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12. KapitelDie
erste Entwicklungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei
Wenn ich am Schlusse diese Bandes die erste Entwicklungszeit unserer Bewegung
schildere und eine Reihe von dadurch bedingten Fragen kurz erörtere, so
geschieht dies nicht, um eine Abhandlung über die geistigen Ziele der Bewegung
zu geben. Ziele und Aufgaben der neuen Bewegung sind so gewaltige, daß sie nur
in einem eigenen Bande behandelt werden können. So werde ich in einem zweiten
Bande die programmatischen Grundlagen der Bewegung eingehend erörtern und
versuchen, ein Bild dessen zu zeichnen, was wir unter dem Worte „Staat" uns
vorstellen. Ich meine dabei unter „uns" all die Hunderttausende, die im Grunde
genommen das gleiche ersehnen, ohne im einzelnen die Worte zu finden, das
innerlich vor Augen Schwebende zu schildern. Denn es ist das Bemerkenswerte
aller großen Reformen, daß sie als Verfechter zunächst oft nur einen einzigen
besitzen, als Träger jedoch viele Millionen. Ihr Ziel ist oft schon seit
Jahrhunderten der innere, sehnsuchtsvolle Wunsch von Hunderttausenden, bis
einer sich zum Verkünder eines solchen allgemeinen Wollens aufwirft und als
Bannerträger der alten Sehnsucht in einer neuen Idee zum Siege verhilft.
Daß aber Millionen im Herzen den Wunsch nach einer grundsätzlichen Änderung
der heute gegebenen Verhält nisse tragen, beweist die tiefe Unzufriedenheit,
unter der sie leiden. Sie äußert sich in tausendfachen Erscheinungsformen, bei
dem einen in Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit, beim anderen in Widerwillen,
in Zorn und Empö rung, bei diesem in Gleichgültigkeit und bei jenem wieder in
wütendem Überschwange. Als Zeugen für diese innere Unzufriedenheit dürfen
ebenso die Wahlmüden gelten wie auch die vielen zum fanatischsten Extrem der
linken Seite sich Neigenden.
Und an diese sollte sich auch die junge Bewegung in erster Linie wenden. Sie
soll nicht eine Organisation der Zufriedenen, Satten bilden, sondern sie soll
die Leidgequälten und Friedlosen, die Unglücklichen und Unzufriedenen
zusammenfassen, und sie soll vor allem nicht auf der Oberfläche des
Volkskörpers schwimmen, sondern im Grunde desselben wurzeln.
Rein politisch genommen, ergab sich im Jahre 1918 folgendes Bild: Ein Volk ist
in zwei Teile zerrissen. Der eine, weitaus kleinere, umfaßt die Schichten der
nationalen Intelligenz unter Ausschluß aller körperlich Tätigen. Sie ist
äußerlich national, vermag sich aber unter diesem Worte etwas anderes als eine
sehr fade und schwächliche Vertretung sogenannter staatlicher Interessen, die
wieder iden tisch erscheinen mit dynastischen, nicht vorzustellen. Sie
versucht, ihre Gedanken und Ziele mit geistigen Waffen zu verfechten, die
ebenso lückenhaft wie oberflächlich sind, der Brutalität des Gegners gegenüber
aber an sich schon versagen. Mit einem einzigen furchtbaren Hieb wird diese
kurz vorher noch regierende Klasse zu Boden gestreckt und erträgt in
zitternder Feigheit jede Demütigung von seiten des rücksichtslosen Siegers.
Ihr steht als zweite Klasse gegenüber die breite Masse der handarbeitenden
Bevölkerung. Sie ist in mehr oder minder radikalmarxistischen Bewegungen
zusammengefaßt, entschlossen, jeden geistigen Widerstand durch die Macht der
Gewalt zu brechen. Sie will nicht national sein, sondern lehnt bewußt jede
Förderung nationaler Interessen ebenso ab, wie sie umgekehrt jeder fremden
Unterdrückung Vorschub leistet. Sie ist ziffernmäßig die stärkere, umfaßt aber
vor allem diejenigen Elemente der Nation, ohne die eine nationale
Wiedererhebung undenkbar und unmöglich ist.
Denn darüber mußte man sich im Jahre 1918 doch schon klar sein: Jeder
Wiederaufstieg des deutschen Volkes führt nur über die Wiedergewinnung äußerer
Macht. Die Voraussetzungen hierzu sind aber nicht, wie unsere bürgerlichen „Staatsmänner"
immer herumschwätzen, Waffen, sondern die Kräfte des Willens. Waffen besaß das
deutsche Volk einst mehr als genug. Sie haben die Freiheit nicht zu sichern
vermocht, weil die Energien des nationalen Selbsterhaltungstriebes, der
Selbsterhaltungswille, fehlten. Die beste Waffe ist totes, wertloses Material,
solange der Geist fehlt, der bereit, gewillt und entschlossen ist, sie zu
führen. Deutschland wurde wehrlos, nicht weil Waffen mangelten, sondern weil
der Wille fehlte, die Waffe für die völkische Forterhaltung zu wahren.
Wenn heute besonders unsere linksseitigen Politiker auf die Waffenlosigkeit
als die zwangsläufige Ursache ihrer willenlosen, nachgiebigen, in Wahrheit
aber verräterischen Politik nach außen hinzuweisen sich bemühen, muß man ihnen
darauf nur eines antworten: Nein, umgekehrt ist es richtig. Durch eure
antinationale, verbrecherische Politik der Aufgabe nationaler Interessen habt
ihr einst die Waf fen ausgeliefert. Jetzt versucht ihr den Mangel an Waffen
als begründende Ursache eurer elenden Jämmerlichkeit hinzustellen. Dies ist,
wie alles an eurem Tun, Lüge und Fälschung.
Allein dieser Vorwurf trifft genau so die Politiker von rechts. Denn dank
ihrer jämmerlichen Feigheit vermochte im Jahre 1918 das zur Herrschaft
gekommene jüdische Gesindel der Nation die Waffen zu stehlen. Auch diese haben
mithin keinen Grund und kein Recht, die heutige Waffenlosigkeit als Zwang zu
ihrer klugen Vorsicht (sprich „Feigheit") anzuführen, sondern die
Wehrlosigkeit ist die Folge ihrer Feigheit.
Damit aber lautet die Frage einer Wiedergewinnung deutscher Macht nicht etwa:
Wie fabrizieren wir Waffen?, sondern: Wie erzeugen wir den Geist, der ein Volk
be fähigt, Waffen zu tragen? Wenn dieser Geist ein Volk beherrscht, findet der
Wille tausend Wege, von denen jeder bei einer Waffe endet! Man gebe aber einem
Feigling zehn Pistolen, und er wird bei einem Angriff dennoch nicht einen
Schuß abzufeuern vermögen. Sie sind für ihn damit wertloser als für den
mutigen Mann ein bloßer Knotenstock.
Die Frage der Wiedergewinnung der politischen Macht unseres Volkes ist schon
deshalb in erster Linie eine Frage der Gesundung unseres nationalen
Selbsterhaltungstriebes, weil jede vorbereitende Außenpolitik sowie jede Bewer
tung eines Staates an sich erfahrungsgemäß sich weniger nach den vorhandenen
Waffen richtet als nach der erkann ten oder doch vermuteten moralischen
Widerstandsfähig keit einer Nation. Die Bündnisfähigkeit eines Volkes wird
viel weniger bestimmt durch vorhandene tote Waffenmengen als durch das
ersichtliche Vorhandensein eines flammenden nationalen Selbsterhaltungswillens
und heroischen Todesmutes. Denn ein Bund wird nicht mit Waffen geschlossen,
sondern mit Menschen. So wird das englische Volk so lange als wertvollster
Bundesgenosse auf der Welt zu gelten haben, solange es in seiner Führung und
im Geiste der breiten Masse jene Brutalität und Zähigkeit erwarten läßt, die
entschlossen sind, einen einmal begonnenen Kampf ohne Rücksicht auf Zeit und
Opfer mit allen Mitteln bis zum siegreichen Ende durchzufechten, wobei die
augenblicklich vorhandene militärische Rüstung in keinem Verhältnis zu der
anderer Staaten zu stehen braucht.
Begreift man aber, daß die Wiedererhebung der deut schen Nation eine Frage der
Wiedergewinnung unseres politischen Selbsterhaltungswillen darstellt, so ist
es auch klar, daß dem nicht genügt wird durch eine Gewinnung von an sich schon
wenigstens dem Wollen nach nationalen Elementen, sondern nur durch die
Nationalisierung der bewußt antinationalen Masse.
Eine junge Bewegung, die sich als Ziel die Wiederaufrichtung eines deutschen
Staates mit eigener Souveräni tät stellt, wird mithin ihren Kampf restlos auf
die Gewinnung der breiten Massen einzustellen haben. So jämmerlich auch im
allgemeinen unser sogenanntes „nationales Bürgertum" ist, so unzulänglich
seine nationale Gesinnung auch erscheint, so sicher ist von dieser Seite ein
ernstlicher Widerstand gegen eine kraftvolle nationale Innen und Außenpolitik
einst nicht zu erwarten. Selbst wenn aus den bekannt borniertkurzsichtigen
Gründen heraus das deutsche Bürgertum wie schon einst einem Bismarck gegenüber
in der Stunde einer kommenden Befreiung in passiver Resistenz verharren sollte,
so ist doch ein aktiver Widerstand dagegen bei seiner anerkannt
sprichwörtlichen Feigheit niemals zu befürchten.
Anders verhält es sich bei der Masse unserer inter national eingestellten
Volksgenossen. Sie sind nicht nur in ihrer primitiven Urwüchsigkeit mehr auf
den Gedanken der Gewalt eingestellt, sondern ihre jüdische Führung ist
brutaler und rücksichtsloser. Sie werden jede deutsche Erhebung genau so
niederschlagen, wie sie einst dem deutschen Heer das Rückgrat zerbrachen. Vor
allem aber: sie werden in diesem parlamentarisch regierten Staat kraft ihrer
Majorität der Zahl jede nationale Außenpolitik nicht nur verhindern, sondern
auch jede höhere Einschätzung der deutschen Kraft und damit jede
Bündnisfähigkeit ausschließen. Denn wir sind uns des Schwächemoments, das in
unseren 15 Millionen Marxisten, Demokraten, Pazifisten und Zentrümlern liegt,
nicht nur selbst bewußt, sondern es wird noch mehr vom Ausland erkannt, das
den Wert eines möglichen Bündnisses mit uns mißt nach dem Gewichte dieser
Belastung. Man verbündet sich nicht mit einem Staat, dessen aktiver Volksteil
jeder entschlossenen Außenpolitik zumindest passiv gegenübersteht.
Dazu kommt noch die Tatsache, daß die Führung dieser Parteien des nationalen
Verrats jeder Erhebung schon aus bloßem Selbsterhaltungstrieb feindlich
gegenüberstehen muß und wird. Es ist geschichtlich einfach nicht denkbar, daß
das deutsche Volk noch einmal seine frühere Stellung einnehmen könnte, ohne
mit denen abzurechnen, die die Ursache und Veranlassung zu dem unerhörten
Zusammenbruch gaben, der unseren Staat heimsuchte. Denn vor dem
368 Die Gewinnung der breiten Massen
Richterstuhle der Nachwelt wird der November 1918 nicht als Hoch, sondern als
Landesverrat gewertet werden.
So ist jede Wiedergewinnung einer deutschen Selbständigkeit nach außen in
erster Linie gebunden an die Wiedergewinnung der inneren willensmäßigen
Geschlossenheit unseres Volkes.
