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1959
Südtiroler Freiheitskampf 1969 ➤ ➤ So wurden die Folterungen verschwiegen➤ So wurden die Folterungen zum politischen Tauschgeschäft➤ Geldprämien und Auszeichnungen für Folterknechte➤ Mord und versuchter Menschenraub
Für die Heimat kein Opfer zu schwer
Als in den 1960er Jahren der „Befreiungsausschuß Südtirol“ (BAS) die
faschistische Entnationalisierungspolitik auf die Müllhalde der Geschichte
verwies, antwortete Rom mit Repression und Folter. Unter großen Opfern und
Leiden, die erst später gewürdigt wurden, wurde die Autonomie errungen.
Ein gefolterter politischer Häftling hat seine und die Haltung seiner
Kameraden in einem Brief aus dem Gefängnis kund getan:
Sepp Kerschbaumer – der charismatische Anführer der Freiheitskämpfer 1961-1969 Folterhölle im Urlauberparadies Diese Karte zeigt:
Die Folterung politischer Südtiroler Gefangener erfolgte planmäßig und
flächendeckend. Und die politisch Verantwortlichen in Italien, Südtirol,
Österreich, Deutschland und Europa schwiegen. Helmut Golowitsch: Für die Heimat kein Opfer zu schwer Folter – Tod – Erniedrigung: Südtirol 1961-1969 In Südtirol wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die
faschistische Politik der wirtschaftlichen und sozialen Benachteiligung, der
staatlich gelenkten Unterwanderung und der Entrechtung der eingesessenen
Südtiroler Bevölkerung fortgeführt. Dies veranlaßte den geistigen und
geistlichen Führer der deutschen und ladinischen Volksgruppe, Kanonikus
Michael Gamper zu dem aufrüttelnden Wort von dem „Todesmarsch“, auf dem sich
die Südtiroler befänden und führte 1957 zu der großen Protestkundgebung auf
Schloß Sigmundkron, an der rund 35.000 Südtiroler teilnahmen. In der Feuernacht des 11. auf den 12. Juni 1961 entlud sich
der aufgestaute Protest der Südtiroler in der berühmten „Feuernacht“, in
welcher der von Sepp Kerschbaumer gegründete „Befreiungsausschuß Südtirol“
(BAS) an die 40 Hochspannungsmasten sprengte. Weitere Anschläge folgten. Die
römische Regierung antwortete mit grausamer Härte. In den Carabinierikasernen
wurde gefoltert, in den Nächten hallten die Schreie der Gepeinigten so weit,
daß Feriengäste in nahe gelegenen Pensionen und Gasthäusern nicht schlafen
konnten. Der Südtiroler Landeshauptmann und SVP-Obmann Dr. Silvius
Magnago war über die Folterungen bald eingehend informiert, denn zahlreiche
Briefe von Gefolterten wurden nach ihrer Einlieferung in die Gefängnisse
hinausgeschmuggelt und ihm vorgelegt. Auch die österreichische Bundesregierung war am August 1961 im
Detail unterrichtet, denn ein in Trient inhaftierter Österreicher, der dann
nach Österreich zurückkehren konnte, hatte im Gefängnis von Trient die
Leidensgeschichte zahlreicher Südtiroler Häftlinge kennen gelernt und in Wien
dann einen ausführlichen Bericht für die österreichische Bundesregierung
verfaßt. Dieser Bericht wurde im Außenministerium unter Verschluß gehalten und
nie der Öffentlichkeit vorgelegt. In diesem Buch wird er erstmals
veröffentlicht. Erstmals werden in dieser Dokumentation auch die aus den
Gefängnissen geschmuggelten Folterbriefe in ihrer Originalfassung und zum Teil
in Faksimile vorgelegt. Darunter befinden sich bislang unveröffentlichte
Briefe, auch von Sepp Kerschbaumer, dem charismatischen Anführer der
Südtiroler Erhebung. Zahlreiche bislang unbekannte und seitens der Politik
Jahrzehnte lang unterdrückte Dokumente und Berichte werden in dieser
Dokumentation erstmals veröffentlicht. Aus Archiven und aus Privatbesitz
gelangte neues und zum Teil sensationelles Material an den Verfasser. Darunter
befindet sich auch ein Bericht des späteren österreichischen
Bundesratspräsidenten Helmut Kritzinger, der ebenfalls 1961 in Südtirol
inhaftiert war und nach seiner Flucht nach Österreich einen umfangreichen
Bericht über die Folterungen an Südtirolern verfaßt hatte. Auch dieses sensationelle Dokument war seitens der
österreichischen Politik sorgsam unter der Decke gehalten worden und wird
jetzt erstmals der Öffentlichkeit vorgelegt. Es wird in dieser Dokumentation
enthüllt, daß sowohl Dr. Silvius Magnago wie auch der österreichische
Außenminister Dr. Bruno Kreisky versuchten, die Folterberichte nach
Möglichkeit geheim zu halten und so wenig wie möglich öffentlich zu erörtern.
Der Grund dafür war, daß sie als Spielgeld für politische Tauschhändel hätten
dienen sollen – für ein „bargaining“, wie Kreisky es in einer internen
Besprechung ausdrückte. Erstmals offen gelegte vertrauliche
Besprechungsprotokolle zeigen uns, welches Spiel damals mit den Leiden der
Gefolterten getrieben wurde. Dieses Verhalten ermöglichte in der Ära nach
Außenminister Dr. Kreisky eine Eskalation der Folterungen von
Südtirolern und
erstmals auch von inhaftierten Österreichern.Darüber gelangten vertrauliche
Berichte an die Regierung des Bundeskanzlers Dr. Klaus in Wien. Enthüllende
Dokumente, die erstmals veröffentlicht werden, bezeugen: Um das
Verhandlungsklima mit der christdemokratischen „Schwesterpartei“ in Rom nicht
zu stören, unternahmen österreichische Politiker nichts gegen die Folterung
der eigenen Staatsbürger, obwohl sie im Detail informiert waren. Die damaligen schrecklichen Geschehnisse sind heute noch in
weiten Kreisen in Österreich kaum bekannt. In den österreichischen
Schulbüchern und im Schulunterricht haben sie kaum Spuren hinterlassen. Der Grund für diesen blinden Fleck in der österreichischen
politischen Wahrnehmung liegt wohl in dem schlechten Gewissen, das führende
politische Kreise in dieser Frage gehabt haben mußten. Opportunistisches
Verschweigen und Herunterspielen der Folterungen hatten zu einer schweigenden
Komplizenschaft mit Rom geführt, welche es einigen österreichischen und
Südtiroler Politikern als angebracht erscheinen ließ, das Thema der Schändung
der Menschenwürde in Südtirol herunter zu spielen.
Aus dem Inhalt: ◆ ◆ Österreich war informiert: Die verheimlichten Folterberichtedes Dr. Outschar und des Helmut Kritzinger ◆ Tauschgeschäfte mit den Qualen der Gefolterten◆ Die verschwiegenen Folterbriefe◆ Vertuschung und Einschüchterung◆ Geldprämien und Auszeichnungen für Folterer◆ Gerichtliche Reinwaschung der Folterer◆ Mord und versuchter Menschenraub◆ Die Menschenrechte sind unteilbar
Verlag: „Edition Südtiroler Zeitgeschichte“
Bilder aus dem Kampf um Freiheit Südtiroler 2009
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