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Von Malte Olschewski In den
Wäldern Sloweniens werden 100.000 Skelette vermutet. Als im Sommer 1945 aus
den Wäldern entlang der Drau bei Marburg seltsame Geräusche kamen, raunten
sich die Bauern der Umgebung zu: "Tito spricht!". Titos Partisanen hatten hier
nach der deutschen Kapitulation bis zu 100.000 Menschen erschossen und
verscharrt. Nun quollen die Massen der Leichen auf. Verwesungsgase bahnten
sich gut hörbar ihren Weg durch die dünne Erdschicht. Tito sprach.
Während der kommunistischen Zeit waren die Massenmorde an Titogegnern ein
Tabu, dessen Verletzung von schweren Strafen bedroht war Auch nach
der Unabhängigkeit Sloweniens im Jahr 1991 dauerte es mehr als zehn Jahre, bis
die offizielle Untersuchung der Ereignisse vom Mai 1945 beginnen konnte. Eine
"Regierungskommission für verheimlichte Massengräber" mit Joze Dezman, Mitja
Ferenc und Martin Kostrevc hat seit 2002 über 500 Hinrichtungsorte lokalisiert
und Exhumierungen vorgenommen. Doch wird die Frage nach den Tätern nur selten
gestellt. Man vermutet, dass in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens noch
hunderte Personen leben, die am Massenmord im "slowenischen Katyn" beteiligt
gewesen waren. Mit
Kriegsende Anfang Mai 1945 hatten sich Südkärnten und der Norden Sloweniens in
einen Hexenkessel verwandelt. Aus dem Süden marschierte die Heeresgruppe E
unter General Alexander Löhr in einer endlosen Kolonne in Richtung des
deutschen Reichsgebietes. Mit oder nach ihr zogen grosse Gruppen kroatischer
Ustascha-Verbände und der serbischen Tschetniks, die wegen ihrer Eine
vorläufige Abmachung zwischen dem britischen Feldmarschall Alexander und Tito
legte die Drau als Demarkationslinie fest. Wer zum Zeitpunkt der Kapitulation
über diesen Fluss gekommen war, wurde von den Briten übernommen und durfte auf
Behandlung nach dem Kriegsrecht hoffen. Wer südlich der Drau festsass, hatte
sich den Partisanen zu ergeben und musste die Hinrichtung befürchten.
Ungezählte Heldentaten der Kärntner Bevölkerung haben vielen deutschen
Soldaten bei der riskanten Überquerung des Flusses geholfen. Die Partisanen
aber jagten in Südkärnten nach jenen Personen, die an der Kärntner
Volksabstimmung vom 10.10.1920 gegen den damaligen SHS-Staat Jugoslawien
mitgewirkt hatten. Es sind etwa hundert Menschen abgeholt und verschleppt
worden, um nie mehr wiederzukommen. Erst nach Wochen stellte Alexander der
Titoarmee ein Ultimatum. Sie hätte aus Kärnten abzuziehen, was sie dann
angesichts der britischen Übermacht auch tat. Neue Forschungen beweisen, dass
es hier einen Deal gegeben hat: Abzug der Tito-Truppen aus Kärnten gegen
Auslieferung der Ustaschen, Tscheniks, der Wehrmachtssoldaten und der
deutschen Minderheit.
Zehntausende deutsche Soldaten, Ustaschen und Tschetniks standen zum Zeitpunkt
der Kapitulation südlich der Drau. Nahe der
Stadt Bleiburg traten starke britische Einheiten den Ustaschen und Tschetniks
entgegen, die weiter nach Norden wollten. Nikolai Tolstoj, der Enkel des
grossen Dichters, schildert in seinem Werk "Celovska zeroto (Verschwörung von
Klagenfurt)" wie der britische Beauftragte für den Mittelmeerraum und spätere
Premier, Harold MacMillan, den Verrat inszeniert hat. Auch August Walzl
liefert in seinem Buch "Kärnten 1945" erschütternde Details. Bewaffnete
Ustascha-Verbände wurden zunächst in Empfang genommen und zum Niederlegen
ihrer Waffen überredet. Dann wurden sie den Titopartisanen ausgeliefert.
Hierbei ist es zu ungeheuerlichen Szenen mit Massenselbstmorden gekommen.
Bleiburg gilt heute in der offiziellen Geschichtsschreibung Zagrebs als "kroatischer
Kalvarienberg". Es hatte sich auch Löhr als Kommandant der Heeresgruppe E nach
Scheitern seiner Gespräche mit den Briten freiwillig in Gefangenschaft der
Titoarmee begeben und war später nach einem Schauprozess hingerichtet worden.
