Aus Nation & Europa Deutsche Monatshefte, Nr. 9/2009, Seite 70,  Nation & Europa, Postfach 2554, S-96414 Coburg, Deutschland

 

„Mein Kampf“ als Management-Ratgeber

 

Bestseller in Indien



 

Unter indischen Studenten wird Hitlers Buch „Mein Kampf“ immer beliebter.  Das berichtet der ”Daily Telegraph“.   Die Motive sind allerdingst meist nicht ideologischer Natur, die Hochschüler sind vielmehr auf der Suche nach Tipps für erfolgreiche Management-Strategien.  Allem in Neu Delhi sind im letzten halben Jahr mehr als 10.000 Exemplare des Hitler-Werks verkauft worden. melden führende Buchhandlungen „Immer mehr Studenten fragen danach, und wir sind glücklich, es ihnen zu verkaufen“, sagt Sohin Lakhani, Eigentümer von “Embassy Book” in Munbai (Bombay), der jedes Quartal einen Nachdruck publiziert (vermutlich ohne die bayerische Regierung zu fragen, die die Verlagsrechte an Hitlers literarischer Hinterlassenschaft für sich beansprucht.)

 Gewöhnlich wird in Indien ein entspannter Umgang mit dem toten Hitler gepflegt..  Manchmal schlagen aber auch dort die Wogen der political correctness kurzzeitig hoch.  So etwa vor knapp drei Jahren, als in Navi Mumbai (New Bombay), einer Satellitenstadt der indischen Metropole ein Restaurant mit dem Namen „Hitlers Kreuz“ eröffnet wurde.  Im Logo prangte das Hakenkreuz, und schon am Eingang wurden die Gäste von einem überdimensionalen Bild des deutschen Reichskanzlers begrüßt.   „ich fand es amüsant, dieses Hitler-Bild im Restaurant zu sehen“,  zitierte die “Times of India” damals den prominenten Schausoieler Murli Sharma, der ebenso wie Bürgermeister zu den Premierengästen gehörte. 

Nach heftigen Verbalattacken von jüdischer Seite verzichteten die Restaurant-Besitzer schließlich auf die NS-Symbolik.  Ob in Indien demnächst auch Kampagne gegen den Verkaufsschlager „Mein Kampf“ ansteht, ist derweil noch nicht abzusehen.  Die müßte dann auch gleich grenzüberschreitend angelegt sein, denn Hitlers Buch ist wie der „Daily Telegraph“ schriebt, auch andernorts äußerst populär, zum Beispiel in Kroatien, der Türkei und Rußland. 

In der sibirischen Monatszeitschrift „national Business“, die sich eigenem Bekunden nach vor allem an Unternehmer, Führungskräfte und Top-Manager wendet, wurden jüngst längere Passagen aus „Mein Kampf“ kommentarlos abgedruckt.  Dies war zwar nicht als ideologische Zustimmung gemeint, sondern Teil einer Reihe, in der die Ansichten historischer Persönlichkeiten „ungefiltert“ vorgestellt werden, führte dennoch zu einer Verwarnung der Presseaufsicht und Klagedrohungen.  Das Blatt gab klein bei und entschuldigte sich. 

Zu drei Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe wurde Ende Mai in Polen ein Verleger verurteilt, der „mein Kampf“ in 20.000 Exemplaren veröffentlicht hatte, von denen die Staatsanwaltschaft aber nur noch 580 Stück sicherstellen konnte.  Das Gericht in Breslau befand den Mann schuldig, Urheberrechte verletzt zu haben. 

Spätestem Ende 2015 (70 Jahre nach dem Tod des Autors) kann das Werk auch in Deutschland beliebig nachgedruckt werden, dann endet laut Urheberrecht die – umstrittene – bayerische Nachlaßverwaltung.