|
Auf die Spuren von "Gog" und "Magog"
Das jüdische
Königreich der Khasaren |
Drucken
zurück zu Abhandlungen
|
["In Khasarien gibt es Schafe,
Honig und Juden in großen Mengen"]
Muquadassi, Descriptio
Imperii Moslemici, 10 Jahrhundert |
Einleitung
Anlaß zu dieser Abhandlung gab der englische (ungarisch-deutscher Herkunft)
Historiker und Schriftsteller, Arthur Koestler. Stützend auf umfangreicher
Fachliteratur, beschreibt er, in seinem Buch: "Der dreizehnte Stamm - Das
Reich der Khasaren und sein Erbe" (Deutsche Ausgabe 1989; englische
Originalausgabe 1976 - "The Thirteenth Tribe"), detailliert den Aufstieg und
Niedergang des Khasarenreiches. Koestlers verblüffende These:
Die Khasaren sind die Vorfahren der jüdischen
Siedler in Osteuropa und damit der meisten heute lebenden Juden.
Ziel ist zunächst, ein fern verdrängtes Geschichtsereignis, über die Herkunft
der Juden Europas, wieder auf der Tagesordnung zu setzen und zu beleuchten.
Des Weiteren wird ein Augenmerk auf die Tatsache focusiert, dass die
Volksstämme der Khasaren während einer langen Geschichtsepoche existent waren
und geherrscht haben, dann die Beziehung zwischen den Khasaren und den heute
lebenden Juden soll hergestellt und, anhand historischer Fakten, nachgewiesen
werden. Zum Schluss der Frage nachgegangen: "Sind khasarische Juden als die
Vorfahren der jüdischen Siedler in Osteuropa und damit der meisten heute
lebenden europäischen und amerikanischen Juden?" Ein historisches Faktum wird
für die These Israel Shahaks gesucht, dass: "92 Prozent der weltweit 13
Millionen Juden keine Semiten sind und aus der khasarischen
Bevölkerungsschicht in Europa bzw. Rußland stammen", womit die Behauptung der
Juden von der "Rückkehr nach Palästina" lediglich als ein "Mythos" erweisen
wird.
Auch wenn wir davon ausgingen, dass die europäischen und die amerikanischen
Juden semitischer Abstammung wären, könnten sie keinen historisch-religiösen
oder moralischen Anspruch auf eine Rückkehr erheben. Das liegt darin begründet,
dass sie zunächst als Eroberer nach Palästina kamen, und zweitens, waren sie
etwa 1.400 Jahre von dort abwesend. Welche Logik kann darin liegen, wenn
Völker solche Ansprüche erheben? Wie würde heutzutage die Weltkarte aussehen?
Und drittens, aus einem Glauben kann kein Anspruch auf ein fremdes Land
abgeleitet werden. Und nun kommen wir zu der Schlußfolgerung, dass: "die
zionistische Ideologie nichts anders als ein
expansionistisch-kolonialistisches Siedlerprojekt ist."
Die Khasaren
Einer der frühesten tatsächlichen Hinweise auf die Khasaren ist in der
syrischen Chronik des sogenannten Zacharia Rhetor aus der Mitte des 6.
Jahrhunderts zu finden. Sie erwähnt in einer Liste von Völkern, die den
Kaukasus bewohnen, auch die Khasaren. Andere Quellen deuten an, dass die
Khasarenstämme schon ein Jahrhundert früher sehr wohl bekannt waren. Zuerst
hatten die Khasaren unter hunnischer und dann unter türkischer Oberherrschaft
gestanden. Nach dem Untergang des Westtürkischen Reiches in der Mitte des 7.
Jahrhunderts waren nun sie an der Reihe, das Königreich im Norden zu
beherrschen. Die Khasaren beherrschten vom 7. bis ins 11. Jahrhundert in der
südrussischen Steppe, zwischen dem Kaukasus und der Wolga liegenden Raum
Osteuropas, ein großes Reich und traten etwa im Jahr 740, einzigartig in der
Geschichte, geschlossen zum jüdischen Glauben über.