Einige wenige Kompanieführer der Wehrmacht haben trotz Kapitulation den
Weitermarsch befohlen und sind fast alle durchgekommen, zumal kampferprobte
NS-Soldaten den Partisanen weit überlegen waren.
Tito waren mit britischer Hilfe zehntausende seiner Todfeinde in die Hände
gefallen. Die Briten
setzen auch Lüge und Hinterlist ein, um Tito weiteres "Exekutionsmaterial" in
die Hände zu spielen. Die slowenischen Heimwehren der Domobranzen waren
ebenfalls nach Kärnten geflüchtet. Dort waren sie von den Briten in einem
Lager bei Viktring konzentriert worden. Man versprach ihnen Abtransport nach
Italien, doch die versiegelten Züge fuhren durch den Karawankentunnel direkt
in die Gewehrläufe der Rache. Einzelne Partisanen konnten es gar nicht mehr
erwarten und haben schon im Zug mit den Exekutionen begonnen. Entlang der
Bahnstrecke kam es zu apokalyptischen Szenen. Immer wieder hielt der Zug.
Immer wieder wurden Leichen aus den Waggons geworfen. Man zerrte gefesselte
Heimwehrmänner neben die Geleise, folterte und tötete sie. Die meisten
Domobranzen sind dann im Hornwald von Gottschee exkutiert und in dortige
Felslöcher geworfen worden. Zur gleichen Zeit krachten in den Wäldern entlang
der Drau wochenlang die Salven der Exekutionskommandos. Die deutsche Armee
hatte zur Verteidigung von Marburg in Tezno einen langen Panzergraben ausheben
lassen. Die Partisanen ersparten sich das Ausheben von Gräbern. Bis zu 15.000
Menschen sind zur Panzersperre von Tezno geführt und mit MG-Salven
hingerichtet worden. Ganz Oberkrain war mit Exekutionsorten übersät: In
Schlössern der Region, im Bergwerk von Lasko, und im ehemaligen Bunker türmten
sich die Leichen. Mit Lastwagen hat der titoistische Geheimdienst OZN (Odzek
za zastitu naroda = Volksschutzabteilung) über eine Woche Todeskandidaten auf
das Plauteau des Bachern oder Pohorje-Gebirge transportiert.
Der Wald ist mit Skeletten vollgestopft.
"Lieben Sie
die Vielfalt dynamischer Ereignisse oder wünschen Sie sich Gemütlichkeit und
Individualität zur gleichen Zeit? Für einen bunten Tag: Die Gastfreundschaft
wird sie mit traditionell hausgemachten Speisen und Getränken sowie bunten
Sitten und Gebräuchen verzaubern!" So wirbt
der slowenische Fremdenverkehr heute für einen Urlaub in Pohorje. Wer dort
eine Wanderung durch die Wälder unternimmt, der geht buchstäblich über Leichen.
Der Wald ist mit Skeletten vollgestopft. Und bis heute haben die Behörden in
der Frage der Täterschaft Umwege genommen.
Hauptverantwortlich für das grösste "Killing Field" Europas ist Josip Broz
Tito, der auch in anderen Situationen und nach dem Krieg unfassbare
Grausamkeit gezeigt hat. Tito hat gleichzeitig mit dem Kampf gegen die
deutschen Besatzer und ihre Kollaborateure eine kommunistische Revolution
durchgeführt. Daher finden sich unter den Opfern der Exekutionsserien viele
Zivilisten aus der bürgerlichen und begüterten Klasse des ehemaligen
Königreiches Jugoslawien. Generell für die Exekutionen in ganz Jugoslawien war
Titos späterer Innenminister Aleksander Rankovic verantwortlich. Wer nun die
Massenhinrichtungen in Slowenien im Mai 1945 vor Ort organisierte und
kommandierte, ist nicht bekannt. Boris Kidric als führender Slowene in Titos
Stab dürfte das nicht gewesen sein. Mitja
Ribicic, der spätere jugoslawische Ministerpräsident, war während des Krieges
als "Oberst Mitia" ein gefürchteter OZN-Führer. Er hat nachweislich an der
Exekution von über 200 Personen teilgenommen, ist aber nie deswegen belangt
worden. Es ist in der kommunistischen Zeit 1945-1991 kein einziger Prozess
gegen Personen durchgeführt worden, die für die Massaker verantwotlich waren.
Aber auch seit dem Zerfall Jugoslawien spielte diese Frage keine Rolle, da sie
von den Verbrechen der Separationskriege von 1991-1995 überschattet und
verdrängt worden ist.
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