen und kubistischen Darstellungen seit 1900 zu
zeigen begann. Vor sechzig Jahren wäre eine Ausstellung von sogenannten
dadaistischen „Erlebnissen" als einfach unmöglich erschienen, und die
Veranstalter würden in das Narrenhaus gekommen sein, während sie heute sogar
in Kunstverbänden präsidieren. Diese Seuche konnte damals nicht auftauchen,
weil weder die öffentliche Meinung dies geduldet, noch der Staat ruhig
zugesehen hätte. Denn es ist Sache der Staatsleitung, zu verhindern, daß ein
Volk dem geistigen Wahnsinn in die Arme getrieben wird. Bei die sem aber müßte
eine derartige Entwicklung doch eines Tages enden. An dem Tage nämlich, an dem
diese Art von Kunst wirklich der allgemeinen Auffassung entspräche, wäre eine
der schwerwiegendsten Wandlungen der Menschheit
eingetreten; die Rückentwicklung des menschlichen Gehirns hätte damit
begonnen, das Ende aber vermöchte man sich kaum auszudenken.
Sobald man erst von diesem Gesichtspunkte aus die Entwicklung unseres
Kulturlebens seit den letzten fünfundzwanzig Jahren vor dem Auge vorbeiziehen
läßt, wird man mit Schrecken sehen, wie sehr wir bereits in dieser Rückbildung
begriffen sind. Überall stoßen wir auf Keime, die den Beginn von Wucherungen
verursachen, an denen unsere Kultur früher oder später zugrunde gehen muß.
Auch in ihnen können wir die Verfallserscheinungen einer langsam abfaulenden
Welt erkennen. Wehe den Völkern, die dieser Krankheit nicht mehr Herr zu
werden vermögen!
Solche Erkrankungen konnte man in Deutschland fast auf allen Gebieten der
Kunst und Kultur überhaupt fest stellen. Alles schien hier den Höhepunkt schon
überschritten zu haben und dem Abgrunde zuzueilen. Das Theater sank zusehends
tiefer und wäre wohl schon damals restlos als Kulturfaktor ausgeschieden,
hätten nicht wenigstens die Hoftheater sich noch gegen die Prostituierung der
Kunst gewendet. Sieht man von ihnen und einigen weiteren rühmenswerten
Ausnahmen ab, so waren die Darbietungen der Schaubühne derart, daß es für die
Nation zweckmäßiger gewesen wäre, ihren Besuch ganz zu meiden. Es war ein
trauriges Zeichen des inneren Verfalls, daß man die Jugend in die meisten
dieser sogenannten „Kunststätten" gar nicht mehr schicken durfte, was auch
ganz schamlos offen zugegeben wurde mit der allgemeinen PanoptikumWarnung:
„Jugendliche haben keinen Zutritt!"
Man bedenke, daß man solche Vorsichtsmaßnahmen an den Stätten üben mußte, die
in erster Linie für die Bildung der Jugend da sein müßten und nicht zur
Ergötzung alter, blasierter Lebensschichten dienen dürften. Was würden wohl
die großen Dramatiker aller Zeiten zu einer derartigen Maßregel gesagt haben,
und was vor allem zu den Umständen, die dazu die Veranlassung gaben? Wie wäre
Schiller aufgeflammt, wie würde sich Goethe empört abgewendet haben!
Aber freilich, was sind denn Schiller, Goethe oder Shakespeare gegenüber den
Heroen der neueren deutschen Dichtkunst! Alte, abgetragene und überlebte,
nein, überwundene Erscheinungen. Denn das war das Charakteristische dieser
Zeit: nicht daß sie selber nur mehr Schmutz produzierte, besudelte sie
obendrein alles wirklich Große der Vergangenheit. Das ist allerdings eine
Erscheinung, die man immer zu solchen Zeiten beobachten kann. Je
niederträchtiger und elender die Erzeugnisse einer Zeit und ihrer Menschen
sind, um so mehr haßt man die Zeugen einer einstigen größeren Höhe und Würde.
Am liebsten möchte man in solchen Zeiten die Erinnerung an die Vergangenheit
der Menschheit überhaupt tilgen, um durch die Ausschaltung jeder
Vergleichsmöglichkeit den eigenen Kitsch immerhin noch als „Kunst"
vorzutäuschen. Daher wird jede neue Institution, je elender und miserabler sie
ist, um so mehr die letzten Spuren der vergangenen Zeit zu löschen trachten,
während jede wirklich wertvolle Erneuerung der Menschheit auch unbekümmert an
die guten Errungenschaften vergangener Generationen anknüpfen kann, ja diese
oft erst zur Geltung zu bringen versucht. Sie braucht nicht zu befürchten,
etwa vor der Vergangenheit zu verblassen, sondern sie gibt von sich aus dem
allgemeinen Schatz der menschlichen Kultur einen so wertvollen Beitrag, daß
sie oft gerade zu dessen voller Würdigung die Erinnerung an die früheren
Leistungen selber wachhalten möchte, um so der neuen Gabe erst recht das volle
Verständnis der Gegenwart zu sichern. Nur wer der Welt von sich aus gar nichts
Wertvolles zu schenken vermag, aber zu tun versucht, als ob er ihr weiß Gott
was geben wollte, wird alles wirklich schon Gegebene hassen und am liebsten
verneinen oder gar vernichten.
Dies gilt keineswegs bloß für Neuerscheinungen auf dem Gebiete der allgemeinen
Kultur, sondern auch für solche der Politik. Revolutionäre neue Bewegungen
werden die alten Formen um so mehr hassen, je minderwertiger sie selber sind.
Auch hier kann man sehen, wie die Sorge, den eigenen Kitsch als etwas
Beachtenswertes erscheinen zu lassen, zum blinden Haß gegen das überlegene
Gute der Vergangenheit führt. Solange zum Beispiel die geschichtliche
Erinnerung an Friedrich den Großen nicht erstorben ist, vermag Friedrich Ebert
nur bedingtes Erstaunen hervorzurufen. Der Held von Sanssouci verhält sich zum
ehemaligen Bremenser Kneipenwirt ungefähr wie die Sonne zum Mond; erst wenn
die Strahlen der Sonne verlöschen, vermag der Mond zu glänzen. Es ist deshalb
auch der Haß aller Neumonde der Menschheit gegen die Fixsterne nur zu
begreiflich. Im politischen Leben pflegen solche Nullen, wenn ihnen das
Schicksal die Herrschaft vorübergehend in den Schoß wirft, nicht nur mit
unermüdlichem Eifer die Vergangenheit zu besudeln und zu beschmutzen, sondern
sich selbst auch mit äußeren Mitteln der allgemeinen Kritik zu entziehen. Als
Beispiel hierfür kann die RepublikSchutzgesetzgebung des neuen Deutschen
Reiches gelten.
Wenn daher irgendeine neue Idee, eine Lehre, eine neue Weltanschauung oder
auch politische sowie wirtschaftliche Bewegung die gesamte Vergangenheit zu
leugnen versucht, sie schlecht und wertlos machen will, so muß man schon aus
diesem Anlaß äußerst vorsichtig und mißtrauisch sein. Meistens ist der Grund
zu solchem Haß entweder nur die eigene Minderwertigkeit oder gar eine
schlechte Absicht an sich. Eine wirklich segensreiche Erneuerung der
Menschheit wird immer und ewig dort weiter zu bauen haben, wo das letzte gute
Fundament aufhört. Sie wird sich der Verwendung bereits bestehender Wahrheiten
nicht zu schämen brauchen. Ist doch die gesamte menschliche Kultur sowie auch
der Mensch selber nur das Ergebnis einer einzigen langen Entwicklung, in der
jede Generation ihren Baustein zutrug und einfügte. Der Sinn und Zweck von
Revolutionen ist dann nicht der, das ganze Gebäude einzureißen, sondern
schlecht Gefügtes oder Unpassendes zu entfernen und an der dann wieder
freigelegten gesunden Stelle weiter und anzubauen.