Allein auch rein technisch betrachtet, erscheint der Gedanke einer deutschen
Befreiung nach außen so lange als unsinnig, solange nicht in den Dienst dieses
Freiheitsgedankens auch die breite Masse zu treten bereit ist. Rein
militärisch gesehen, wird es vor allem jedem Offizier bei einigem Nachdenken
einleuchten, daß man einen Kampf nach außen mit Studentenbataillonen nicht zu
führen vermag, sondern daß man dazu außer den Gehirnen eines Volkes auch die
Fäuste braucht. Man muß sich dabei noch vor Augen halten, daß eine
Nationalverteidigung, die sich nur auf die Kreise der sogenannten Intelligenz
stützte, einen wahren Raubbau an unersetzlichem Gute triebe. Die junge
deutsche Intelligenz, die in den Kriegsfreiwilligenregimentern im Herbste 1914
in der flandrischen Ebene den Tod fand, fehlte später bitter. Sie war das
beste Gut, das die Nation besaß, und ihr Verlust war im Verlaufe des Krie ges
nicht mehr zu ersetzen. Allein nicht nur der Kampf selbst ist undurchführbar,
wenn die stürmenden Bataillone nicht die Massen der Arbeiter in ihren Reihen
sehen, sondern auch die Vorbereitung technischer Art ist ohne die innere
willensmäßige Einheit unseres Volkskörpers unausführbar. Gerade unser Volk,
das unter den tausend Augen des Friedensvertrages von Versailles entwaffnet
dahinleben muß, vermag irgendwelche technische Vorbereitungen zur Erringung
der Freiheit und menschlichen Unabhängigkeit nur dann zu treffen, wenn das
Heer innerer Spitzel auf diejenigen dezimiert wird, denen angeborene
Charakterlosigkeit gestattet, für die bekannten dreißig Silberlinge alles und
jedes zu verraten. Mit diesen aber wird man fertig. Unüberwindbar hingegen
erscheinen die Millionen, die aus politischer Überzeugung der nationalen
Erhebung entgegentreten – unüberwindbar so lange, als nicht die Ursache ihrer
Gegnerschaft, die internationale marxistische Weltanschauung, bekämpft und
ihnen aus Herz und Hirn gerissen wird.
Ganz gleich also, von welchem Gesichtspunkte aus man die Möglichkeit der
Wiedererringung unserer staatlichen und völkischen Unabhängigkeit prüft, ob
von dem der außenpolitischen Vorbereitung, dem der technischen Rüstung oder
dem des Kampfes selber, immer bleibt als Voraussetzung zu allem die vorherige
Gewinnung der breiten Masse unseres Volkes für den Gedanken unserer nationalen
Selbständigkeit übrig.
Ohne die Wiedererlangung der äußeren Freiheit bedeutet aber jede innere Reform
selbst im günstigsten Falle nur die Steigerung unserer Erträgnisfähigkeit als
Kolonie. Die Überschüsse jeder sogenannten wirtschaftlichen Hebung kommen
unseren internationalen Kontrollherren zugute, und jede soziale Besserung
steigert im günstigsten Falle die Arbeitsleistung für diese. Kulturelle
Fortschritte wer den der deutschen Nation überhaupt nicht beschieden sein, sie
sind zu sehr gebunden an die politische Unabhängigkeit und Würde eines
Volkstums.
Wenn also die günstige Lösung der deutschen Zukunft gebunden ist an die
nationale Gewinnung der breiten Masse unseres Volkes, dann muß diese auch die
höchste und gewaltigste Aufgabe einer Bewegung sein, deren Tätigkeit sich
nicht in der Befriedigung des Augenblickes erschöpfen soll, sondern die all
ihr Tun und Lassen nur zu prüfen hat an den voraussichtlichen Folgen in der
Zukunft.
So waren wir uns bereits im Jahre 1919 darüber klar, daß die neue Bewegung als
oberstes Ziel zunächst die Nationalisierung der Massen durchführen muß.
Daraus ergab sich in taktischer Hinsicht eine Reihe von Forderungen.
1. Um die Masse der nationalen Erhebung zu gewinnen, ist kein soziales Opfer
zu schwer.
Was auch immer unseren Arbeitnehmern heute für wirtschaftliche Konzessionen
gemacht werden, so stehen diese in keinem Verhältnis zum Gewinne der gesamten
Nation, wenn sie mithelfen, die breiten Schichten wieder ihrem Volkstume zu
schenken. Nur kurzsichtige Borniertheit, wie man sie leider häufig in unseren
Unternehmerkreisen fin det, kann verkennen, daß es auf die Dauer keinen
wirtschaftlichen Aufschwung für sie gibt und damit auch keinen
wirtschaftlichen Nutzen mehr, wenn die innere völkische Solidarität unserer
Nation nicht wiederhergestellt wird.
Hätten die deutschen Gewerkschaften im Kriege die Interessen der
Arbeiterschaft auf das rücksichtsloseste gewahrt, hätten sie selbst während
des Krieges dem damali gen dividendenhungrigen Unternehmertum tausendmal durch
Streik die Bewilligung der Forderungen der von ihnen vertretenen Arbeiter
abgepreßt, hätten sie aber in den Belangen der nationalen Verteidigung sich
ebenso fanatisch zu ihrem Deutschtum bekannt, und hätten sie mit gleicher
Rücksichtslosigkeit dem Vaterlande gegeben, was des Vaterlandes ist, so wäre
der Krieg nicht verlorengegangen. Wie lächerlich aber würden alle und selbst
die größten wirtschaftlichen Konzessionen gewesen sein gegenüber der
ungeheuren Bedeutung des gewonnenen Krieges!
So hat eine Bewegung, die beabsichtigt, den deutschen Arbeiter wieder dem
deutschen Volke zu geben, sich darüber klar zu werden, daß wirtschaftliche
Opfer bei dieser Frage überhaupt keine Rolle spielen, solange nicht die
Erhaltung und Unabhängigkeit der nationalen Wirtschaft durch sie bedroht
werden.
2. Die nationale Erziehung der breiten Masse kann nur über den Umweg einer
sozialen Hebung stattfinden, da ausschließlich durch sie jene allgemein
wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden, die dem einzelnen
gestatten, auch an den kulturellen Gütern der Nation teilzunehmen.
3. Die Nationalisierung der breiten Masse kann niemals erfolgen durch
Halbheiten, durch schwaches Betonen eines sogenannten
Objektivitätsstandpunktes, sondern durch rücksichtslose und fanatisch
einseitige Einstellung auf das nun einmal zu erstrebende Ziel. Das heißt also,
man kann ein Volk nicht „national" machen im Sinne unseres heutigen Bürgertums,
also mit soundso viel Einschränkungen, sondern nur nationalistisch mit der
ganzen Vehemenz, die dem Extrem innewohnt. Gift wird nur durch Gegengift
gebrochen, und nur die Schalheit eines bürgerlichen Gemüts kann die mittlere
Linie als den Weg ins Himmelreich betrachten.
Die breite Masse eines Volkes besteht weder aus Professoren noch aus
Diplomaten. Das geringe abstrakte Wissen, das sie besitzt, weist ihre
Empfindungen mehr in die Welt des Gefühls. Dort ruht ihre entweder positive
oder negative Einstellung. Sie ist nur empfänglich für eine Kraftäußerung in
einer dieser beiden Richtungen und niemals für eine zwischen beiden schwebende
Halbheit. Ihre gefühlsmäßige Einstellung aber bedingt zugleich ihre
außerordentliche Stabilität. Der Glaube ist schwerer zu erschüttern als das
Wissen, Liebe unterliegt weniger dem Wechsel als Achtung, Haß ist dauerhafter
als Abneigung, und die Triebkraft zu den gewaltigsten Umwälzungen auf dieser
Erde lag zu allen Zeiten weniger in einer die Masse beherrschenden
wissenschaftlichen Erkenntnis als in einem sie beseelenden Fanatismus und
manchmal in einer sie vorwärtsjagenden Hysterie.
Wer die breite Masse gewinnen will, muß den Schlüssel kennen, der das Tor zu
ihrem Herzen öffnet. Er heißt nicht Objektivität, also Schwäche, sondern Wille
und Kraft.
4. Die Gewinnung der Seele des Volkes kann nur gelingen, wenn man neben der
Führung des positiven Kampfes für die eigenen Ziele den Gegner dieser Ziele
vernichtet.
Das Volk sieht zu allen Zeiten im rücksichtslosen Angriff auf einen
Widersacher den Beweis des eigenen Rechtes, und es empfindet den Verzicht auf
die Vernichtung des anderen als Unsicherheit in bezug auf das eigene Recht,
wenn nicht als Zeichen des eigenen Unrechtes.
Die breite Masse ist nur ein Stück der Natur, und ihr Empfinden versteht nicht
den gegenseitigen Händedruck von Menschen, die behaupten, Gegensätzliches zu
wollen. Was sie wünscht, ist der Sieg des Stärkeren und die Vernichtung des
Schwachen oder seine bedingungslose Unterwerfung.
Die Nationalisierung unserer Masse wird nur gelingen, wenn bei allem positiven
Kampf um die Seele unseres Volkes ihre internationalen Vergifter ausgerottet
werden.
5. Alle großen Fragen der Zeit sind Fragen des Augenblicks und stellen nur
Folgeerscheinungen bestimmter Ursachen dar. Ursächliche Bedeutung besitzt aber
unter ihnen allen nur eine, die Frage der rassischen Erhaltung des Volkstums.
Im Blute allein liegt sowohl die Kraft als auch die Schwäche des Menschen
begründet. Völker, welche nicht die Bedeutung ihrer rassischen Grundlage
erkennen und beachten, gleichen Menschen, die Möpsen die Eigenschaften von
Windhunden anlernen möchten, ohne zu begreifen, daß die Schnelligkeit des
Windhundes wie die Gelehrig keit des Pudels keine angelernten, sondern in der
Rasse liegende Eigenschaften sind. Völker, die auf die Erhal tung ihrer
rassischen Reinheit verzichten, leisten damit auch Verzicht auf die Einheit
ihrer Seele in all ihren Äußerungen. Die Zerrissenheit ihres Wesens ist die
naturnotwendige Folge der Zerrissenheit ihres Blutes, und die Veränderung
ihrer geistigen und schöpferischen Kraft ist nur die Wirkung der Änderung
ihrer rassischen Grundlagen.
Wer das deutsche Volk von seinen ihm ursprünglich wesensfremden Äußerungen und
Untugenden von heute befreien will, wird es erst erlösen müssen vom fremden
Erreger dieser Äußerungen und Untugenden.
Ohne klarste Erkenntnis des Rassenproblems und damit der Judenfrage wird ein
Wiederaufstieg der deutschen Nation nicht mehr erfolgen.
Die Rassenfrage gibt nicht nur den Schlüssel zur Weltgeschichte, sondern auch
zur menschlichen Kultur überhaupt.
6. Die Eingliederung der heute im internationalen Lager stehenden breiten
Masse unseres Volkes in eine nationale Volksgemeinschaft bedeutet keinen
Verzicht auf die Vertretung berechtigter Standesinteressen. Auseinandergehende
Standes und Berufsinteressen sind nicht gleichbedeutend mit Klassenspaltung,
sondern sind selbstverständlich Folgeerscheinungen unseres wirtschaftlichen
Lebens. Die Berufsgruppierung steht in keinerlei Weise einer wahrhaften
Volksgemeinschaft entgegen, denn diese besteht in der Einheit des Volkstums in
allen jenen Fragen, die dieses Volkstum an sich betreffen.
Die Eingliederung eines Klasse gewordenen Standes in die Volksgemeinschaft
oder auch nur in den Staat erfolgt nicht durch Herabsteigen höherer Klassen,
sondern durch das Hinaufheben der unteren. Träger dieses Prozesses kann wieder
niemals die höhere Klasse sein, sondern die für ihre Gleichberechtigung
kämpfende untere. Das heutige Bürgertum wurde nicht durch Maßnahmen des Adels
dem Staate eingegliedert, sondern durch eigene Tatkraft unter eigener Führung.
Der deutsche Arbeiter wird nicht über den Umweg schwächlicher
Verbrüderungsszenen in den Rahmen der deutschen Volksgemeinschaft gehoben,
sondern durch bewußtes Heben seiner sozialen und kulturellen Lage, so lange,
bis die schwerwiegendsten Unterschiede als überbrückt gelten dürfen. Eine
Bewegung, die sich diese Entwicklung zum Ziele setzt, wird ihre Anhängerschaft
dabei in erster Linie aus dem Arbeiterlager zu holen haben. Sie darf auf
Intelligenz nur in dem Maße zurückgreifen, in dem diese das zu erstrebende
Ziel bereits restlos erfaßt hat. Dieser Umwandlungs und Annäherungsprozeß wird
nicht in zehn oder zwanzig Jahren beendet sein, sondern umschließt
erfahrungsgemäß viele Generationen.
Das schwere Hindernis für die Annäherung des heuti gen Arbeiters an die
nationale Volksgemeinschaft liegt nicht in seiner standesmäßigen
Interessenvertretung, sondern in seiner internationalen volks und
vaterlandsfeindlichen Führung und Einstellung. Die gleichen Gewerkschaften,
fanatisch national in politischen und völkischen Belangen geleitet, würden
Millionen Arbeiter zu wertvoll sten Gliedern ihres Volkstums machen ohne
Rücksicht auf die im einzelnen stattfindenden Kämpfe in rein wirtschaftlichen
Belangen.
