Die Gemeinschaftshäuser der Partei und die

Erziehung des Führernachwuchs

 

Der Führer sagte in seiner großen Rede auf der Ordensburg Crössinsee zu mir: „Darüber müssen Sie sich klar sein, daß diese Ordensburgen nur ein Anfang und ein Beginn der großen Erziehungsarbeit des Führernachwuchses der Partei sein können.  Ich beauftrage Sie, Parteigenosse Ley, auf diesem Wege fortzufahren und überall in deutschen Gauen weitere Burgen der Partei zu errichten!“

    Robert Ley                    Adolf Hitler der ewige Führer der Deutschen 

 

Dieser Auftrag des Führers hat in mir Gedanken, die mich bereits vorher bewegten, weiter reifen lassen.  Die nachfolgenden Ausführungen sollen neue Anregungen zum großen Erziehungswerk der NSDAP. vermitteln.

 

Die Ordensburgen sind in dem großen Erziehungswerk der Partei nur ein Teilausschnitt.  Sie gewährleisten die einheitliche Ausrichtung des politischen Führernachwuchses nach neuen und selbstgewählten Prinzipien.  Ich will in diesem Aufsatz auf die in meiner illustrierten Denkschrift dargelegten Grundsätze „Der Weg zur Ordensburg“ nicht näher eingehen.  Jedoch einen großen Mangel hätte dieses System, wenn es nicht ergänzt würde, nämlich die Tatsache, daß die Parteijunker, die nach dem festgelegten Grundsätzen ausgemustert werden, ein denkbar verschiedenes Wissensniveau besitzen, und es deshalb längerer Zeit bedarf, um diese Männer auf einen annährend gleichen Nenner zu bringen.  Neben diesem Hauptfehler gibt es noch eine ganze Reihe kleinerer Beanstandungen, die ich aber hier nicht erwähnen will.  So bin ich mir klar, daß man mit der Ausbildung des Führernachwuchses nicht erst auf den Ordensburgen beginnen muß, sondern man muß die Auslese und die Ausbildung bereits beim Kinde beginnen und muß damit das große Erziehungswerk zur politischen Führern des Volkes auf die breite Basis der Volksschulen stellen und dort aufbauen.

 

Gleichzeitig dienen aber die Ordensburgen nicht allein der Erziehung des Führernachwuchses, sondern sie sind bereits heute, und werden es weit mehr in der Zukunft sein, der geistige und weltanschauliche Mittelpunkt unserer Partei.  So ist das Wort des Führers, das ich anfangs erwähnte, zu verstehen, daß er, der Führer, wünscht, solche Stätten der geistigen und weltanschaulichen Erziehung immer mehr und mehr in den deutschen Landen zu errichten.

 

Nach reiflicher Überlegung bin ich zu folgendem System gekommen: Jede Ortsgruppe der NSDAP. muß ihren geistigen Mittelpunkt erhalten in Form eines großen Gemeinschafts-hauses mit einer Halle und Seitenflügeln, in denen sowohl die Büros der Partei, ihrer Gliederungen und der angeschlossenen Verbände sowie die Büros des Staates und der öffentlichen Hand vorhanden sind.  In der Ortsgruppe muß sich dem einfachen Volksgenossen Staat und Partei in den gemeinsamen Unterkunftsräumen als eine Einheit präsentieren.  Die Gemeinschaftshalle muß so groß sein, daß sie für alle Volksgenossen in der Ortsgruppe Platz gibt.  Ich habe bereits eine Reihe von Architekten damit beauftragt, Einheitsentwürfe für dieses Gemeinschaftshaus zu entwerfen.  Es ist selbstverständlich, daß diese Gemeinschafts-häuser den verschiedenen Landschaften angepasst sein müssen.  Die Entwürfe werden dem Führer zur Entscheidung vorgelegt werden.

