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Quelle: http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2009/01/13/marienburg/die-russen-haben-alle-abgeholt.html
„Die Russen
haben alle abgeholt“ Mit elf Jahren sah Gerhard Hintz, wie
seine Verwandten und Freunde verschleppt wurden Von FRANK KLAUSS
Wer in das Gesicht von Gerhard Hintz
(75) schaut, kann erahnen, wie groß sein Schmerz noch heute ist. Ein Schmerz,
den er vor 64 Jahren erlitt – in den letzten Tagen von Marienburg... Seit Tagen bewegt Deutschland das
Massengrab von Marienburg, dem heutigen Malbork in Polen. Bauarbeiter waren
auf die Skelette von 1800 Zivilisten gestoßen: deutsche Frauen, Kinder, ältere
Männer – zum Teil erschossen.
Viel weist auf ein Massaker in den
letzten Kriegstagen 1945 hin. Er schämt sich seiner Tränen nicht: Gerhard Hintz (75) leidet noch heute
unter den Erinnerungen
Gerhard Hintz aus Beckum (NRW) war elf Jahre alt, als die Russen im Januar
1945 in Ostpreußen einmarschierten, lebte mit seiner Mutter bei Marienburg. Er
ringt um Fassung, wenn er von früher erzählt. Er weint. Die geborgenen Skelette aus dem Marienburger Massengrab sind vom Frost
bedeckt. Sie lagern in einem Metallcontainer auf dem örtlichen Friedhof Hintz erzählt: „Nachdem die Kämpfe im März vorbei waren, gingen die
Sowjets gleich dazu über, die deutsche Bevölkerung zu verhaften. Sie hatten es
vor allem auf die Jungen und Männer zwischen 14 und 60 abgesehen. Aber auch
viele Frauen, vor allem die jungen, wurden verschleppt.“
Gerhard Hintz versteckte sich auf einem Heuboden, wurde trotzdem geschnappt –
und mit vielen anderen in eine Scheune gesperrt. Er konnte flüchten. Hintz
weiter: „Ich war aber so neugierig, was mit den Menschen in der Scheune
passieren würde. Ich bin noch mal zurück und habe gesehen, wie die Leute von
Soldaten auf Lastwagen verladen wurden, Richtung Marienburg fuhren. Das hat
meine Seele nicht mehr losgelassen.“
Der Rentner: „Als ich jetzt von dem grausigen Fund in Marienburg erfuhr,
war mir klar: Die sind damals alle erschossen worden.“
Frühjahr 1945: Sowjetsoldaten
überrennen deutsche Stellungen in der Nähe von Marienburg
Historiker Dr. Rainer Zacharias: „Dort heißt es, dass Sowjetsoldaten Frauen
und Mädchen in Marienburg vergewaltigten, oft vor den Augen ihrer Mütter –
auch gruppenweise. Auch von grundlosen Schüssen auf Zivilisten ist die Rede.“
Weiter heißt es in der Chronik: „Viele Wohnungen waren zerstört und diejenigen,
die nicht zerstört waren, wurden von sowjetischen Marodeuren und polnischen ‚Plünderern‘
ausgeraubt.“
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