DIE BALKANISCHE TRAGÖDIE

 Ein historischer Hintergrundbericht von Edmund Eminger

Eingangs sei dem Historiker Herrn Zlatibor Sekulic, Wien, für seine Mitarbeit

und das zur Verfügung stellen von wichtigen Unterlagen herzlichst gedankt!

 

 

 

 

Wohl keine einzige europäische Völkerschaft ist innerlich so zerrissen wie die Teilvölker der Balkanhalbinsel, obwohl sie fast zur Gänze den Südslawen zuzurechnen sind, deren einzelne Stämme derart miteinander verwandt sind, daß kaum wesentliche Unterschiede bestehen. Was sie dermaßen trennt, daß es in ihrer Geschichte zu fast ununterbrochen andauernden Reibereien und Kriegen untereinander gekommen ist und auch heute noch kommt, liegt einzig und allein in der schwierigen historischen Entwicklung des Balkans begründet. Als das „Armenhaus Europas“, eingeklemmt zwischen Europa und Asien, Abend- und Morgenland, war die Folge dieser uralten „Ost-West-Konkurrenz“ das verwirrende kulturelle, nationale und religiöse Durcheinander in diesem Raum. Wollen wir dies als Außenstehende einigermaßen verstehen, müssen wir weit zurückgreifen und auf den geschichtlichen Werdegang dieses südöstlichen Teil Europas etwas näher eingehen.

 

 

Mit dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches, das ja die Balkanhalbinsel bis zur Donau und zum Schwarzen Meer in römische Provinzen unterteilt hatte, und im Zuge der nun einsetzenden Völkerwanderung dringen ab etwa 600 n.Chr. slawische Stämme aus dem Norden und Osten kommend zunehmend in die Balkanhalbinsel ein und vermischen sich dort bald mit der ansässigen Bevölkerung der Illyrer, Thraker, Pannonier und Daker, die sie bald slawisiert hatten. Dadurch entstanden die Völker der Südslawen, wie sie sich bis heute erhalten haben. Mit dem Untergang Roms 476 n.Chr. fiel fast der gesamte Balkan dem Oströmischen, also dem Byzantinischen Reich zu, das bekanntlich bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahre 1453 bestand. Die Küstengebiete an der Adria (Dalmatien) wurden jahrhundertelang von Venedig beherrscht, das dort große Handels-niederlassungen und Häfen unterhielt. Bereits in der Zeit der Völkerwanderung und danach im Mittelalter war das Schicksal der Balkanhalbinsel sehr wechselhaft: Die germanischen Ostgoten zogen auf ihren Weg nach Italien und Spanien durchs Land; später die Ritterheere der Kreuzzüge auf ihrem Eroberungszug ins Heilige Land.

 

Obwohl die serbisch-orthodoxe Kirche im Jahre 1219 von dem griechisch-orthodoxen Heiligen Sava gegründet wurde, (seit etwa 850 waren schon die „Slawenapostel“ Kyrillos und Methodios missionarisch tätig), kam es nie zu einer staatlichen Vereinigung der einzelnen Völker am Balkan. Seit etwa 1353 waren die osmanischen Türken unter Sultan Murad I. fast kampflos in die Balkanhalbinsel eingedrungen. Nur die Serben, unter ihrem Fürsten Lazar stellen sich ihnen todesmutig entgegen. Jedoch vom übrigen christlichen Europa im Stich gelassen, wurden sie, hoffnungslos unterlegen, am 28.Juni, dem Sankt-Veitstag des Jahres 1389 (Dem „Vidovdan“) in der Schlacht auf dem Amselfeld vernichtend geschlagen und den Türken fortan untertänig und tributpflichtig.

 

 

Und in diesem - man kann sagen - Verrat Europas an Serbien im Kampf gegen den moslemischen Erzfeind, obwohl das Deutsche Reich und Habsburg damals zweifelsfrei die Macht und Mittel gehabt hätten, Serbien militärisch gegen die Osmanen zu unterstützen, liegt auch sicherlich der ausschlaggebende Grund dafür, daß sich Serbien in den darauffolgenden Jahrhunderten vom katholisch-westlichen Europa und damit vom Deutschen Reich unter den Habsburger Kaisern, immer mehr abgewandt hat.

 

 

Wie ich bereits erwähnte, zerschlugen die Türken 1453 das Weströmische Reich und faßten zunehmend auf dem Balkan, bald bis hoch hinauf in den Norden zum Fluß Save und zur Donau, Fuß. Die im südlichen und mittleren Teil angesiedelten südslawischen Völker, vor allem die heutigen Bosnier, wurden dabei zum Übertritt zum Islam gezwungen - diesem Glauben gehören sie größtenteils auch noch heute an, während die im Norden seßhaften Kroaten und Slowenen mit ihrer Schutzmacht Habsburg-Österreich von den Türken mehr oder weniger verschont blieben und tief katholisch waren und heute noch sind.

 

 

Und darin ist der zweite Grund für die innerliche Zerrissenheit der Balkanvölker zu suchen: Im religiösen Zwiespalt der vorwiegend christlich-orthodoxen Serben, Makedonier, Bulgaren (und Griechen), der moslemischen Bosnier und Albaner, und letztlich der katholischen Kroaten und Slowenen.

 

 

Der dritte Grund aber liegt wohl darin begründet, daß diese Völker nie zu einer richtigen staatlichen Einheit zusammenfanden und sich daher auf Gedeih und Verderb immer sogenannten Schutzmächten zuwandten, die diesen inneren Zwiespalt natürlich ausschließlich für ihre eigenen Zwecke mißbrauchten. Der christliche Teil fand seine Schutzmacht in Österreich-Ungarn, der orthodoxe Teil in Rußland, der islamische Teil einmal da, einmal dort, oft auch in der muslimischen Türkei.

 

 

Durch die 1353 beginnende, permanent andauernde Invasion des Balkans durch die Türken in nördliche Richtung, kam es schon bald zum Gegensatz mit den ihrerseits nach Südosten strebenden Habsburg-Österreich und Ungarn. Das erste Aufeinandertreffen ungarischer Truppen unter König Sigismund und den Türken im Jahre 1396 bei Nikopolis endete für das ungarische Ritterheer mit einer empfindlichen Niederlage. Die türkischen Truppen waren dabei besonders durch ihr gut ausgebildetes Heer, bestehend aus dem Fußvolk der Janitscharen und der Reiterei der Spahis eindeutig im Vorteil. Auch bedienten sie sich einer damals äußerst modernen Logistik. Das Resultat: Dieses erste militärische Aneinandertreffen zwischen Abend- und Morgenland in diesem Raum endete für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation damit, das ganz Dalmatien an die italienischen „Krämerrepubliken“ der Venezianer und Genuesen, und fast alle Balkanländer (bis etwa zur Save-Donau-Linie) an die Türken fielen.

 

 

Als die Habsburger 1438 unter Albrecht II. wieder in Besitz der deutschen Königs- und römischen Kaiserkrone gelangten, nahm der Konflikt mit den aus Südosten nach Nordwesten drängenden Türken immer mehr zu. Er sollte dreieinhalb Jahrhunderte - bis zum Frieden von Sistowa 1791 - andauern und zum größten Teil am Boden des Balkans ausgetragen werden, wodurch diese Regionen andauernden Verwüstungen und unsagbaren Leid unter der Bevölkerung dieser Räume ausgesetzt waren. Hätte man den serbischen König Lazar schon 1389 in seinem heldenhaften Abwehrkampf am Amselfeld gegen die Osmanen unterstützt, wäre es wahrscheinlich nie zu diesem Albtraum gekommen, der die an sich friedlichen, genügsamen und arbeitsamen Völker dieses Raumes bis heute heimsucht. Die Serben, Kroaten, Bosnier usw. wären in Europa „geblieben“: Es wäre sicherlich zu einer Einigung unter diesen Völkerschaften gekommen, die ja schließlich genauso miteinander verwandt sind wie beispielsweise Bayern, Österreicher, Schwaben, Sachsen, Franken etc. untereinander verwandt sind.

 

 

Ich möchte hierorts umseitig, zum besseren Verständnis des Lesers, über die historischen Zusammenhänge eine kurze chronologische Zusammenfassung über die Kriege mit den Türken einflechten, die sich ja - wie ich schon erwähnt habe - zu einem großen Teil auf der leidgeprüften Balkaninsel abspielten.

  

 

 

Übersicht über die TÜRKENKRIEGE

 

 

 

ab 1353            Dringen die osmanischen Türken aus Kleinasien in Europa, insbesondere im Gebiet des Balkans vor.

1361                     Eroberung von Adrianopel.

1365                      Adrianopel wird osmanische Residenz.

1389                Schlacht auf dem Amselfeld. Der serbische König Lazar wird mit seinem unterlegenen Heer von den Türken vernichtend geschlagen.

1396                Schlacht bei Nikopolis. Die ungarischen und walachischen Truppen unter König Sigismund werden vernichtend geschlagen.

1444                     Der Ungarnkönig Wladislaw III. erliegt bei Varna der türkischen Übermacht.

1453                Eroberung Konstantinopels durch die Türken. Ende des Oströmischen Reiches.

1456                Die ungarischen Feldherrn Hunyady und Capistran entsetzen mit ihren Truppen das von den Türken belagerte Belgrad.

1521                Eroberung Belgrads durch die Türken unter Sultan Soliman dem Prächtigen.

1522                      Eroberung der Insel Rhodos durch die Türken.

1526                Schlacht bei Mohacs, der Ungarnkönig Ludwig der II. verliert Schlacht und Leben gegen die Türken. Fürst Johann Zapolya von Siebenbürgen ruft die Türken zum Kampf gegen den deutschen Kaiser.

1529                Erste Türkenbelagerung Wiens. unter Sultan Soliman dem Prächtigen. Die Türken müssen jedoch infolge eines verfrühten Wintereinbruches abziehen.

1532                      Eroberung des ungarischen Güns durch die Türken.

1538                      Friede zu Großwardein.

1566                Neuerlicher Kriegsausbruch: Eroberung von Sziget durch die Türken. (Tod Solimans.)

1568                      Friede zu Adrianopel.

1568                Neuerlicher Kriegsausbruch: Seesieg der Spanier und Venetianer unter Don Juan d’ Austria über die türkische Flotte bei Lepanto.

1663 – 1664      Erster Krieg Kaiser Leopolds I. gegen die Türken. Schlacht bei St. Gotthard (im heutigen Burgenland), anschließend Friede zu Eisenburg.

1683 - 1699       Zweiter Krieg Kaiser Leopolds I gegen die Türken. Zweite Belagerung Wiens durch Kara Mustapha. Die Türken werden durch ein deutsches Reichsheer unter Karl V. von Lothringen vernichtend geschlagen. 1699 erfolgt der Friede zu Karlowitz.

1717 - 1718       Erster Krieg Kaiser Karls VI. Siege in den Schlachten von Peterwardein und Belgrad durch Prinz Eugen über die Türken. Es folgt der Friede von Passarowitz.

1737 - 1739       Zweiter Krieg Kaiser Karls VI. Er endete mit dem Frieden zu Belgrad.

1788 - 1791       Der letzte Krieg Österreichs mit der Türkei findet mit dem Frieden von Sistowa seinen Abschluß.

 

 

 

 

 

Wie ich schon berichtete, stießen also die türkischen Armeen im 16. Jhdt. erstmals bis in den Raum Wien vor, wurden zurückgeschlagen und gelangten nach einem 150 Jahre dauernden hin und her von Siegen und Niederlagen gegen Ende des 17. Jhdts. wieder bis vor Wien. Das Deutsche Reich und seine Reichshauptstadt Wien befand sich zu dieser Zeit im permanenten Verteidigungszustand gegen die nach Norden und Westen drängenden Türken. Erst nach der Vernichtung der türkischen Armee vor Wien 1683 konnten die Habsburger langsam zum Angriff übergehen. Es gelang nach zähem Ringen, die Türken langsam bis zum Fluß Save zurückzudrängen, der von nun an lange Zeit eine Art Grenzfluß zwischen der christlichen und moslemischen Einflußsphäre werden sollte.