So allein wird man von einem Fortschritt der Menschheit sprechen können und
dürfen. Im anderen Falle würde die Welt vom Chaos nie erlöst, da ja das Recht
zur Ablehnung der Vergangenheit jeder Generation zukäme und mithin jede als
Voraussetzung der eigenen Arbeit die Werke der Vergangenheit zerstören dürfte.
So war das Traurigste am Zustand unserer Gesamtkultur der Vorkriegszeit nicht
nur die vollkommene Impotenz der künstlerischen und allgemeine kulturellen
Schöpferkraft, sondern der Haß, mit dem die Erinnerung der größeren
Vergangenheit besudelt und ausgelöscht wurde. Fast auf allen Gebieten der
Kunst, besonders in Theater und Literatur, begann man um die Jahrhundertwende
weniger bedeutendes Neues zu produzieren, als vielmehr das beste Alte
herunterzusetzen und als minderwertig und überwunden hinzustellen; als ob
diese Zeit der beschämendsten Minderwertigkeit überhaupt etwas zu überwinden
vermöchte. Aus diesem Streben aber, die Vergangenheit dem Auge der Gegenwart
zu entziehen, ging die böse Absicht dieser Apostel der Zukunft klar und
deutlich hervor. Daran hätte man erkennen sollen, daß es sich hier nicht um
neue, wenn auch falsche kulturelle Auffassungen handelte, sondern um einen
Prozeß der Zerstörung der Grundlagen der Kultur überhaupt, um eine dadurch
möglich werdende Vernarrung des gesunden Kunstempfindens – und um die geistige
Vorbereitung des politischen Bolschewismus. Denn wenn das Perikleische
Zeitalter durch den Parthenon verkörpert erscheint, dann die bolschewistische
Gegenwart durch eine kubistische Fratze.
In diesem Zusammenhange muß auch auf die hierbei wieder sichtbare Feigheit bei
dem Teil unseres Volkes hingewiesen werden, der auf Grund seiner Bildung und
seiner Stellung verpflichtet gewesen wäre, gegen diese Kulturschande Front zu
machen. Aus lauter Furcht vor dem Geschrei der bolschewistischen Kunstapostel,
die jeden, der nicht in ihnen die Krone der Schöpfung erkennen wollte, auf das
heftigste angriffen und als rückständigen Spießer festnagelten, verzichtete
man auf allen ernstlichen Wider stand und fügte sich in das, wie es eben
schien, ja doch Unvermeidliche. Man bekam förmlich Angst, von diesen
Halbnarren oder Gaunern der Verständnislosigkeit geziehen zu werden; als ob es
eine Schande wäre, die Produkte geistiger Degeneraten oder gerissener Betrüger
nicht zu verstehen. Diese Kulturjünger besaßen freilich ein sehr einfaches
Mittel, ihren Unsinn zu einer weiß Gott wie gewaltigen Sache zu stempeln; sie
stellten jedes unverständliche und ersichtlich verrückte Zeug als sogenanntes
inneres Erleben der staunenden Mitwelt vor, auf so billige Weise den meisten
Menschen das Wort der Entgegnung von vorn herein aus dem Munde nehmend. Denn
daran, daß auch dies ein inneres Erleben sein könnte, war ja gar nicht zu
zweifeln, wohl aber daran, ob es angängig ist, der gesunden Welt die
Halluzinationen von Geisteskranken oder Verbrechern vorzusetzen. Die Werke
eines Moritz von Schwind oder eines Böcklin waren auch inneres Erleben, nur
eben von Künstlern gottbegnadeter Art und nicht von Hanswursten.
Da aber konnte man so recht die jammervolle Feigheit unserer sogenannten
Intelligenz studieren, die sich um jeden ernstlichen Widerstand gegen diese
Vergiftung des gesunden Instinktes unseres Volkes herumdrückte, und es dem
Volke selber überließ, sich mit diesem frechen Unsinn abzufinden. Um nicht als
kunstunverständig zu gelten, nahm man jede Kunstverhöhnung in Kauf, um endlich
in der Beurteilung von gut und schlecht wirklich unsicher zu werden. Alles in
allem genommen aber waren dies Zeichen einer böse werdenden Zeit.
Als bedenkliches Merkmal muß noch folgendes festgestellt werden:
Im neunzehnten Jahrhundert begannen unsere Städte immer mehr den Charakter von
Kulturstätten zu verlieren und zu reinen Menschenansiedlungen herabzusinken.
Die geringe Verbundenheit, die unser heutiges Großstadtproletariat mit seinem
Wohnort besitzt, ist die Folge davon, daß es sich hier wirklich nur um den
zufälligen örtlichen Aufenthaltsraum des einzelnen handelt und um weiter
nichts. Zum Teil hängt dies mit dem durch die sozialen Verhältnisse bedingten
häufigen Wechsel des Wohnortes zusammen, die dem Menschen nicht die Zeit zu
einer engeren Verbindung mit seiner Stadt gibt, zum anderen aber ist die
Ursache hierfür auch in der allgemeinen kulturellen Bedeutungslosigkeit und
Ärmlichkeit unserer heutigen Städte an sich zu suchen.
Noch zur Zeit der Befreiungskriege waren die deutschen Städte nicht nur der
Zahl nach gering, sondern auch der Größe nach bescheiden. Die wenigen
wirklichen Großstädte waren zum größten Teil Residenzen und besaßen als solche
fast immer einen bestimmten kulturellen Wert und meist auch ein bestimmtes
künstlerisches Bild. Die paar Orte von mehr als fünfzigtausend Einwohnern
waren gegen Städte mit gleicher Bevölkerung von heute reich an
wissenschaftlichen und künstlerischen Schätzen. Als München sechzigtausend
Seelen zählte, schickte es sich schon an, eine der ersten deutschen
Kunsststätten zu werden; heute hat fast jeder Fabrikort diese Zahl erreicht,
wenn nicht schon vielfach überschritten, ohne manchmal aber auch nur das
geringste an wirklichen Werten sein eigen nennen zu können. Reine Ansammlungen
von Wohn und Mietskasernen, weiter nichts. Wie bei derartiger
Bedeutungslosigkeit eine besondere Verbundenheit mit einem solchen Ort
entstehen soll, muß ein Rätsel sein. Niemand wird an einer Stadt besonders
hängen, die nichts weiter zu bieten hat als eben jede andere auch, der jede
individuelle Note fehlt, und in der peinlich alles vermieden wurde, was nach
Kunst oder ähnlichem auch nur aussehen könnte.
Aber nicht genug an dem, auch die wirklichen Großstädte werden mit der
steigenden Zunahme der Volkszahl im Verhältnis immer ärmer an wirklichen
Kunstwerken. Sie erscheinen immer abgeschliffener und ergeben ganz das gleiche
Bild, wenn auch in größerem Umfange, wie die kleinen armseligen Fabrikorte.
Was die neuere Zeit zu dem kulturellen Inhalt unserer Großstädte hinzugefügt
hat, ist vollkommen unzulänglich. Alle unsere Städte zehren vom Ruhme und den
Schätzen der Vergangenheit. Man nehme aus dem jetzigen München doch einmal
alles weg, was unter Ludwig I. geschaffen wurde, und man wird mit
Entsetzen sehen, wie armselig der Zuwachs seit dieser Zeit an bedeutenden
künstlerischen Schöpfungen ist. Das gleiche gilt auch für Berlin und die
meisten anderen Großstädte.
