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Zusammenfassung des 2010 IWWK Seminar
Bad Kissingen, BRD
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Teilnehmer aus sechs Ländern versammelten sich vom 24.5. bis 27.5. im
Heiligenhof in Bad Kissingen zum 2010 Seminar des Internationalen
Willi-Wanka-Kreises. Das Seminar behandelte das Thema "Welche Hoffnungen
haben die Heimatvertriebenen heute?". Zuzufügen wäre: "Nach dem Scheitern
des Versuchs des BdV, ein deutsches Zentrum gegen Vertreibungen zu
errichten".

Dr. Tomislav
Sunic[1] (Zagreb)
referierte über
"Lehren aus Kroatiens Kriegserfahrungen."
Er
stellte einen Zusammenhang zwischen beiden Kriegen Kroatiens im 20.
Jahrhundert her. In einem kausalen Nexus war der Krieg 1991-1995 eine
direkte Folge schlecht bewältigter Nachkriegserfahrungen aus dem Zweiten
Weltkrieg.
Während und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg hat Kroatien, als letzter
Verbündeter Deutschlands, schwer für den verlorenen Krieg büssen müssen. Es
hat hunderttausende seiner Eliten und seiner Zivilbevölkerung verloren.
Seine ganze Mittelschicht war 1945 von titoistischen Kriegsgewinnern
ermordet worden.
Die
Nichtbewältigung der Nachkriegserfahrungen des Zweiten Weltkriegs hat zwei
Gründe. Erstens: Eine Untersuchung der nach 1945 stattgefundenen Massen- und
Völkermorde nach dem Zweiten Weltkrieg durch jugoslawische und andere
Historiker hätte ein schlechtes Licht auf die westlichen Allieerten wegen
ihrer Duldung dieser völkerrechtswidrigen Verbrechen geworfen. Zweitens
besitzen die heutigen Politiker in Kroatien ein solides Pedigree aus den
Zeiten des Kommunismus, der dem Zweiten Weltkrieg auf dem Fusse folgte. Sie
können trotz ihrer jetzigen ultra-liberalen Phraseologie ihre
kommunistischen Lehrjahre kaum verbergen. Grosse Teile der Öffentlichkeit
haben sich von einem schnell verdauten Jugokommunismus und noch schnellerem
fingierten kroatischen Nationalismus in Rekordgeschwindigkeit in den letzten
Jahren zu einem nachgeäfften westlichen Liberalismus umgeschminkt.
Schuld an den Kriegsereignissen in Ex-Jugoslawien vor 15 Jahren waren keine
fanatischen Nationalisten, sondern die ehemalige kommunistische Elite die,
unterstützt von der internationalen Gemeinschaft, nie versucht hat, die
nationale Fragen Jugoslawiens zu lösen und die nie die Courage hatte, über
die ethnischen Säuberungen nach 1945 zu reden. Der Unabhängigkeitskrieg von
1991 wird in den Medien kritisiert, gleichzeitig aber von den Politikern
hoch gepriesen; der Krieg wird von allen Parteien als Heimatkrieg definiert
während gleichzeitig hohe kroatische Offiziere sich vor dem Haager Gericht
verantworten müssen. Diese schizoide Lage bezüglich der kroatischen
Kriegserfahrung hat ihren Preis. Der Druck der westlichen Wertegemeinschaft
und der kroatische allgemeine Wunsch eines EU Beitritts sind so gross, dass
die heutigen Politiker Schwierigkeiten haben, Kroatiens Identität zu
erkennen. Sie zeigen sich der Welt als Ultrademokraten und Antifaschisten;
sie ersetzen die ehemalige Unterwürfigkeit vor Belgrad durch eine
Unterwürfigkeit vor Brüssel; sie distanzieren sich von irgendwelchem
Nationalismus und ganz besonders vom Kroatien des Zweiten Weltkriegs; die
grossen von Kommunisten am kroatischen Volk nach 1945 begangenen Massaker
werden offiziell verschwiegen. Der kroatische parlamentarische Ausschuss für
die Untersuchung der Opferzahlen nach dem 2. Weltkrieg wurde im Jahre 2001
aufgelöst. Man kann daraus schliessen, dass bei den alten ehemaligen und
heute pensionierten kroatischen Partisanen wie bei ihren Nachfolgern kein
besonderes Interesse besteht, ihre kommunistische Vergangenheit zu
erforschen.