 

 

Und darin begründet liegt auch das Phänomen der ethnischen Verflechtung der Balkanslawen. Hier und anderswo wurden ab dem 16.Jhdt. an der Grenze zur Türkei, beginnend an der Adria Küste, weiter über den Raum Save bis nach Siebenbürgen, von k.u.k.-Österreich nämlich Serben, Kroaten, vor den Türken geflüchtete Bosnier usw. in großer Zahl als „Wehrbauern“ an dieser „Militärgrenze“ zum Schutz gegen die andauernden türkischen Raub- und Plünderungszüge angesiedelt; d.h.: diese Bauern bestellten ganz normal ihre Felder und züchteten ihr Vieh in diesen fruchtbaren Landstrichen, trugen aber auch Waffen und waren jederzeit einsatzbereit. Heute würden wir es als Miliz bezeichnen. Sie lebten hier, abgesehen von kleineren Reibereien, relativ friedlich miteinander, vermischten sich aber auf Grund ihrer unterschiedlichen Religion nicht oder nur selten. Sie blieben also sozusagen unter sich und bildeten daher in Gegenden, wo sie siedelten, sogenannte „Enklaven“: Also kleinere Gebiete, wo sie vorherrschten. (Siehe beispielsweise die Krajina-Serben). Diese „Verflechtung“ der ethnischen Volksgruppen hat sich größtenteils bis in die heutige Zeit im Raum des ehemaligen Jugoslawien erhalten. Und darin ist auch der Grund für den jüngsten Alptraum des derzeitigen Bürgerkrieges in diesen Räumen zu suchen.

 

Diese ab dem 16.Jhdt. geschaffene Militärgrenze war ein breiter Gebietskorridor von sog. „Palanken“ (Verhauen), bestehend aus Wachtürmen, Wehrdörfern und Festungen. Die angesiedelten Wehrbauern verfügten über besondere Privilegien wie: erbliche Lehen, Steuer- und Abgabenfreiheit sowie Religionsfreiheit. Wie schon erwähnt, bestanden diese Wehrbauern aus Kroaten selbst, Bauern und Hirten aus Ungarn - den sog. „Walachen“ und vertriebenen Serben. Auch die Venezianer riefen serbische Wehrbauern ins Land. Hauptsächlich im Gebiet um die Festung Knin an der Krka, direkt an der dalmatinisch-bosnischen Grenze, der sog. „Krajina“ (=Grenze). Diese serbisch-orthodoxen Siedlungs-gebiete innerhalb Kroatiens - ohne räumliche Verbindung zum eigentlichen Serbien - bestehen wie wir ja wissen bis heute. Im heutigen Kroatien besteht heute eine etwa 10 bis 12%ige serbische Minderheit, die sich naturgemäß politisch und kulturell eng an Belgrad anlehnt: dies ist ebenfalls das Erbe der alten Militärgrenze. Mit dem Aufkommen des Nationalismus im 19.Jhdt. wird ein bis heute andauernder explosiver Nationalitätenkonflikt die Folge sein. Doch in den vorhergehenden fast 400 Jahren wurden all diese Gegensätze nationaler oder konfessioneller Art vom gemeinsamen Abwehrkampf gegen die Türken überlagert.

 

Die Kroaten (= Krabaten; der Name stammt von den von ihnen getragenen Halstüchern, den Krawatten), sind im Dreißigjährigen Krieg und in den österreichischen Erbfolgekriegen gefürchtete Kombattanten. Durch die ihnen gewährten Sonderrechte waren sie immer treue Parteigänger der Sache Habsburgs. Die Kroatische Militärgrenze erstreckte sich im Bogen von der Adria bis Sirmien hinein. Hauptort am Meer war Senj (Zengg), wo noch heute die Festung Nehaj (Fürchtenichts) an sie erinnert. Dort hausten besonders wagemutige Gesellen, die „Uskosen“ (d.h. „Entlaufene“). Der Name weißt unmißverständlich darauf hin, daß es sich um vertriebene und rachedurstige Flüchtlinge aus osmanischem Gebiet gehandelt hat. Da sie sich in der Folge aber nicht nur an türkischen Schiffen, sondern auch an venezianischen vergriffen haben, werden sie im Jahre 1617 ins Landesinnere „umgevolkt“, also umgesiedelt. Ihre Zentren werden dort die Festungsstädte Karlovac (Karlstadt) und Varazdin (Waraschdin). Das Hinterland um Zagreb (Agram) untersteht nicht der Militärverwaltung. Dieser Teil heißt „Zivil-Kroatien“ und ist nach wie vor ein Bestandteil der ungarischen Stephanskrone.

 


 

Als Ungarn nach 1700 von den Österreichern zurückerobert wurde, dehnten diese das bewährte System der Militärgrenze auch auf Slawonien aus. Auch hier fanden sich zahlreiche orthodoxe Serben bereit, als Wehrbauern die Grenzwacht gegen Türkisch-Bosnien und Türkisch-Serbien zu übernehmen. Nach demselben Schema wie Kroatien wird auch Slawonien geteilt: in „Zivil Slawonien“ mit der Landschaft Baranja und den Hauptorten Osijek (Esseg) an der Drau und Vukovar an der Donau, sowie in „Militär-Slawonien“ mit der Hauptfestung Slavonski Brod an der Save.

 

 

Es vergehen wieder an die hundert Jahre. Die Türken halten noch immer den größten Teil des Balkan besetzt. Durch den unhaltbaren Zustand der türkischen Unterdrückung der Balkanvölker kommt es 1877 zu einem Aufstand in Bosnien und der Herzegowina; angeführt von Milan von Serbien und Nikita von Montenegro. Die europäischen Mächte, dabei vor allem Rußland, daß sich als Schutzmacht der Südslawen verstand (Panslawismus), verlangen von der „Pforte“ (so nannte sich die türkische Regierung) tiefgreifende Reformen in diesen Gebieten. Die Türkei lehnt ab, und es kommt 1877/78 zur sog. „Balkankrise“, welche im russisch-türkischen Krieg gipfelt. Er endet mit einem Sieg der Russen und wird im Frieden von St.Stefano beendet. Die europäischen Großmächte sind jedoch eifersüchtig und versuchen, einen gesteigerten Einfluß der Russen am Balkan dadurch abzuwenden, daß die diesen Frieden nicht anerkennen.

 

Es kommt daher 1878 unter dem Vorsitz des deutschen Reichskanzlers Otto Fürst Bismarck zum sog. Berliner Kongreß, dessen wichtigste Entscheidungen ich hier zum besseren Verständnis der weiteren geschichtlichen Entwicklung, insbesondere am Balkan, aufzählen muß:

 

 

1. Rußland erhält Teile von Armenien mit Kars und Batum und die Kriegskosten.

2. Bulgarien zwischen Donau und Balkangebirge wird selbständiges, jedoch tributpflichtiges Fürstentum. Ostrumelien erhält einen christlichen Statthalter.

3. Österreich-Ungarn besetzt Bosnien und Herzegowina und nimmt beide in Verwaltung. Weiters     bekommt es das Besetzungsrecht im Sandschak Novibazar  und die Küstenaufsicht an der montenegrinischen Küste.

4. Serbien, Rumänien und Montenegro werden von der Türkei völlig unabhängig.

5. Rumänien gibt Bessarabien an Rußland und erhält dafür den nördlichen Teil der Dobrudscha.

6. Griechenland erhält Thessalien und den östlichen Teil von Epirus.

7. England erhält die Insel Zypern.

 

 

So weit, so gut. Österreichische Truppen rücken nun unter General Phillipovic und Jovanovic in Bosnien und der Herzegowina ein; können sich aber erst nach schweren Kämpfen behaupten. Dies zu Wissen ist sehr wichtig, denn es kommt nun durch diese militärische Intervention und infolge der Bestimmungen des Berliner Kongresses zum schwerwiegenden Gegensatz zwischen Österreich-Ungarn und Rußland im Kampf um die Vorherrschaft am Balkan.

 

Dazu kommt noch das 1879 geschlossene Schutzbündnis (Nibelungentreue) zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn gegen Angriffe auswärtiger Feinde, besonders bei Angriffen Rußlands mit der Klausel „wohlwollender Neutralität“ bei Angriffskriegen einer der beiden Reiche. Wohl auch einer der vielen Gründe, die später den Ausschlag zum Ausbruch des 1.Weltkrieges geben sollten. Serbien wurde also 1882 unter Milan Obrenowitsch nach Jahrhunderten der Knechtung und Unterdrückung durch die Türken einerseits ein selbständiges Königreich, andererseits zum Spielball der Interessen und der Politik der europäischen Großmächte. Ebenso wie Rumänien, Bugarien, Montenegro und Griechenland.

 

 

In der Folge kommt es am Balkan 1908 schon zur nächsten Krise, die wir als „Bosnische Annexionskrise“ bezeichnen. Der Grund dafür war, daß sich in der nunmehr geschwächten Türkei eine radikale Bewegung mit dem Namen „Jungtürkische Bewegung“ gründet, die eine Verfassung erzwingt und für eine Regeneration des Großtürkischen Reiches eintritt. Österreich-Ungarn sah sich nun vor die Wahl gestellt, das größtenteils moslemische Bosnien und Herzegowina entweder zu räumen oder zu annektieren. Es erfolgte eine Verständigung und Absprache mit Rußland auf diplomatischer Ebene und Österreich entschloß sich zur Annexion. Bosnien und Herzegowina werden zum österreichischen Reichsland erklärt. Daraufhin erklärt England den Berliner Vertrag von 1878 für verletzt und verlangt eine allgemeine Mächtekonferenz über die Zukunft des Balkans. Italien fordert ebenfalls Landstriche und Kompensationen am Balkan. Die Haltung Serbiens und Montenegros gegenüber Österreich wird wegen der Annexion zunehmend feindlich; Österreich teilmobilisiert daraufhin. Die feste Haltung des Deutschen Reiches stützt jedoch Österreich und dieses schließt auf Anraten Deutschlands einen Vertrag mit der Türkei. Die Krise wird letztlich auf Kosten der Balkanvölker wieder langsam beigelegt. Jedoch nur augenscheinlich.

 

Schon einige Jahre darauf kommt es im Jahre 1912 bis 1913 zur nächsten Krise in diesem Raum, die wir als „Balkankrise“ bezeichnen. Der Grund dafür waren wieder einmal mehr die Interessensgegensätze der Mächte auf dem Balkan. Rußland will den Bosporus gewinnen, Österreich erfüllt „Kultursendung“, England hat Sorge um seinen Landweg nach Indien, der ja durch den Balkan führt, Deutschland will den Landweg nach dem Orient erhalten (Bagdadbahn), Italien will Albanien annektieren. Einerseits kann nur die Erhaltung der Türkei diese Gegensätze paralysieren; andererseits sind die Balkanstaaten jedoch zum Selbstschutz für eine Auflösung der Türkei in der derzeitigen Form.

 

Es kommt daher 1912 zwischen Serbien, Montenegro, Bulgarien und Griechenland zu Bildung des Balkanbundes mit der Rückendeckung Rußlands, und im Oktober 1912 erklären die Balkanbundstaaten den Krieg an die Pforte; es kommt zum 1.Balkankrieg. Verlauf:

 

Die türkischen Truppen werden von den Bulgaren bei Kirk Kilisse und bei Lüle Burgas geschlagen; von den Serben bei Kumanowo. Die Türken ziehen sich auf die Tschadaldschalinie (Befestigungsanlage vor Konstantinopel) zurück. Adrianopel wird belagert und im März 1913 erobert. Der 1.Balkankrieg endete im Mai 1913 mit der Friedens-konferenz in Locarno. Die Türkei verzichtete dabei auf seine Balkangebiete bis zur Linie Enos am Ägäischen Meer nach Midis am Schwarzen Meer, sowie auf die Insel Kreta. Österreich will ein selbständiges Albanien. Auch Rumänien will etwas von der Beute. Zar Ferdinand von Bulgarien widerspricht sich jedoch den Wünschen seiner Verbündeten.

 

Noch während der Friedensverhandlungen bricht zwischen den bisherigen Verbündeten der 2.Balkankrieg aus. Bulgarien wird von seinen bisherigen Bundesgenossen rasch niedergeworfen, auch Rumänien rückt in Bulgarien ein und die Türken besetzen wieder Adrianopel. Im August 1913 kommt es zum Frieden von Bukarest: Bulgarien tritt den bulgarischen Teil der Dobrudscha an Rumänien ab. Griechenland erhält Kreta, den Epirus und den größten Teil von Makedonien mit Saloniki. Serbien erhält Novibazar, Monastir und andere kleinere Gebiete. Montenegro erhält ebenfalls kleine Gebietserweiterungen. Bulgarien erhält die Gebiete von Strumitza, Melnik und den kleinen Hafen Dedeagatsch am Ägäischen Meer.