Das Wesentliche aber ist doch noch folgendes: Unsere heutigen Großstädte
besitzen keine das ganze Stadtbild beherrschenden Denkmäler, die irgendwie als
Wahrzeichen der ganzen Zeit angesprochen werden könnten. Dies aber war in den
Städten des Altertums der Fall, da fast jede ein besonderes Monument ihres
Stolzes besaß. Nicht in den Privatbauten lag das Charakteristische der antiken
Stadt, sondern in den Denkmälern der Allgemeinheit, die nicht für den
Augenblick, sondern für die Ewigkeit bestimmt schienen, weil sich in ihnen
nicht der Reichtum eines einzelnen Besitzers, sondern die Größe und Bedeutung
der Allgemeinheit widerspiegeln sollte. So entstanden Denkmäler, die sehr wohl
geeignet waren, den einzelnen Bewohner in einer Weise mit seiner Stadt zu
verbinden, die uns heute manchmal fast unverständlich vorkommt. Denn was
dieser vor Augen hatte, waren weniger die ärmlichen Häuser privater Besitzer
als die Prachtbauten der ganzen Gemeinschaft. Ihnen gegenüber sank das
Wohnhaus wirklich zu einer unbedeutenden Nebensächlichkeit zusammen.
Wenn man die Größenverhältnisse der antiken Staatsbauten mit den
gleichzeitigen Wohnhäusern vergleicht, so wird man erst die überragende Wucht
und Gewalt dieser Betonung des Grundsatzes, den Werken der Öffentlichkeit in
die erste Stellung zuzuweisen, verstehen. Was wir heute in den Trümmerhaufen
und Ruinenfeldern der antiken Welt als wenige noch aufragende Kolosse
bewundern, sind nicht einstige Geschäftspaläste, sondern Tempel und
Staatsbauten; also Werke, deren Besitzer die Allgemeinheit war. Selbst im
Prunke des Roms der Spätzeit nahmen den ersten Platz nicht die Villen und
Paläste einzelner Bürger, sondern die Tempel und Thermen, die Stadien,
Zirkusse, Aquädukte, Basiliken usw. des Staates, also des ganzen Volkes ein.
Sogar das germanische Mittelalter hielt den gleichen leitenden Grundsatz, wenn
auch unter gänzlich anderen Kunstauffassungen, aufrecht. Was im Altertum in
der Akropolis oder dem Pantheon seinen Ausdruck fand, hüllte sich nun in die
Formen des gotischen Domes. Wie Riesen ragten diese Monumentalbauten über das
kleine Gewimmel von Fachwerk, Holz oder Ziegelbauten der mittelalterlichen
Stadt empor und wurden zu Wahrzeichen, die selbst heute noch, da neben ihnen
die Mietskasernen immer höher emporklettern, den Charakter und das Bild dieser
Orte bestimmen. Münster, Rathäuser und Schrannenhallen sowie Wehrtürme sind
das sichtbare Zeichen einer Auffassung, die im letzten Grunde wieder nur der
der Antike entsprach.
Wie wahrhaft jammervoll aber ist das Verhältnis zwischen Staats und Privatbau
heute geworden! Würde das Schicksal Roms Berlin treffen, so könnten die
Nachkommen als gewaltigste Werke unserer Zeit dereinst die Warenhäuser einiger
Juden und die Hotels einiger Gesellschaften als charakteristischen Ausdruck
der Kultur unserer Tage bewundern. Man vergleiche doch das böse Mißverhältnis,
das in einer Stadt wie selbst Berlin zwischen den Bauten des Reiches und denen
der Finanz und des Handels herrscht.
Schon der für die Staatsbauten aufgewendete Betrag ist meistens wahrhaft
lächerlich und ungenügend. Es werden nicht Werke für die Ewigkeit geschaffen,
sondern meistens nur für den augenblicklichen Bedarf. Irgendein höherer
Gedanke herrscht dabei überhaupt nicht vor. Das Berliner Schloß war zur Zeit
seiner Erbauung ein Werk von anderer Bedeutung als es etwa die neue Bibliothek
im Rahmen der Gegenwart ist. Während ein einziges Schlachtschiff einen Wert
von rund sechzig Millionen darstellte, wurde für den ersten Prachtbau des
Reiches, der für die Ewigkeit bestimmt sein sollte, das Reichstagsgebäude,
kaum die Hälfte bewilligt. Ja, als die Frage der inneren Ausstattung zur
Entscheidung kam, stimmte das Hohe Haus gegen die Verwendung von Stein und
befahl, die Wände mit Gips zu verkleiden; dieses Mal allerdings hatten die
Parlamentarier ausnahmsweise wirklich recht gehandelt; Gipsköpfe gehören auch
nicht zwischen Steinmauern.
So fehlt unseren Städten der Gegenwart das über ragende Wahrzeichen der
Volksgemeinschaft, und man darf sich deshalb auch nicht wundern, wenn diese in
ihren Städten kein Wahrzeichen ihrer selbst sieht. Es muß zu einer Verödung
kommen, die sich in der gänzlichen Teilnahmslosigkeit des heutigen
Großstädters am Schicksal seiner Stadt praktisch auswirkt.
Auch dieses ist ein Zeichen unserer sinkenden Kultur und unseres allgemeinen
Zusammenbruches. Die Zeit erstickt in kleinster Zweckmäßigkeit, besser gesagt,
im Dienste des Geldes. Da aber darf man sich auch nicht wundern, wenn unter
einer solchen Gottheit wenig Sinn für Heroismus übrigbleibt. Die heutige
Gegenwart erntet nur, was die letzte Vergangenheit gesät hat.
Alle diese Verfallserscheinungen sind im letzten Grunde nur Folgen des Mangels
einer bestimmten, gleichmäßig anerkannten Weltanschauung sowie der daraus sich
ergebenden allgemeinen Unsicherheit in der Beurteilung und der Stellungnahme
zu den einzelnen großen Fragen der Zeit. Daher ist auch, angefangen bei der
Erziehung, alles halb und schwankend, scheut die Verantwortung und endet so in
feiger Duldung selbst erkannter Schäden. Der Humanitätsdusel wird Mode, und
indem man den Auswüchsen schwächlich nachgibt und einzelne schont, opfert man
die Zukunft von Millionen.
Wie sehr die allgemeine Zerrissenheit um sich greift, zeigt eine Betrachtung
der religiösen Zustände vor dem Kriege. Auch hier war eine einheitliche und
wirksame weltanschauungsmäßige Überzeugung in großen Teilen der Nation längst
verlorengegangen. Dabei spielen die sich offiziell von den Kirchen lösenden
Anhänger eine kleinere Rolle als die überhaupt Gleichgültigen. Während die
beiden Konfessionen in Asien und Afrika Missionen aufrechterhalten, um neue
Anhänger ihrer Lehre zuzuführen – eine Tätig keit, die gegenüber dem
Vordringen besonders des mohammedanischen Glaubens nur sehr bescheidene
Erfolge aufzuweisen hat –, verlieren sie in Europa selber Millionen und
abermals Millionen von innerlichen Anhängern, die dem religiösen Leben
entweder überhaupt fremd gegenüberstehen oder doch ihre eigenen Wege wandeln.
Die Folgen sind besonders in sittlicher Hinsicht keine günstigen.
