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Weiterleiten, denn mittlerweile wissen manche BRD-Bürger gar nicht mehr, was das war, der 17. Juni. „Und das ist gut so“, würden die Angehörigen der herrschenden Kaste sagen, darum wurde auch der Feiertag der Deutschen Einheit abgeschafft. 16 sowjetische Divisionen mußten zur Niederschlagung des Aufstandes eingesetzt werden, alleine in Berlin 600 Panzer, nebst 20.000 sowj. Soldaten und 16.000 bewaffnete VoPo’s!
17. Juni 1953 – Volkserhebung in der DDR „Kollegen reiht euch ein, wir wollen freie Menschen sein!“ und auch „Spitzbart, Bauch und Brille, sind nicht des Volkes Wille!“ rufen die Demonstranten am 16. und 17. Juni in Ost-Berlin – und in der DDR. Sie verlangen die Rücknahme der Normerhöhung, Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, schließlich den Rücktritt der Regierung und freie Wahlen. Der Volksaufstand des 17. Juni 1953 bildet den Höhepunkt einer langen, krisenhaften Entwicklung, aber er kommt dennoch für die SED-Funktionäre völlig überraschend. Vorder- gründig haben die aufgezwungenen Normerhöhungen den Aufstand ausgelöst. Doch das ist nur der Zündfunke gewesen. Was die Lage so explosiv macht, ist das stete Ansteigen der Repressalien gegen das Volk: Handwerker und Gewerbetreibende, Klein- und Mittelbauern, Intellektuelle, Wissenschaftler und Ärzte sind besonders betroffen. Sie verlassen in Scharen das Land aber auch Facharbeiter und Angestellte fliehen zu Zehntausenden in den Westen. Diese Art „Klassenkampf“ hat Folgen: Die Versorgung verschlechtert sich, die Landwirtschaft bricht zusammen. Um die Pläne dennoch zu erfüllen, ordnet die Regierung Normerhöhungen an, streicht Sozialleistungen, kürzt Lebensmittelzuteilungen. Am 28. Mai 1953 beschließt der Ministerrat der DDR allgemeine Normerhöhungen um durchschnittlich 10 Prozent. Angeblich sollen die Berliner Bauarbeiter, die sich am hartnäckigsten gegen die Erhöhung wehren, ihre alten Normen mit 200 Prozent erfüllen. In Wirklichkeit trifft es die am härtesten, die ohnehin am schwersten arbeiten und vergleichsweise wenig verdienen. Bereits am 4. Juni streiken in Eisleben die Bergleute des Mansfelder Kupferreviers gegen die neuen Normen. Am 9. Juni treten über 2.000 Arbeiter des Stahl- und Walzwerks Henningsdorf in den Ausstand. Überall beginnt sich Widerstand zu regen. Nicht nur gegen die Normerhöhung selbst, sondern gegen die Art, wie sie durchgesetzt wurde. Nach Stalins Tod – der Diktator war am 5. März gestorben – herrscht in der Sowjetführung selbst noch keine Klarheit über die künftige Richtung der Deutschlandpolitik. Klar ist nur eins: Einen Krisenherd an seiner Westflanke kann Moskau in dieser Situation am allerwenigsten gebrauchen. Der neu ernannte Hohe Kommissar der UdSSR für Deutschland, Semjonow, legt am 31. Mai 1953 in Moskau seinen Bericht „Über die Lage in der DDR“ vor, worin er Unruhen nicht ausschließen könne. Die sowjetische Führung zitiert die SED-Oberen – Parteichef Ulbricht, Ministerpräsident Grotewohl und Chefökonom Oelßner – nach Moskau. Doch die „Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der Deutschen Demokratischen Republik“, die das Geheimpapier vorschlägt, sind halbherzig und kommen zu spät. Am 16. Juni bringt das Gewerkschaftsblatt „Tribüne“ einen Artikel, der die Normerhöhung ausdrücklich begrüßt. Da beschließen Berliner Bauarbeiter zu streiken. Am Block 40 in der Stalinallee wird die Arbeit niedergelegt. Die Stalinallee in Berlin ist ein Prestigeprojekt der DDR. Wer dort arbeitet, verdient mehr als auf kleineren Baustellen. Prämien und Sonderzulagen winken. Die Propaganda behauptet, die Bauarbeiter der Stalinallee erfüllen ihre Normen mit 200 Prozent, und rechtfertigt damit die Zuschläge. Es sind hier allerdings nur Arbeiter zugelassen, die „freiwillig“ Mehrarbeit