  


Im September 1913 erhält die Türkei im Frieden zu Konstantinopel Adrianopel zurück. Im Frieden zu Athen zwischen der Türkei und Griechenland bleibt die Frage um den Dodekanes bleibt aber unerledigt. Albanien wird ein selbständiges Fürstentum unter Prinz Wilhelm von Wied, der aber das Land bald wieder verläßt. Diese ganze Länderschacherei, mit seinen oft willkürlich gezogenen Grenzen, (das Volk wurde ja nie gefragt), war wieder einer der Gründe, die schon bald darauf zum Ausbruch des 1.Weltkrieges führen sollten und wieder unermeßliches Leid und Elend über den Balkan bringen sollte.
 

 

Über die Hintergründe, die letztlich zu dem am Balkan ausbrechenden 1.Weltkrieges führten, ist schon derart viel geschrieben worden, daß ich nicht beabsichtige, hier näher darauf einzugehen; dies würde auch den Rahmen dieses kurzen Skriptums sprengen. Was dabei stimmt und was nicht stimmt, ist eine Frage, um die sich noch heute Historiker herumstreiten. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Darum möchte ich mich nicht in Spekulationen und Deutungen ergehen, sondern nur Tatsachen aufzählen. Ich mache dies vor allem aus dem Grund um aufzuzeigen, welche imperialistischen Gründe mitgespielt haben, die letztlich in den 1.Weltkrieg führten, der dann zufälligerweise am Balkan seinen Ausgang nehmen sollte. Es hätte ja schließlich jeder anderer Ort Europas auch sein können!

 

Es wird vielfach die Meinung vertreten, daß vor allem Serbien die Schuld an diesem Völkerringen trifft. Stimmt. allerdings nur zu einem geringen Teil! Das serbische Volk hat seit jener verhängnisvollen Schlacht auf dem Amselfeld seine Unabhängigkeit und Freiheit für Jahrhunderte an die Türken verloren. Dieses Trauma, am ersten großen Kampf gegen die moslemischen Invasoren vom übrigen christlichen Europa in Stich gelassen worden zu sein, prägte verständlicherweise den serbischen Charakter bis in die heutigen Tage. Unbestritten trifft Serbien durch sein unnachgiebiges und diplomatisch ungeschicktes Verhalten in dieser Zeit auch ein gerütteltes Maß an Schuld - jedoch die wahren Ursachen, die dann zum Ausbruch führten, liegen viel viel tiefer. Es wird nun die allgemeine Auffassung vertreten, daß die verhängnisvollen Schüsse des serbischen Anarchisten Princip in Sarajewo des 28.Juni 1914 - die dem österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand de Este und dessen Gattin Sophie v. Hohenberg das Leben kosteten, causaler Grund für den Ausbruch des 1.Weltkrieges waren. Auslösender Grund vielleicht! Aber wäre dieser, alles nun kommende und in Bewegung setzende Grund für den „casus belli“ mißglückt, hätte man mit hundertprozentiger Sicherheit einen anderen Anlaß gefunden oder provoziert, die k.u.k.-Monarchie und das Deutsche Reich in einen Krieg hineinzutreiben.


 
In den, dem Staat „genehmen“ Geschichts- und Lehrbüchern wird als Kriegsgrund meist lapidar angegeben: „Die Ursachen, die zum Ausbruch des 1.Weltkrieges führten, liegen im Attentat von Sarajewo und der Entwicklung der imperialistischen Staaten und ihrem Expansionsbestreben“. Das stimmt wieder. Aber der Schein trügt!
 

 

Weder Österreich-Ungarn noch das Deutsche Reich hatten zu diesem Zeitpunkt irgendwelche Gebietsansprüche oder ähnliche Forderungen an andere Staaten. Demgegenüber hatten aber Nationen wie Frankreich, England, Rußland, Italien, die Türkei und Japan sehr wohl starke, unverhohlen geäußerte Ambitionen in dieser Richtung und damit ursächlich verbunden auch Kriegsziele. Ich zähle sie nachstehend kurz auf:

 


Frankreich:
 Die Rückgewinnung des im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 an das Reich wieder angegliederten deutschen Elsaß-Lothringens. Die Zerschlagung der über-mächtigen deutschen Wirtschafts- und Militärmacht. (Revanchegedanken, vor allem unter Präsident Poincare'). Der alte historische Gegensatz
 

 

England: Vor allem die Furcht vor der deutschen Handelskonkurrenz (Deutschland nach England an zweiter Stelle im Welthandel). Die alte Bestrebung der englischen Außenpolitik am Kontinent immer "das Gleichgewicht der Kräfte" mit allen Mitteln zu wahren. Die Wegnahme der kleinen, aber blühenden deutschen Kolonien in Afrika (Deutsch West- und Ostafrika, Togo und Kamerun). Gegen Bismarcks Politik der "offenen Tür" in welcher freier Wettbewerb und die Öffnung sowie Freiheit der Meere gefordert wird.(England ist bestrebt, seine überlegene Seemacht, wo auch immer, rücksichtslos zur Geltung zu bringen. Gegen die Deutsche Politik zur Erhaltung der Türkei (deutsch-türkische Freundschaft, Bau der Bagdadbahn durch das deutsche Krupp-Konzern). England ist für die teilweise Zerstückelung und Aufteilung der Türkei, um einen Landweg nach Indien zu erlangen und weiters in den Besitz der reichen Erdölfelder bei Mosul zu kommen. Einkreisungspolitik gegen das Reich und die k.u.k. Monarchie: 1908 Gründung der "Tripelentente" - einem Bündnis zwischen England, Frankreich und Rußland.

 


 

Rußland: Expansion nach Osten. Die asiatischen Besitzungen werden erweitert (Bau der transibirischen Eisenbahn bis Wladiwostok). Schwere innere Probleme und Unruhen nach dem verlorenen Krieg gegen Japan. (Die Aufrührer Lenin, Trotzki und Stalin werden nach Sibirien verbannt). Massive Gebietsforderungen an die Türkei (Bosporus, Dardanellen, Landzugang zum Indischen Ozean). Gegensatz zur k.u.k. Monarchie am Balkan (Rußland fühlt sich als Beschützer aller slawischen Völker "Panslawismus").

 

Italien: Der alte Haß gegenüber Österreich verbunden mit der Forderung des Erwerbes Triests und Südtirols (Brennerpaß als natürliche Grenze gegen Norden). Die Beherrschung der Adria (Albanien, Dalmatien, Istrien),auf kosten Österreich-Ungarns. Die Erwerbungen von afrikanischen Kolonien am Mittelmeer und Äthiopiens. Daher auch Gegensatz zur Türkei (Tripolis-Konflikt).

 

Serbien: Der Gegensatz zu Österreich und der Türkei. Serbiens gesamte Politik ist darauf ausgerichtet, den ganzen Balkan zu beherrschen und ein „Großserbisches Reich“ zu gründen. Serbien und die übrigen Balkanstaaten streben die Auflösung der Türkei mit massiver Unterstützung Rußlands an. Andauernde Spannungen und Kriege um die Vorherrschaft am Balkan sind die Folge.

 

 

Der Kriegsgrund - oder die Kriegsgründe - waren somit vorgegeben und vorprogrammiert. Es fehlte nur mehr der ausschlaggebende Anlaß. Der Funken am Pulverfaß fehlte noch. Man fand ihn, erfand ihn. Besser gesagt, er wurde in Sarajewo gemacht. Die Ausführenden waren verhetzte serbische Studenten. Dahinter stand der Chef des serbischen Nachrichten-dienstes ein Oberst Dimitrijevic', ein Geheimbund namens "Schwarze Hand", das englische Secret Service und natürlich die überall ihre Hand im Spiel habende Freimaurerei. Die Reaktion des alten, vom Schicksal nicht gerade verwöhnten Kaiser Franz Josef war genau die, mit der die Verschwörer gerechnet hatten. Ultimatum an Serbien den Vorfall zu untersuchen, (merkwürdigerweise erst am 23. Juli 1914 - also fast ein Monat nach Sarajewo), ungenügende und ablehnende Antwort der Serben wie zu erwarten. Deshalb:

 

 

28. Juli: Kriegserklärung Österreich-Ungarn an Serbien.

Das Ziel war erreicht. Der Kreis schließt sich. Die Freimaurerrechnung geht auf. Rußland mobilisiert und stellt sich wie zu erwarten hinter Serbien und dessen verderbliche Politik.

 

Der Bündnispartner der K.u.K.Monarchie, das deutsche Kaiserreich verkündet ebenfalls die "Allgemeine Mobilmachung". Obwohl Deutschland seine Freundschaft zu Rußland erklärt,- falls dort eine Mobilmachung unterbliebe-, unternimmt Rußland nichts dergleichen. Die russische Kriegspartei war zu stark. Kaiser Wilhelm verlangt in einem mit 12 Stunden befristeten Ultimatum die Rücknahme der russischen Kriegsvorbereitungen. Rußland antwortet nicht. Daher:

 

1. August: Kriegserklärung Deutschlands an Rußland.

Frankreich erklärt, seine Pflicht als Bundesgenosse Rußland gegenüber zu erfüllen und mobilisiert. Deutschland verlangt deshalb von Frankreich eine Neutralitätserklärung. Antwort: „Frankreich werde tun, was seine Interessen geböten". Daraufhin erfolgte am:

 

3. August: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich.

 

Italien beeilt sich, obwohl mit Deutschland offiziell verbündet, am 4. August eine Neutralitätserklärung abzugeben, wodurch Frankreich seine Truppen von der Alpengrenze abziehen kann.

 

 


 

 

 

 

 

 

Deutschland ersucht Belgien um Durchmarscherlaubnis gegen Garantie für den belgischen Besitz und Zusicherung der belgischen Unabhängigkeit, sowie den Ersatz aller entstandenen Schäden. Das Ansuchen wird von Belgien zurückgewiesen. Deutsche Truppen beginnen trotzdem mit dem Durchmarsch. ("Schlieffenplan": - Schlieffen, ehemaliger deutscher Generalstabschef, - sieht den Durchmarsch durch Belgien vor, mit schnellen und wuchtigen Vorstoß des rechten Flügels gegen Paris und das Meer). Deshalb:

 

 

4. August: Belgien erklärt an Deutschland den Krieg.

Dies ist natürlich für England der Vorwand zur:

4.  August: Kriegserklärung Englands an Deutschland.

6.  August:          -"-          Österreich-Ungarns an Rußland.

6.  August:          -"-          Serbiens an Deutschland.

7.  August:          -"-          Montenegros an Österreich-Ungarn.

11. August:        -"-           Montenegros an Deutschland.

12. August:        -"-           Frankreichs an Österreich-Ungarn.

 

19. August: Ultimatum Japans an Deutschland, Kiautschau zu räumen. Deutschland lehnt ab, daher:

 

23. August: Kriegserklärung Japans an Deutschland.

27. August:          -"-          Japans an Österreich-Ungarn.

 

5. September: Die Ententemächte verpflichten sich gegenseitig, keinen Separatfrieden zu schließen. Es wäre nun meines Erachtens nicht sinnvoll, die Geschehnisse und Schlachten des 1. Weltkrieges hier detailliert aufzuzählen, aufzulisten und zu kommentieren. Sie sind in jedem Geschichtsbuch ausführlich enthalten. Die Tragweite und Bedeutung der einzelnen Schlachten bleibt den Militärhistorikern vorbehalten, über deren Objektivität sich jeder selbst seine subjektive Meinung bilden kann. Papier ist genug zweckentfremdet und sinnlos vergeudet worden. Aber Papier ist bekanntlich geduldig.

 

 

Erwartungsgemäß erklärte am:

 

13. November die Pforte (Türkei) den Krieg an Rußland und ebenfalls am

13. November England und Frankreich an die Pforte den Krieg.

 

Ein Geheimvertrag- in London geschlossen- verpflichtet Italien bis Monatsfrist in den Krieg gegen die Mittelmächte einzutreten. Genau um die Zeit der beginnenden österreichischen Frühjahrsoffensive an der Rußlandfront erklärt, trotz Neutralitätserklärung, am:

 

23. Februar 1915 Italien an Österreich-Ungarn und Deutschland den Krieg.

Dies trifft die österreichische Heeresleitung sehr hart, da nur verschwindend wenig Truppen in diesem Raum vorhanden waren. Hauptsächlich Tiroler Standschützen, bestehend aus Greisen und halben Kindern, hatten monatelang die Last der schweren Kämpfe gegen einen Feind zu tragen, der an Material und Truppen eine dutzendfache Überlegenheit aufwies. Aber die alten Männer standen und hielten wie weiland 1809 unter Andreas Hofer gegen die napoleonischen Armeen. Es gelang den Italiener in der Folge nicht, an irgendwelchen Frontabschnitten nennenswerte Erfolge zu erzielen.