 

Dieses Gemeinschaftshaus steht am schönsten Platz der Ortsgruppe, womöglich in einem Park mit Sportanlagen, Fußballplatz und Schwimm- und Turnhalle, vor allem aber muß dem Gemeinschaftshaus die Volksschule des betreffenden Ortes angegliedert sein.  Der Orts-gruppenleiter muß der Ortsschulrat seiner Ortsgruppe werden.  Einmal hat die Partei ein Anrecht darauf, zu wissen und zu überwachen, ob in den Volksschulen ihre Weltanschauung restlos dominierend gelehrt und gepredigt wird, zum anderen aber soll der Ortsgruppenleiter bereits in den ihm unterstellten Volksschulen die fähigsten, gesündesten und rassisch besten Jungen auslesen und sie nach dreijähriger Grundschule in der seinem Bereich angegliederten Nationalpolitischen Erziehungsanstalt zusammenfassen.  Die Auslese der Jungen geschieht nach denselben Grundsätzen, wie ich sie bereits in meiner illustrierten Denkschrift „Der Weg zur Ordensburg“ für die Erwachsenen dargetan habe.  Ohne Unterschied auf Stand, Klasse, reich oder arm, Besitz oder Nichtbesitz, werden die Jungen allein nach ihrer rassischen Veranlagung und ihrer körperlichen und geistigen Verfassung ausgesucht und haben selbstverständlich von nun ab alle Lehr- und Lernmittel gebührenfrei.  Wenn nun diese Jungen auf der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt der Ortsgruppe weitere drei Jahre nationalsozialistische Erziehungsmethoden genossen haben, so werden aus den vorhandenen Nationalpolitischen Erziehungsanstalten eines Kreises wiederum die Besten nach denselben Prinzipien ausgesucht und auf die Kreisburg geschickt.

 

Genau dasselbe Gemeinschaftshaus wie die Ortsgruppe hat auch der Kreis, nur in größerem Ausmaße.  Hier ist es schon fraglich, ob man die Ämter der Partei und des Staates und der Behörden in einem Gebäude zusammenfassen kann.  Es ist auch hier nicht mehr so dringlich und notwendig, dagegen ist es auch hier wieder unbedingt erforderlich, daß der Kreisburg eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt angegliedert ist, die allein dem Kreisleiter untersteht.  Während der Ortsgruppenleiter Ortsschulrat aller Volksschulen in seiner Ortsgruppe ist, ist das der Kreisleiter nicht mehr.  Dagegen untersteht ihm allein die seiner Kreisburg angegliederte Nationalpolitische Erziehungsanstalt.

Das gleiche Gemeinschaftshaus wird nun für den Gau errichtet und heißt hier die Gauburg.  Auch der Gauburg ist wiederum eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt angegliedert, und in ihr sind dann die Jungen vereinigt und werden erzogen, die als die fähigsten und rassisch Besten und körperlich Gesündesten aus den Kreisschulen ausgelesen wurden.  Gleichzeitig dienen die Burgen, sowohl in der Ortsgruppe wie im Kreis und im Gau, der ständigen Erziehung und Schulung der Politischen Leiter der NSDAP. und der angeschlossenen Verbände.  Z. B. werden in der Gauburg laufend die Politischen Leiter vom Ortsgruppenleiter aufwärts drei- bis vierwöchige Reserveübungen alljährlich machen müssen.  Auf den Kreisburgen finden laufend Wochenendkurse für die Block- und Zellenleiter und Block- und Zellenwalter statt, und in den Burgen der Ortsgruppen finden dann Abendkurse für die Erziehung der Politischen Leiter und Amtswalter und Amtswarte statt.

 

Es ist selbstverständlich, daß alle Veranstaltungen der NSDAP., der Ortsgruppe, des Kreises und des Gaues in den entsprechenden Burgen der Partei stattfinden.  Damit sind diese Burgen der ständige Mittelpunkt nationalsozialistischer Arbeit und nationalsozialistischen Wollens und des nationalsozialistischen Erziehungswerkes.

 