Bemerkenswert ist auch der immer heftiger einsetzende Kampf gegen die
dogmatischen Grundlagen der einzelnen Kirchen, ohne die aber auf dieser Welt
von Menschen der praktische Bestand eines religiösen Glaubens nicht denkbar
ist. Die breite Masse eines Volkes besteht nicht aus Philosophen; gerade aber
für die Masse ist der Glaube häufig die einzige Grundlage einer sittlichen
Weltanschauung überhaupt. Die verschiedenen Ersatzmittel haben sich im Erfolg
nicht so zweckmäßig erwiesen, als daß man in ihnen eine nützliche Ablösung der
bisherigen religiösen Bekenntnisse zu erblicken vermöchte. Sollen aber die
religiöse Lehre und der Glaube die breiten Schichten wirklich erfassen, dann
ist die unbedingte Autorität des Inhalts dieses Glaubens das Fundament jeder
Wirksamkeit. Was dann für das allgemeine Leben der jeweilige Lebensstil ist,
ohne den sicherlich auch Hunderttausende von hochstehenden Menschen vernünftig
und klug leben würden, Millionen andere aber eben nicht, das sind für den
Staat die Staatsgrundgesetze und für die jeweilige Religion die Dogmen. Durch
sie erst wird die schwankende und unendlich auslegbare, rein geistige Idee
bestimmt abgesteckt und in eine Form gebracht, ohne die sie niemals Glauben
werden könnte. Im anderen Falle würde die Idee über eine metaphysische
Anschauung, ja, kurz gesagt, philosophische Meinung nie hinauswachsen. Der
Angriff gegen die Dogmen an sich gleicht deshalb auch sehr stark dem Kampfe
gegen die allgemeinen gesetzlichen Grundlagen des Staates, und so wie dieser
sein Ende in einer vollständigen staatlichen Anarchie finden würde, so der
andere in einem wertlosen religiösen Nihilismus.
Für den Politiker aber darf die Abschätzung des Wertes einer Religion weniger
durch die ihr etwa anhaftenden Mängel bestimmt werden als vielmehr durch die
Güte eines ersichtlich besseren Ersatzes. Solange aber ein solcher anscheinend
fehlt, kann das Vorhandene nur von Narren oder Verbrechern demoliert werden.
Freilich haben nicht die kleinste Schuld an den nicht sehr erfreulichen
religiösen Zuständen diejenigen, die die religiöse Vorstellung zu sehr mit
rein irdischen Dingen belasten und so häufig in einen gänzlich unnötigen
Konflikt mit der sogenannten exakten Wissenschaft bringen. Hier wird der Sieg,
wenn auch nach schwerem Kampfe, der letzteren fast immer zufallen, die
Religion aber in den Augen all derjenigen, die sich über ein rein äußerliches
Wissen nicht zu erheben vermögen, schweren Schaden leiden.
Am ärgsten sind jedoch die Verwüstungen, die durch den Mißbrauch der
religiösen Überzeugung zu politischen Zwecken hervorgerufen werden. Man kann
wirklich gar nicht scharf genug gegen jene elenden Schieber auftreten, die in
der Religion ein Mittel sehen wollen, das ihnen politische, besser
geschäftliche Dienste zu leisten habe. Diese frechen Lügenmäuler schreien
freilich mit Stentorstimme, damit es ja die anderen Sünder hören können, ihr
Glaubensbekenntnis in alle Welt hinaus, allein nicht, um dafür, wenn nötig,
auch zu sterben, sondern um besser leben zu können. Für eine einzige
politische Schiebung von entsprechendem Werte ist ihnen der Sinn eines ganzen
Glaubens feil; für zehn Parlamentsmandate verbinden sie sich mit den
marxistischen Todfeinden jeder Religion – und für einen Ministerstuhl gingen
sie wohl auch die Ehe mit dem Teufel ein, sofern diesen nicht noch ein Rest
von Anstand verscheuchen würde.
Wenn in Deutschland vor dem Kriege das religiöse Leben für viele einen
unangenehmen Beigeschmack erhielt, so war dies dem Mißbrauch zuzuschreiben,
der von seiten einer sogenannten „christlichen" Partei mit dem Christentum
getrieben wurde, sowie der Unverschämtheit, mit der man den katholischen
Glauben mit einer politischen Partei zu identifizieren versuchte.
Diese Unterschiebung war ein Verhängnis, das einer Reihe von Nichtsnutzen wohl
Parlamentsmandate, der Kirche aber Schaden einbrachte.
Das Ergebnis jedoch hatte die gesamte Nation zu tragen, indem die Folgen der
dadurch bedingten Lockerung des religiösen Lebens gerade in eine Zeit fielen,
in der ohne hin alles zu weichen und zu wanken begann und die überlieferten
Grundlagen von Sitte und Moral zusammenzubrechen drohten.
Auch dieses waren Risse und Sprünge in unserem Volkskörper, die so lange
gefahrlos sein konnten, als keine besondere Belastung entstand, die aber zum
Unheil werden mußten, wenn durch die Wucht großer Ereignisse die Frage der
inneren Festigkeit der Nation eine ausschlaggebende Bedeutung erhielt.
Ebenso waren auf dem Gebiete der Politik für aufmerksame Augen Schäden
vorhanden, die, wenn nicht in absehbarer Zeit eine Besserung oder Änderung
vorgenommen wurde, als Zeichen eines kommenden Verfalls des Reiches gelten
durften und mußten. Die Ziellosigkeit der deutschen Innen und Außenpolitik war
für jeden sichtbar, der nicht absichtlich blind sein wollte. Die
Kompromißwirtschaft schien am meisten der Bismarckschen Auffassung zu
entsprechen, daß „die Politik eine Kunst des Möglichen" wäre. Nun war aber
zwischen Bismarck und den späteren deutschen Kanzlern ein kleiner Unterschied
vorhanden, der dem ersteren gestattete, eine solche Äußerung über das Wesen
der Politik fallen zu lassen, während die gleiche Auffassung aus dem Munde
seiner Nachfolger eine ganz andere Bedeutung erlangen mußte. Denn Bismarck
wollte mit diesem Satze nur besagen, daß zur Erreichung eines bestimmten
politischen Zieles alle Möglichkeiten zu verwenden bzw. nach allen
Möglichkeiten zu verfahren wäre; seine Nachfolger aber sahen in dieser
Äußerung die feierliche Entbindung von der Notwendigkeit, überhaupt politische
Gedanken oder gar Ziele zu haben. Und politische Ziele waren für die Leitung
des Reiches zu dieser Zeit wirklich nicht mehr vorhanden; fehlte hierzu doch
die nötige Unterlage einer bestimmten Weltanschauung sowie die notwendige
Klarheit über die inneren Entwicklungsgesetze des politischen Lebens
überhaupt.
Es gab nicht wenige, die in dieser Richtung trübe sahen und die Plan und
Gedankenlosigkeit der Reichspolitik geißelten, ihre innere Schwäche und
Hohlheit also sehr wohl erkannten, allein es waren dies nur die Außenseiter im
politischen Leben; die offiziellen Stellen der Regierung gingen an den
Erkenntnissen eines Houston Stewart Chamberlain genau so gleichgültig vorüber,
wie es heute noch geschieht. Diese Leute sind zu dumm, selbst etwas zu denken,
und zu eingebildet, von anderen das Nötige zu lernen – eine urewige Wahrheit,
die Oxenstierna zu dem Ausruf veranlaßte: „Die Welt wird nur von einem Bruch
teil der Weisheit regiert", von welchem Bruchteil freilich fast jeder
Ministerialrat nur ein Atom verkörpert. Seit Deutschland Republik geworden,
trifft dies allerdings nicht mehr zu – es ist deshalb auch durch das
RepublikSchutzgesetz verboten worden, so etwas zu glauben oder gar
auszusprechen. Für Oxenstierna aber war es ein Glück, schon damals und nicht
in dieser gescheiten Republik von heute zu leben.
Als größtes Schwächemoment wurde schon in der Vorkriegszeit vielfach die
Institution erkannt, in der sich die Stärke des Reiches verkörpern sollte: das
Parlament, der Reichstag. Feigheit und Verantwortungslosigkeit gesellten sich
hier in vollendeter Weise.
Es ist eine der Gedankenlosigkeit, die man heute nicht selten zu hören
bekommt, daß der Parlamentarismus in Deutschland „seit der Revolution" versagt
habe. Es wird dadurch nur zu leicht der Anschein erweckt, als ob es etwa vor
der Revolution anders gewesen wäre. In Wirklichkeit kann diese Einrichtung gar
nicht anders als vernichtend wirken – und sie tat dies auch schon zu jener
Zeit, da die meisten, noch mit Scheuklappen behangen, nichts sahen oder sehen
wollten. Denn daß Deutschland gestürzt wurde, ist nicht zum kleinsten Teile
dieser Einrichtung zu verdanken; daß aber die Katastrophe nicht schon früher
eintrat, kann nicht als Verdienst des Reichstages gelten, sondern ist dem
Widerstande zuzuschreiben, der sich der Tätigkeit dieses Totengräbers der
deutschen Nation und des Deutschen Reiches in den Friedensjahren noch
entgegenstemmte.