 

 

Es folgen noch weitere Kriegserklärungen wie z.B.: Bulgarien an Serbien, Rumänien an Österreich- Ungarn usw. usw. Jetzt fehlt nur, um aus einem bisher auf Europa, Afrika und Teile Asiens beschränkten Krieg natürlich noch Amerika, um endlich den gegen die Mittelmächte schon lange gewollten und erzwungenen Krieg zu haben.

 

  

 

Amerikas Kriegseintritt 1917

eine Chronologie der Einmischung

 

 

 

Präsident Wilson und sein Dunstkreis aus Hochfinanz und Freimaurerei sind am Ausgang des Krieges, natürlich zu Gunsten der Entente, finanziell äußerst interessiert. Die verhängte Hungerblockade gegen Deutschland veranlaßt die Deutsche Oberste Heeresleitung zu Minensperren und verstärktem U-Boot Krieg. Wilson verlangt von Deutschland "eine Garantie für das Leben amerikanischer Staatsbürger, auch wenn sie sich auf fremden Schiffen befinden" (wie durchführbar?).

 

 

Verschärfter deutscher U-Boot Krieg gegen bewaffnete Handelsschiffe ist die Folge; daraufhin erfolgt eine Note Amerikas, welche nun von der deutschen Regierung auch wirklich Erleichterungen bezüglich des U-Boot Krieges erwirkt. Wilson macht im Jänner 1917 einen Vorschlag für Friedensverhandlungen, welcher zwar von den Mittelmächten angenommen, von der Entente aber entschieden abgelehnt wird (dies wußte Wilson schon vorher!). Daraufhin eröffnete Deutschland notgedrungen den uneingeschränkten U-Boot Krieg. Amerika bricht aus diesem geschickt hervorgerufenen Anlaß daraufhin die diplo-matischen Beziehungen mit Deutschland ab und erklärt am:

 

6. April 1917 den Krieg an die Mittelmächte. Weitere 16 Staaten - größtenteils irgendwelche Bananenrepubliken ziehen, da von Amerika und dessen Kapital abhängig, mit, und erklären ebenfalls den Krieg.

 

 

Dadurch bedingt kommen ungeheure amerikanische Materialmengen und Waffen sowie auch Truppen, vor allem an der Westfront zum Einsatz. Eine neue Waffe - Tanks (gepanzerte, geländegängige Kampfwagen) - werden zum ersten Mal massiv eingesetzt. Auch die Kriegsfliegerei - zwar noch in den Kinderschuhen steckend - muß nun als Waffe erstmals ernstgenommen werden.

 

 

 

Erst einen Monat nach dem Attentat in Sarajewo, am 28.Juli 1914, und nachdem Belgrad das österreichische Ultimatum bezüglich einer Untersuchung der Tat von Sarajewo auf serbischen Gebiet abgelehnt hat, erfolgt die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Die k.u.k. Armeen stoßen über die Flüsse Drina und Save Richtung Belgrad vor. Doch erst im Jahre 1915 gelingt es der k.u.k.-Armee mit Unterstützung deutscher Heeresverbände unter General Mackensen durch die serbischen Stellungen durchzu-brechen. Am 9.Oktober wird Belgrad, am 13.Oktober Kragujewac und am 5.November Nisch erobert. Am 14.Oktober erklärte das mit den Mittelmächten verbündete Bulgarien an Serbien - als Revanche für den Balkankrieg - sich mit Serbien im Krieg befindlich. Die endgültige Vernichtung des serbischen Heeres erfolgte tragischerweise wieder auf dem schicksalsträchtigen Boden des Amselfeldes vom 23. bis 25.November 1915.

 

Wie ja allgemein bekannt, endete der 1.Weltkrieg mit der Niederlage und Zerstückelung Österreich-Ungarns, des Deutschen Reiches und Osmanischen Reiches. Zum ersten Mal in der Geschichte kommt es nun nach den Friedensdiktaten von St.Germain, Versailles und Trianon tatsächlich zu einem Bund der Südslawen im Staatsverband Jugoslawien unter dem serbischen König Peter I. Dieser Staat entsteht aus der Vereinigung Serbiens mit den Teilen der ehemaligen k.u.k.-Monarchie und mit Montenegro.

 

 


 

 

 

 

 

Außerdem erhält Jugoslawien: Kroatien, Slawonien, Dalmatien, Bosnien, Herzegowina, Südsteiermark, den größten Teil Krains, einige ungarische Komitate (den westlichen Banat, Szabadka, Subotica, Zenta), sowie weiters (widerrechtlich!) Teile von Steiermark und Kärnten.

 

1920 bildet Jugoslawien die sogenannte „Kleine Entente“ mit der Tschechoslowakei und Rumänien, zur Aufrechterhaltung des durch die Friedensverträge geschaffenen Zustandes im Donauraum und auf dem Balkan. Im Jahre 1922 tritt auch Polen diesem Bündnis bei.

 

 

Unter der Regierungszeit König Alexander I. (1921 - 1934) gründet sich weiters der Balkanbund, in dem sich Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland zum Schutz gegen die Türkei zusammenschließen. 1926 kommt es zu den ersten Spannungen mit Italien wegen der Albanienfrage. Ab 1929 entstehen zwischen Kroaten und Serben ernste Spannungen; die Kroaten fordern mehr Rechte und Unabhängigkeit von Belgrad. 1934 erfolgt aus undurchsichtigen Gründen die Ermordung Königs Alexander I. und dem französischen Außenminister Barthou während eines Staatsbesuches in Marseille durch einen Makedonier (der Mord erfolgte vermutlich aus nationalistischen Gründen). Für den erst zwölfjährigen Sohn Alexander I., Peter II., regiert Prinzregent Paul mit der Regierung Stojadinowitsch, die aber 1939 gestürzt und vom Kabinett Zwetkowitsch abgelöst wird. Zwetkowitsch war sehr deutschfreundlich und suchte sofort eine Annäherung an das Deutsche Reich und die Achsenmächte. Auf das, was nun auf Jugoslawien und den ganzen Balkan zukommen sollte, muß ich zum besseren Verständnis wieder etwas ausführlicher eingehen.

 

 

Die neuerliche balkanische Tragödie begann mit einer Offensive der italienischen Truppen Mussolinis in Albanien auf Griechenland, die für die Italiener nach einigen Wochen in einem Fiasko enden sollte. Hitler und das OKW fürchteten ständig eine überraschende Landung der Engländer in Griechenland; wie schon im 1.Weltkrieg, und damit verbunden die Schaffung von Stützpunkten für Angriffe auf die für Deutschland so lebensnotwendigen rumänischen Erdölfelder. Hitler hatte Italien in erster Linie die Aufgabe zugewiesen, vor allem Jugoslawien im Schach zu halten und zu neutralisieren. Aber das unbedachte Abenteuer Mussolinis brachte nun genau das Gegenteil zustande. Die Engländer wurden nun gleichsam gezwungen, sich in Griechenland festzusetzen, wenn es auch allerdings für sie für sie zu früh, zu überhastet und improvisiert war, so daß die Wehrmacht durch ihre bald notwendig gewordene rasche Intervention am Balkan eine massive Festsetzung der englischen Truppen im Keim ersticken konnte. Der italienische Angriff auf Griechenland begann dann, wie ich schon erwähnte, am frühen Morgen des 28.Oktober 1940 vom Albanischen Raum aus.

 

Hitler war vollkommen überrascht und wie vom Donner gerührt. Wütend richtete er ein Schreiben an Mussolini, zwar höflich, aber doch mit aller Bestimmtheit, daß sich die militärische Gesamtlage durch das vorher nicht abgesprochene Vorgehen Italiens gegen Griechenland erheblich verschärft habe. Hitler schrieb (auszugsweise): „Während bisher das rumänische Petroleumgebiet für englische Bomber überhaupt noch nicht greifbar war, sind diese nunmehr in eine Nähe gerückt, die unter fünfhundert Kilometer liegt. Ich wage über die Folgen kaum nachzudenken... Gänzlich unreparabel würde der Schaden sein, wenn größere Ölraffinerien ebenfalls der Zerstörung anheim fielen. Süditalien, seine Häfen, sowie ganz Albanien liegen jetzt in der bequemsten Reichweite der englischen Bomber."

 

Über den jammervollen, dilettantischen und für die Italiener so verlustreichen Angriff auf Griechenland lohnt es sich nicht zu berichten. Ganz Griechenland erhob sich, wider den italienischen Erwartungen wie ein Mann, und schon bald wurden die italienischen Truppen von den äußerst tapfer kämpfenden griechischen Verbänden unter schwersten Verlusten an Menschen und Material bis weit nach Albanien hinein zurückgeworfen. Inzwischen begannen die Engländer unter dem Oberkommando General Wilsons Truppen im südlichen Griechenland anzulanden. Die Gefahr von Luftangriffen auf die rumänischen Erdölfelder rückte also zunehmend in greifbare Nähe und Hitler geriet zunehmend in Zugzwang.

 

 


 

 

 

 

 

Am 13.Dezember 1940 ergeht die Weisung Nr.20, "Operation Marita" an die Wehrmacht, wodurch ein Feldzug gegen Griechenland nun zur feststehenden Tatsache wurde. In einer weiteren Weisung vom 11.Jänner 1941 wurde weiterhin festgestellt, daß eine Unterstützung der schwer ringenden italienischen Streitkräfte in Nordafrika dringend notwendig geworden war, die dort durch britische Angriffe in der Cyrenaika immer weiter zurückgedrängt wurden. General Erwin Rommel stellte in nur wenigen Wochen das deutsche "Afrikakorps" zusammen, das mit seinen ersten Vorhuten schon im Februar 1941 in Libyen eintraf.

 

 

Das alles bedingte die sicherlich weltgeschichtliche Entscheidung, den Rußlandfeldzug "Barbarossa" um fast sechs Wochen zu verschieben.

 

 

 

Am 19. und 20.Jänner 1941 besuchte Mussolini Hitler in Salzburg. Italiens Außenminister Graf Ciano sah in dem Ergebnis der Besprechungen im Führerhauptquartier nahezu ein Todesurteil für die Selbständigkeit Italiens. Sowohl Mussolini als auch Ciano wissen, daß sich die italienische Flotte in einem gebrechlichen Zustand befindet und das die Luftwaffe Italiens in einem jammervollen Allgemeinzustand ist. Die weitere Kriegsführung der Italiener ist von den deutschen Lieferungen an Waffen und Munition abhängig. Der italienische Hof und sein Dunstkreis warten nun nur mehr darauf, dem Duce den Todesstoß versetzen zu können. Am 3.Februar 1941 hielt Hitler eine geheime Konferenz mit seinen engsten militärischen Beratern ab. Sinngemäß hieß es da, daß der Verlust Nordafrikas durchaus militärisch zu tragen wäre, aber sicherlich starke "seelische" Rückwirkungen auf Italien haben müsse. Die Generalstäbler des OKW warnten jetzt immer eindringlicher: „Alles, was wir in Griechenland oder Nordafrika an Truppen und Material bereitstellen, fehlt uns dann letzten Endes in Rußland bei Barbarossa.“

 

Fortan spielten die Italiener als selbständige Militärmacht keine Rolle mehr; auf dem Balkan und in Nordafrika wurde nun ein eigenes deutsches Oberkommando geschaffen. Wäre es damals zu einer vernünftigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Italienern gekommen, hätte sicherlich die britische Vormachtstellung im Mittelmeer, Nord-afrika und im Vorderen Orient zerschlagen werden können, ohne dabei die Balkanländer anzugreifen.

 

Der "Stahlpakt" der Achsenmächte, Deutschland und Italien, erwiesen sich zunehmend als Schimäre.

 

 

Für "Barbarossa" fehlten aber nun ein paar Divisionen und ein paar Wochen, die letztendlich kriegsentscheidend hätten sein können.