Durch das lebenswichtige Tor zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen (Khasarisches)
Meer, besaß das Khasarenland eine strategische Schlüsselposition. Es lag quer
zu der natürlichen Linie des Vordringens der Araber als ihre Armeen wenige
Jahre nach dem Tod des Propheten Mohammeds im Jahr 632 nach Norden stürmten
und so die Eroberung Ost-europas verhinderte. Den siegreichen Moslems stellten
sich die Truppen des Khasarenreiches erfolgreich entgegen. Bedingt durch
dieser wichtigen Lage wirkte das Reich als ein Pufferstaat, der Byzanz vor
barbarischen Stämmen und später vor den Wikingern und Russen, aus den
nördlichen Steppen, bewahrte. Ein, aus heutiger - auch früherer - Sicht, noch
viel bedeutenderer historisch-politischer Grund war, dass sie die arabischen
Armeen an der Ausdehnung ihrer Eroberungen nach Osteuropa wirkungsvoll
begegneten.
Die Kriege zwischen Arabern und Khasaren dauerten über ein Jahrhundert, wo die
letzte Schlacht im Jahre 737 stattfand und diesmal mit einer Niederlage der
Khasaren endete. Trotz dieses Sieges befanden sich die Araber bereits auf dem
Rückzug aus dem Kaukasus, ohne einen Brückenkopf im Norden gewonnen zu haben.
Der Übertritt der Khasaren zum Judentum
Wenige Jahre nach der letzten Schlacht - etwa um 740 -, wurden die Khasaren
noch mächtiger als zuvor, traten sie geschlossen, König, Hof und die
herrschende Kriegerkaste, was einzigartig in der Geschichte ist, zum jüdischen
Glauben über und schließlich wurde das Judentum zur offiziellen Staatsreligion
erklärt.
Was war der Grund für dieses einzigartige Ereignis?
Zu Beginn des 8. Jahrhunderts war die Welt polarisiert durch die beiden
Großmächte, das Christentum und den Islam. Das Khasarenreich stellte eine
dritte Kraft dar. Aber es konnte seine Unabhängigkeit nur aufrechterhalten,
wenn es weder das Christentum noch den Islam annahm; denn das Bekenntnis zu
einer dieser Religionen hätte es automatisch der Autorität entweder des
römischen Kaisers oder des Kalifen von Bagdad unterstellt, eben ein
Vasallenstaat. Jedoch der mächtige Khasarenkagan war entschlossen, seine
Position als dritte Kraft, als Führer der neutralen Steppenvölker, zu bewahren.
Was hätte daher logischer sein können, als eine dritte Religion anzunehmen?
Der ungarische Historiker, Antal Bartha, schreibt hierzu in seinem Buch "Die
ungarische Gesellschaft im 9.-10. Jahrhundert", Budapest 1968, zu diesem
Ereignis: "... Der jüdische Glaube wurde zur offiziellen Religion der
herrschenden Gesellschaftsschicht. ... Wir werden uns jedoch auf die Bemerkung
beschränken, dass dieser offizielle Übertritt - den christlichen
Bekehrungsversuchen zum Trotz, die von Byzanz ausgingen, und ebenso zum Trotz
dem Einfluss der Moslems aus dem Osten und in Abwehr des politischen Druckes
dieser beiden Mächte - zu einer Religion, die keinerlei Unterstützung von
irgendeiner politischen Macht erhielt, dafür aber von nahezu allen verfolgt
wurde, dass also für alle Historiker, die sich mit den Khasaren befaßt haben,
dies eine ausgesprochene Überraschung ist und keineswegs als zufällig
betrachtet werden kann, sondern vielmehr als ein Zeichen der unabhängigen
Politik gesehen werden muss, die von diesem Königreich verfolgt worden ist."