Aus der Unsumme der verheerenden Schäden, die dieser Institution direkt oder
indirekt zu verdanken sind, will ich nur ein einziges Unheil herausgreifen,
das am meisten dem inneren Wesen dieser verantwortungslosesten Einrichtung
aller Zeit entspricht: die schauderhafte Halbheit und Schwäche der politischen
Leitung des Reiches nach innen und außen, die, in erster Linie dem Wirken des
Reichstages zuzuschreiben, zu einer Hauptursache des politischen
Zusammenbruches wurde.
Halb war alles, was irgendwie dem Einfluß dieses Parlaments unterstand, man
mag betrachten, was man nur will.
Halb und schwach war die Bündnispolitik des Reiches nach außen. Indem man den
Frieden erhalten wollte, mußte man unweigerlich zum Kriege steuern.
Halb war die Polenpolitik. Man reizte, ohne jemals ernstlich durchzugreifen.
Das Ergebnis war weder ein Sieg des Deutschtums noch eine Versöhnung der
Polen, dafür aber Feindschaft mit Rußland.
Halb war die Lösung der elsaßlothringischen Frage. Statt mit brutaler Faust
einmal für immer der französischen Hydra den Kopf zu zermalmen, dem Elsässer
aber dann gleiche Rechte zuzubilligen, tat man keines von beiden. Man konnte
es auch gar nicht, saßen doch in den Reihen der größten Parteien auch die
größten Landesverräter – im Zentrum z.B. Herr Wetterlé.
Alles dies aber wäre noch zu ertragen gewesen, wenn der allgemeinen Halbheit
nicht auch die Macht zum Opfer gefallen wäre, von deren Dasein am Ende der
Bestand des Reiches abhing: das Heer.
Was der sogenannte „Deutsche Reichstag" hier gesündigt hatte, genügt allein,
um ihn für alle Zeiten mit dem Fluche der deutschen Nation zu beladen. Aus den
erbärmlichsten Gründen haben diese parlamentarischen Parteilumpen der Nation
die Waffe der Selbsterhaltung, den einzigen Schutz der Freiheit und
Unabhängigkeit unseres Volkes, aus der Hand gestohlen und geschlagen. Öffneten
sich heute die Gräber der flandrischen Ebene, so würden sich aus ihnen die
blutigen Ankläger erheben, Hunderttausende der besten jungen Deutschen, die
durch die Gewissenlosigkeit dieser parlamentarischen Verbrecher schlecht und
halb ausgebildet dem Tod in die Arme getrieben wurden; sie und Millionen von
Männern, die zu den Toten hinsanken oder zu Krüppeln wurden, hat das Vaterland
verloren, einzig und allein, um einigen hundert Volksbetrügern politische
Schiebungen, Erpressungen oder selbst das Herunterleiern doktrinärer Theorien
zu ermöglichen.
Während das Judentum durch seine marxistische und demokratische Presse die
Lüge vom deutschen „Militarismus" in die ganze Welt hinausrief und Deutschland
so mit allen Mitteln zu belasten trachtete, verweigerten marxistische und
demokratische Parteien jede umfassende Ausbildung der deutschen Volkskraft.
Dabei mußte das ungeheure Verbrechen, das dadurch begangen wurde, jedem sofort
klar werden, der nur bedachte, daß im Falle eines kommenden Krieges ja doch
die gesamte Nation unter Waffen treten müsse, mithin also durch die Lumperei
dieser sauberen Repräsentanten der eigenen sogenannten „Volksvertretung"
Millionen von Deutschen in schlechter, halber Ausbildung vor den Feind
getrieben würden. Aber selbst wenn man die hierdurch sich ergebenden Folgen
der brutalen und rohen Gewissenlosigkeit dieser parlamentarischen Zuhälter
ganz außer Betracht ließ: dieser Mangel an ausgebildeten Soldaten zu Beginn
des Krieges konnte nur zu leicht zum Verlust desselben führen, was dann auch
im großen Weltkrieg in so furchtbarer Weise sich bestätigte.
Der Verlust des Kampfes um die Freiheit und Unabhängigkeit der deutschen
Nation ist das Ergebnis der schon im Frieden betätigten Halbheit und Schwäche
in der Heranziehung der gesamten Volkskraft zur Verteidigung des Vaterlandes.
Wenn im Lande zu wenig Rekruten ausgebildet wurden, so war zur See die gleiche
Halbheit am Werke, die Waffe der nationalen Selbsterhaltung mehr oder weniger
wertlos zu machen. Leider aber wurde die Leitung der Marine selber vom Geist
der Halbheit angesteckt. Die Tendenz, alle auf Stapel gelegten Schiffe, immer
etwas kleiner als die zur gleichen Zeit vom Stapel gelassenen englischen zu
bauen, war wenig weitschauend und noch weniger genial. Gerade eine Flotte, die
von Anfang an rein zahlenmäßig nicht auf gleiche Höhe mit ihrem
voraussichtlichen Gegner gebracht werden kann, muß den Mangel der Zahl zu
ersetzen trachten durch die überragende Kampfkraft der einzelnen Schiffe. Auf
die überlegene Kampfkraft kommt es an und nicht auf eine sagenhafte
Überlegenheit an „Güte". Tatsächlich ist die moderne Technik so
fortgeschritten und zu so großer Übereinstimmung in den einzelnen
Kulturstaaten gekommen, daß es als unmöglich gelten muß, Schiffe der einen
Macht einen wesentlich größeren Gefechts wert zu geben als den Schiffen
gleichen Tonnengehalts eines anderen Staates. Noch viel weniger aber ist es
denkbar, eine Überlegenheit bei kleinerem Deplacement gegenüber einem größeren
zu erzielen.
Tatsächlich konnte der kleine Tonnengehalt der deutschen Schiffe nur auf
Kosten der Schnelligkeit und Armierung erfolgen. Die Phrase, mit der man diese
Tatsache zu rechtfertigen versuchte, zeigte allerdings schon einen sehr bösen
Mangel an Logik bei der hierfür im Frieden maßgebenden Stelle. Man erklärte
nämlich, daß das deutsche Geschützmaterial dem britischen so ernstlich
überlegen sei, daß das deutsche 28ZentimeterRohr dem britischen
30,5ZentimeterRohr an Schußleistung gar nicht nachstehe!!
Gerade deshalb aber wäre es Pflicht gewesen, nun ebenfalls zum
30,5ZentimeterGeschütz überzugehen, da das Ziel nicht die Erreichung gleicher,
sondern überlegener Kampfkraft hätte sein müssen. Sonst wäre ja auch die
Beistellung des 42ZentimeterMörsers beim Heer überflüssig gewesen, da der
deutsche 21ZentimeterMörser jedem damals vorhandenen französischen
Steilfeuergeschütz an und für sich schon weit überlegen war, die Festungen
aber wohl auch dem 30,5ZentimeterMörser ebenfalls zum Opfer gefallen wären.
Allein die Leitung der Landarmee dachte richtig und die der Marine leider
nicht.
Der Verzicht auf überragende Artilleriewirkung sowie auf überlegene
Schnelligkeit lag aber ganz im grundfalschen sogenannten „Risikogedanken"
begründet. Man verzichtete in der Marineleitung schon durch die Form des
Ausbaues der Flotte auf den Angriff und verlegte sich so von Anfang an
zwangsläufig auf die Defensive. Damit aber verzichtete man auch auf den
letzten Erfolg, der doch ewig nur im Angriff liegt und liegen kann.