Eine Bewegung, die den deutschen Arbeiter in ehrlicher Weise seinem Volke
wiedergeben und dem internationalen Wahn entreißen will, muß auf das schärfste
Front machen gegen eine vor allem in Unternehmerkreisen herrschende Auffassung,
die unter Volksgemeinschaft die widerstandslose wirtschaftliche Auslieferung
des Arbeitnehmers dem Arbeitgeber gegenüber versteht, und die in jedem Versuch
der Wahrung selbst berechtigter wirtschaftlicher Existenzinteressen des
Arbeitnehmers einen Angriff auf die Volksgemeinschaft sehen will. Das
Vertreten dieser Auffassung stellt das Vertreten einer bewußten Lüge dar; die
Volksgemeinschaft legt ja nicht nur der einen Seite, sondern auch den anderen
ihre Verpflichtungen auf.
So sicher ein Arbeiter wider den Geist einer wirklichen Volksgemeinschaft
sündigt, wenn er ohne Rücksicht auf das gemeinsame Wohl und den Bestand einer
nationalen Wirtschaft, gestützt auf seine Macht, erpresserisch Forderungen
stellt, so sehr aber bricht auch ein Unternehmer diese Gemeinschaft, wenn er
durch unmenschliche und ausbeuterische Art seiner Betriebsführung die
nationale Arbeitskraft mißbraucht und aus ihrem Schweiße Millionen erwuchert.
Er hat dann kein Recht, sich als national zu bezeichnen, kein Recht, von einer
Volksgemeinschaft zu sprechen, sondern er ist ein egoistischer Lump, der durch
das Hereintragen des sozialen Unfriedens spätere Kämpfe provoziert, die so
oder so der Nation zum Schaden gereichen müssen.
Das Reservoir, aus dem die junge Bewegung ihre Anhänger schöpfen soll, wird
also in erster Linie die Masse unserer Arbeitnehmer sein. Diese gilt es dem
internationalen Wahne zu entreißen, aus ihrer sozialen Not zu befreien, dem
kulturellen Elend zu entheben und als geschlossenen, wertvollen, national
fühlenden und national sein wollenden Faktor in die Volksgemeinschaft zu
überführen.
Finden sich in den Kreisen der nationalen Intelligenz Menschen mit wärmsten
Herzen für ihr Volk und seine Zukunft, erfüllt von tiefster Erkenntnis für die
Bedeutung des Kampfes um die Seele dieser Masse, sind sie in den
Reihen dieser Bewegung als wertvolles geistiges Rückgrat hochwillkommen. Ein
Gewinnen des bürgerlichen Wahlstimmviehs aber darf niemals das Ziel dieser
Bewegung sein. Sie würde sich in einem solchen Falle mit einer Masse belasten,
die ihrer ganzen Wesensart nach die Werbekraft den breiten Schichten gegenüber
zum Erlahmen brächte. Denn ungeachtet der theoretischen Schönheit des Gedan
kens einer Zusammenführung breitester Massen von unten und oben schon
innerhalb des Rahmens der Bewegung, steht dem doch die Tatsache gegenüber, daß
man durch psychologische Beeinflussung bürgerlicher Massen in allgemeinen
Kundgebungen wohl Stimmungen zu erzeugen, ja selbst Einsicht zu verbreiten
vermag, aber nicht Charaktereigenschaften, oder besser gesagt, Untugenden zum
Verschwinden bringt, deren Werden und Entstehen Jahrhunderte umfaßte. Der
Unterschied in bezug auf das beiderseitige kulturelle Niveau und die
beiderseitige Stellung zu den Fragen wirtschaftlicher Belange ist zur Zeit
noch so groß, daß er, sobald der Rausch der Kundgebungen vergangen ist, sofort
als hemmend in Erscheinung treten würde.
Endlich aber ist es nicht das Ziel, eine Umschichtung im an sich nationalen
Lager vorzunehmen, sondern ein Gewinnen des antinationalen.
Und dieser Gesichtspunkt ist auch schließlich maßgebend für die taktische
Einstellung der gesamten Bewegung.
7. Diese einseitige, aber dadurch klare Stellungnahme hat sich auch in der
Propaganda der Bewegung auszudrücken und wird anderseits selber wieder durch
propagandistische Gründe gefordert.
Soll die Propaganda für die Bewegung wirksam sein, muß sie sich nach einer
Seite allein wenden, da sie im anderen Fall bei der Verschiedenheit der
geistigen Vorbildung der beiden in Frage kommenden Lager entweder von der
einen Seite nicht verstanden oder von der anderen als selbstverständlich und
damit uninteressant abgelehnt würde.
Selbst die Ausdrucksweise und der Ton im einzelnen kann nicht für zwei so
extreme Schichten gleich wirksam sein. Verzichtet die Propaganda auf die
Urwüchsigkeit der Ausdrucksweise, findet sie nicht den Weg zum Empfinden der
breiten Masse. Verwendet sie hingegen in Wort und Gebärde die Derbheit des
Gefühls der Masse und seiner Äußerungen, so wird sie von der sogenannten
Intelligenz als roh und ordinär abgelehnt. Es gibt unter hundert sogenannten
Rednern kaum zehn, die in der Lage wären, gleich wirksam heute vor einem
Publikum aus Straßenfegern, Schlossern, Kanalräumern usw. zu sprechen und
morgen einen Vortrag mit notwendigerweise gleichem gedanklichem Inhalt vor
einem Auditorium von Hochschulprofessoren und Studenten zu halten. Es gibt
aber unter tausend Rednern vielleicht nur einen einzigen, der es fertigbringt,
vor Schlossern und Hochschulprofessoren zugleich in einer Form zu sprechen,
die beiden Teilen in ihrem Auffassungsvermögen nicht nur entspricht, sondern
beide Teile auch gleich wirksam beeinflußt oder gar zum rauschenden Sturm des
Beifalls mitreißt. Man muß sich aber immer vor Augen halten, daß selbst der
schönste Gedanke einer erhabenen Theorie in den meisten Fällen seine
Verbreitung nur durch kleine und kleinste Geister finden kann. Nicht darauf
kommt es an, was der geniale Schöpfer einer Idee im Auge hat, sondern auf die
Form und den Erfolg, mit denen die Verkünder dieser Idee der breiten Masse
vermitteln.
Die starke werbende Kraft der Sozialdemokratie, ja der gesamten marxistischen
Bewegung überhaupt, beruhte zum großen Teil in der Einheit und damit
Einseitigkeit des Publikums, an das sie sich wandte. Je scheinbar beschränkter,
ja bornierter ihre Gedankengänge dabei waren, um so leichter wurden sie von
einer Masse aufgenommen und verarbeitet, deren geistiges Niveau dem des
Vorgebrach ten entsprach.
Damit aber ergab sich für diese neue Bewegung eben falls eine einfache und
klare Linie:
Die Propaganda ist in Inhalt und Form auf die breite Masse anzusetzen und ihre
Richtigkeit ist ausschließlich zu messen an ihrem wirksamen Erfolg.
In einer Volksversammlung der breiten Schichten spricht nicht der Redner am
besten, der der anwesenden Intelligenz geistig am nächsten steht, sondern
derjenige, der das Herz der Masse erobert.
Ein in solch einer Versammlung anwesender Intelligenzler, welcher trotz der
ersichtlichen Wirkung des Redners auf die zu erobernden unteren Schichten die
Rede hinsichtlich der geistigen Höhe bekrittelt, beweist die vollständige
Unfähigkeit seines Denkens und die Wertlosigkeit seiner Person für die junge
Bewegung. Für sie kommt nur derjenige Intellektuelle in Frage, der Aufgabe und
Ziel der Bewegung schon so sehr erfaßt, daß er die Tätigkeit auch der
Propaganda ausschließlich nach ihrem Erfolge zu beurteilen gelernt hat und
nicht nach den Eindrücken, die sie auf ihn selber hinterläßt. Denn nicht zur
Unterhaltung von an sich schon nationalgesinnten Menschen hat die Propaganda
zu dienen, sondern zur Gewinnung der Feinde unse res Volkstums, sofern sie
unseres Blutes sind.
Im allgemeinen sollten nun für die junge Bewegung jene Gedankengänge, die ich
unter der Kriegspropaganda schon kurz zusammenfaßte, bestimmend und maßgebend
werden für die Art und Durchführung ihrer eigenen Aufklärungsarbeit.
Daß sie richtig war, hat ihr Erfolg bewiesen.
8. Das Ziel einer politischen Reformbewegung wird nie erreicht werden durch
Aufklärungsarbeit oder durch Beeinflussung herrschender Gewalten, sondern nur
durch die Erringung der politischen Macht. Jede weltbewegende Idee hat nicht
nur das Recht, sondern die Pflicht, sich derjenigen Mittel zu versichern, die
die Durchführung ihrer Gedankengänge ermöglichen. Der Erfolg ist der einzige
irdische Richter über das Recht oder Unrecht eines solchen Beginnens, wobei
unter Erfolg nicht wie im Jahre 1918 die Erringung der Macht an sich zu
verstehen ist, sondern die für ein Volkstum segensreiche Auswirkung derselben.
So ist ein Staatsstreich nicht dann als gelungen anzusehen, wenn, wie
gedankenlose Staatsanwälte in Deutschland heute meinen, den Revolutionären die
Inbesitznahme der Staatsgewalt gelang, sondern nur dann, wenn in der
Verwirklichung der einer solchen revolutionären Handlung zugrunde gelegten
Absichten und Ziele der Nation mehr Heil erwächst als unter dem vergangenen
Regiment. Etwas, das von der deutschen Revolution, wie sich der
Banditenstreich des Herbstes 1918 bezeichnet, nicht gut behauptet werden kann.
Wenn aber die Erringung der politischen Macht die Voraussetzung für die
praktische Durchführung reformatorischer Absichten bildet, dann muß eine
Bewegung mit reformatorischen Absichten sich vom ersten Tage ihres Bestehens
an als Bewegung der Masse fühlen und nicht als literarischer Teeklub oder
spießbürgerliche Kegelgesellschaft.
9. Die junge Bewegung ist ihrem Wesen und ihrer inne ren Organisation nach
antiparlamentarisch, d.h. sie lehnt im allgemeinen wie in ihrem eigenen
inneren Aufbau ein Prinzip der Majoritätsbestimmung ab, in dem der Führer nur
zum Vollstrecker des Willens und der Mei nung anderer degradiert wird. Die
Bewegung vertritt im kleinsten wie im größten den Grundsatz der unbedingten
Führerautorität, gepaart mit höchster Verantwortung.
Die praktischen Folgen dieses Grundsatzes in der Bewegung sind nachstehende:
Der erste Vorsitzende einer Ortsgruppe wird durch den nächsthöheren Führer
eingesetzt, er ist der verantwortliche Leiter der Ortsgruppe. Sämtliche
Ausschüsse unterstehen ihm und nicht er umgekehrt einem Ausschuß.
AbstimmungsAusschüsse gibt es nicht, sondern nur ArbeitsAusschüsse. Die Arbeit
teilt der verantwortliche Leiter, der erste Vorsitzende, ein. Der gleiche
Grundsatz gilt für die nächsthöhere Organisation, den Bezirk, den Kreis oder
den Gau. Immer wird der Führer von oben eingesetzt und gleichzeitig mit
unbeschränkter Vollmacht und Autorität bekleidet. Nur der Führer der
Gesamtpartei wird aus vereinsgesetzlichen Gründen in der
Generalmitgliederversammlung gewählt. Er ist aber der ausschließliche Führer
der Bewegung. Sämtliche Ausschüsse unterstehen ihm und nicht er den
Ausschüssen. Er bestimmt und trägt damit aber auch auf seinen Schul tern die
Verantwortung. Es steht den Anhängern der Bewegung frei, vor dem Forum einer
neuen Wahl ihn zur Verantwortung zu ziehen, ihn seines Amtes zu entkleiden,
insofern er gegen die Grundsätze der Bewe gung verstoßen oder ihren Interessen
schlecht gedient hat. An seine Stelle tritt dann der besserkönnende, neue
Mann, jedoch mit gleicher Autorität und mit gleicher Verantwortlichkeit.