 

 

 

In der Zwischenzeit spitzte sich die Lage am Balkan allmählich zu. In Albanien fiel eine Gegenoffensive der Italiener, die Mussolini am 9.März mit großem propagandistischen Pomp und Getöse starten ließ, innerhalb von nur fünf Tagen vollständig und kläglich in sich zusammen. Auf Grund dessen trat der Oberbefehlshaber der griechischen Nordarmee mit einem geheimen Vermittlungsvorschlag an den deutschen Generalkonsul in Saloniki heran. Die Feindseligkeiten an der albanischen Front würden ab sofort eingestellt, falls die italienischen Truppen durch deutsche Truppen ersetzt werden würden. Andernfalls würde Griechenland den Krieg bis zum äußersten weiterführen. Hitler wiederum wollte die Engländer aus Griechenland und den Ägäischen Inseln hinauswerfen, und er erklärte Brauchitsch und Raeder, daß er auch im Falle einer friedlichen Lösung der griechischen Frage die Besetzung des ganzen Landes vorgesehen habe - man brauche es jetzt unbedingt als Basis für die Luftherrschaft des östlichen Mittelmeeres. Außerdem seien es ja letztlich auch die Engländer gewesen, die die griechische Neutralität durch die Anlandung ihrer Truppen als erster verletzt hätten. Dennoch sah Hitler dem herauf-ziehenden Krieg mit Griechenland mit großen Widerwillen entgegen.

 

 

 

Die Engländer hatten bis zum 24.März 1941 etwa 40.000 Mann in Griechenland gelandet. Das OKW wies den deutschen Militärattaché in Washington an, dafür Sorge zu tragen, daß die Stärke der britischen Streitkräfte in Griechenland hinkünftig möglichst klar und deutlich hervorgestrichen werde. Damit würden die englischen "Tendenzmeldungen" in Amerika Glauben finden, und "je voller der Engländer den Mund hier genommen hat, um so günstiger werde sich die britische Niederlage dann propagandistisch auswirken." Hitler reiste am 25.März nach Wien ab. Hier sollten nun endlich die Dokumente unterschrieben werden, die Jugoslawien endgültig an den "Dreierpakt" banden. Hitler war glänzender Laune, als sein Zug im Wiener Westbahnhof einlief, und begab sich mit seinem Gefolge anschließend ins Hotel Imperial auf der Wiener Ringstraße. Walther Hewel, Ribbentrops ständiger außenpolitischer Berater bei Hitler, schrieb am Ende dieses Tages in sein Tagebuch: „Unterzeichnung des Beitritts Jugoslawiens zum Dreimächtepakt im Belvedere. Anschließend Besprechung mit Graf Ciano, sowie dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Cvetkovic'. Abends Essen bei Gauleiter Baldur von Schirach. Sehr nett..."

 

 

Den ganzen Monat März über hatte es gedauert, bis die Jugoslawen endlich den Pakt unterschrieben, aber es hatte sich gelohnt; denn bei einem Angriff auf Griechenland würden die deutschen Divisionen von einer etwa 400 km langen und nur 20 km von der jugoslawischen Grenze entfernten Verbindungslinie abhängen. Eine aktive Feindseligkeit Jugoslawiens wäre also im höchsten Maße unangenehm gewesen. Der jugoslawische Prinzregent hatte Hitler auf dem Berghof einen inoffiziellen Besuch abgestattet und dabei erklärt, daß in seinem Lande eine überaus empfindliche Stimmung herrsche. Erst als Deutschland Prinz Pauls Bedingungen akzeptiert hatte, nämlich kein Durchmarschrecht für Achsentruppen durch Jugoslawien, keine militärische Beteiligung Jugoslawiens, Zugang zum Ägäischen Meer, also Saloniki, - als Belohnung für Jugoslawien, - stimmte der jugoslawischen Kronrat dem Beitritt zum Dreimächtepakt zu, obwohl die italienfeindliche Stimmung in Belgrad derart hohe Wellen schlug, daß mehrere Minister aus Protest gegen die Unterstützung ihren Rücktritt erklärten. Nach der feierlichen Unterzeichnung im Schloß Belvedere, wurde Keitel allein zum Führer gerufen, der seiner Zufriedenheit darüber Ausdruck gab, daß nun auf dem Balkan keine unangenehmen Überraschungen mehr zu erwarten wären...

 

Als sich danach Hitler gegenüber Ciano äußerte, machte er jedoch eine wesentliche Einschränkung: "Die inneren Verhältnisse Jugoslawiens könnten sich trotz allem komplizierter gestalten". Eine wahrhaft voraussehende Erkenntnis! Auch der deutsche Geheimdienst hatte an diesem Tage über die Gesamtlage in Jugoslawien berichtet: "Die Stimmung weiter Kreise gegen Deutschland schlecht... Verhältnisse geben zu Befürchtungen Anlaß, daß die Regierung nicht mehr lange Herr der Lage sein wird."

 

Um 22 Uhr verließ Hitlers Zug Wien in Richtung Berlin, wo er beabsichtigte, am Nachmittag des 27.März den japanischen Außenminister zu empfangen.

 

 

Sicherlich war kein Pakt in der Geschichte kurzlebiger als dieser mit Jugoslawien. Bereits früh am Morgen brachte Hewel dem Führer die niederschmetternde Nachricht von einem Staatsstreich in Belgrad; Prinzregent Paul sei gestürzt und mit ihm die Regierung Cvetkovic'. Eine große Menschenmenge demonstriere vor der deutschen Gesandtschaft, das deutsche Fremdenverkehrsbüro war vom Mob zerstört, der schwedische Botschafter sei bewußtlos geschlagen worden, weil man ihn für einen Deutschen hielt, und überall erschienen britische Union Jacks, verteilt von der englischen Vertretung. Der Pöbel auf der Straße sang das "Lied von der Roten Fahne". In den Städten ganz Serbiens herrsche der helle Aufruhr; in Kroatien dagegen sei alles ruhig.

 

 

Den Putsch hatte der Oberbefehlshaber der jugoslawischen Luftwaffe General Dusan Simovic' angezettelt, ein Serbe, dessen Deutschfeindlichkeit bekannt war, ein glühender Exponent und Verfechter des Panslawismus, der einigen Quellen zufolge ein russischer Agent gewesen sein soll. Sein sofort eingesetztes "Revolutionskabinett" ratifizierte den Beitritt zum Dreierpakt natürlich nicht, beeilte sich aber nichtsdestoweniger hastig bekanntzugeben, daß die Loyalität gegenüber dem Deutschen Reich ungebrochen sei.

 

 

Hitler allerdings hielt so gar nichts von derartigen Lippenbekenntnissen. Er ließ sofort Keitel und Jodl kommen und zeigte ihnen das Belgrader Telegramm. Seine anfängliche Wut war aber schon bald einer freudigen Erregung angesichts der sich nun hier öffnenden neuen strategischen Möglichkeiten gewichen. Hitler hatte als geborener Österreicher das chauvinistische Serbien immer schon mit Argwohn betrachtet. Andererseits muß nachträglich gesehen auch gesagt werden, daß Hitler und die Wehrmacht durch diesen Putsch auch Glück im Unglück hatten; denn wäre dieser Umsturz nicht jetzt gekommen, sondern ein paar Wochen später, dann hätte das für ursprünglich Mitte Mai angesetzte Unternehmen Barbarossa mit einem feindseligen Jugoslawien im Rücken begonnen. Hitler sagte dazu erleichtert: "Ein Glück, daß der Feind hier die Maske hat fallen lassen, während wir gerade auch die Hände frei haben." Dann verkündete er seine Absicht, Jugoslawien unverzüglich "militärisch und als Staatsgebilde" zu zerschlagen. Hewel bemerkte in seinem Tagebuch: „Sofort Göring, Brauchitsch, Ribbentrop bestellt. Schnell Entschlüsse gefaßt. Bester Stimmung. Ungarischen und bulgarischen Gesandten sofort bestellt. Ich Aufzeichnungen gemacht." Gegen 13 Uhr erschienen Halder und Brauchitsch. Hitler, voll überschäumender Erregung, führte sie zusammen mit Ribbentrop an den Kartentisch und verkündete: „Ich habe mich entschlossen, Jugoslawien niederzuschlagen. Was brauchen Sie an Kräften? Was brauchen Sie an Zeit?"

 

 

Durch das Eintreffen des ungarischen Gesandten, Döme Sztojay, fand die kurze militärische Besprechung ein jähes Ende. Aber die Generale hatten schon ihre Befehle. Die überschwengliche Stimmung Hitlers war ansteckend: „Nur weil Italien einige Schlappen eingesteckt habe, glauben die anderen nun plötzlich, die Achse ginge kaputt. Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit!" sagte er triumphierend zu Sztojay und schickte ihn heimlich nach Budapest mit dieser mündlichen Mitteilung für den Reichsverweser Admiral Horthy: für Ungarn schlüge jetzt die Stunde der Vergeltung, der Führer werde die ungarischen Revisionsforderungen gegenüber Jugoslawien in vollem Umfange anerkennen. „Marschieren Sie ins Banat ein!" empfahl Hitler, und da Admiral Horthy - der letzte Oberbefehlshaber der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine im Jahre 1918 - sicherlich einen Zugang zur Adria wünsche, stellte Hitler den Ungarn sogar Fiume in Aussicht. Kurz darauf empfing er den bulgarischen Gesandten Parwan Dragonoff und offerierte Bulgarien den jugoslawischen Teil Mazedoniens, und gab überdies seiner tiefen Befriedigung Ausdruck: „Die ewige Unsicherheit dort unten ist beseitigt. Das Ungewitter wird über Jugoslawien hereinbrechen mit einer Schnelligkeit, daß den Herren dort Hören und Sehen vergehen werden."

 

 

Am nächsten Abend war der ungarische Gesandte schon wieder bei Hitler in Berlin und überreichte ein Handschreiben Horthys: Ungarn sei bereit zu helfen, sei aber an Kroatien nicht interessiert. Hitler sagte zu Sztojay, er freue sich, daß Deutschland und Ungarn der gewaltigen slawischen Welle vereint gegenüberstünden. Wenn er über alles so nachdenke, so komme er immer mehr zu dem Glauben an eine höhere Gerechtigkeit, und ihn erfasse tiefe Ehrfurcht vor der Vorsehung. Hitler legte in seiner Besprechung mit seinen Befehls-habern von Heer und Luftwaffe seinen Angriffsplan in groben Zügen fest. Er erklärt: „Politisch ist es besonders wichtig, daß der Schlag gegen Jugoslawien mit unerbittlicher Stärke geführt wird und die militärische Zerschlagung in einem Blitzunternehmen durchgeführt wird." Göring machte sich daran, die erforderlichen Kampf- und Jagdflieger-verbände aus dem Westen heranzuholen. Die Luftwaffe sollte die jugoslawische Bodenorganisation blitzartig zerschlagen und Belgrad in rollenden Angriffen mürbe bombardieren. Spät abends hielt Hitler die OKW-Weisung Nr.25 in der Hand. General von Rintelen wurde mit Detailinformationen für die italienischen Streitkräfte zu Mussolini entsandt.

 

 

 

Der Angriff auf Rußland, hieß es in der Weisung, müsse um einen Zeitraum verschoben werden, der bis zu vier Wochen betragen könne. Die Entscheidung war Hitler nicht leicht gefallen, denn er wußte sehr wohl, was es bedeuten mußte, wenn Barbarossa sich bis in das Gespenst des russischen Winters hineinziehen würde.

 


 

Andererseits stellte sich später heraus, daß das Frühjahr 1941 Mitteleuropa ungewöhnlich starke Regenfälle bescherte, und der Boden wäre vor dem Termin des tatsächlichen Angriffes viel zu sumpfig für die vorrollenden Panzerdivisionen gewesen, die ja das Rückgrat des Rußlandfeldzuges bildeten. Die Flüsse und Wasserläufe blieben durch den schweren Regen viel länger als gewöhnlich angeschwollen, und dies im gesamten westlichen Rußland. Die Divisionen, die die Wehrmacht jetzt auf dem Balkan einsetzte, hätten vermutlich somit ohnehin bis zum Juni mehr oder weniger untätig bleiben müssen.

 

Die deutschen Generalstäbler leisteten wieder einmal mehr ein Meisterstück an Improvisation. In nur neun Tagen wurde der gesamte Balkan-Aufmarschplan zerlegt und neu zusammengefügt, um nun auch den Einmarsch der Truppen in Jugoslawien zu berücksichtigen, wobei ungarischen und italienischen Verbänden nur "Statistenrollen" zugewiesen wurden.