Ein Schiff mit kleinerer Schnelligkeit und schwächerer Armierung wird vom
schnelleren und stärker bestückten Gegner meist in der für diesen günstigen
Schußentfernung in den Grund geschossen werden. Das mußte eine ganze Anzahl
unserer Kreuzer in der bittersten Weise fühlen. Wie grundfalsch die
Friedensansicht der Marineleitung war, zeigte der Krieg, der, wo es nur
anging, zur Umarmierung alter und Besserarmierung der neuen Schiffe zwang.
Würden aber in der Seeschlacht am Skagerrak die deutschen Schiffe gleichen
Tonnengehalt, gleiche Armierung und gleiche Schnelligkeit wie die englischen
besessen haben, dann wäre unter dem Orkan der treffsicheren und
wirkungsvolleren deutschen 38ZentimeterGranaten die britische Flotte ins nasse
Grab gesunken.
Japan hat einst eine andere Flottenpolitik getrieben. Dort wurde grundsätzlich
aller Wert darauf gelegt, in jedem einzelnen neuen Schiff eine überlegene
Kampfkraft gegenüber dem voraussichtlichen Gegner zu gewinnen. Dem entsprach
dann aber auch die dadurch ermöglichte offensive Einsetzung der Flotte.
Während sich das Landheer in seiner Leitung von so prinzipiell falschen
Gedankengängen noch frei hielt, unterlag die Marine, die „parlamentarisch"
leider schon besser vertreten war, dem Geiste des Parlaments. Sie war von
halben Gesichtspunkten aus organisiert und wurde später nach ähnlichen
eingesetzt. Was die Marine dann dennoch an unsterblichem Ruhm sich erwarb, war
nur mehr dem Konto der guten deutschen Wehrmannsarbeit sowie der Fähigkeit und
dem unvergleichlichen Heldentum der einzelnen Offiziere und Mannschaften
gutzuschreiben. Hätte die frühere Oberste Leitung der Marine dem an Genialität
entsprochen, so wären die Opfer nicht vergeblich gewesen.
So wurde vielleicht gerade die überlegene parlamentarische Geschicklichkeit
des führenden Kopfes der Marine im Frieden zum Unheil derselben, indem leider
auch in ihrem Aufbau statt rein militärischer parlamentarische Gesichtspunkte
die maßgebende Rolle zu spielen begannen. Die Halbheit und Schwäche sowie die
geringe Logik im Denken, die der parlamentarischen Institution zu eigen ist,
färbten auf die Leitung der Flotte ab.
Das Landheer hielt sich, wie schon betont, von solchen grundsätzlich falschen
Gedankengängen noch zurück. Besonders der damalige Oberst im Großen
Generalstab, Ludendorff, führte einen verzweifelten Kampf gegen die
verbrecherische Halbheit und Schwäche, mit der der Reichstag den Lebensfragen
der Nation gegenübertrat und sie meistens verneinte. Wenn der Kampf, den
dieser Offizier damals ausfocht, dennoch vergeblich war, so trug die Schuld
zur einen Hälfte eben das Parlament, zur anderen aber die wenn möglich noch
elendere Haltung und Schwäche des Reichskanzlers Bethmann Hollweg. Dieses
hindert die Schuldigen am deutschen Zusammenbruch jedoch nicht im geringsten,
heute gerade dem die Schuld zuschieben zu wollen, der als einziger sich gegen
diese Verwahrlosung der nationalen Interessen wandte – auf einen Betrug mehr
oder weniger kommt es diesen geborenen Schiebern nie mals an.
Wer all die Opfer überdenkt, die durch den sträflichen Leichtsinn dieser
Verantwortungslosesten der Nation aufgebürdet wurden, all die zwecklos
geopferten Millionen von gesunden Männern sich vor Augen führt sowie die
grenzenlose Schmach und Schande, das unermeßliche Elend, das uns jetzt
getroffen hat, und weiß, daß dieses alles nur kam, um einem Haufen
gewissenloser Streber und Stellenjäger die Bahn zu Ministerstühlen
freizumachen, der wird verstehen, daß man diese Kreaturen wirklich nur mit
Worten wie
Schuft, Schurke, Lump und Verbrecher bezeichnen kann, sonst wären der Sinn und
Zweck des Vorhandenseins dieser Ausdrücke im Sprachgebrauch ja unverständlich.
Denn diesen Verrätern an der Nation gegenüber ist jeder Zuhälter noch ein
Ehrenmann.
Alle wirklichen Schattenseiten des alten Deutschlands fielen aber
eigentümlicherweise nur dann ins Auge, wenn dadurch die innere Festigkeit der
Nation Schaden erleiden mußte. Ja, in solchen Fällen wurden die unangenehmen
Wahrheiten geradezu in die breite Masse hinausgeschrien, während man sonst
viele Dinge lieber schamhaft verschwieg, ja zum Teil einfach ableugnete. Dies
war der Fall, wenn es durch die offene Behandlung einer Frage vielleicht zu
einer Besserung hätte kommen können. Dabei verstanden die maßgebenden Stellen
der Regierung soviel wie nichts vom Werte und vom Wesen der Propaganda. Daß
durch kluge und dauernde Anwendung von Propaganda einem Volke selbst der
Himmel als Hölle vorgemacht werden kann und umgekehrt das elendeste Leben als
Paradies, wußte nur der Jude, der auch dementsprechend handelte; der Deutsche,
besser seine Regierung, besaß davon keine blasse Ahnung.
Am schwersten sollte sich dies während des Krieges rächen.
Allen hier angedeuteten und zahllosen weiteren Schäden im deutschen Leben vor
dem Kriege standen auch wieder viele Vorzüge gegenüber. Bei einer gerechten
Prüfung muß man sogar erkennen, daß die meisten unserer Gebrechen zum größten
Teile auch die anderen Länder und Völker ihr eigen nannten, ja in manchen uns
noch weitaus in den Schatten stellten, während sie viele unserer tatsächlichen
Vorzüge nicht besaßen.
An die Spitze dieser Vorzüge kann man unter anderem die Tatsache stellen, daß
das deutsche Volk unter fast allen
europäischen Völkern sich immer noch am meisten den nationalen Charakter
seiner Wirtschaft zu bewahren versuchte und trotz mancher bösen Vorzeichen
noch am wenigsten der internationalen Finanzkontrolle unterstand. Allerdings
ein gefährlicher Vorzug, der später zum größten Erreger des Weltkrieges wurde.
Sieht man von dem und vielem anderen aber ab, so müssen drei Einrichtungen aus
der Unzahl von gesunden Kraftquellen der Nation herausgenommen werden, die in
ihrer Art als mustergültig, ja zum Teil unerreicht dastanden.
Als erstes die Staatsform an sich und die Ausprägung, die sie im Deutschland
der neuen Zeit gefunden hatte.
Man darf hier wirklich von einzelnen Monarchen ab sehen, die als Menschen
allen Schwächen unterworfen waren, die diese Erde und ihre Kinder heimzusuchen
pflegen – wäre man hier nicht nachsichtig, müßte man sonst an der Gegenwart
überhaupt verzweifeln: sind doch die Repräsentanten des jetzigen Regiments,
gerade als Persönlichkeit betrachtet, wohl das geistig und moralisch
Bescheidenste, das man sich selbst bei langem Nachdenken auch nur vorzustellen
vermag. Wer den „Wert" der deutschen Revolution an dem Werte und der Größe der
Personen mißt, die sie dem deutschen Volke seit dem November 1918 geschenkt
hat, der wird sein Haupt verhüllen aus Scham vor dem Urteil der Nachwelt, der
man nicht mehr das Maul wird verbinden können durch Schutzgesetze usw., und
die deshalb das sagen wird, was wir ja doch alle schon heute erkennen,
nämlich, daß Gehirn und Tugend bei unseren neudeutschen Führern im umgekehrten
Verhältnis stehen zu ihren Mäulern und Lastern.