Es ist eine der obersten Aufgaben der Bewegung, dieses Prinzip zum
bestimmenden nicht nur innerhalb ihrer eigenen Reihen, sondern auch für den
gesamten Staat zu machen.
Wer Führer sein will, trägt bei höchster unumschränkter Autorität auch die
letzte und schwerste Verantwortung.
Wer dazu nicht fähig oder für das Ertragen der Folgen seines Tuns zu feige
ist, taugt nicht zum Führer. Nur der Held ist dazu berufen.
Der Fortschritt und die Kultur der Menschheit sind nicht ein Produkt der
Majorität, sondern beruhen ausschließlich auf der Genialität und der Tatkraft
der Persönlichkeit.
Diese heranzuzüchten und in ihre Rechte einzusetzen, ist eine der
Vorbedingungen zur Wiedergewinnung der Größe und Macht unseres Volkstums.
Damit ist die Bewegung aber antiparlamentarisch, und selbst ihre Beteiligung
an einer parlamentarischen Institution kann nur den Sinn einer Tätigkeit zu
deren Zertrümmerung besitzen, zur Beseitigung einer Einrichtung, in der wir
eine der schwersten Verfallserscheinungen der Menschheit zu erblicken haben.
10. Die Bewegung lehnt jede Stellungnahme zu Fragen, die entweder außerhalb
des Rahmens ihrer politischen Arbeit liegen oder für sie als nicht von
grundsätzlicher Bedeutung belanglos sind, entschieden ab. Ihre Aufgabe ist
nicht die einer religiösen Reformation, sondern die einer politischen
Reorganisation unseres Volkes. Sie sieht in beiden religiösen Bekenntnissen
gleich wertvolle Stützen für den Bestand unseres Volkes und bekämpft deshalb
diejenigen Parteien, die dieses Fundament einer sittlichreligiösen
380 Weder monarchisch noch republikanisch
und moralischen Festigung unseres Volkskörpers zum Instrument ihrer
Parteiinteressen herabwürdigen wollen.
Die Bewegung sieht endlich ihre Aufgabe nicht in der Wiederherstellung einer
bestimmten Staatsform und im Kampfe gegen eine andere, sondern in der
Schaffung derjenigen grundsätzlichen Fundamente, ohne die auf die Dauer weder
Republik noch Monarchie bestehen können. Ihre Mission liegt nicht in der
Begründung einer Mon archie oder der Festigung einer Republik, sondern in der
Schaffung eines germanischen Staates.
Die Frage der äußeren Ausgestaltung dieses Staates, also seine Krönung, ist
nicht von grundsätzlicher Bedeutung, sondern wird nur bedingt durch Fragen
praktischer Zweckmäßigkeit.
Bei einem Volk, das erst die großen Probleme und Aufgaben seines Daseins
begriffen hat, werden die Fragen äußerer Formalitäten nicht mehr zu inneren
Kämpfen führen.
11. Die Frage der inneren Organisation der Bewegung ist eine solche der
Zweckmäßigkeit und nicht des Prinzips.
Die beste Organisation ist nicht diejenige, die zwischen der Führung einer
Bewegung und den einzelnen Anhän gern den größten, sondern diejenige, die den
kleinsten Vermittlerapparat einschiebt. Denn die Aufgabe der Organisation ist
die Vermittlung einer bestimmten Idee – die zunächst immer dem Kopfe eines
einzelnen entspringt – an eine Vielheit von Menschen sowie die Überwachung
ihrer Umsetzung in die Wirklichkeit.
Die Organisation ist damit in allem und jedem nur ein notwendiges übel. Sie
ist im besten Falle ein Mittel zum Zweck, im schlimmsten Falle Selbstzweck.
Da die Welt mehr mechanische Naturen hervorbringt als ideelle, pflegen sich
die Formen der Organisation zumeist leichter zu bilden als Ideen an sich.
Der Gang jeder nach Verwirklichung strebenden Idee, besonders mit
reformatorischem Charakter, ist in großen Zügen folgender:
Irgendein genialer Gedanke entsteht im Gehirn eines Menschen, der sich berufen
fühlt, seine Erkenntnis der übrigen Menschheit zu vermitteln. Er predigt seine
Anschauung und gewinnt allmählich einen bestimmten Kreis von Anhängern. Dieser
Vorgang der direkten und persönlichen Übermittlung der Ideen eines Menschen
auf die andere Mitwelt ist der idealste und natürlichste. Bei steigender
Zunahme von Anhängern der neuen Lehre ergibt sich allmählich die Unmöglichkeit
für den Träger der Idee, persönlich auf die zahllosen Anhänger weiter direkt
einzuwirken, sie zu führen und zu leiten. In eben dem Maße, in dem infolge des
Wachstums der Gemeinde der direkte und kürzeste Verkehr ausgeschaltet wird,
tritt die Notwendigkeit einer verbindenden Gliederung ein: der ideale Zustand
wird damit beendet, und an seine Stelle tritt das notwendige Übel der
Organisation. Es bilden sich kleine Untergruppen, die in der politischen
Bewegung beispielsweise als Ortsgruppen die Keimzellen der späteren
Organisation darstellen.
Diese Untergliederung darf jedoch, wenn nicht die Ein heit der Lehre
verlorengehen soll, immer erst dann stattfinden, wenn die Autorität des
geistigen Begründers und der von ihm herangebildeten Schule als unbedingt an
erkannt gelten darf. Die geopolitische Bedeutung eines zentralen Mittelpunktes
einer Bewegung kann dabei nicht überschätzt werden. Nur das Vorhandensein
eines solchen, mit dem magischen Zauber eines Mekka oder Rom umgebenen Ortes
kann auf die Dauer einer Bewegung die Kraft schenken, die in der inneren
Einheit und der Anerkennung einer diese Einheit repräsentierenden Spitze
begründet liegt.
So darf bei der Bildung der ersten organisatorischen Keimzellen nie die Sorge
aus dem Auge verloren werden, dem ursprünglichen Ausgangsort der Idee die
Bedeutung nicht nur zu erhalten, sondern zu einer überragenden zu steigern.
Diese Steigerung der ideellen, moralischen und tatsächlichen Übergröße des
Ausgangs und Leitpunktes der Bewegung muß in eben dem Maße stattfinden, in dem
die zahllos gewordenen untersten Keimzellen der Bewegung neue Zusammenschlüsse
in organisatorischen Formen erfordern.
Denn wie die zunehmende Zahl einzelner Anhänger und die Unmöglichkeit eines
weiteren direkten Verkehrs mit ihnen zur Bildung der untersten
Zusammenfassungen führt, so zwingt die endliche zahllose Vermehrung dieser
untersten Organisationsformen wieder zu höheren Zusammenschlüssen, die man
politisch etwa als Gau oder Bezirksverbände ansprechen kann.
So leicht es vielleicht noch ist, die Autorität der ursprünglichen Zentrale
gegenüber den untersten Ortsgruppen aufrechtzuerhalten, so schwer wird es
schon sein, diese Stellung den nunmehr sich bildenden höheren
Organisationsformen gegenüber zu bewahren. Dieses aber ist die Voraussetzung
für den einheitlichen Bestand einer Bewegung und damit für die Durchführung
einer Idee.
Wenn endlich auch diese größeren Zwischengliederungen zu neuerlichen
Organisationsformen zusammengeschlossen werden, steigert sich auch weiter die
Schwierigkeit, selbst ihnen gegenüber den unbedingt führenden Charakter des
ursprünglichen Gründungsortes, seiner Schule usw. sicherzustellen.
Deshalb dürfen die mechanischen Formen einer Organisation nur in eben dem Maße
ausgebaut werden, in dem die geistige ideelle Autorität einer Zentrale
bedingungs los gewahrt erscheint. Bei politischen Gebilden kann diese Garantie
oft nur durch die praktische Macht als gegeben erscheinen.
Hieraus ergaben sich folgende Richtlinien für den inneren Aufbau der Bewegung:
a) Konzentration der gesamten Arbeit zunächst auf einen einzigen Ort: München.
Heranbildung einer Gemeinde von unbedingt verläßlichen Anhängern und
Ausbildung einer Schule für die spätere Verbreitung der Idee. Gewinnung der
notwendigen Autorität für später durch möglichst große sichtbare Erfolge an
diesem einen Ort.
Um die Bewegung und ihre Führer bekannt zu machen, war es nötig, den Glauben
an die Unbesiegbarkeit der marxistischen Lehre an einem Orte für alle sichtbar
nicht nur zu erschüttern, sondern die Möglichkeit einer entgegengesetzten
Bewegung zu beweisen.
b) Bildung von Ortsgruppen erst dann, wenn die Auto rität der Zentralleitung
in München als unbedingt aner kannt gelten darf.
c) Die Bildung von Bezirks, Gau oder Landesverbän den erfolgt ebenfalls nicht
nur nach dem Bedarf an sich, sondern nach Erreichung der Sicherheit einer
bedingungslosen Anerkennung der Zentrale.
Weiter aber ist die Bildung organisatorischer Formen abhängig von den
vorhandenen, als Führer in Betracht kommenden Köpfen.
Es gibt dabei zwei Wege:
a) Die Bewegung verfügt über die notwendigen finanziellen Mittel zur Heran und
Ausbildung befähigter Köpfe zum späteren Führertum. Sie setzt das dabei
gewonnene Material dann planmäßig nach den Gesichtspunkten taktischer und
sonstiger Zweckmäßigkeiten ein.
Dieser Weg ist der leichtere und schnellere; er erfordert jedoch große
Geldmittel, da dieses Führermaterial nur besoldet in der Lage ist, für die
Bewegung arbeiten zu können.
b) Die Bewegung ist infolge des Mangels an Geldmit teln nicht in der Lage,
beamtete Führer einzusetzen, son dern ist zunächst auf ehrenamtlich tätige
angewiesen.
Dieser Weg ist der langsamere und schwerere.
Die Führung der Bewegung muß große Gebiete unter Umständen brachliegen lassen,
sofern sich nicht aus den Anhängern ein Kopf herausschält, fähig und gewillt,
sich der Leitung zur Verfügung zu stellen und die Bewegung in dem betreffenden
Gebiete zu organisieren und zu führen.
Es kann vorkommen, daß sich dann in großen Gebieten niemand findet, in anderen
Orten dagegen wieder zwei oder gar drei annähernd gleich Fähige sind. Die
Schwierigkeit, die in einer solchen Entwicklung liegt, ist groß und kann nur
nach Jahren überwunden werden.
Immer aber ist und bleibt die Voraussetzung für die Bildung einer
organisatorischen Form der zu ihrer Füh rung fähige Kopf.
So wertlos eine Armee in all ihren organisatorischen Formen ohne Offiziere
ist, so wertlos ist eine politische Organisation ohne den entsprechenden
Führer.
Für die Bewegung ist das Unterlassen der Bildung einer Ortsgruppe besser als
das Mißglücken ihrer Organisierung, wenn eine leitende und vorwärtstreibende
Führerpersönlichkeit fehlt.
Zum Führertum selber gehört nicht nur Wille, sondern auch Fähigkeit, wobei
jedoch der Willens und Tatkraft eine größere Bedeutung zugemessen werden muß
als der Genialität an sich, und am wertvollsten eine Verbindung von Fähigkeit,
Entschlußkraft und Beharrlichkeit ist.
12. Die Zukunft einer Bewegung wird bedingt durch den Fanatismus, ja die
Unduldsamkeit, mit der ihre Anhänger sie als die allein richtige vertreten und
anderen Gebilden ähnlicher Art gegenüber durchsetzen.
Es ist der größte Fehler, zu glauben, daß die Stärke einer Bewegung zunimmt
durch die Vereinigung mit einer anderen, ähnlich beschaffenen. Jede
Vergrößerung auf solchem Weg bedeutet zunächst freilich eine Zunahme an
äußerem Umfang und damit in den Augen oberflächlicher Betrach ter auch an
Macht, in Wahrheit jedoch übernimmt sie nur die Keime einer später wirksam
werdenden inneren Schwächung.
Denn was immer man von der Gleichartigkeit zweier Bewegungen reden mag, so ist
sie in Wirklichkeit doch nie vorhanden. Denn im anderen Falle gäbe es eben
praktisch nicht zwei, sondern nur eine Bewegung. Und ganz gleich, worin die
Unterschiede liegen – und wären sie nur begründet in den verschiedenen
Fähigkeiten der Führung –, sie sind da. Dem Naturgesetz aller Entwicklung aber
entspricht nicht das Verkuppeln zweier eben nicht gleicher Gebilde, sondern
der Sieg des stärkeren und die durch den dadurch bedingten Kampf allein
ermöglichte Höherzüchtung der Kraft und Stärke des Siegers.