 

 

 

Unterdessen traf Hitler seine Entscheidungen über die nun zukünftige Aufteilung des jugoslawischen Staatsgefüges. Das fruchtbare und reiche Banat sollte an Ungarn zurückgegeben werden. Dalmatien und Montenegro wurden für Italien vorgesehen, Serbien sollte unter deutsche Militärverwaltung gestellt werden. Die anno 1918 abgetrennten altösterreichischen Gebiete Kärntens und der Steiermark sollten an das Deutsche Reich rückgegliedert werden. Kroatien sollte ein unabhängiger Staat werden, und die Bulgaren sollten Mazedonien annektieren. Die ganze Lösung erschien Hitler als ein endgültiger, befriedigender Schlußstrich unter dem latenten balkanischen Alptraum...

 

 

 

 

Nach wie vor ungeklärt blieb die Haltung der Sowjetunion, und Hitler wurde durch die letzten Tage des Wartens wieder von quälenden Zweifeln gepackt. In der Gerüchteküche brodelte es: bot Stalin etwa dem neuen jugoslawischen Regime einen Pakt an? Hatte er den Jugoslawen gar geheime Rüstungslieferungen angeboten, wie es aus einem abgefangenen Telegramm von Moskau nach Belgrad hervorzugehen schien? Die Sowjets stellten derartige Andeutungen sofort energisch in Abrede - die Ungarn würden ja kaum sowjetische Waffentransporte über ihr Gebiet zulassen. Aber bekanntlich führen ja auch noch andere Wege nach Belgrad - über die ägäischen Häfen Griechenlands zum Beispiel... Am 5.April meldete der rumänische Generalstab verstärkte Tätigkeit sowjetischer Aufklärungsflugzeuge über rumänisches Territorium; und im Raum Kiew sei nach Geheim-dienstmeldungen eine neue Fallschirmjäger-Schule errichtet worden. All diese Warn-zeichen verliehen den offensichtlichen Bemühungen des Belgrader Revolutionskabinett, Zeit zu gewinnen, einen unheilverkündenden Hintergrund. Ribbentrop wurde von Hitler sofort angewiesen, alle eventuellen Anbiederungsversuche seitens Belgrad zu ignorieren. Der Schleier begann sich am 5.April urplötzlich zu lüften. Hewel brachte dem Führer eine höchst beunruhigende, vom Forschungsamt abgefangene Mitteilung, aus der nun eindeutig hervorging, daß Stalin im Begriffe war, einen Nichtangriffs- und Freundschaftspakt mit Belgrad zu unterzeichnen. (Dieser Pakt wurde, wie sich später herausstellte, auch tatsächlich binnen der nun folgenden vierundzwanzig Stunden unterzeichnet!). Hitler saß den ganzen 5.April über wie auf glühenden Kohlen. Der eigene Angriff "Marita", sollte ja am 6.April steigen. Mit Hewel und seinem Adjutanten Schmundt blieb Hitler bis 5 Uhr früh im Gespräch.

  

 

Dann begann "Marita". Am 6.April 1941, um 5Uhr15, setzten sich die deutschen Angriffs-spitzen zum Sturm auf die Grenzen Jugoslawiens und Griechenlands in Bewegung, während sich starke Jagd- und Kampfliegerverbände der Luftwaffe schon auf dem Flug nach Belgrad befanden. Der deutsche Blitzkrieg gegen Jugoslawien begann am 6.April 1941 um 5Uhr15 mit heftigen Angriffen der Luftflotte 4. General Alexander Löhrs, die vor allem Belgrad zum Ziel hatten. Die Befehlszentrale des jugoslawischen Oberbefehlshabers General Simovic' wurde ebenso wie das Regierungsviertel sehr schwer getroffen. Das gesamte jugoslawische Nachrichtennetz brach sofort zusammen. Der Großteil der jugoslawischen Luftwaffe, seiner Bodenorganisation und Logistik wurden bereits auf ihren Flugplätzen am Boden ausgeschaltet.

 


 

Die aus Bulgarien antretende Panzergruppe1. unter General von Kleist stürmte mit dem XIV.Pz.Kps, bestehend aus der 5. und 11.PzD sowie der 60.ID(mot) und hatten die Aufgabe, Belgrad in einer raschen Zangenbewegung so schnell wie nur möglich zu erreichen, und nach Süden abzuriegeln. Aus dem Raum Steiermark und Kärnten war das XXXXVI.Pz.Kps unter General von Vietinghoff als Stoßverband der 2.Armee angesetzt worden. Die 14.PzD dieses Korps stürmte nach der Eroberung der Brücken von Barcs und Zakany am 8.April im schnellen Stoß vorwärts und erreichte Agram am 10.April, erkämpfte dann den gesamten Raum von Karlovac bis zum 12.April, erreichte am 15.April Sarajewo und stand bereits zwei Tage später in Dubrovnik.

 

Die 8.PzD wiederum bildete die Spitzengruppe des von Norden direkt auf Belgrad vorstoßenden nördlichen Zangenarmes. Seite an Seite mit ihr rollte 18.ID(mot) vorwärts. Der südliche Zangenarm - als Lanzenspitze die 11.PzD - erreichte bis zum Abend des 12.April den Südrand von Belgrad. Die dort kämpfende 6.jugoslawische Armee strömte nach kurzer Zeit zerschlagen und fliehend zurück. Zur fast gleichen Zeit war auch die 8.PzD an den nördlichen Stadtrand von Belgrad herangerollt. Somit war Belgrad eingeschlossen und abgeschnitten.

 

Das XXXXI.Pz.Kps, das am 11.April aus dem Raum Temesvar in Westrumänien angetreten war, erreichte die Drau bis zum Mittag des 12.April. Hier war es eine Einheit der Waffen-SS-Division "Das Reich", das am Nachmittag des 12.April unter SS-Hauptsturmführer Fritz Klingenberg in einer abenteuerlichen Kommandoaktion über die Donau nach Belgrad vordrang. Er stieß dort auf den deutschen Militärattaché, Oberst Toussaint. Dieser ließ den Bürgermeister kommen, und der wiederum übergab Belgrad nach einer längeren Verhandlung um 18Uhr45 kampflos an die SS. Klingenberg erhielt dafür das Ritterkreuz. In der folgenden Nacht drangen auch die beiden von Norden und Süden kommenden Panzerverbände in die Stadt ein. Es fiel dabei kein Schuß. Belgrad war auf diese Weise sicherlich ein blutiger und verlustreicher Straßenkampf, verbunden mit vielen Zivilopfern, erspart geblieben.

 

Der jugoslawische Oberbefehlshaber General Simovic' trat am 14.April zurück. Sein designierter Nachfolger, General Katafatovic' wurde ermächtigt, Waffenstillstandsver-handlungen mit der Wehrmacht einzuleiten. Er ließ am Morgen des 17.April Unterhändler zur deutschen Führung entsenden, um die Verhandlungen einzuleiten. Am 17.April 1941, 15Uhr25, wurde in Belgrad der Waffenstillstand unterzeichnet, der Tags darauf in Kraft trat.

 

 

Insgesamt gingen an die 344.000 Jugoslawen in die Kriegsgefangenschaft. "Marita" war somit einer der "leichtesten" Siege der Wehrmacht überhaupt. Zu beklagen waren "lediglich" 151 Tote, 15 Vermißte und 392 Verwundete.

 

 

 

Der General der Panzertruppe Nehring kleidete diesen raschen Erfolg in folgende Worte:

 

 

"Das Geheimnis unseres Erfolges lag wieder in der Überraschung, die durch das Tempo der Operationen bedingt war, im schnellen Handeln aller Führer, im gewandten Zusammenfassen ausreichender Kräfte an der operativ und taktisch richtigen Stelle, also in Beachtung von Guderians Panzerlehre 'Nicht kleckern, sondern klotzen' "!.

 

Der Balkan, vor allem Jugoslawien, war wie eh und je wieder zerfallen. Der Widerspruch zwischen den einzelnen Volksgruppen trat wieder offen zu Tage und gipfelte in blutigen Auseinandersetzungen zwischen allen ethnischen Gruppen, vor allem zwischen der kroatischen Ustascha und den serbischen Tschetniks. Die Folge war ein gegenseitiges Morden und abschlachten - die Völker des Balkans waren wieder einmal dem Willen fremder Mächte ausgesetzt und ausgeliefert. Hauptleidtragend war vor allem - wie immer - die schuldlose Zivilbevölkerung. Ein neuerlicher Bruderkrieg zwischen den balkanischen Völkerschaften einerseits, andererseits ein von allen Parteien mit größter Brutalität geführter Partisanenkampf gegen die Besatzer.

 


 

Der spätere Marschall und Staatspräsident, der Kroate Josip Broz, genannt Tito, (*1892, U1980), bildete schon bald nach der Niederlage Jugoslawiens schlagkräftige Partisanengruppen in den unwegsamen Bergen und Gegenden Zentraljugoslawiens, aus denen bald eine Partisanenarmee wurde. Nach der „Befreiung“ Jugoslawiens und dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten begründete Tito nach seiner Lossagung von Stalin 1948 den sogenannten Titoismus, eine Art Sonderform des Kommunismus, der die nationale Selbständigkeit Jugoslawiens von Moskau betonte und überdies sicherlich - das muß auch einmal gesagt werden - auch einige sehr positive Ansätze aufwies. Dadurch geriet Tito selbstverständlich in einen Gegensatz zu Moskau, ohne sich aber dabei an das westliche „demokratische“ Europa politisch oder wirtschaftlich zu binden bzw. sich abhängig zu machen. Und diesem Mann gelang es tatsächlich, ganz Jugoslawien zu einem gewissen wirtschaftlichen Aufschwung zu verhelfen, wie er in früheren Zeiten nie der Fall war. Er war zugegebenermaßen ein Vaterbild, ein Führer, der immer unter sich zerstrittenen einzelnen ethnischen Teile des jugoslawischen Volkes. Er verstand es auch meisterhaft, zwischen den beiden Machtblöcken zu bestehen, um die jugoslawischen Völker nicht wieder in eine verhängnisvolle Abhängigkeit einer der Mächte zu bringen, die für den Balkan doch immer so verderblich geendet hatten.

 

Wie sich die Lage einige Jahre nach Titos Tode im Jahre 1980 entwickelte ist traurige Gegenwart. Der Jugoslawische Staatenbund ist wieder zerfallen; teils aus eigener Schuld und Unfähigkeit an einem geordneten Zusammenleben, teils aber auch wieder auf Grund ausländischer Einmischungen, die am Balkan, - wie schon immer in der Geschichte - ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Tito hat dies seinerzeit sehr wohl durchschaut und auch danach gehandelt. Merkwürdigerweise ist man dessen am Balkan heutzutage nicht imstande und schreit wieder lauthals vermehrt nach ausländischer Intervention, die, wie uns die früheren Geschichte des Balkans ja gezeigt hat, wieder nichts bringen wird und bringen kann.

 

 

 

 

Schlussbemerkung

 

 

Ich schrieb diese Zeilen nicht, weil ich ein Serbenfreund bin, sondern vielmehr daher, da ich es für historisch unverantwortlich halte und verabscheue, daß in der Öffentlichkeit aus Zweckdenken weiterhin der Eindruck vermittelt wird, daß nur und ausschließlich das serbische Volk allein die Hauptschuld an dem derzeitigen Desaster im ehemaligen Jugoslawien trägt. Die eigentliche Tragik der Völkerschaften des Balkans liegt vielmehr darin begründet, daß sie immer der Spielplatz der Politik und der Machtinteressen von europäischen und außereuropäischen Großmächten waren. Anstatt die einzelnen Völker des Balkans in ihren ethnischen und gewachsenen Grenzen zu belassen, wurden und werden immer wieder unnatürliche Grenzen gezogen und tragen so zur weiteren Konfliktbildung bei.

 

Ein dauerhafter Frieden und ein konfliktloses Zusammenleben in diesem Raum, kann nur und ausschließlich von den Völkern des Balkans selbst ausgehen, nie von Außen! Diese Völker müßten sich mehr ihrer eigenen Geschichte, Kultur und Tradition bewußt werden und demgemäß handeln. Die Serben sollten das Trauma der Schlacht am Amselfeld zwar nicht vergessen, aber endlich dementsprechend agieren. Es wird noch ein langer und dornenreicher Weg werden.