Gewiß war die Monarchie vielen, dem breiten Volke vor allem, entfremdet. Das
war die Folge der Tatsache, daß die Monarchen nicht immer von den – sagen wir
– hellsten und besonders nicht von den aufrichtigsten Köpfen umgeben waren.
Sie liebten leider zum Teil die Schmeichler mehr als die geraden Naturen, und
so wurden sie auch von diesen „unterrichtet". Ein sehr schwerer Schaden in
einer Zeit, in der die Welt einen großen Wandel in vielen alten Anschauungen
durchgemacht hatte, der natürlich auch nicht vor der Beurteilung mancher
althergebrachten Überlieferungen der Höfe haltmachte.
So konnte um die Jahrhundertwende der gewöhnliche Mann und Mensch keine
besondere Bewunderung mehr finden für die an der Front in Uniform entlang
reitende Prinzessin. Über die Wirkung einer solchen Parade in den Augen des
Volkes konnte man sich anscheinend gar keine richtige Vorstellung machen, denn
sonst wäre es zu so unglücklichen Auftritten wohl nie gekommen. Auch die nicht
immer ganz echte Humanitätsduselei dieser Kreise wirkte eher abstoßend als
anziehend. Wenn zum Beispiel die Prinzessin X. geruhte, die Kostprobe in einer
Volksküche mit dem bekannten Resultat vorzunehmen, so konnte das früher
vielleicht ganz gut aussehen, damals aber war der Erfolg ein gegenteiliger. Es
kann dabei ohne weiteres angenommen werden, daß die Hoheit wirklich keine
Ahnung davon besaß, daß das Essen am Tage ihrer Prüfung eben ein klein wenig
anders war, als es sonst zu sein pflegte; allein es genügte vollkommen, daß
die Leute dies wußten.
So wurde die möglicherweise beste Absicht lächerlich, wenn nicht gerade
aufreizend.
Schilderungen über die immer sprichwörtliche Genügsamkeit des Monarchen, sein
viel zu frühes Aufstehen sowie sein förmliches Schuften bis in die späte Nacht
hinein, noch dazu bei der dauernden Gefahr seiner drohenden Unterernährung,
riefen doch sehr bedenkliche Äußerungen hervor. Man verlangte ja gar nicht zu
wissen, was und wieviel der Monarch zu sich zu nehmen geruhte; man gönnte ihm
schon eine „auskömmliche" Mahlzeit; man war auch nicht darauf aus, ihm etwa
den nötigen Schlaf verweigern zu wollen; man war zufrieden, wenn er nur sonst
als Mensch und Charakter dem Namen seines Geschlechtes und der Nation Ehre
bereitete und als Regent seine Pflichten erfüllte. Das Märchenerzählen nützte
nur wenig, schadete aber dafür um so mehr.
Dieses und vieles Ähnliche waren aber doch nur Kleinigkeiten. Schlimmer wirkte
sich in leider sehr großen Teilen der Nation immer mehr die Überzeugung aus,
daß man ohnehin von oben regiert werde und der einzelne sich mithin auch um
nichts weiter zu kümmern habe. Solange die Regierung wirklich gut war oder
doch wenigstens das Beste wollte, ging die Sache noch an. Aber wehe, wenn
einmal an Stelle der an sich Gutes wollenden alten Regierung eine neue,
weniger ordentliche, treten sollte; dann waren die willenlose Fügsamkeit und
der kindliche Glaube das schwerste Unheil, das man sich nur auszudenken
vermochte.
Allen diesen und vielen anderen Schwächen aber standen unbestreitbare Werte
gegenüber.
Einmal die durch die monarchische Staatsform bedingte Stabilität der gesamten
Staatsleitung sowie das Herausziehen der letzten Staatsstellen aus dem Trubel
der Spekulation ehrgeiziger Politiker. Weiter die Ehrwürdigkeit der
Institution an sich sowie die schon dadurch begründete Autorität derselben,
ebenso das Emporheben des Beamtenkörpers und besonders des Heeres über das
Niveau parteipolitischer Verpflichtungen. Dazu kam noch der Vorzug der
persönlichen Verkörperung der Staatsspitze durch den Monarchen als Person und
das Vorbild einer Verantwortung, die der Monarch stärker zu tragen hat als der
Zufallshaufe einer parlamentarischen Majorität – die sprichwörtliche
Sauberkeit der deutschen Verwaltung war in erster Linie dem zuzuschreiben.
Endlich aber war der kulturelle Wert der Monarchie für das deutsche Volk ein
hoher und vermochte sehr wohl andere Nachteile auszugleichen. Die deutschen
Residenzen waren noch immer der Hort einer Kunstgesinnung, die in unserer
vermaterialisierten Zeit ohnehin immer mehr auszusterben droht. Was die
deutschen Fürsten für Kunst und Wissenschaft gerade im neunzehnten Jahrhundert
taten, war vorbildlich. Die heutige Zeit darf jedenfalls damit nicht
verglichen werden.
Als größten Wertfaktor in dieser Zeit der beginnenden und sich langsam
weiterverbreitenden Zersetzung unseres
Volkskörpers haben wir jedoch das Heer zu buchen. Es war die gewaltigste
Schule der deutschen Nation, und nicht umsonst richtete sich der Haß aller
Feinde gerade gegen diesen Schirm der nationalen Selbstverwaltung und
Freiheit. Kein herrlicheres Denkmal kann dieser einzigen Einrichtung geschenkt
werden als die Feststellung der Wahrheit, daß sie von allen Minderwertigen
verleumdet, gehaßt, bekämpft, aber auch gefürchtet wurde. Daß sich die Wut der
internationalen Volksausbeuter zu Versailles in erster Linie gegen das alte
deutsche Heer richtete, läßt dieses erst recht als Hort der Freiheit unseres
Volkes vor der Macht der Börse erkennen. Ohne diese warnende Macht wäre der
Sinn von Versailles an unserem Volk schon längst vollzogen worden. Was das
deutsche Volk dem Heere verdankt, läßt sich kurz zusammenfassen in ein
einziges Wort, nämlich: Alles.
Das Heer erzog zur unbedingten Verantwortlichkeit in einer Zeit, da diese
Eigenschaft schon sehr selten geworden war und das Drücken von derselben immer
mehr an die Tagesordnung kam, ausgehend von dem Mustervorbild aller
Verantwortungslosigkeit, dem Parlament; es erzog weiter zum persönlichen Mut
in einem Zeitalter, da die Feigheit zu einer grassierenden Krankheit zu werden
drohte und die Opferwilligkeit, sich für das allgemeine Wohl einzusetzen,
schon fast als Dummheit angesehen wurde, und klug nur mehr derjenige zu sein
schien, der das eigene „Ich" am besten zu schonen und zu fördern verstand; es
war die Schule, die den einzelnen Deutschen noch lehrte, das Heil der Nation
nicht in den verlogenen Phrasen einer internationalen Verbrüderung zwischen
Negern, Deutschen, Chinesen, Franzosen, Engländern usw. zu suchen, sondern in
der Kraft und Geschlossenheit des eigenen Volkstums.