Es mögen durch die Vereinigung zweier annähernd gleicher politischer
Parteigebilde augenblickliche Vorteile erwachsen, auf die Dauer ist doch jeder
auf solche Weise gewonnene Erfolg die Ursache später auftretender innerer
Schwächen.
Die Größe einer Bewegung wird ausschließlich gewährleistet durch die
ungebundene Entwicklung ihrer inneren Kraft und durch deren dauernde
Steigerung bis zum endgültigen Siege über alle Konkurrenten.
Ja, man kann sagen, daß ihre Stärke und damit ihre Lebensberechtigung
überhaupt nur so lange in Zunahme begriffen ist, solange sie den Grundsatz des
Kampfes als die Voraussetzung ihres Werdens anerkennt, und daß sie in
demselben Augenblick den Höhepunkt ihrer Kraft überschritten hat, in dem sich
der vollkommene Sieg auf ihre Seite neigt.
Es ist mithin einer Bewegung nur nützlich, diesem Siege in einer Form
nachzustreben, die zeitlich nicht zum augenblicklichen Erfolge führt, sondern
die in einer durch unbedingte Unduldsamkeit herbeigeführten langen Kampfdauer
auch ein langes Wachstum schenkt.
Bewegungen, die ihre Zunahme nur dem sogenannten Zusammenschluß ähnlicher
Gebilde, also ihre Stärke Kompromissen verdanken, gleichen Treibhauspflanzen.
Sie schießen empor, allein ihnen fehlt die Kraft, Jahrhunderten zu trotzen und
schweren Stürmen zu widerstehen.
Die Größe jeder gewaltigen Organisation als Verkörperung einer Idee auf dieser
Welt liegt im religiösen Fanatismus, in der sie sich unduldsam gegen alles
andere, fanatisch überzeugt vom eigenen Recht, durchsetzt. Wenn eine Idee an
sich richtig ist und, in solcher Weise gerüstet, den Kampf auf dieser Erde
aufnimmt, ist sie unbesiegbar, und jede Verfolgung wird nur zu ihrer inneren
Stärke führen.
Die Größe des Christentums lag nicht in versuchten Vergleichsverhandlungen mit
etwa ähnlich gearteten philosophischen Meinungen der Antike, sondern in der
unerbittlichen fanatischen Verkündung und Vertretung der eigenen Lehre.
Der scheinbare Vorsprung, den Bewegungen durch Zusammenschlüsse erreichen,
wird reichlich eingeholt durch die dauernde Zunahme der Kraft einer unabhängig
bleiben den, sich selbst verfechtenden Lehre und ihrer Organisation.
13. Die Bewegung hat grundsätzlich ihre Mitglieder so zu erziehen, daß sie im
Kampfe nicht etwas lässig Auferzogenes, sondern das selbst Erstrebte erblicken.
Sie haben die Feindschaft der Gegner mithin nicht zu fürchten, sondern als
Voraussetzung zur eigenen Daseinsberechtigung zu empfinden. Sie haben den Haß
der Feinde unseres Volkstums und unserer Weltanschauung und seine Äußerungen
nicht zu scheuen, sondern zu ersehen. Zu den Äußerungen dieses Hasses aber
gehören auch Lüge und Verleumdung.
Wer in den jüdischen Zeitungen nicht bekämpft, also verleumdet und verlästert
wird, ist kein anständiger Deutscher und kein wahrer Nationalsozialist. Der
beste Gradmesser für den Wert seiner Gesinnung, die Aufrichtigkeit seiner
Überzeugung und die Kraft seines Wollens ist die Feindschaft, die ihm von
seiten des Todfeindes unseres Volkes entgegengebracht wird.
Die Anhänger der Bewegung und in weiterem Sinne das ganze Volk müssen immer
und immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der Jude in seinen Zeitungen
stets lügt, und daß selbst eine einmalige Wahrheit nur zur Deckung einer
größeren Fälschung bestimmt und damit selber wieder gewollte Unwahrheit ist.
Der Jude ist der große Meister im Lügen, und Lug und Trug sind seine Waffen im
Kampfe.
Jede jüdische Verleumdung und jede jüdische Lüge ist eine Ehrennarbe am Körper
unserer Kämpfer.
Wen sie am meisten verlästern, der steht uns am nächsten, und wen sie am
tödlichsten hassen, der ist unser bester Freund.
Wer des Morgens die jüdische Zeitung ergreift, ohne sich in ihr verleumdet zu
sehen, hat den vergangenen Tag nicht nützlich verwertet; denn wäre es so,
würde er vom Juden verfolgt, gelästert, verleumdet, beschimpft, beschmutzt
werden. Und nur wer diesen Todfeind unseres Volkstums und jeder arischen
Menschheit und Kultur am wirksamsten
gegenübertritt, darf erwarten, die Verleumdungen dieser Rasse und damit den
Kampf dieses Volkes auch gegen sich gerichtet zu sehen.
Wenn diese Grundsätze in Fleisch und Blut unserer Anhänger übergehen, wird die
Bewegung unerschütterlich und unbesiegbar werden.
14. Die Bewegung hat die Achtung vor der Person mit allen Mitteln zu fördern;
sie hat nie zu vergessen, daß im persönlichen Wert der Wert alles Menschlichen
liegt, daß jede Idee und jede Leistung das Ergebnis der schöpferi schen Kraft
eines Menschen ist, und daß die Bewunderung vor der Größe nicht nur einen
Dankeszoll an diese dar stellt, sondern auch ein einigendes Band um die
Dankenden schlingt.
Die Person ist nicht zu ersetzen; sie ist es besonders dann nicht, wenn sie
nicht das mechanische, sondern das kulturell schöpferische Element verkörpert.
So wenig ein berühmter Meister ersetzt werden kann und ein anderer die Voll
endung seines halbfertig hinterlassenen Gemäldes zu übernehmen vermag, so
wenig ist der große Dichter und Den ker, der große Staatsmann und der große
Feldherr zu ersetzen. Denn deren Tätigkeit liegt immer auf dem Ge biete der
Kunst; sie ist nicht mechanisch anerzogen, sondern durch göttliche Gnade
angeboren.
Die größten Umwälzungen und Errungenschaften dieser Erde, ihre größten
kulturellen Leistungen, die unsterb lichen Taten auf dem Gebiete der
Staatskunst usw., sie sind für ewig unzertrennbar verknüpft mit einem Namen
und werden durch ihn repräsentiert. Der Verzicht auf die Huldigung vor einem
großen Geist bedeutet den Verlust einer immensen Kraft, die aus dem Namen
aller großen Männer und Frauen strömt.
Dies weiß am besten der Jude. Gerade er, dessen Größen nur groß sind in der
Zerstörung der Menschheit und ihrer Kultur, sorgt für ihre abgöttische
Bewunderung. Nur die Verehrung der Völker für ihre eigenen Geister versucht er
als unwürdig hinzustellen und stempelt sie zum „Personenkult". Sobald ein Volk
so feige wird, dieser jüdischen Anmaßung und Frechheit zu unterliegen,
verzichtet es auf die gewaltige Kraft, die es besitzt; denn diese beruht nicht
in der Achtung vor der Masse, sondern in der Verehrung des Genies und in der
Erhebung und Erbauung an ihm.
Wenn Menschenherzen brechen und Menschenseelen verzweifeln, dann blicken aus
dem Dämmerlicht der Vergangenheit die großen Überwinder von Not und Sorge, von
Schmach und Elend, von geistiger Unfreiheit und körperlichem Zwange auf sie
hernieder und reichen den verzagenden Sterblichen ihre ewigen Hände!
Wehe dem Volke, das sich schämt, sie zu erfassen!
In der ersten Zeit des Werdens unserer Bewegung hat ten wir unter nichts so
sehr zu leiden wie unter der Bedeutungslosigkeit und dem Nichtbekanntsein
unserer Namen. Das schwerste in dieser ersten Zeit, da sich oft nur sechs,
sieben und acht Köpfe zusammenfanden, um den Worten eines Redners zu lauschen,
war, in diesem kleinsten Kreise den Glauben an die gewaltige Zukunft der
Bewegung zu erwecken und zu erhalten.
Man bedenke, daß sich sechs oder sieben Männer, lauter namenlose, arme Teufel
zusammenschließen mit der Absicht, eine Bewegung zu bilden, der es dereinst
gelingen soll, was bisher den gewaltigen, großen Massenparteien miß lang, die
Wiederaufrichtung eines Deutschen Reiches erhöhter Macht und Herrlichkeit.
Hätte man uns damals angegriffen, ja, hätte man uns auch nur verlacht, wir
wären glücklich gewesen in beiden Fällen. Denn das Niederdrükkende lag nur in
der vollständigen Nichtbeachtung, die wir damals fanden, und unter der ich am
meisten da mals litt.
Als ich in den Kreis der paar Männer eintrat, konnte weder von einer Partei
noch von einer Bewegung die Rede sein. Ich habe meine Eindrücke anläßlich
meines ersten Zusammentreffens mit diesem kleinen Gebilde schon geschildert.
Ich hatte in den damals folgenden Wochen dann Zeit und Gelegenheit, die
zunächst unmögliche Erscheinung dieser sogenannten Partei zu studieren. Das
Bild war, wahrhaftiger Gott, ein beklemmend niederdrückendes. Es war nichts,
aber auch schon rein gar nichts vorhanden. Der Name einer Partei, deren
Ausschuß praktisch die ganze Mitgliedschaft repräsentierte, war so oder so das,
was sie zu bekämpfen versuchte, ein Parlament im kleinsten. Auch hier
herrschte die Abstimmung, und wenn sich die großen Parlamente wenigstens noch
über größere Probleme monatelang die Kehlen heiser schreien, in diesem kleinen
Zirkel ging schon über die Beantwortung eines glücklich eingelaufenen Briefes
endloses Zwiegespräch los!
Die Öffentlichkeit wußte von dem allem natürlich überhaupt nichts. Kein Mensch
in München kannte die Partei auch nur dem Namen nach, außer ihren paar
Anhängern und den wenigen Bekannten derselben.
Jeden Mittwoch fand in einem Münchener Café eine sogenannte Ausschußsitzung
statt, einmal in der Woche ein Sprechabend. Da die gesamte Mitgliedschaft der
„Bewegung" zunächst im Ausschuß vertreten war, waren die Personen natürlich
immer dieselben. Es mußte sich jetzt darum handeln, endlich den kleinen Zirkel
zu sprengen, neue Anhänger zu gewinnen, vor allem aber den Namen der Bewegung
um jeden Preis bekanntzumachen.
Wir bedienten uns dabei folgender Technik:
In jedem Monat, später alle vierzehn Tage, versuchten wir eine „Versammlung"
abzuhalten. Die Einladungen hierzu wurden auf einer Schreibmaschine oder zum
Teil auch mit der Hand auf Zettel geschrieben und die ersten Male von uns
selber verteilt bzw. ausgetragen. Jeder wendete sich an seinen Bekanntenkreis,
um den einen oder anderen zu bewegen, eine dieser Veranstaltungen zu besuchen.
Der Erfolg war ein jämmerlicher.
Ich erinnere mich noch, wie ich selber in dieser ersten Zeit einmal an die
achtzig dieser Zettel ausgetragen hatte, und wie wir nun am Abend auf die
Volksmassen warteten, die da kommen sollten.
Mit einstündiger Verspätung mußte endlich der „Vorsitzende" die „Versammlung"
eröffnen. Wir waren wieder sieben Mann, die alten Sieben.
Wir gingen dazu über, die Einladungszettel in einem Münchener
Schreibwarengeschäft auf der Maschine schreiben und vervielfältigen zu lassen.
Der Erfolg bestand bei der nächsten Versammlung in einigen Zuhörern mehr. So
stieg die Zahl langsam von elf auf dreizehn, endlich auf siebzehn, auf
dreiundzwanzig, auf vierundzwanzig Zuhörer.
Durch ganz kleine Geldsammlungen im Kreise von uns armen Teufeln wurden die
Mittel aufgebracht, um endlich eine Versammlung durch eine Anzeige des damals
unabhängigen „Münchener Beobachters" in München ankün digen lassen zu können.