Obwohl die Quellen in kleineren Einzelheiten voneinander etwas differieren,
gibt es doch über die wesentlichen Ereignisse keinerlei Zweifel. Ein
Reisebericht Ibn Faldlans (er leitete eine Mission des Kalifen zum Land der
Wolgabulgaren, 21. Juni 921 bis 12. Mai 922) endet mit den Worten: "Die
Khasaren und ihr König sind jüdischer Religion. Die Saqâliba und alle
diejenigen, welche ihnen benachbart sind, sind ihm unterworfen. Sie wendeten
sich untertänigst zu ihm mit Anbeten und schuldeten ihm Gehorsam ... Manche
sind der Meinung, dass Gog und Magog die Khasaren sind."
In seinem Buch: "Khasaria" schreibt A. N. Poliak, Professor für
mittelalterliche jüdische Geschichte an der Universität Tel Aviv, und einer
der Vorkämpfer der Hypothese eines khasarischen Ursprungs der Juden: "... die
Tatsachen erforderten ... "eine neue Einstellung sowohl zum Problem des
Verhältnisses zwischen den khasarischen Juden und anderen jüdischen
Gemeinschaften wie zu der Frage, inwieweit wir diese [khasarischen] Juden als
den Kern der großen jüdischen Gemeinden in Osteuropa betrachten können. Die
Nach-kommen der Siedler - jene, die blieben, wo sie waren; jene, die in den
Vereinigten Staaten und in andere Länder emigrierten, und jene, die nach
Israel gingen - stellen heute die große Mehrheit des Weltjudentums dar." Dies
wurde geschrieben, bevor das gesamte Ausmaß jener Katastrophe bekannt war, die
das Judentum in Osteuropa vernichtete. Doch ändert das nichts an der Tatsache,
dass die grosse Mehrheit der überlebenden Juden aus Osteuropa stammt und daher
khasarischen Ursprungs ist. A. Koestler hierzu: "Das bedeutet, dass die Ahnen
der Juden nicht vom Jordan, sondern von der Wolga kamen, nicht aus Kanaan,
sondern aus dem Kaukasus, den man für die Wiege der arischen Rasse hielt. Dies
bedeutet wiederum, dass sie genetisch viel enger mit Hunnen, Uiguren und
Magyaren verwandt sind als mit dem Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Aus
diesem Grund ist der Ausdruck "Antisemitismus" bar jeder Bedeutung. Dieser ist
aus einem Mißverständnis erwachsen, das sowohl die Mörder als auch ihre Opfer
teilten.
Die Zahl der Juden in Khasarien nahm, durch Einwanderung, zu. Tatsächlich hat
der König der Griechen im Jahr der Hedschra 332 (943-944) die Juden in seinem
Königreich mit Gewalt zum Christentum bekehrt. Daher sind viele Juden aus
Griechenland nach Khasarien geflohen. Khasarien wurde als eine Art von
nationaler Heimstätte für die Juden.
Aufstieg der Khasaren
Zu Beginn des 8. Jahrhunderts war die Welt polarisiert durch die beiden
Großmächte, den Islam und das Christentum. Das Khasarenreich stellte eine
dritte Macht dar, die sich jeder einzelnen Supermacht als gleichwertig
erwiesen hatte, sowohl als Gegner als auch als Verbündeter. Diese
Unabhängigkeit konnte nur aufrechterhalten bleiben, wenn das Khasarenreich
weder das Christentum noch den Islam annahm. Eine naheliegende Überlegung,
warum der Übertritt zum Judentum erfolgte, liegt darin begründet, dass wenn
die Khasaren zum Islam oder zum Christentum konvertiert wären, in beiden
Fällen hätten sie als ein Vasallenstaat des muslimischen Kalifen oder des
römischen Kaisers fungieren müssen und deren Autorität unterstellt. Der
Übertritt zum Judentum ermöglichte dem Königreich der Khasaren sich als dritte
Kraft und als ein souveräner Eckpfeiler im Mächte-Dreieck zu behaupten.