Somit ist die
Thematisierung des Zweiten Weltkriegs in Kroatien, ähnlich wie in
Deutschland, ein Fach der sogenannten "Rechtsradikalen", "Revanchisten" und
"Revisionisten" geworden. Immer besteht die Gefahr, dass jemand, der einen
kausalen Nexus zwischen den kommunistischen und anderen Völkermorden von
1945 und den ethnischen Säuberungen vom jugoslawischen Bürgerkrieg sucht,
als "Rechtsextremist" gebrandmarkt wird.
Das
ist bedauerlich, denn hätten die Meinungsmacher und die Historiker im
kommunistischen Jugoslawien, aber auch im Westen, offen über die nach dem
Zweiten Weltkrieg von Kommunisten begangenen Völkermorde an Kroaten und
Donaudeutschen berichtet, wären die im Krieg in den neunziger Jahren
stattgefundenen Massaker vermieden worden.
Die
gigantischen Morde der Kommunisten im Sommer 1945 an der Zivilbevölkerung,
insbesondere an der kroatischen und volksdeutschen Mittelschicht, sind in
Kroatien noch nicht bewältigt. Zwar gab es in den neunziger Jahren eine
Versöhnungsgeste seitens der Tudjman-Regierung, die die
menschenrechtswidrigen AVNOJ (Antifaschistischer Rat der Nationalen
Befreiung Jugoslawiens) Gesetze außer Kraft gesetzt und die Rechte der
Volksdeutschen wieder her gestellt hat,
aber man spricht heute über die
Leiden der Volksdeutschen nur in geschlossenen Zirkeln; außer ein paar
Experten auf diesem Gebiet wissen nur wenige in Kroatien, was eigentlich mit
hundert tausenden Donauschwaben in Jugoslawien nach 1945 geschehen ist.
Trotzdem muss betont werden, dass Kroatien im Hinblick auf eine Aussöhnung
zwischen Vertreibern und Vertriebenen der Tschechischen Republik, wo die
Beneschdekrete nach wie vor gelten, weit voraus ist.
Obwohl der jugoslawische Bürgerkrieg 1991-95 das Identitätsfundament
Kroatiens war, der die Nation und alle ihre nachkommunistischen Parteien zu
völkerrechtlichem Bestand geführt hat, sind heutzutage die meisten der
kroatischen Politiker und Medienleute anational und denken antikroatisch. In
der Tat hat Kroatien im völkerrechtlichen Sinn wenig gewonnen. Das Land ist
heute nur halb-souverän, und die Frage ist berechtigt, ob es sich für die
Kroaten gelohnt hat, aus Jugoslawien auszuscheiden, weil Kroatiens
Souveränität heutzutage nicht in Zagreb, sondern in Brüssel und Washington
ausgeübt wird.
Die
politischen Kreise in Kroatien, und ebenso in Deutschland, kennen die
Geschichte der Nachkriegszeit sehr gut. Aber sie haben ein Interesse daran,
zu schweigen und glauben, nur ein selektives Geschichtsbewusstsein an den
Tag legen zu müssen. Zwar herrscht in Kroatien mehr akademische Freiheit zur
Historiographie des Zweiten Weltkriegs als in Deutschland. Aber es ist zu
befürchten, dass mit der EU Kandidatur auch Kroatien bald ein Opfer
sogenannter "Normalisierung" und "Selbstzensur" sein wird.