 

 

 

Edmund


 

 

 

 

 

Die Balkankriege 1991 bis 2002

 

Eine Ergänzung von Dr. Peter ...

(Historiker, Experte für Ost- und Südosteuropa)

 

 

 

Der Krieg, der im Jahre 1991 auf dem Balkan begonnen hat, war die unmittelbare Folge der Auflösung Jugoslawiens und der pipolaren Weltordnung, aber zugleich auch ein Angriff der USA auf Europa. Auf Grund neuer Archivdokumente können wir heute die These aufstellen, daß der Krieg vermeidbar gewesen wäre, wenn die USA nicht eingegriffen hätten. Auf der von der EU organisierten Konferenz in Lissabon im April 1992, auf der sich die drei Konfliktparteien der Serben, Kroaten und Bosniaken bereits geeinigt hatten, veranlaßte jedoch der US-amerikanische Botschafter Warren Zimmermann den Führer der Bosniaken, Alija Izetbegovic, seine Unterschrift unter dem Abkommen zurückzuziehen, indem er die Macht über ganz Bosnien in Aussicht stellte. Die neuen Dokumente, die der Politologe Cees Wiebes im Auftrag der niederländischen Regierung vorlegte, zeigen die massive Einmischung der CIA, aber auch des deutschen und französischen Geheimdienstes im Bosnienkrieg.

 

Die Aufrüstung der bosnisch-moslemischen Armee wurde mit Billigung Bill Clintons vor allem durch den Iran durchgeführt. Der Krieg in Bosnien-Herzegowina zeigte die Ohnmacht ganz Europas und die zunehmende Dominanz der USA. Der Krieg wurde schließlich nicht durch die EU, sondern durch das Eingreifen der NATO zugunsten der moslemisch-kroatischen Föderation und durch die Konferenz von Dayton im November 1995 unter der Patronanz der USA beendet.

 

 

Der Beginn des Kosovokrieges hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bosnienkrieg: auf der Konferenz von Rambouillet im Feber 1999 war eine Einigung der Konfliktparteien in Reichweite, als die Amerikaner mit der zusätzlichen Forderung nach Annahme des „Anhangs B“ kamen, der die Besetzung ganz Serbiens vorsah. Die Serben lehnten erwartungsgemäß ab, und der Krieg konnte beginnen...

 

„Einer der Gründe, warum die NATO in Kosovo interveniert hat, war, daß sie selber der Ordnungsfaktor Nr.1 in Europa sein wollte und ein zweiter war, daß auf diese Weise die NATO-Ostwerweiterung in die zweite Phase treten konnte. Durch die Besetzung Kosovos. Durch die Präsenz in Albanien und Mazedonien hat die NATO den Lückenschluß vom Atlanti bis zum Kaspischen Meer erreicht“. (Interview mit Prof. Ernst-Otto Czempiel, Monitor, 5.4.2001).

 

Der Staatsstreich in Belgrad am 5. Oktober 2000 wurde mit Hilfe der USA und Deutschlands organisiert. Der ehemalige US-Botschafter William Montgomery koordinierte von Budapest aus die ganze Kampagne, die das Ziel hatte, bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Milosevic zu stürzen und das prowestliche Wahlbündnis DOS an die Macht zu bringen. Zoran Djindjic übernahm als Mann des Westens die Regierung, obwohl eigentlich Vojislav Kostunica als Spitzenkandidat die Wahlen gewonnen hatte. (Siehe Ralph Hartmann, „Die glorreichen Sieger“, Berlin 2001; Michel Chossudovsky, „The International Monetary Fund and the Yugoslav Elections“, 28.9.2000 |www.hhhrg.org).

 

Auch in Mazedonien waren die Amerikaner an der Auslösung des Bürgerkrieges direkt beteiligt. Als im Juni 2001 die UCK das Dorf Aracinovo in der Nähe Skopjes besetzte, wurden sie von 17 US-Offizieren, die als „Berater“ fungierten begleitet. Mazedonien ist für die EU eine besondere Bewährungsprobe für ihre im Entstehen begriffene Außen- und Sicherheitspolitik.

  

Die gegenwärtigen Widersprüche zwischen der EU und den USA

 

Die USA streben eine strategische Autonomie gegenüber ihren Bündnispartner an, was allerdings dem europäischen Modell transatlantischer Partnerschaft nicht entspricht, geschweige denn dem ambitionierteren einer strategischen Autonomie Europas in der internationalen Sicherheitspolitik, wie es die EU-Länder innerhalb und außerhalb der NATO realisieren wollen. Darüber hinaus planen die USA nach einem geheimen Memorandum von Donald Rumsfeld vom Juli 2002 den Aufbau einer globalen Raketenabwehr, die sich gegen feindlich gesonnene Staaten richtet. Teile dieses Raketenschildes sollen auf dem Balkan, vor allem in den Ländern Bulgarien und Rumänien am Schwarzen Meer aufgestellt werden (Donald Rumsfeld, zitiert vom ÖMZ, Nr.2/2002, S.345).

 

In Kosovo ist der US-amerikanische Beitrag mit 7000 Mann für die internationale Schutztruppe KFOR höher, aber er macht nur 14% der Gesamtstärke der Truppen aus. In Camp Bond Steel bei Gnjilane im Südosten Kosovos haben die USA den größten militärischen Stützpunkt in Südosteuropa und einen der größten auf der Welt errichtet, auf einem riesigen Areal, auf dem es außer Kasernen für 3000 Mann einen Flugplatz, eine Rundfunkstation, ein Spital, ein Gefängnis u.v.m. gibt.

 

In Mazedonien wurde die aus 4500 Soldaten bestehende NATO-Mission „Essential Harvest“ im September 2001 durch die Nachfolgemission „Amber Fox“ abgelöst, die derzeit aus 840 Soldaten unter deutschen Kommando besteht und nach einem neuen Beschluß der Außenminister vom Feber 2002 AUF Vorschlag von Solana von der EU übernommen wurde. Die Truppe hat die Aufgabe, die Beobachter von EU und OSZE zu schützen, welche die Umsetzung des Friedensabkommens von Ohrid überwachen.

 

Die EU entwickelt in den letzten Jahren zunehmend eine eigene Strategie auf dem Balkan, auch wenn diese bisher in der Regel mit den USA koordiniert wird. Die USA reduzieren ihre Truppen und die verbleibenden Missionen werden von der EU übernommen und finanziert.

 

Eine besondere Aktivität entwickelte Deutschland im Medienbereich: die Westdeutsche Allgemeine Zeitungs-verlagsgesellschaft (WAZ-Gruppe) mit Sitz in Essen, von Bodo Hombach geleitet, kontrolliert heute 75% des bulgarischen Zeitungsmarktes, 70% der kroatischen Zeitungen, sechs Zeitungen in Ungarn und Anteile in Rumänien und Montenegro und seit neuestem auch die „Politika“, die bedeutendste Tageszeitung Serbiens, einst Sprachrohr von Milosevic, und „Dnevnik“, die größte Tageszeitung der Wojvodina. Insgesamt besitzt der Konzern mit rund zwei Milliarden EURO Jahresumsatz durch direkte oder indirekte Beteiligungen in Südosteuropa 23 Zeitungen, 38 Zeitschriften und 10 Anzeigeblätter (Renate Flottau, „Komischer Kochtopf“, Der Spiegel, August 2002, S.109).

 

Ein weiterer Streitpunkt ist der sog. Internationale Strafgerichtshof in Den Haag, der vor allem ein EU-Projekt ist und von den USA abgelehnt wird. Die USA versuchen, bilaterale Abkommen vor allem mit den Balkanstaaten zu erreichen, in denen den US-amerikanischen Bürgern die Immunität zugesichert wird. Gleichzeitig bestehen sie jedoch auf der Auslieferung von „Kriegsverbrechern“ aus diesen Ländern nach Den Haag. Auf Grund dieser Doppelbödigkeit haben Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro und Bulgarien ein solches Abkommen abgelehnt, und haben dadurch eine US-amerikanische Militärhilfe in Millionenhöhe verloren, während Bosnien-Herzegowina, Albanien, Mazedonien und Rumänien dem US-Druck nachgegeben und ein solches Abkommen unterzeichnet haben. Die EU hat alle Staaten der Regieon eindringlich dazu aufgerufen, mit den USA keine diesbezüglichen Sonderregelungen zu unterzeichnen (Neue Zürcher Zeitung, 15.6.2003, s.5).

  

Serbien und die Ermordung Djindjics

 

Zoran Djindjics wurde am 12. März 2003 ermordet und seine Nachfolger bestätigen den Vasallenstatus Serbiens, indem sie die irakischen Diplomaten zu Beginn des US-amerikanisch-britischen Überfalls auf den Irak des Landes verwiesen. Am 17. März wurde Zoran Zivkovic, ein Parteigenosse Djindjics und Innenminister der jugoslawischen Regierung, zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Er schrieb den Mord sofort dem sog. „Semliner Clan“ (Zemunski Clan) zu, von dem man vorher nicht viel gehört hatte und verkündete den Kampf gegen die organisierte Kriminalität. Die Polizei beschuldigte den Vorsitzenden der Radikalen Partei Serbiens, Vojislav Seselj, als politischen Anstifter des Mordes, weil er mit dem Semliner Clan in Verbindung gewesen wäre. Aber auch Kostunica wurde als moralisch verantwortlich für den Mord hingestellt und mit strafrechtlicher Verfolgung bedroht.

 

Die US-Medien begannen natürlich sehr bald nach dem Anschlag, für den Mord Milosevic und die reste des Militärregierung verantwortlich zu machen, und das wurde sofort von den srbischen Medien übernommen. Auch Ministerpräsident Zoran Zivkovic machte politisch motivierte Gruppen für den Mord verantwortlich und kündigte an, Serbien „mit dem eisernen Besen“ säubern zu wollen. Zivkovic verhängte ohne wirkliche Notwendigkeit den Ausnahmezustand, der ihm die Möglichkeit bot, Festnahmen und Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Befehl durchzuführen und das Eigentum der Festgenommenen zu konfiszieren. Bereits bis zum 23. März wurden 2700 Personen und im Laufe eines Monats etwa 10.000 Personen festgenommen. Diese Aktionen dienten jedoch nicht nur der Vernichtung der „Mafia“, sondern in erster Linie der Ausschaltung der politischen Opposition und der Andersdenkenden... Die Regierung „säuberte“ die Gerichte, den Generalstab und den militärischen Geheimdienst. In der Nationalbank wurde der der Opposition nahestehende Gouverneur durch Kori Udovicki, ein Mitglied des DOS-Bündnisses ersetzt.

  

 

Der „Ausnahmezustand“ wurde auch zur Gleichschaltung der Medien verwendet. Oppositionelle Zeitungen und Sender wurden geschlossen. Die Regierung entscheidet, was publiziert wird! Es wurde auch ein Kulturkampf begonnen, um Serbien zu entnazifizieren(!)“ wie eine westliche „Kulturorganisation“ gefordert hatte um die serbische Kultur von nationalistischen Elementen zu säubern. Diesem Zweck diente auch die Verhaftung der Folkloresängerin Ceca Raznjatovic, der Witwe Arkans, der man nicht nur eine Verbindung zum Semliner Clan, sondern auch ihre Lieder vorgehalten hatte. (Nova Zora, Nr.14, 8. April 2003. S.12).

 

Die Regierung behauptet heute, sie habe den Mörder gefunden, und er komme aus der Sondereinheit der „Roten Barette“, die von Lukovic-Legija befehligt wurde. Aber Djindjic hatte sich selber zweimal der Hilfe der Roten Barette bedient: einmal am 5. Oktober 2000, um Milosevic zu stürzen, und ein zweites mal 2001, um ihn an das Haager Tribunal auszuliefern...

 

Wir wissen nicht, wer die tatsächlichen Hintermänner des Attentats auf Djindjic waren, aber es ist berechtigt, den Mord mit der Auseinandersetzung zwischen der EU und den USA, wie sie sich auch besonders im Irak-Krieg manifestiert hat, in Verbindung zu bringen. Djindjic wurde in Serbien  „der Mann der Deutschen“ genannt. In den letzen Wochen vor dem Attentat hatte Djindjic damit begonnen, nationale Themen in der Politik aufzugreifen und sich für serbische Interessen einzusetzen, um damit die Wähler Milosevics und Seseljs anzusprechen. Er forderte, daß die Frage nach dem Status Kosovos und der Republik Srpska gelöst werde. In einem Brief an die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates wandte er sich gegen die Entstehung eines selbständigen Staates Kosovo und erinnerte an die Resolution 1244 des Sicherheitsrates, in der die Provinz als Bestandteil Jugoslawiens bezeichnet werde.  „Die EU möchte das Erdöl aus Mittelasien und dem Kaukasus über die Donau und den Rhein transportieren, die USA aber eine Erdölleitung durch Bulgarien, Mazedonien und Albanien bauen“ (Michel Collon, „Wer ermordete Djindjic“, Solidaire vom 13.3.2003).