Die gigantische Zangenbewegung der Moslems gegen Europa über die Pyrenäen im
Westen und den Kaukasus im Osten wurde etwa zur gleichen Zeit aufgehalten. Die
Franken Karl Martells retteten Gallien und Westeuropa, und die Khasaren
schützten die östlichen Zugänge zur Wolga, zur Donau und zum oströmischen
Reich selbst. In diesem Punkt stimmen mehrere Historiker voll überein. Der
Historiker Artamonow meint hierzu: "Khasarien war der erste Feudalstaat in
Osteuropa, der auf gleichem Range mit den Byzantinischen Reich und dem
arabischen Kalifat stand ... "
Schließlich schreibt Dimitri Obolenskij, Professor für russische Geschichte an
der Universität Oxford: "Der Hauptbeitrag der Khasaren für die Weltgeschichte
war ihr erfolgreiches Halten der Kaukasuslinie gegen den nach Norden
gerichteten Angriff der Araber."
... Mit den abbasidischen Kalifen endeten auch die Eroberungskriege, der
wiederbelebte Einfluß der alten persischen Kultur schuf ein sanfteres Klima
und brachte schließlich den Glanz Bagdads unter Harun al Rashid hervor.
Es kann keinen Zweifel darüber bestehen, dass der Khasarenkönig bei der
Annahme des Judentums von machtpolitischen, und in gewisser Hinsicht auch
mentalen, Motiven getrieben wurde. Dadurch konnte eine Unabhängigkeit des
Khasarenreiches gegen die beiden theokratischen Weltmächte - Bagdad und Byzanz
- verteidigt, nämlich durch die Erklärung des Judentums zur Staatsreligion,
was für einen Überraschungseffekt sorgte.
Die jüdische Religion der Khasaren
Die religiöse Überzeugung der Khasaren überlebte den Zusammenbruch ihres
Staates und lebte in den khasarisch-jüdischen Siedlungen Rußlands und Polens
fort.
"Talmud" heisst auf Neuhebräisch `das Lernen'. Er ist die bedeutendste
Zusammenfassung der Lehren, Vorschriften und Überlieferungen des biblischen
Judentums. Der Jerusalemer Talmud wurde im Jahre 370 und der Babylonische
Tal-mud im Jahre 500 abgeschlossen. Der Talmud, neben dem Alten Testament,
legt die Grund-lagen jüdischen Lebens und Verhaltens fest. Er ist das
Religions- und Gesetzbuch der Juden und bestimmt ihr Leben, Handeln,
zwischen-menschliche Beziehungen und diese zu Natur und anderen Lebewesen auf
der Erde, Welt-anschauung, die Auslegung der Tora und alles, was hierzu an
traditionellen Erläuterungen erfor-derlich ist. Jedoch die Lehren aus dem
Talmud zeugen auch Hass und Überheblichkeit gegen-über Nichtjuden (Gojim), wie
zum Beispiel: "Es wird dreimal nacheinander gesagt, dass der Goj und die Goja
verunreinigt sind" Fol. 83a.
Stets unterscheidet der Talmud zwischen Juden und Nichtjuden. Diese und viele
andere Aus-sagen, Lehrweisen und Vorschriften veranlaßten Israel Shahak zu der
Feststellung, dass der Talmud von Rassismus und Hass gegen alles Nichtjude,
Gojim genannt, erfüllt ist. Weiter predigt der Talmud, durch die Hervorhebung
der Juden über alle anderen Nichtjuden, dass Juden die "Auserwählten Gottes"
seien. Philip Roth, zitiert bei Norman Finkelstein, meint hierzu, dass Juden
nur eine Art Psychologie vererbt bekommen, die sich in drei Worten ausdrücken
lässt: "Juden sind besser." Diese Einstellung aus dem Talmud kam den
kriegerischen Khasaren in ihrem mentalen Bestreben, eine ebenbürtige, wenn
nicht überragende, Macht, verglichen mit den beiden bestehenden, Islam und
Christen-tum, gerade recht. Aus diesem Grund erscheint der Übertritt der
Khasaren zum talmudischen Judentum plausibel und nachvollziehbar. Diese
Denkweise mit entsprechendem Verhalten der Juden, "Wir sind immer die
Auserwählten und Besten", hat sich im kriegerischen Siedler-verhalten der
Khasaren niedergeschlagen und lässt sich, wie ein "Roter Faden" bei den
Nachkommen im jüdischen Staat in Palästina, bis heute deutlich verfolgen.