Der Erfolg war dieses Mal allerdings erstaunlich. Wir hatten die Versammlung
im Münchener Hofbräuhauskeller angesetzt (nicht zu verwechseln mit dem
Münchener Hofbräuhausfestsaal), einem kleinen Saal von knapp einhundertdreißig
Personen Fassungs raum. Mir selber erschien der Raum wie eine große Halle, und
jeder von uns bangte, ob es gelingen würde, an dem betreffenden Abend dieses „mächtige"
Gebäude mit Menschen zu füllen.
Um sieben Uhr waren einhundertelf Personen anwesend, und die Versammlung wurde
eröffnet.
Ein Münchener Professor hielt das Hauptreferat, und ich sollte als zweiter zum
ersten Male öffentlich sprechen.
Dem damaligen ersten Vorsitzenden der Partei, Herrn Harrer, erschien die Sache
als ein großes Wagnis. Der sonst sicherlich redliche Herr hatte nun einmal die
Überzeugung, daß ich wohl verschiedenes könnte, aber nur nicht reden. Von
dieser Meinung war er auch in der Folgezeit nicht abzubringen.
Die Sache kam anders. Mir waren in dieser ersten als öffentlich
anzusprechenden Versammlung zwanzig Minuten Redezeit zugebilligt worden.
Ich sprach dreißig Minuten, und was ich früher, ohne es irgendwie zu wissen,
einfach innerlich gefühlt hatte, wurde nun durch die Wirklichkeit bewiesen:
ich konnte reden! Nach dreißig Minuten waren die Menschen in dem kleinen Raum
elektrisiert, und die Begeisterung äußerte sich zunächst darin, daß mein
Appell an die Opferwilligkeit der Anwesenden zur Spende von dreihundert Mark
führte. Damit aber war eine große Sorge von uns genommen. Die finanzielle
Beschränkung war ja in dieser Zeit so groß, daß wir nicht einmal die
Möglichkeit besaßen, für die Bewegung Leitsätze drucken zu lassen oder gar
Flugblätter herauszugeben. Nun war der Grundstock gelegt zu einem kleinen
Fonds, aus dem dann wenigstens das Notdürftigste und Notwendigste bestritten
werden konnte.
Allein auch in einer anderen Hinsicht war der Erfolg dieser ersten größeren
Versammlung bedeutend.
Ich hatte damals begonnen, dem Ausschuß eine Anzahl frischer junger Kräfte
zuzuführen. Während meiner langjährigen Militärzeit hatte ich eine größere
Menge treuer Kameraden kennengelernt, die nun langsam auf Grund meines
Zuredens in die Bewegung einzutreten begannen. Es waren lauter tatkräftige
junge Menschen, an Disziplin gewöhnt und von ihrer Dienstzeit her in dem
Grundsatz aufgewachsen: Unmöglich ist gar nichts, und es geht alles, wenn man
will.
Wie nötig aber ein solcher Blutzufluß war, konnte ich selber schon nach
wenigen Wochen Mitarbeit erkennen.
Der damalige erste Vorsitzende der Partei, Herr Harrer, war eigentlich
Journalist und als solcher sicher umfassend gebildet. Doch hatte er eine für
einen Parteiführer außerordentlich schwere Belastung: er war kein Redner für
die Masse. So peinlich gewissenhaft und genau seine Arbeit an sich war, so
fehlte ihr jedoch – vielleicht gerade infolge der fehlenden großen
rednerischen Begabung – auch der größere Schwung. Herr Drexler, damals
Vorsitzender der Ortsgruppe München, war einfacher Arbeiter, als Redner
ebenfalls wenig bedeutend, im übrigen aber kein Soldat. Er hatte nicht beim
Heer gedient, war auch während des Krieges nicht Soldat, so daß ihm, der
seinem ganzen Wesen nach an sich schwächlich und unsicher war, die einzige
Schule fehlte, die es fertigbringen konnte, aus unsicheren und weichlichen
Naturen Männer zu machen. So waren beide Männer nicht aus einem Holz
geschnitzt, daß sie befähigt hätte, nicht nur den fanatischen Glauben an den
Sieg einer Bewegung im Herzen zu tragen, sondern auch mit unerschütterlicher
Willensenergie und, wenn nötig, mit brutalster Rücksichtslosigkeit die
Widerstände zu beseitigen, die sich dem Emporsteigen der neuen Idee in die
Wege stellen mochten. Dazu paßten nur Wesen, in denen sich Geist und Körper
jene militärischen Tugenden zu eigen gemachte hatten, die man vielleicht am
besten so bezeichnen kann: Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie
Kruppstahl.
Ich war damals selber noch Soldat. Mein Äußeres und Inneres war nahezu sechs
Jahre lang geschliffen worden, so daß ich zunächst in diesem Kreise wohl als
fremd empfunden werden mußte. Auch ich hatte das Wort verlernt: Das geht nicht,
oder das wird nicht gehen; das darf man nicht wagen, das ist noch zu
gefährlich usw.
Denn gefährlich war die Sache natürlich. Im Jahre 1920 war in vielen Gegenden
Deutschlands eine nationale Versammlung, die es wagte, ihren Appell an die
breiten Mas sen zu richten und öffentlich zu ihrem Besuche einzuladen, einfach
unmöglich. Die Teilnehmer an einer solchen wurden mit blutigen Köpfen
auseinandergeschlagen und verjagt. Viel gehörte freilich zu einem solchen
Kunststück nicht: pflegte doch die größte sogenannte bürgerliche
Massenversammlung vor einem Dutzend Kommunisten auseinanderzulaufen und
auszureißen wie die Hasen vor dem Hunde. Doch so wenig die Roten von einem
solchen bürgerlichen Trätäklub Notiz nahmen, dessen innere Harmlosigkeit und
damit Ungefährlichkeit für sich selbst sie besser kannten als dessen
Mitglieder selber, so entschlossen waren sie aber, eine Bewegung mit allen
Mitteln zu erledigen, die ihnen gefährlich schien – das Wirksamste in solchen
Fällen bildete jedoch zu allen Zeiten der Terror, die Gewalt.
Am verhaßtesten aber mußte den marxistischen Volksbetrügern eine Bewegung
sein, deren ausgesprochenes Ziel die Gewinnung derjenigen Masse war, die
bisher im ausschließlichen Dienste der internationalen marxistischen Juden und
Börsenparteien stand. Schon der Titel „Deutsche Arbeiterpartei" wirkte
aufreizend. So konnte man sich leicht vorstellen, daß bei der ersten passenden
Gelegenheit die Auseinandersetzung mit den damals noch siegestrunkenen
marxistischen Antreibern beginnen würde.
Im kleinen Kreis der damaligen Bewegung hatte man vor einem solchen Kampfe
denn auch eine gewisse Angst. Man wollte möglichst wenig an die Öffentlichkeit
treten, aus Furcht, geschlagen zu werden. Man sah die erste große Versammlung
im Geiste schon gesprengt und die Bewegung dann vielleicht für immer erledigt.
Ich hatte einen schweren Stand mit meiner Auffassung, daß man diesem Kampf
nicht ausweichen, sondern daß man ihm entgegentreten und sich deshalb
diejenige Rüstung zulegen müsse, die allein den Schutz vor der Gewalt gewährt.
Terror bricht man nicht durch Geist, sondern durch Terror. Der Erfolg der
ersten Versammlung stärkte in dieser Richtung meine Stellung. Man bekam Mut zu
einer zweiten, schon etwas größer aufgezogenen.
Etwa Oktober 1919 fand im Eberlbräukeller die zweite größere Versammlung statt.
Thema: BrestLitowsk und Versailles. Als Redner traten vier Herren auf. Ich
selber sprach nahezu eine Stunde, und der Erfolg war grö ßer als bei der
ersten Kundgebung. Die Besucherzahl war auf über einhundertdreißig gestiegen.
Ein Störungsversuch wurde durch meine Kameraden sofort im Keime erstickt. Die
Unruhestifter flogen mit zerbeulten Köpfen die Treppe hinunter.
Vierzehn Tage darauf fand eine weitere Versammlung im gleichen Saale statt.
Die Besucherzahl war auf über einhundertsiebzig gestiegen – eine gute
Besetzung des Rau mes. Ich hatte wieder gesprochen, und wieder war der Erfolg
größer als bei der vorhergegangenen Versammlung.
Ich drängte nach einem größeren Saal. Endlich fanden wir einen solchen am
anderen Ende der Stadt, im „Deutschen Reich" an der Dachauer Straße. Die erste
Versammlung im neuen Raum war schwächer besucht als die vorhergegangene: knapp
einhundertvierzig Personen. Im Aus schuß begann die Hoffnung wieder zu sinken,
und die ewigen Zweifler glaubten, als Ursache des schlechten Besuches die zu
häufige Wiederholung unserer „Kundgebungen" ansehen zu müssen. Es gab heftige
Auseinandersetzungen, in denen ich den Standpunkt vertrat, daß eine
SiebenhunderttausendEinwohnerStadt nicht nur alle vierzehn Tage eine, sondern
jede Woche zehn Versammlungen vertragen müßte, daß man sich durch Rückschläge
nicht irre machen lassen dürfe, daß die eingeschlagene Bahn die richtige sei,
und daß früher oder später bei immer gleichbleibender Beharrlichkeit der
Erfolg kommen müsse. Überhaupt war diese ganze Zeit des Winters 1919/20 ein
einziger Kampf, das Vertrauen in die siegende Gewalt der jungen Bewegung zu
stärken und zu jenem Fanatismus zu steigern, der als Glaube dann Berge zu
versetzen vermag.
Die nächste Versammlung im gleichen Saale gab mir schon wieder recht. Die Zahl
der Besucher war auf über zweihundert gestiegen, der äußere sowohl als der
finan zielle Erfolg glänzend.
Ich trieb zur sofortigen Ansetzung einer weiteren Veranstaltung. Sie fand kaum
vierzehn Tage später statt, und die Zuhörermenge stieg auf über
zweihundertsiebzig Köpfe.
Vierzehn Tage später riefen wir zum siebenten Male Anhänger und Freunde der
jungen Bewegung zusammen, und derselbe Raum konnte die Menschen nur mehr
schwer fassen, es waren über vierhundert geworden.
In dieser Zeit erfolgte die innere Formgebung der jun gen Bewegung. Es gab
dabei in dem kleinen Kreis manches Mal mehr oder weniger heftige
Auseinandersetzungen. Von verschiedenen Seiten – wie auch heute, so schon
damals – wurde die Bezeichnung der jungen Bewegung als Partei bekrittelt. Ich
habe in einer solchen Auffassung immer nur den Beweis für die praktische
Unfähigkeit und geistige Kleinheit des Betreffenden gesehen. Es waren und sind
immer die Menschen, die Äußeres von Innerem nicht zu unterscheiden vermögen
und die den Wert einer Bewe gung nach möglichst schwulstig klingenden
Bezeichnungen
Deutschvölkische Wanderscholaren 395
abzuschätzen versuchen, wobei zu allem Unglück der Wortschatz unserer Urväter
am meisten herhalten muß.
Es war damals schwer, den Leuten begreiflich zu machen, daß jede Bewegung,
solange sie nicht den Sieg ihrer Ideen und damit ihr Ziel erreicht hat, Partei
ist, auch wenn sie sich tausendmal einen anderen Namen beilegt.
Wenn irgendein Mensch einen kühnen Gedanken, dessen Verwirklichung im
Interesse seiner Mitmenschen nützlich erscheint, zur praktischen Durchführung
bringen will, so wird er sich zunächst Anhänger zu suchen haben, die bereit
sind, für seine Absichten einzutreten. Und wenn diese Absicht nur darin
bestünde, das zur Zeit bestehende Parteiwesen zu vernichten, die
Zersplitterung zu beenden, so sind die Vertreter dieser Anschauung und
Verkünder dieses Entschlusses eben selber Partei, so lange, bis nicht das Ziel
errungen ist. Es ist Wortklauberei und Spiegelfechterei, wenn irgendein
bezopfter völkischer Theoretiker, dessen praktische Erfolge im umgekehrten
Verhältnis zu seiner Weisheit stehen, sich einbildet, den Charakter, den jede
junge Bewegung als Partei besitzt, zu ändern durch eine Änderung ihrer
Bezeichnung.
Im Gegenteil.