 

Bei seinem zweiten Besuch in Washington, Ende Juli 2003, bot der serbische Ministerpräsident Zoran Zivkovic den USA 1000 serbische Soldaten – gleichsam neue Janitscharen – für die „Friedensmission“ im Irak an. Die USA gaben daraufhin die eingefrorene Wirtschaftshilfe für Serbien für dieses Jahr „frei“. Zivkovic sprach bei seiner Rückkehr von „strategischer Partnerschaft“ zwischen Serbien und den USA und „säuberte“ als Vorleistung dafür den militärischen Geheimdienst und den Generalstab von antiamerikanischen Elementen. Das Bündnis DOS ist eine Ansammlung von korrupten und verantwortungslosen Kleptokraten, die sich „Demokraten“ nennen, aber in Wirklichkeit eine Dominanz des politischen und wirtschaftlichen Lebens errichtet haben, von der Slobodan Milosevic nur träumen könnte.

 

Die Albaner im Presevotal auf serbischem Territorium bildeten einen „Nationalrat“, der für den Anschluß an Kosovo eintritt. Am 24.8.03 wurden ein serbischer Armeestützpunkt von den Albanern mit amerikanischen Waffen angegriffen. Der Ausnahmezustand wurde zwar nach einem Monat wieder aufgehoben, aber durch die Verschärfung der Gesetze über innere Sicherheit faktisch ein permanenter Ausnahmezustand geschaffen. Die Wirtschaft: Derzeit erwirtschaftet das Land nur etwa 45% des Sozialproduktes von 1989. Etwa 900.000 Menschen sind arbeitslos gemeldet. Das sind 120.000 Personen mehr als vor einem Jahr. (Es leb‘ die USA! Anm./Edmund).

  

Montenegro

 

Serbien und Montenegro, die im Feber 2003 an die Stelle der Bundesrepublik Jugoslawien getretene neue staatliche Gemeinschaft, ist vor allem eine Kopfgeburt der EU. Der außenpolitisch Beauftragte der EU, javier Solana, wollte durch die Verhinderung der Abspaltung Podgoricas der Provinz Kosovo denselben Weg verbauen. Die nach endlosen Streitereien um Detailfragen und nur durch massives Eingreifen aus Brüssel konstruierte Entität (gegebene Größe) ist sowohl von ihrem Aufbau her wie auch im Hinblick auf die Umstände ihrer Entstehung einzigartig in der Welt. Das Schicksal der serbisch-montenegrinischen Union ist zum testfall für die „Durchsetzungskraft“ der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik des künstlichen Staatengebildes geworden, das sich das Akronym EU gegeben hat...

 

Trotz der sich vertiefenden Spaltung der montenegrinischen Gesellschaft in Independisten und Föderalisten hat Djukanovic seine politische Linie auch nach der Zustimmung zum neuen Staatenbund fortgesetzt. Er erscheint entschlossen, Montenegro nach der vereinbarten dreijährigen Ruhefrist in die Selbständigkeit zu führen. Die Kluft zwischen den beiden Lagern scheint freilich unüberbrückbar zu sein. Gleichzeitig verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation im Lande zunehmend. Obwohl das wichtigste erklärte Ziel für Djukanovic der EU-Beitritt des unabhängigen Montenegro ist, muß er an erster Stelle den Widerstand in Brüssel gegen seine Strategie überwinden.

 

Wegen der ablehnenden Haltung der EU zur Selbständigkeit Montenegros hat Djukanovic versucht, die USA für seine Positionen zu gewinnen. Genau wie die politischen  Führer der Kosovoalbaner sieht er in der EU ein Hindernis auf dem Wege zur Unabhängigkeit als wichtigstem politischem Ziel.

 

Seit 1998 Djukanovic auf einen Kurs gegen Milosevic eingeschwenkt war, unterstützten die USA den montenegrinischen Haushalt. Nach Angaben der Opposition wurde die Zuwendungen aus Washington im Jahre 2002 auf 60 Millionen US-Dollar gekürzt, nachdem sie in den vorangegangenen zwölf Monaten noch 89 Millionen Dollar erreicht hatten.

 

Politische „Beratungsinstitute“ in den USA kritisieren die aktuelle Südosteuropapolitik der US-Regierung. Oft heißt es, aufgrund der unvermeidlichen Logik des endgültigen Zerfalls Jugoslawiens, der erst mit der Verselbständigung Montenegros und Kosovos als Voraussetzung für eine Reintergration dieser Region greifen könnte. Nachdem die EU mit der Partnerschaft über die Entität Serbien und Montenegro ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt hat, wird für die derzeit aktuelle Regierung in Podgorica das Wohlwollen Washingtons noch größere Bedeutung erhalten. Die USA unterstützen weiterhin das Djukanovicregime in Montenegro, um die Union mir Serbien zu sabotieren.

  

Kosovo

 

In Kosovo geht der Krieg zwischen Serben und Albanern auch unter dem UNO-Protektorat, das von dem Finnen Juli und dem Finnen Holkeri ausgeübt wird, munter weiter. Die Sicherheitslage verschärft sich zunehmend, aber das Interesse der westlichen Öffentlichkeit sinkt und die „westliche Politik“ in Kosovo ist zum Stillstand gekommen. Die Albanische Nationalarmee (AKSH) ist seit dem Frühjahr 2003 bemüht, durch terroristische Angriffe die ohnehin brüchige Stabilität zu unterminieren. Im August gab es in Gorazdevac Angriffe auf serbische Kinder und auf eine serbische Polizeistation im Presevotal.

 

Am 12. August 2003 verkündete Belgrad offiziell seine Haltung gegenüber der abtrünnigen Provind Kosovo: die serbische Regierung lehnte jede Unabhängigkeit ab, ist aber bereit, eine substantielle Autonomie (was immer da sein mag/Edmund)  zu akzeptieren. Die inoffizielle Antwort der Albaner kam einen Tag später, als ein Unbekannter auf badende serbische Kinder im Fluß Bistrica bei Gorazdevac schoß, zwei von ihnen tötete und zehr verletzte. Die Verantwortung dafür übernahm die Albanische Befreiungsarmee, die neueste Metamorphose der UCK.

 

Die Unabhängigkeit Kosovos soll nach einem Beschluß des Ausschusses für internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses von den USA Unterstützung erhalten, nachdem „demokratische Institutionen“ (was immer da sein mag/Edmund) konsolidiert sind. Die Überzeugung, daß ein unabhängiges Kosovo der richtige Schritt zur langfristigen Befriedung der Region ist, wird von nicht wenigen Angehörigen einflußreicher „US-Denkfabriken“ geteilt.

 

Im Westbalkan ist nicht in Vergessenheit geraten, wie offensichtlich die Unterschiede zwischen Washington und seinen europäischen Verbündeten in den Anfängen der Jugoslawienkrise 1990/91 waren und wie bedeutsam es für die lokalen Politiker wurde, diese Unterschiede auszunutzen, um externe Akteure tunlichst gegeneinander auszuspielen.

 

Mazedonien

 

In Mazedonien verschlechtert sich ebenfalls die Sicherheitslage. Der albanische UCK-Führer Ali Ahmeti, der bis vor kurzem wegen Terrorismus auf der „Watchlist“ der USA stand, wurde jetzt wieder „salonreif“ und von der US-amerikanischen Regierung empfangen. Inzwischen wurde sein ehemaliger Gegner, der Innenminister Mazedoniens, Ljube Boskovki, der Watchlist hinzugefügt. Die Mazedonier sind verwirrt: sie haben alles getan, was die Amerikaner von ihnen wollten, und dennoch haben die Amerikaner immer die Albaner unterstützt?

 

Die Regierung in Skopje durfte erst vor kurzem zum ersten Mal einen Vertrag mit „Mazedonien“ anstelle von „Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“ unterschreiben. Es handelte sich um ein bilaterales Abkommen mit den USA, in dem sich das kleine Land verpflichtet, keine amerikanischen Staatsbürger an der „Internationalen Strafgerichtshof“ Strafgerichtshof in Den Haag auszuliefern...!!!

  

Bulgarien und der IWF

 

Seit der Einführung eines „Währungsrates“ (currency board) am 1. Julei 1997, der unter dem entscheidenden Einfluß des IWF steht, mit einer festen Bindung des LEV an die DM bzw. nun dem EURO (siehe dazu Bankhaus Duck/Entenhausen. Anmerkung wie üblich von Edmund), ist Bulgarien auch gesetzlich dazu verpflichtet, der „Stabilisierung des Finanzsystems“ oberste Priorität einzuräumen. Mit dieser Maßnahme geriet das bulgarische Finanzsystem und auch die Wirtschafts- und Finanzpolitik vollends in die Abhängigkeit der internationalen Finanzinstitutionen Weltbank und IWF.

 

Die EU-Mitgliedstaaten könnten sich über eine gemeinsame Strategie für eine nachhaltige sozioökonomische Entwicklung Bulgariens und der gesamten Balkanregion verständigen und dies auch im Direktorium des IWF durchsetzen. Das läge ganz im Sinne eines Aufbaues einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europiden Völker insgesamt.

 

Angesichts der vom  IWF aufgestellten Konditionalitäten sind der bulgarischen Politik für die Kreditvergabe die Hände gebunden. Die geforderte strikte Begrenzung des Budgetdefizits verbietet der Regierung jegliche staatliche Investitionstätigkeit zum Auf- und Ausbau einer funktionierenden Verwaltung. Allein im Haushaltsjahr 2000 mußten aus Spargründen 60.000 Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen, d.h. 12,5 Prozent des beschäftigten Personals entlassen werden.

 

Es gibt keinen eklatanten Widerspruch zwischen den Positionen der EU-Kommission und den „Reformkonzepten“ der US-amerikanisch dominierten internationalen Finanzinstitutionen. Während die EU zum Aufbau rechts-staatlicher und marktwirtschaftlicher Strukturen auf die primäre Verantwortung der Politik verweist, schränken die Vertreter des IWF den Handlungsraum der Politik entscheidend ein. Angesichts der enormen Druckpositionen ist festzuhalten, daß die Balkanländer über den von der EU erwarteten Einsatz politischer Instrumente auf dem Wege zur Mitgliedschaft nicht mehr allein entscheiden können.

 

 

Österreich, das traditionell von seiner deutschen Geschichte her nach Osten und Südosten orientiert ist, sollte sich seiner Verantwortung für den Balkan bewußt werden, d.h. daß man sich ,mit den nationalen Konflikten objektiv auseinandersetzt, daß man sich nicht am Krieg sondern an der Friedensstiftung beteiligt, eine vermittelnde, neutrale Haltung einnimmt und nicht die militärischen Aktionen sondern die positiven politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bestrebungen der Balkanvölker fördert.

 

Nur so kann endlich mal Ruhe einkehren. Dazu brauchen wir keineswegs „Friedensstifter“ US-amerikanischer Prägung und Rasse... (Anm.: Edmund)

 

 Ich danke unserem Kameraden Peter für diesen gut gelungenen Aufsatz über die Endgefechte Jugoslawiens. Seine Schlußbemerkungen sind allerdings derart akademisch ausgefallen, daß ich sie einem „Normalverbraucher“ ersparen will. Einen Satz möchte ich trotzdem noch zitieren: „... Wir wollen eine politische Lösung herbeizuführen, die von den Interessen der Völker der Region und nicht von jenen der „einzigen Weltmacht“ ausgeht. Diese Lösung muß auch eine Überwindung der monetarischen Wirtschaftspolitik, eine Abkehr vom Neoliberalismus inclusio mit dessen Regulierung und der Zerstörung der staatlichen Strukturen beinhalten. Stattdessen sollte ein Programm einer nationalen Wirtschaftspolitik, ein Programm des Aufbaues der Infrastruktur, des Bildungswesens, der Wissen-schaft und des Gesundheitswesens unterstützt werden…

  

Wir bleiben am Ball!

  

Edmund & Co.