leisten. Die Arbeiter sind besonders darüber erbittert, daß man sie gegeneinander ausspielt. Von ihnen geht der Aufstand in Berlin aus. Ein Demonstrationszug formiert sich Richtung Strausberger Platz und weiter zum Haus der Ministerien. Dort fordern die Arbeiter eine Stellungnahme der Regierung. Aber die Regierung läßt sich nicht sehen, begibt sich lieber unter dem Schutz russischer Panzer nach Karlshorst. Plötzlich verbreitet sich überall die Losung: „Wenn die Regierung nicht mit uns reden will, ist morgen Generalstreik“. So geschieht es am 17. Juni. Und nicht nur in Berlin. Die Henningsdorfer Stahlarbeiter formieren sich zu einem Zug, der quer durch West-Berlin ins Ost-Berliner Zentrum marschiert. Daraus macht später die kommunistische Propaganda einen „faschistischen Putsch“, der von Westberlin aus gelenkt worden sei. Auch in Halle, in Bitterfeld und Wolfen, in Leuna-Merseburg, in Dresden und Leipzig, in Görlitz an der Neiße, in einem Zwangsarbeitslager in Glowe auf Rügen, in Gera, Erfurt und Weimar, in Magdeburg und Brandenburg und vielen anderen Orten erheben sich die Menschen. Überall macht man sich die vier Forderungen der Berliner Arbeiter zu Eigen. In Bitterfeld und Wolfen bilden die Arbeiter ein Kreis-Streikkomitee. Die Forderungen der Arbeiter werden telegrafisch an die Regierung durchgegeben. In einem weiteren Telegramm an den Hohen Kommissar Semjonow ersucht das Komitee die Besatzungsmacht um Aufhebung des Ausnahmezustandes. In Görlitz werden die öffentlichen Gebäude besetzt, Polizei und Stasi entwaffnet und die Stadtverwaltung durch das Streikkomitee übernommen. In Dresden ist das Sachsenwerk das Zentrum des Aufstandes, die Demonstrationen ins Stadtzentrum verlaufen diszipliniert und nahezu gewaltfrei. In Halle kommt es hingegen zu blutigen Kämpfen. Und auch in Berlin nimmt am nachmittag des 17. Juni 1953 auf beiden Seiten die Gewaltbereitschaft zu. Dir sowjetischen Streitkräfte – insgesamt 400.000 Mann – befinden sich gerade im Manöver; sie sind aber mobilisiert und kampfbereit. Insgesamt können 16 Divisionen gegen die Aufständischen herangeführt werden, davon alein drei Divisionen mit 600 Panzern in Berlin. Am Abend des 17. Juni sind rund 20.000 sowjetische Soldaten und 15.000 Angehörige der Kasernierten Volkspolizei (KVP) in Ost-Berlin im Einsatz. Wie wenig aber die Sowjets der KVP vertrauen können, zeigt ein streng geheimes Dokument der SED über die Flüchtlingszahlen: Demnach sind unter den 120.000 DDR-Bürgern, die allein in den ersten vier Monaten des Jahres 1953 in den Westen fliehen, 8.000 KVP-Angehörige. Jeder 15. Flüchtling ist also ein Polizist. Die sowjetische Besatzungsmacht verhängte am Nachmittag des 17. Juni über 167 der 217 Land- und Stadtkreise den Ausnahmezustand. Damit gilt das Kriegsrecht. Die Sowjetunion übernimmt für diese Zeit die oberste Regierungsgewalt. In allen Aufstandszentren werden die Demon-strationen aufgelöst. Nur das rettet letztlich die SED-Herrschaft. Bis zum 20. Juni 1953 werden 18 sogenannte Rädelsführer, oft willkürlich festgenommene Passanten, von den Sowjets erschossen. Nach westlichen Erhebungen könnten insgesamt bei der Niederwerfung des Aufstandes 267 Arbeiter getötet und über 100 verletzt worden sein, auch 116 Volkspolizisten und Funktionäre fielen den Aktionen zum Opfer. Über 40 Sowjetsoldaten, die sich geweigert haben, auf deutsche Arbeiter zu schießen, werden in ihren Garnisonen hingerichtet. Etwa 15000 Menschen werden im ganzen Land verhaftet und weit über 1.000 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Im Juli 1953 entfernt Ulbricht seine Gegner aus der Parteiführung. Danach stellt er allerdings finanzielle Mittel zur Verfügung, die den Lebensstandard der Bevölkerung verbessern sollen. F. A
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