Wenn irgend etwas unvölkisch ist, dann ist es dieses Herumwerfen mit besonders
altgermanischen Ausdrücken, die weder in die heutige Zeit passen noch etwas
Bestimmtes vorstellen, sondern leicht dazu führen können, die Bedeutung einer
Bewegung im äußeren Sprachschatz derselben zu sehen. Das ist ein wahrer Unfug,
den man aber heute unzählige Male beobachten kann.
Überhaupt habe ich schon damals und auch in der Folgezeit immer wieder vor
jenen deutschvölkischen Wanderscholaren warnen müssen, deren positive Leistung
immer gleich Null ist, deren Einbildung aber kaum übertroffen zu werden vermag.
Die junge Bewegung mußte und muß sich vor einem Zustrom an Menschen hüten,
deren einzige Empfehlung zumeist in ihrer Erklärung liegt, daß sie schon
dreißig oder gar vierzig Jahre lang für die gleiche Idee gekämpft hätten. Wer
aber vierzig Jahre lang für eine sogenannte Idee eintritt, ohne selbst den
geringsten Erfolg herbeiführen zu können, ja ohne den Sieg des Gegenteils
verhindert zu haben, hat den Wahrheitsbeweis für die eigene Unfähigkeit in
vierzigjähriger Tätigkeit erbracht. Das Gefährliche liegt vor allem darin, daß
solche Naturen sich nicht als Glieder in die Bewegung einfügen wollen, sondern
von Führerkreisen faseln, in denen sie auf Grund ihrer ur alten Tätigkeit
allein eine passende Stelle zur weiteren Betätigung zu erblicken vermögen.
Wehe aber, wenn man solchen Leuten eine junge Bewegung ausliefert! So wenig
ein Geschäftsmann, der in vierzigjähriger Tätigkeit ein großes Geschäft
konsequent vernichtete, zum Begründer eines neuen taugt, so wenig paßt ein
völkischer Methusalem, der in eben dieser Zeit eine große Idee verkorkste und
zum Verkalken brachte, zur Führung einer neuen, jungen Bewegung!
Im übrigen kommen alle diese Menschen nur zu einem Bruchteil in die neue
Bewegung, um ihr zu dienen und der Idee der neuen Lehre zu nützen, in den
meisten Fällen aber, um unter ihrem Schutze oder durch die Möglichkeiten, die
sie bietet, die Menschheit noch einmal mit ihren eigenen Ideen unglücklich zu
machen. Was aber das für Ideen sind, läßt sich nur schwer wiedergeben.
Es ist das Charakteristische dieser Naturen, daß sie von altgermanischem
Heldentum, von grauer Vorzeit, Steinäxten, Ger und Schild schwärmen, in
Wirklichkeit aber die größten Feiglinge sind, die man sich vorstellen kann.
Denn die gleichen Leute, die mit altdeutschen, vorsorglich nachgemachten
Blechschwertern in den Lüften herumfuchteln, ein präpariertes Bärenfell mit
Stierhörnern über dem bärtigen Haupte, predigen für die Gegenwart immer nur
den Kampf mit geistigen Waffen und fliehen vor jedem kommunistischen
Gummiknüppel eiligst von dannen. Die Nachwelt wird einmal wenig Veranlassung
besitzen, das Heldendasein dieser Rauschebärte in einem neuen Epos zu
verherrlichen.
Ich habe diese Leute zu gut kennengelernt, um nicht vor ihrer elenden
Schauspielerei den tiefsten Ekel zu empfinden. Auf die breite Masse aber
wirken sie lächerlich, und
Ablehnung des Wortes „völkisch" der Jude hat allen Grund, diese völkischen
Komödianten zu schonen, sie sogar den wirklichen Verfechtern eines kommenden
deutschen Staates vorzuziehen. Dabei sind diese Menschen noch maßlos
eingebildet, wollen, trotz aller Beweise ihrer vollkommenen Unfähigkeit, alles
besser verstehen und werden zu einer wahren Plage für die geradlinigen und
ehrlichen Kämpfer, denen Heldentum nicht nur in der Vergangenheit
verehrungswürdig erscheint, sondern die sich auch bemühen, der Nachwelt durch
eigenes Handeln ein gleiches Bild zu geben.
Auch läßt es sich oft nur schwer unterscheiden, wer von diesen Leuten aus
innerer Dummheit oder Unfähigkeit handelt, oder wer aus bestimmten Gründen nur
so tut. Besonders bei den sogenannten religiösen Reformatoren auf
altgermanischer Grundlage habe ich immer die Empfindung, als seien sie von
jenen Mächten geschickt, die den Wiederaufstieg unseres Volkes nicht wünschen.
Führt doch ihre ganze Tätigkeit das Volk vom gemeinsamen Kampf gegen den
gemeinsamen Feind, den Juden, weg, um es statt dessen seine Kräfte in ebenso
unsinnigen wie unseligen inneren Religionsstreitigkeiten verzehren zu lassen.
Gerade aus diesen Gründen aber ist die Aufrichtung einer starken Zentralgewalt
im Sinne der unbedingten Autorität der Führung in der Bewegung nötig. Nur
durch sie allein kann solchen verderblichen Elementen das Handwerk gelegt
werden. Allerdings sind aus diesem Grunde die größten Feinde einer
einheitlichen, stramm geführten und geleiteten Bewegung auch in den kreisen
dieser völkischen Ahasvere zu finden. Sie hassen in der Bewegung die Macht,
die ihren Unfug steuert.
Nicht umsonst hat die junge Bewegung sich einst auf ein bestimmtes Programm
festgelegt und das Wort „völkisch" dabei nicht verwendet. Der Begriff völkisch
ist infolge seiner begrifflichen Unbegrenztheit keine mögliche Grundlage für
eine Bewegung und bietet keinen Maßstab für die Zugehörigkeit zu einer solchen.
Je undefinierbarer dieser Begriff praktisch ist, je mehr und umfangreichere
Deutungen er zuläßt, um so mehr steigt aber auch die Möglichkeit, sich auf ihn
zu berufen. Die Einschiebung eines derart unbestimmbaren und so vielseitig
auslegbaren Begriffes in den politischen Kampf führt zur Aufhebung jeder
strammen Kampfgemeinschaft, da diese es nicht verträgt, dem einzelnen die
Bestimmung seines Glaubens und Wollens selbst zu überlassen.
Es ist auch schandbar, wer sich heute alles mit dem Wort „völkisch" auf der
Kappe herumtreibt, wieviel Leute ihre eigene Auffassung über diesen Begriff
haben. Ein bekann ter Professor in Bayern, ein berühmter Kämpfer mit geistigen
Waffen und reich an ebenso geistigen Marschleistungen nach Berlin, setzt den
Begriff völkisch monarchischer Einstellung gleich. Das gelahrte Haupt hat
freilich bisher vergessen, die Identität unserer deutschen Monarchen der
Vergangenheit mit einer völkischen Auffassung von heute näher zu erklären. ich
fürchte auch, daß dies dem Herrn schwer gelingen würde. Denn etwas
Unvölkischeres als die meisten deutschen monarchischen Staatsgebilde kann man
sich gar nicht vorstellen. Wäre es anders, sie wären nie verschwunden, oder
aber ihr Verschwinden böte den Beweis für die Unrichtigkeit der völkischen
Weltanschauung.
So legt jeder diesen Begriff aus, wie er es eben versteht. Als Grundlage aber
für eine politische Kampfbewegung kann eine solche Vielfältigkeit der
Meinungen nicht in Frage kommen.
Von der Weltfremdheit und besonders der Unkenntnis der Volksseele dieser
völkischen Johannesse des zwanzigsten Jahrhunderts will ich dabei ganz absehen.
Sie wird genügend illustriert durch die Lächerlichkeit, mit der sie von links
behandelt werden. Man läßt sie schwätzen und lacht sie aus.
Wer es aber auf dieser Welt nicht fertigbringt, von seinen Gegnern gehaßt zu
werden, scheint mir als Freund nicht viel wert zu sein. Und so war auch die
Freundschaft dieser Menschen für unsere Bewegung nicht nur wertlos, sondern
immer nur schädlich, und es war auch der Hauptgrund, warum wir erstens den
Namen „Partei" wählten – wir durften hoffen, daß dadurch allein schon ein
ganzer Schwarm dieser völkischen Schlafwandler von uns zurückgescheucht würde
–, und warum wir uns zweitens als Nationalsozialistische Deutsche
Arbeiterpartei bezeichneten.
Der erste Ausdruck brachte uns die Altertumsschwärmer vom Leibe, die
Wortmenschen und äußerlichen Sprücheklopfer der sogenannten „völkischen Idee",
der zweite aber befreite uns von dem ganzen Troß der Ritter mit dem „geistigen
Schwert", all der Jammerlappen, die die „geistige Waffe" als Schutzschild vor
ihre tatsächliche Feigheit halten.
Es versteht sich von selbst, daß wir in der Folgezeit besonders von diesen
letzteren am schwersten angegriffen wurden, natürlich nicht tätlich, sondern
nur mit der Feder, wie dies von einem solchen völkischen Gänsekiel ja nicht
anders zu erwarten ist. Für sie hatte freilich unser Grundsatz „Wer uns mit
Gewalt entgegentritt, dessen erwehren wir uns mit Gewalt" etwas Unheimliches
an sich. Sie warfen uns nicht nur die rohe Anbetung des Gummiknüppels, sondern
den mangelnden Geist an sich auf das eindringlichste vor. Daß in einer
Volksversammlung ein Demosthenes zum Schweigen gebracht werden kann, wenn nur
fünfzig Idi oten, gestützt auf ihr Mundwerk und ihre Fäuste, ihn nicht
sprechen lassen wollen, berührt einen solchen Quacksalber allerdings nicht im
geringsten. Die angeborene Feigheit läßt ihn nie in eine solche Gefahr geraten.
Denn er arbeitet nicht „lärmend" und „aufdringlich", sondern im „stillen".
Ich kann auch heute unsere junge Bewegung nicht genug davor warnen, in das
Netz dieser sogenannten „stillen Arbeiter" zu kommen. Sie sind nicht nur
Feiglinge, sondern auch immer Nichtskönner und Nichtstuer. Ein Mensch, der
eine Sache weiß, eine gegebene Gefahr kennt, die Möglichkeit einer Abhilfe mit
seinen Augen sieht, hat die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, nicht im
„stillen" zu arbeiten, sondern vor der Öffentlichkeit gegen das Übel auf und
für seine Heilung einzutreten. Tut er das nicht, dann ist er ein
pflichtvergessener, elender Schwächling, der entweder aus Feigheit versagt
oder aus Faulheit und Unvermögen. Der Großteil dieser „stillen Arbeiter" aber
tut meistens nur so, als ob er weiß Gott was wüßte. Sie alle können nichts,
versuchen aber die ganze Welt mit ihren Kunststücken zu bemogeln; sie sind
faul, erwecken aber mit ihrer behaupteten „stillen" Arbeit den Eindruck einer
ebenso enormen wie emsigen Tätigkeit, kurz und gut, sie sind Schwindler,
politische Schiebernaturen, denen die ehrliche Arbeit der anderen verhaßt ist.
Sobald solch ein völkischer Nachtfalter sich auf den Wert der „Stille" beruft,
kann man tausend gegen eins wetten, daß er in ihr nicht produziert, sondern
stiehlt, stiehlt von den Früchten der Arbeit anderer.
Dazu kommt noch die Arroganz, Einbildung und Frechheit, mit der dieses
praktisch faulenzende, lichtscheue Gesindel über die Arbeit anderer herfällt,
von oben herunter zu bekritteln versucht und so in Wahrheit den Todfeinden
unseres Volkes hilft.
Jeder letzte Agitator, der den Mut besitzt, auf dem Wirtstisch unter seinen
Gegnern stehend, männlich und offen seine Anschauung zu vertreten, leistet
mehr als tausend dieser verlogenen, heimtückischen Duckmäuser. Er wird
sicherlich den einen oder anderen bekehren und für die Bewe gung gewinnen
können. Man wird seine Leistung über prüfen und am Erfolg die Wirkung seines
Tuns festzustel len vermögen. Nur die feigen Schwindler, die ihre Arbeit in
der „Stille" preisen und sich mithin in den Schutzmantel einer zu verachtenden
Anonymität hüllen, taugen zu gar nichts und dürfen im wahrsten Sinne des
Wortes als Drohnen bei der Wiedererhebung unseres Volkes gelten.