Niedergang und Zusammenbruch des
Khasarenreiches
Über den Niedergang und Zusammenbruch des Khasarenreiches sei nur soviel
erwähnt, dass wir anschließend mehr Gewicht auf die Völker-wanderung, den "Exodus
nach Westen" und die Verschmelzung mit den Osteuropäern legen wollen und
eingehender besprechen werden.
Wie bereits schon erwähnt, erreichte das Khasarenreich in der ersten Hälfte
des 8. Jahrhunderts den Höhepunkt seines Ruhms. Nach dem 8. Jahrhundert wird
nicht mehr über Kämpfe zwischen Khasaren und Arabern berichtet. Demzufolge
scheint eine Befriedung für mehrere Jahrzehnte geherrscht zu haben.
Der Niedergang des Khasarenreiches nahm seien Anfang im 10. Und setzte sich
bis in das 13. Jahrhundert fort und zerfiel endgültig nach der Invasion der
Mongolen.
Eine letzte Erwähnung der Khasaren als Nation wird zwischen 1245 und 1247
datiert. Zu jener Zeit hatten die Mongolen bereits die Kumanen aus Eurasien
vertrieben und das größte Noma-denreich - von Ungarn bis China - gegründet.
Der Exodus nach Westen
Der Niedergang des Khasarenreiches nahm seinen Anfang nach seiner Niederlage
durch die Russen im Jahre 965. Das Reich hielte sich aber in enger gezogenen
Grenzen fort. Baron kommentiert: "Im allgemeinen behauptete sich das
verkleinerte khasarische Königreich mehr oder weniger erfolgreich gegen alle
Feinde bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts, als der großen Mongoleninvasion,
des Dschingis Khan in Be-wegung setzte, zum Opfer fiel. ... Aber sowohl vor
wie nach der mongolischen Invasion hatten die Khasaren manche Ableger in die
unter-worfenen slawischen Länder entsandt und halfen schließlich dabei mit,
die großen jüdischen Zentren in Osteuropa aufzubauen. Hier hat man also die
Wiege des zahlenmäßig und kulturell dominierenden Bestandteils des heutigen
Judentums." Hier haben wir also die Wiege des zahlenmäßig und kulturell
dominierendsten Bestandteiles des heutigen Judentums.
Ethnisch waren natürlich die semitischen Stämme an den Wassern des Jordan und
die turko-khasarischen Stämme an der Wolga "Meilen voneinander entfernt". Die
mittel-alterlichen Khasaren schmückten sich auch mit dem Stolz des "auserwählten
Volkes", leiteten aber ihre Abstammung nicht von Sem, sondern von Japhet ab.
Die khasarischen Stämme und Gemeinschaften wanderten hauptsächlich nach
Rußland und Polen ein, jene Gebiete Osteuropas, wo zu Be-ginn der Neuzeit
Juden am dichtesten siedelten. Dies hat viele Historiker zu der Annahme
geführt, dass die Mehrheit der Ostjuden und damit auch des Weltjudentums
khasarischer und nicht semitischer Abstammung sei. Die These von Israel Shahak
findet hier ihre Bestätigung.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Mehrheit des wichtigen Teiles
des modernen Judentums seinen Ursprung in den Wanderungswellen der
Kabaren-Khasaren [Kabaren: khasarische Stämme]hatte, die eine so bedeutende
Rolle in der frühen ungarischen Gesellschaft spielten.
Die khasarische Herkunft des zahlenmäßig und gesellschaftlich dominierenden
Elements in der jüdischen Bevölkerung Ungarns während des Mittelalters ist
recht gut dokumentiert. ... Tatsächlich jedoch war das Einströmen der Khasaren
nach Ungarn nur ein Teil der allgemeinen Massenauswanderung aus den
eurasischen Steppen nach dem Westen, das heißt nach Zentral- und Osteuropa.