Das Heer erzog zur Entschlußkraft, während im sonstigen Leben schon
Entschlußlosigkeit und Zweifel die Handlungen der Menschen zu bestimmen
begannen. Es wollte etwas heißen, in einem Zeitalter, da die Neunmalklugen
überall den Ton angaben, den Grundsatz hochzuhalten, daß ein Befehl immer
besser ist als keiner. In diesem einzigen
Grundsatze steckte eine noch unverdorbene, robuste Gesundheit, die unserem
sonstigen Leben schon längst abhanden gekommen wäre, wenn nicht das Heer und
seine Erziehung für die immerwährende Erneuerung dieser Urkraft gesorgt
hätten. Man braucht ja nur die entsetzliche Entschlußlosigkeit unserer
jetzigen Reichsführung zu sehen, die sich zu keiner Tat aufzuraffen vermag,
außer es handelt sich um die erzwungene Unterschreibung eines neuen
Ausplünderungsdiktates; in diesem Falle lehnt sie dann freilich jede
Verantwortung ab und unterschreibt mit der Fixigkeit eines Kammerstenographen
alles, was man ihr auch nur vorzulegen für gut befindet, denn in diesem Falle
ist der Entschluß leicht zu fassen: er wird ihr ja diktiert.
Das Heer erzog zum Idealismus und zur Hingabe an das Vaterland und seine
Größe, während im sonstigen Leben Habsucht und Materialismus um sich gegriffen
hatten. Es erzog ein einiges Volk gegenüber der Trennung in Klassen und hatte
hier vielleicht als einzigen Fehler die EinjährigfreiwilligenEinrichtung
aufzuweisen. Fehler deshalb, weil durch sie das Prinzip der unbedingten
Gleichheit durchbrochen und das Höhergebildete wieder außerhalb des Rahmens
der allgemeinen Umgebung gestellt wurde, während gerade das Umgekehrte von
Vorteil gewesen wäre. Bei der ohnehin so großen Weltfremdheit unserer oberen
Schichten und der immer größer werdenden Entfremdung dem eigenen Volke
gegenüber hätte gerade
das Heer besonders segensreich zu wirken vermocht, wenn es wenigstens in
seinen Reihen jede Absonderung der sogenannten Intelligenz vermied. Daß man
dies nicht tat,
war ein Fehler; allein welche Institution auf dieser Welt wird fehlerlos sein?
Bei dieser aber überwog ohnehin das Gute so sehr, daß die wenigen Gebrechen
weit unter dem Durchschnittsgrade der menschlichen Unzulänglichkeit lagen.
Als höchstes Verdienst aber muß dem Heere des alten Reiches angerechnet
werden, daß es in einer Zeit der allgemeinen Majorisierung der Köpfe die Köpfe
über die Majorität stellte. Das Heer hielt gegenüber dem jüdischdemokratischen
Gedanken einer blinden Anbetung der Zahl den Glauben an die Persönlichkeit
hoch. So erzog es denn auch das, was die neuere Zeit am nötigsten brauchte:
Männer. – Im Sumpfe einer allgemein um sich greifenden Verweichlichung und
Verweibung schossen aus den Reihen des Heeres alljährlich
dreihundertfünfzigtausend kraftstrotzende junge Männer heraus, die in
zweijähriger Ausbildung die Weichheit der Jugend verloren und stahlharte
Körper gewonnen hatten. Der junge Mensch aber, der während dieser Zeit
Gehorchen übte, konnte darauf erste Befehlen lernen. Am Tritt schon erkannte
man den gedienten Soldaten.
Dies war die hohe Schule der deutschen Nation, und nicht umsonst konzentrierte
sich auf sie der grimmige Haß derjenigen, die aus Neid und Habsucht die
Ohnmacht des Reiches und die Wehrlosigkeit seiner Bürger brauchten und
wünschten. Was viele Deutsche in Verblendung oder bösem Willen nicht sehen
wollten, erkannte die fremde Welt: das deutsche Heer war die gewaltigste Waffe
im Dienste der Freiheit der deutschen Nation und der Ernährung ihrer Kinder.
Zur Staatsform und zum Heere kam als Drittes im Bunde der unvergleichliche
Beamtenkörper des alten Reiches.
Deutschland war das bestorganisierte und bestverwaltete Land der Welt. Man
mochte dem deutschen Staatsbeamten leicht bürokratische Zopfigkeit nachsagen,
in den anderen Staaten stand es darum nicht besser, eher sogar noch
schlechter. Was aber die anderen Staaten nicht besaßen, das war die
wundervolle Solidarität dieses Apparates sowie die unbestechlich ehrenhafte
Gesinnung seiner Träger. Lieber noch etwas zopfig, aber redlich und treu, als
aufgeklärt und modern, aber minderwertig von Charakter und, wie es sich heute
häufig zeigt, unwissend und nichtskönnend. Denn wenn man jetzt gerne so tut,
als ob die deutsche Verwaltung der Vorkriegszeit wohl bürokratisch gediegen,
allein kaufmännisch schlecht gewesen wäre, so kann man darauf nur folgendes
antworten: Welches Land der Welt hatte einen besser geleiteten und
kaufmännischer organisierten Betrieb als Deutschland in seinen Staatsbahnen?
Erst der Revolution blieb es vorbehalten, diesen Musterapparat so lange zu
zerstören, bis er endlich reif zu sein schien, aus den Händen der Nation
genommen und im Sinne der Begründer dieser Republik sozialisiert zu werden,
das heißt, dem internationalen Börsenkapital, als dem Auftraggeber der
deutschen Revolution, zu dienen.
Was dabei den deutschen Beamtenkörper und Verwaltungsapparat besonders
auszeichnete, war seine Unabhängigkeit von den einzelnen Regierungen, deren
jeweilige politische Gesinnung auf die Stellung des deutschen Staatsbeamten
keinen Einfluß auszuüben vermochte. Seit der Revolution allerdings hat sich
dies gründlich geändert. An Stelle des Könnens und der Fähigkeit trat die
Parteistellung, und ein selbständiger, unabhängiger Charakter wurde eher
hinderlich als fördernd.
Auf der Staatsform, dem Heere und dem Beamtenkörper beruhte die wundervolle
Kraft und Stärke des alten Reiches. Diese waren in erster Linie die Ursachen
einer Eigenschaft, die dem heutigen Staate vollkommen fehlt: der
Staatsautorität! Denn diese beruht nicht auf Schwätzereien in den Parlamenten
oder Landtagen, auch nicht auf Gesetzen zu ihrem Schutze oder Gerichtsurteilen
zur Abschreckung frecher Leugner derselben usw., sondern auf dem allgemeinen
Vertrauen, das der Leitung und Verwaltung eines Gemeinwesens entgegengebracht
werden darf und kann. Dieses Vertrauen jedoch ist wieder nur das Ergebnis
einer unerschütterlichen inneren Überzeugung von der Uneigennützigkeit und
Redlichkeit der Regierung und Verwaltung eines Landes sowie die
Übereinstimmung des Sinnes der Gesetze mit dem Gefühl der allgemeinen
Moralanschauung. Denn auf die Dauer werden Regierungssysteme nicht gehalten
durch den Druck der Gewalt, sondern durch den Glauben an ihre Güte und an die
Wahrhaftigkeit in der Vertretung und Förderung der Interessen eines Volkes.
So schwer also gewisse Schäden in der Vorkriegszeit die innere Stärke der
Nation auch anfraßen und auszuhöhlen drohten, so darf man nicht vergessen, daß
andere Staaten an den meisten dieser Krankheiten noch mehr litten als
Deutschland und dennoch in der kritischen Stunde der Gefahr nicht versagten
und zugrunde gingen. Wenn man aber bedenkt, daß den deutschen Schwächen vor
dem Kriege auch ebenso große Stärken gegenüberstanden, so kann und muß die
letzte Ursache des Zusammenbruches noch auf einem anderen Gebiete liegen; und
dies ist auch der Fall.
Der tiefste und letzte Grund des Unterganges des alten Reiches lag im
Nichterkennen des Rasseproblems und seiner Bedeutung für die geschichtliche
Entwicklung der Völker. Denn alle Geschehnisse im Völkerleben sind nicht
Äußerungen des Zufalls, sondern naturgesetzliche Vorgänge des Dranges der
Selbsterhaltung und Mehrung von Art und Rasse, auch wenn sich die Menschen des
inneren Grundes ihres Handelns nicht bewußt zu werden vermögen.