Anfang des Jahres 1920 trieb ich zur Abhaltung der ersten ganz großen
Massenversammlung. Darüber kam es zu Meinungsverschiedenheiten. Einige
führende Parteimitglieder hielten die Sache für viel zu verfrüht und damit in
der Wirkung für verhängnisvoll. Die rote Presse hatte sich mit uns zu
beschäftigen angefangen, und wir waren glücklich genug, allmählich ihren Haß
zu erringen. Wirhatten begonnen, als Diskussionsredner in anderen
Versammlungen aufzutreten. Natürlich wurde jeder von uns sofort
niedergeschrien. Allein ein Erfolg war doch vorhanden. Man lernte uns kennen,
und in eben dem Maße, in dem sich diese Kenntnis vertiefte, stiegen die
Abneigung und Wut gegen uns. So durften wir also wohl darauf hof fen, bei
unserer ersten großen Massenversammlung den Besuch unserer Freunde aus dem
roten Lager in größtem Umfange zu erhalten.
Auch ich war mir klar darüber, daß die Wahrscheinlichkeit einer Sprengung groß
war. Allein der Kampf mußte eben ausgetragen werden, wenn nicht jetzt, dann
einige Monate später. Es lag ganz bei uns, schon am ersten Tage die Bewegung
durch blindes, rücksichtsloses Einstehen für sie zu verewigen. Ich kannte vor
allem die Mentalität der Anhänger der roten Seiten nur zu gut, um nicht zu
wissen, daß ein Widerstand bis zum äußersten am ehesten nicht nur Eindruck
erweckt, sondern auch Anhänger gewinnt. Zu diesem Widerstand mußte man eben
entschlossen sein.
Der damalige erste Vorsitzende der Partei, Herr Harrer, glaubte, meinen
Ansichten in bezug auf den gewählten Zeitpunkt nicht beipflichten zu können
und trat in der Folge als ehrlicher, aufrechter Mann von der Führung der
Bewegung zurück. An seine Stelle rückte Herr Anton Drexler vor. Ich selber
hatte mir die Organisation der Propaganda vorbehalten und führte diese nun
auch rücksichtslos durch.
So wurde als Termin für die Abhaltung dieser ersten großen Volksversammlung
der noch unbekannten Bewegung der 24. Februar 1920 bestimmt.
Die Vorbereitungen leitete ich persönlich. Sie waren sehr kurz. Überhaupt
wurde der ganze Apparat darauf ein gestellt, blitzschnelle Entscheidungen
treffen zu können. Zu Tagesfragen sollte in Form von Massenversammlungen
innerhalb vierundzwanzig Stunden Stellung genommen werden. Die Ankündigung
derselben sollte durch Plakate und Flugblätter stattfinden, deren Tendenz nach
jenen Gesichtspunkten bestimmt wurde, die ich in meiner Abhandlung über
Propaganda in groben Umrissen schon niedergelegt habe. Wirkung auf die breite
Masse, Konzentration auf wenige Punkte, immerwährende Wiederholung derselben,
selbstsichere und selbstbewußte Fassung des Textes in den Formen einer
apodiktischen Behauptung, größte Beharrlichkeit in der Verbreitung und Geduld
im Erwarten der Wirkung.
Als Farbe wurde grundsätzlich Rot gewählt, sie ist die aufpeitschendste und
mußte unsere Gegner am meisten empören und aufreizen und uns ihnen dadurch so
oder so zur Kenntnis und in Erinnerung bringen.
In der Folgezeit zeigte sich auch in Bayern die innere Verbrüderung zwischen
Marxismus und Zentrum als politischer Partei am klarsten in der Sorge, mit der
die hier regierende Bayerische Volkspartei die Wirkung unserer Plakate auf die
roten Arbeitermassen abzuschwächen und später zu unterbinden versuchte. Fand
die Polizei kein anderes Mittel, dagegen einzuschreiten, dann mußten zum
Schluß „Verkehrsrücksichten" herhalten, bis man endlich dem inneren, stillen,
roten Bundesgenossen zuliebe unter fördernder Beihilfe einer sogenannten
Deutschnationalen Volkspartei diese Plakate, die Hunderttausende von
internationalen, verhetzten und verführten Arbeitern dem deutschen Volkstum
wiedergegeben hatten, gänzlich verbot. Diese Plakate – der ersten und zweiten
Auflage dieses Buches als Anhang beigefügt – können am besten das gewaltige
Ringen belegen, das die junge Bewegung in dieser Zeit ausfocht. Sie werden
aber auch vor der Nachwelt Zeugnis ablegen für das Wollen und die
Aufrichtigkeit unserer Gesinnung und die Willkür sogenannter nationaler Behör
den in der Unterbindung einer ihnen unbequemen Nationalisierung und damit
Wiedergewinnung breiter Massen unseres Volkstums.
Sie werden auch die Meinung zerstören helfen, als ob sich in Bayern eine
nationale Regierung an sich befände, und vor der Nachwelt noch dokumentieren,
daß das nationale Bayern der Jahre 1919, 1920, 1921, 1922 und 1923 nicht etwa
das Ergebnis einer nationalen Regierung war, sondern diese nur
gezwungenerweise Rücksicht nehmen mußte auf ein allmählich national fühlendes
Volk.
Die Regierungen selber taten alles, um diesen Gesundungsprozeß zu unterbinden
und unmöglich zu machen.
Zwei Männer nur muß man dabei ausnehmen:
Der damalige Polizeipräsident Ernst Pöhner und sein treuer Berater,
Oberamtmann Frick, waren die einzigen höheren Staatsbeamten, die schon damals
den Mut besaßen, erste Deutsche und dann Beamte zu sein. An verantwortlicher
Stelle war Ernst Pöhner der einzige, der nicht um die Gunst der Massen buhlte,
sondern sich seinem Volkstum verantwortlich fühlte und bereit war, für die
Wiederauferstehung des von ihm über alles geliebten deutschen Volkes alles,
auch, wenn nötig, seine persönliche Existenz auf das Spiel zu setzen und zu
opfern. Er war denn auch immer der lästige Dorn in den Augen jener käuflichen
Beamtenkreaturen, denen nicht das Interesse ihres Volkes und die notwendige
Freiheitserhebung desselben, sondern der Befehl des Brotgebers das Gesetz des
Handelns vorschreibt, ohne Rücksicht auf das Wohl des ihnen anvertrauten
nationalen Gutes.
Vor allem aber gehörte er zu jenen Naturen, die im Unterschied zu den meisten
Hütern unserer sogenannten Staatsautorität die Feindschaft der Volks und
Landesverräter nicht fürchten, sondern sie als selbstverständliches Gut des
anständigen Mannes ersehnen. Der Haß von Juden und Marxisten, ihr ganzer Kampf
voll Lüge und Verleumdung waren für ihn das einzige Glück inmitten des Elends
unseres Volkes.
Ein Mann von granitener Redlichkeit, von antiker Schlichtheit und deutscher
Geradlinigkeit, bei dem das Wort „lieber tot als Sklave" keine Phrase, sondern
den Inbegriff seines ganzen Wesens bildete.
Er und sein Mitarbeiter Dr. Frick sind in meinen Augen die einzigen, die von
Männern in staatlicher Stellung das Recht besitzen, als Mithersteller eines
nationalen Bayerns zu gelten. –
Ehe wir nun zur Abhaltung unserer ersten Massenversammlung schritten, mußte
nicht nur das notwendige Propagandamaterial bereitgestellt, sondern mußten
auch die Leitsätze des Programms im Druck niedergelegt werden.
Ich werde die Richtlinien, die uns besonders bei der Abfassung des Programms
vor Augen schwebten, im zweiten Bande auf das gründlichste entwickeln. Ich
will hier nur feststellen, daß es geschaffen wurde, nicht nur um der jungen
Bewegung Form und Inhalt zu geben, sondern um deren Ziele der breiten Masse
verständlich zu machen.
Aus sogenannten Intelligenzkreisen hat man darüber gewitzelt und gespöttelt
und versucht, daran Kritik zu üben. Die Richtigkeit unserer damaligen
Auffassung aber hat die Wirksamkeit dieses Programms ergeben.
Ich habe in diesen Jahren Dutzende von neuen Bewegungen erstehen sehen, und
sie alle sind wieder spur los verschwunden und verweht. Eine einzige blieb:
die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Und heute hege ich mehr
denn je die Überzeugung, daß man sie bekämpfen kann, daß man versuchen mag,
sie zu lähmen, daß kleine Parteiminister uns die Rede und das Wort ver bieten
können, den Sieg unserer Gedanken werden sie nimmermehr verhindern.
Wenn von der gesamten heutigen Staatsauffassung und ihren Vertretern nicht
einmal die Erinnerung mehr die Namen künden wird, werden die Grundlagen des
nationalsozialistischen Programms die Fundamente eines kommenden Staates sein.
Die viermonatige Versammlungstätigkeit vor dem Ja nuar 1920 hatte uns langsam
die kleinen Mittel erübrigen lassen, die wir zur Drucklegung unserer ersten
Flugschrift, unseres ersten Plakates und unseres Programms be nötigten.
Wenn ich als Abschluß dieses Bandes diese erste große Massenversammlung der
Bewegung nehme, so geschieht es deshalb, weil mit ihr die Partei den engen
Rahmen eines kleinen Vereins sprengte und an Stelle dessen zum ersten Male
bestimmend auf den gewaltigen Faktor unserer Zeit, die öffentliche Meinung,
einwirkte.
Ich selbst besaß damals nur eine einzige Sorge: Wird der Saal gefüllt sein,
oder werden wir vor gähnender Leere sprechen? Ich hatte die felsenfeste innere
Überzeugung, daß, wenn die Menschen kommen würden, der Tag ein großer Erfolg
für die junge Bewegung werden müsse. So bangte ich dem damaligen Abend
entgegen.
Um 7.30 Uhr sollte die Eröffnung stattfinden. 7.15 Uhr betrat ich den Festsaal
des Hofbräuhauses am Platzl in München, und das Herz wollte mir fast vor
Freude zerspringen. Der gewaltige Raum, denn gewaltig kam er mir damals noch
vor, war mit Menschen überfüllt, Kopf an Kopf, eine fast zweitausend Menschen
zählende Masse. Und vor allem – es waren die gekommen, an die wir uns wenden
wollten. Weit über die Hälfte des Saales schien von Kommunisten und
Unabhängigen besetzt. Unsere erste große Kundgebung war von ihnen zu einem
schnellen Ende bestimmt worden.
Allein es kam anders. Nachdem der erste Redner geendet, ergriff ich das Wort.
Wenige Minuten später hagelte es Zwischenrufe, im Saal kam es zu heftigen
Zusammenstößen. Eine Handvoll treuester Kriegskameraden und sonstige Anhänger
schlugen sich mit den Störenfrieden und vermochten erst nach und nach einige
Ruhe herzustellen. Ich konnte wieder weitersprechen. Nach einer halben Stunde
begann der Beifall das Schreien und Brüllen langsam zu übertönen.
Und nun ergriff ich das Programm und begann es zum ersten Male zu erläutern.
Von Viertelstunde zu Viertelstunde wurden die Zwischenrufe mehr und mehr
zurückgedrängt von beifälligen Zurufen. Und als ich endlich die fünfundzwanzig
Thesen Punkt für Punkt der Masse vorlegte und sie bat, selber das Urteil über
sie zu sprechen, da wurden sie nun eine nach der anderen unter immer mehr sich
erhebendem Jubel angenommen, einstimmig und immer wieder einstimmig, und als
die letzte These so den Weg zum Herzen der Masse gefunden hatte, stand ein
Saal voll Menschen vor mir, zusammengeschlossen von einer neuen Überzeugung,
einem neuen Glauben, von einem neuen Willen.
Als sich nach fast vier Stunden der Raum zu leeren begann und die Masse sich
Kopf an Kopf wie ein langsamer Strom dem Ausgange zuwälzte, zuschob und
zudrängte, da wußte ich, daß nun die Grundsätze einer Bewegung in das deutsche
Volk hinauswanderten, die nicht mehr zum Vergessen zu bringen waren.
Ein Feuer war entzündet, aus dessen Glut dereinst das Schwert kommen muß, das
dem germanischen Siegfried die Freiheit, der deutschen Nation das Leben
wiedergewinnen soll.
Und neben der kommenden Erhebung fühlte ich die Göt tin der unerbittlichen
Rache schreiten für die Meineidstat des 9. November 1918.
So leerte sich langsam der Saal.
Die Bewegung nahm ihren Lauf.
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