Der schwarze Tod von 1347/48 beschleunigte die fortschreitende Entvölkerung
der früheren Herzlande der Khasaren zwischen Kaukasus, Don und Wolga, wo die
Steppenkultur ihr höchstes Niveau erreicht hatte. Baron schreibt: "Die
Ausrottung oder die Flucht fleißiger jüdischer Bauern, Handwerker und
Kaufleute ließen ein Vakuum zurück, das sich in diesen Gegenden erst in
allerjüngster Zeit wieder zu füllen beginnt."
Nicht nur Khasarien war zerstört worden, sondern auch das Land der
Wolgabulgaren ... Poliak kommentiert: "In den meisten Steppengebieten Europas
war die Auswanderung der einzige Weg, der Völkern offenblieb, die ihr Leben
und ihren Besitz zu retten hofften." ... Der Auszug der Khasaren bildete nur
ein Teil der allgemeinen Situation. Vorausgegangen war die Gründung
khasarischer Kolonien und Siedlungen an verschiedenen Plätzen der Ukraine und
des südlichen Rußland. Es gibt in der Ukraine und in Polen eine Fülle von
alten Ortsnamen, die sich aus den Worten Khasar oder schid (Jude) ableiten
lassen: Schydowo, Kosarsewsk, Kosara, Kosarzow, Schiodowska, Vola, Schydaticze
usw. ... Ähnliche Ortsnamen findet man auch in den Karpaten und in der Tatra
sowie in den östlichen Provinzen Österreichs.
Die Hauptstraße der khasarischen Auswanderung führte nach Westen, einige
Gruppen blieben, hauptsächlich auf der Krim und Kaukasus, zurück. Diese
jüdische Enklaven überdauerten bis in die Gegenwart. Eine andere Spur des
khasarischen Volkes sind die "Bergjuden" im nordöstlichen Kaukasus.
Die Zahl der Juden im polnisch-litauischen Königreich im 17. Jahrhundert wird
auch von modernen Historikern auf etwa 500000 geschätzt (fünf Prozent der
gesamten Bevölkerung).
Laut dem Artikel "Statistik" in der Jewish Encyclopaedia betrug die jüdische
Weltbevölkerung im 16. Jahrhundert nur etwa eine Million. Dies bedeutet, wie
Poliak, Kutschera und andere betont haben, dass im Mittelalter die Mehrheit
jener, die sich zum jüdischen Glauben bekannten, Khasaren waren. Ein
beträchtlicher Teil dieser Juden zog nach Polen, Litauen Ungarn und den
Balkan, wo sie jene ostjüdische Gemeinschaft schufen, welche ihrerseits
wiederum zur dominierenden Mehrheit des Weltjudentums wurde. An diesem Punkt
sollte der polnische Historiker Adam Vetulani zitiert werden: "Polnische
Gelehrte stimmen überein, dass diese ältesten Siedlungen von jüdischen
Emigranten aus dem Khasarenstaat und aus Rußland gegründet wurden, während die
Juden aus Süd- und Westeuropa erst später sich anzusiedeln begannen ... und
dass zumindest ein gewisser Teil der jüdischen Bevölkerung (in früheren Zeiten
der Hauptteil) aus dem Osten stammte, aus dem Land der Khasaren und später aus
Kiew-Rußland."
Epilog
Juden erheben den Anspruch auf Palästina, mit der Begründung: "Wir kommen
nicht nach Palästina, wir kehren zurück". Nach den obigen kurzen Ausführungen
ist diese Behauptung bar jeder Bedeutung. Dies bekommt eine plastische
Vorstellungsdimension, wenn man sich die Frage stellt:
"Kann Samy Davis jr., ein zum Judentum
konvertierter berühmter (Sänger und Schauspieler) schwarzer Amerikaner,
Anspruch auf Palästina erheben und behaupten, "er käme nicht nach Palästina,
sondern er kehre dorthin zurück?"