Wenn nun die ausgesuchten Zöglinge der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten die Gauburg mit achtzehn Jahren verlassen, so erhalten sie ein Reifezeugnis, und ebenso erhalten die, welche die Kreisburgen oder Ortsburgen durchlaufen, einen Abschluß, der sie für besondere Fälle und Aufgaben im späteren Leben prädestiniert.  Wenn die jungen Menschen die Gauburg verlassen haben, so werden sie für weitere sieben Jahre aus der Betreuung der Partei entlassen, d. h. für die weiteren sieben Jahre übergibt die Partei diese jungen Menschen der harten und rauhen Wirklichkeit der Lebensschulung.  Gewiß, wir werden durch unser Personalamt die jungen Menschen dauernd überwachen lassen und uns vergewissern, wo sie sind und was sie tun, jedoch werden wir in gar keiner Weise, wenn sie vom Lebensschicksal hart angefasst werden, sie betreuen.  Ein Teil wird in diesen sieben Jahren untergehen, das wissen wir; sie werden diese Lebensschulung nicht bestehen.  Außerdem werden diese sieben Jahre bis zum letzten ausgefüllt sein, denn in diesen sieben Jahren müssen die jungen Menschen ihrer Arbeitsdienstpflicht, ihrer Wehrpflicht genügen, und wenn wir sie nachher als Kandidaten für unsere Ordensburgen in Aussicht nehmen, verlangen wir außerdem noch, daß sie einen Beruf erlernt haben.  Über die Bedingungen, die für die Ordensburgen sonst gelten, wie Arbeit in der Partei als Block- oder Zellenwalter oder SA.- oder SS.-Mann, brauche ich hier nicht zu reden.  Ebenso selbstverständlich ist es, daß die Jungen der Hitler-Jugend angehört haben.

 

Wir verlangen, daß alle Kandidaten für die Ordensburgen eine Lehrzeit mit einem abgeschlossenen Gesellenexamen hinter sich haben.  Gewiß, diese Lehrzeit kann auch darin bestehen, daß die jungen Menschen die Hochschulen und Universitäten besuchen und meinetwegen Arzt oder Ingenieur werden, aber sie müssen sich klar darüber sein, daß wir, wenn ihre Mittel zum Studium nicht ausreichen und sie dann als halbfertige Akademiker zu uns kommen wollen, sie ablehnen würden.  Wir verlangen nicht, daß sie Akademiker sein sollen, wenn sie auf unsere Ordensburg kommen, sondern wir verlangen, daß sie einen Beruf können, meinetwegen Schreiner, oder Bauer, oder Maurer, oder Fleischer, oder sonst irgendeinen Beruf; denn wir glauben daran, wenn ein Mensch im Berufsleben bewiesen hat, daß er etwas kann, ihm das schon einen bestimmten Stolz gibt und ein Selbstgefühl in ihm erweckt.  Wenn dann die jungen Menschen all diese Bedingungen im Leben erfüllt haben, werden wir sie in ihrem fünfundzwanzigsten Lebensjahre zusammenrufen und nun nach den strengen Bedingungen der Ordensburg ausmustern.  So haben wir alsdann ein vollkommen gleichmäßig ausgerichtetes Material an Menschen mit einem gleichen Wissensnenner und bereits von Jugend auf in der nationalsozialistischen Weltanschauung gedrillt und geschult und erzogen, geläutert und gefestigt durch die harte Schule des Lebens.  Und ich bin überzeugt, daß, wenn dann die strengen Bedingungen unserer Auslese in allen Stufen dieser Erziehung zur Anwendung kommen, wir alsdann das beste Führerkorps der Welt besitzen, das es zu allen Zeiten jemals gegeben hat, und ebenso haben wir dann nicht allein der Partei und ihren Gliederungen und Verbänden das beste Führermaterial vermittelt, sondern wir haben durch dieses Erziehungssystem auch hunderttausende Menschen nach einem neuen und selbstgewählten und eigenartigen Erziehungswerk geschult und gedrillt, die wir als wertvolle Menschen der Wirtschaft und der Gesellschaftsordnung unseres Volkes als Führer übergeben.

 

Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß das System der Ordensburgen, das der Führer in Crössinsee durch seinen Weiheakt gesegnet hat, vervollkommnet und ergänzt wird durch dieses großzügige Erziehungswerk der NSDAP.  Und ebenso bin ich überzeugt, daß die Art der Errichtung der Gemeinschaftshäuser der Burgen der Partei den Auftrag des Führers, den er mir in Crössinsee gegeben hat, erfüllen wird.  Gewiß, man wird mir sagen, dieser Plan ist kühn und phantastisch und wird von diesem Geschlecht niemals endgültig gelöst werden können; das weiß ich; das ist auch nicht nötig, daß wir diesen Plan bis zum letzten vollenden.  Nach meiner Meinung werden mehrere Generationen daran zu bauen haben.  Jedoch notwendig ist, daß wir den Nachkommenden klare Wege, eindeutige Ziele und unverrückbare Vorbilder aufbauen, nach denen die, die nach uns kommen, weiterbauen können.