Josip Tito
Edvars Benesch Radovan
Karadžić
Slobodan Milošević
Es
scheint anachronistisch, die Opfer des jüngsten Krieges zu beklagen und ihre
Vollstrecker, zum Beispiel Milosevic und Karadzic vor den internationalen
Gerichtshof zu zerren und zur gleichen Zeit die Taten ihrer Vorbilder Tito
und Benesch zu ignorieren. Dabei sind Karadzic, Milosevic und die anderen
Drahtzieher des letzten Krieges auf dem Balkan nichts mehr als kleine
Lehrlinge der ehemaligen kommunistischen und nichtkommunistischen Partisanen
aus jugoslawischen und tschechoslowakischen Nachkriegssystemen, deren
Greueltaten von der westlichen Wertegemeinschaft seit 65 Jahren nicht nur
nie angeprangert, sondern gelegentlich sogar gepriesen worden sind.
Kommunistische
Massen- und Völkermorde nach dem Zweiten Weltkrieg hatten einen Rückgang der
kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung im kommunistischen Kroatien,
einem Teil Jugoslawiens. Ähnliches gilt für Polen und die zunächst
"demokratische" Tschechoslowakei unter Benesch. Die Völkermorde bestimmten
gleichzeitig die Historiographie, die wiederum den Bürgerkrieg 1991 in
Ex-Jugoslawien beeinflussten.
Obgleich der letzte Krieg 15 Jahre zurück liegt, hat sich auf
psychlogischen, politischen und völkerrechtlichen Ebenen nichts geändert.
Alle Völker und Völkerschaften des ehemaligen Jugoslawien leben, ähnlich den
Polen und Tschechen, noch immer im eigenen Mythos und betrachten sich als
Opfer der Anderen. Ohne eine kritische historische Analyse des kausalen
Nexus zwischen den Ereignissen nach 1945 und den Ereignissen im Jahre 1991
in Ex-Jugoslawien und anderswo wird es keine Ruhe geben.
Ein
kleines Randvolk wie die Kroaten wird nie eine grosse Rolle in der hohen
Politik spielen, da alles, was sich in Berlin abspielt, anschliessend in
Zagreb nachgeäfft wird. Berlin wiederum schaut nach Washington bevor es
handelt. Sollte Deutschland in der Zukunft einmal seine geistige und
völkerrechtliche Unabhängigkeit zurück gewinnen, wird das automatisch sich
auf Kroatien auswirken.
Zur Zeit sind beide Staaten leider verpflichtet,
päpstlicher als der Papst zu sein, das heisst, mehr Aufmerksamkeit der
Opferlehre der anderen zu zollen, als Sympathie für die eigenen Opfer zu
entwickeln.
So lange die
Beneschdekrete in der Tschechischen Republik und ähnliche Gesetze in Polen
Gültigkeit haben, stellt sich die Frage, ob nicht eines Tages diese Dekrete
als ein gutes Alibi für einen neuen Krieg in Europa benutzt werden können.
Warum sprechen wir über Milosevics Missetaten und nicht über jene von
Benesch, einem Liebling des Westens, der heute in der Tschechischen Republik
als Nationalheld gefeiert wird?
Wir
leben heute im Zeitalter von Opferlehren, von denen einige sich zu
Zivilreligionen entwickelt haben. Jede Opferlehre ist immer auf die Opfer
anderer Völker ausgerichtet und damit nichts anderes als eine Fortsetzung
des Krieges. Alle Opferlehren sind höchst konfliktreich - sie führen nicht
zur Versöhnung sondern zu neuen Kriegen. Eine dieser Opferlehren bezieht
sich auf nichteuropäische Opfer, nicht aber auf die Opfer unserer eignen
Völker. Heute gibt es in der Opferlehre eine Hierarchie der Toten. Es ist
kein Zufall, dass in dieser immensen Opferlehre aussereuropäische Völker und
ihre Opferlehre immer Vorrang haben sollen.
Wir
sollten uns daran erinnern, dass deutsche und kroatische Nachkriegsverluste
an der Zivilbevölkerung sehr hoch waren, die unser Gedenken verdienen. Ihrer
zu gedenken ist keine politisch angeordnete Pflicht, sondern unsere
Zivilpflicht.
Danke für Ihre
Aufmerksamkeit !
www.tomsunic.info
Dr. Tomislav Sunic