Wenn es dem so wäre, dass Samy Davis jr. aus seiner Konvertierung
zum jüdischen Glauben Anspruch auf Palästina erheben dürfte, dann hätten auch
die Milliarden Christen und Muslime dieser Gotteserde sogar mehr Anspruch auf
Palästina. Denn, Jesus Christus und seiner Mutter Maria lebten und starben
dort. Ihre Geburts- und Grabstätten kann man heute auch besuchen und
besichtigen. Auch der Prophet Mohammed startete seine Himmelsreise von
Jerusalem aus. Es scheint mir an dieser Stelle dringlich angebracht zu
erwähnen, dass: "Aus Religions- und Glaubensgründen kein Anspruch auf ein
fremdes Land oder Gebiet abgeleitet werden kann."
Dieser mythischen Forderung der Zionisten, "Nach Palästina zurück zu kehren"
soll noch einmal hier weiter beleuchtet werden.
Der Widerstand der Einheimischen gegen das
zionistische Projekt war kein Geheimnis. [Noam Chomsky, 2002]. Die
tiefe Ursache lag aber darin begründet, - berichtete die King-Crane-Kommission
1919, entsandt von Präsident Wilson -, dass die Zionisten die praktisch
vollständige Enteignung der gegenwärtigen nicht-jüdischen Einwohner Palästinas
anstreben.
Sie (die Kommission) warnte, dass die Durchsetzung des zionistischen Programms,
"eine grobe Verletzung des Prinzips (der Selbstbestimmung) und des
Völkerrechts wäre." Diese Warnung wurde von den Großmächten, die USA
eingeschlossen, in den Wind geschlagen. Trotz der "tiefen Sympathie der
Kommission für die jüdische Sache" empfahl die Begrenzung der jüdischen
Einwanderung und riet, vom Ziel der Errichtung eines jüdischen Staates Abstand
zu nehmen.
Die Empfehlungen blieben ohne Einfluß auf die offizielle Politik und werden in
den meisten geschichtlichen Darstellungen nicht einmal erwähnt.
Ben Gurion, angesprochen auf den Widerstand der Palästinenser gegen das
zionistische Projekt, sagte in interner Diskussion, dass "wir bei unserer
politischen Argumentation im Ausland den arabischen Widerstand kleinreden",
doch müssen "wir unter uns die Wahrheit ins Auge blicken": Politisch nämlich "sind
wir die Aggressoren, während sie sich selbst verteidigen ... Das Land gehört
ihnen, weil sie es bewohnen, während wir ankommen und uns hier niederlassen,
und aus ihrer Perspektive wollen wir ihnen ihr Land wegnehmen, noch bevor wir
hier richtig angekommen sind."
[Der Aufstand wurde 1938 von den Briten mit beträchtlicher Brutalität
niedergeschlagen.]
Mir scheint es angebracht zu sein, an Schluß dieser Ausführungen, die
Schlußfolgerung unter der Einleitung hier noch einmal zu wiederholen, dass:
"die zionistische Ideologie nichts anders als ein
expansionistisch-kolonialistisches Siedlerprojekt zu sein."
Literarturhinweise:
1. Becker, Hans-Juergen (übersetzt und kommentiert): Der Jerusalemer Talmud;
Sieben ausgewählte Kapitel, Reclam jun., Stuttgart, 1995
2. Finkelstein, Norman G.: The Holocaust Indsutry - Reflections of the
Exploitation on Jewish Suffering; Verso, London-New York, 2000
3. Glagau, Erich: Der babylonische Talmud - Ein Querschnitt; Teil 1 und 2,
Verlag Neue Versionen, Schweiz, 1996
4. Koestler, Arthur: Der dreizehnte Stamm - Das Reich der Khasaren und sein
Erbe; Gustav Lübbe Verlag, 1989. Lizenzausgabe 1991 für Manfred Pawlak
Verlagesellschaft.Titel der englischen Originalausgabe: "The Thirteenth Tribe",
1976
5. Poliak, A.N.: Khasaria. Die Geschichte eines jüdischen Königreiches in
Europa; Tel Aviv, 1944 und 1951
6. Information zur politischen Bildung, Heft 140, 4. überarbeitete Auflage,
1985; Hrsg.: Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
7. Manuskript zur Sendereihe des WDR: Die Araber und Europa; TR-Verlagsunion,
München, 1991