Sie, liebe Leser dieser Netz-Publikation, nun sollten Sie sich von einigen Tatsachen bezüglich Hitlers "Volksstaat" und seiner "Wohlfühl-Diktatur" überraschen lassen (Texte in Kästen sind eigene Einfügungen):
 

Im folgenden also Original-Zitate aus: Der Spiegel, Nr.10, 7.3.2005, Seite 56-62

Die Wohlfühl-Diktatur

Zu den Begünstigten zählten 95 Prozent der Deutschen. Sie empfanden den Nationalsozialismus nicht als System der Unfreiheit und des Terrors, sondern als Regime der sozialen Wärme, als eine Art Wohlfühl-Diktatur. ...

Adolf-Hitler-Schulen und Napolas: Sie mögen ideologische Kaderschmieden gewesen sein, vor allem aber ermöglichten sie Kindern aus ärmlichen Verhältnissen den schulgeldfreien Zugang zur höheren Bildung. Das gehörte zum Programm der NSDAP wie im Übrigen auch die für die Nachkriegszeit beabsichtigte Abschaffung der Studiengebühren. Nüchtern gesprochen dienten die Napolas der staatlichen Förderung begabter, sozial benachteiligter Kinder. Nach dem Willen des Reichskanzlers sollte von dort aus selbst "der ärmste Junge zu jeder Stellung emporsteigen" können, sofern er das geistige Zeug dazu hatte. Ein nicht unerheblicher Teil der späteren deutschen Elite - etwa Alfred Herrhausen - erhielt in einer solchen Schule die entscheidende Chance. ...

So sorgten Hitler und seine Gauleiter für den Abbau der sozialen Schranken. Sie versprachen, sie "immer mehr einzureißen". ...

Hitler nahm den reichen Deutschen und gab es den weniger gut Bemittelten. Als das Internationale Judentum am 24.3.1933 Hitler und Deutschland den Krieg erklärte, gab es noch keine Gesetze gegen die Juden und keinen "Raub" an ihnen!

Die materiellen Mittel dafür bezog Hitler aus zwei Quellen: Zum einen wurde den wohlhabenden Deutschen genommen und den wenig oder nur durchschnittlich Bemittelten gegeben; zum anderen, und das in höherem Maß, flossen die Gelder von beraubten "Fremdstämmigen" - den enteigneten Juden Europas, den Zwangsarbeitern, den Angehörigen unterworfener Völker - zu den gehätschelten Volksgenossen. ...

So verdoppelte sie mit dem Beginn der forcierten Aufrüstung die Körperschaftssteuer zwischen 1936 und dem ersten Kriegsjahr stufenweise von 20 auf 40 Prozent. In ihrem Jahresbericht für 1938 vermerkten die Demoskopen des SD: "Besonders auf die Arbeiterschaft macht die Erhöhung der Körperschaftssteuer einen günstigen Eindruck." Sie werde als Zeichen dafür verstanden, dass die "Kosten des Wiederaufbaus durch eine gerechte Lastenverteilung" aufgebracht und "die hohen Gewinne der großen Gesellschaften entsprechend herangezogen" würden. ...

Die nach dem November-Pogrom von 1938 verfügte sogenannte Judenbuße von einer Milliarde Reichsmark erhöhte die Staatseinnahmen um mehr als sechs Prozent. Zusammen mit den Erträgen aus der Reichsfluchtsteuer und den staatlichen Arisierungserlösen machte sie im 1. Reichshaushalt 1938/39 rund zehn Prozent des Gesamtaufkommens an Steuern und Abgaben aus. ...

Die "Judenvermögensabgabe fließt ausschließlich dem Reiche zu, das es für seine allgemeinen Aufgaben und damit zum Wohl des gesamten deutschen Volkes verwenden wird". ...

Dann brachte Hermann Göring im selben November 1938 im Reichsverteidigungsrat den Vorschlag ein, die exorbitanten Rüstungsausgaben mit Hilfe "einer einmaligen Abgabe vom Vermögen" wohlhabender Arier zu bezahlen. ...

Hinfort sei "das jüdische Vermögen in Serbien zugunsten Serbiens einzuziehen". Ziel war es, damit "eine finanzielle Hilfe für den durch die Last der Besatzungskosten ohnehin stark beanspruchten serbischen Staatshaushalt zu ermöglichen". ...

Weil mehr Menschen Arbeit hatten und viele mehr verdienten als vor dem Krieg, spürten die Deutschen kaum etwas von der Steuerlast. Außerdem kümmerte sich die Staatsführung - im Kontrast zum Ersten Weltkrieg - um die Familien der Soldaten. Sie erhielten an die 85 Prozent des letzten Nettoverdienstes des eingezogenen Ernährers, der seinerseits bei der Wehrmacht in Vollpension lebte und einen hohen Sold erhielt. Die entsprechenden britischen und US-amerikanischen Familien bekamen weniger als die Hälfte der deutschen Sätze. ...

Betrachtet man das steile Anwachsen des Kindergelds und der Familienbeihilfen während des Kriegs, dann ergibt sich - gemessen am Stand von 1938 - für die ersten dreieinhalb Kriegsjahre eine Vervielfachung: Im Jahr 1939 stiegen die Leistungen um 25 Prozent, 1940 um 28 Prozent, 1941 um 56 Prozent und 1942 um 96 Prozent.

Das Volk wurde vor Not und Armut geschützt, Vernichtungs-Globalismus war verboten. Sozialabbau unbekannt, Sozialleistungen an der Tagesordnung!

Der Schuldnerschutz rangierte seit 1933 vor den Interessen der Gläubiger. Ein im Oktober 1934 erlassenes Reichsgesetz ersetzte die "fast unbeschränkte Gläubigerfreiheit" der Vergangenheit. Sämtliche Zwangsmaßnahmen, insbesondere die Räumung einer Wohnung wegen Mietschulden, konnten gerichtlich abgewendet werden, wenn sie "eine dem gesunden Volksempfinden gröblich widersprechende Härte" darstellten". ...

Im Zweiten Weltkrieg durften weder die Familienunterhaltsleistungen an die Soldatenfamilien noch der Sold noch der Lohn für kriegsbedingte Überstunden und Sonderschichten gepfändet werden. Dasselbe galt für das Kindergeld. ...

Hitler sorgte für das Volk, aber nicht für "Manager" und die "besseren Leute"!

"Die Arbeiterschaft begrüßt es durchaus, dass die besseren Leute praktisch aufhören, welche zu sein." Ganz in diesem Sinn gab Hitler schon 1935 für den Kriegsfall die Maxime aus, dass dann "die höheren Einkommen beschränkt werden" sollten. Verschont blieben die deutschen Arbeiter, die Bauern, die einfachen Angestellten und die kleinen Beamten: Sie hatten bis zum B. Mai 1945 keinerlei direkte Kriegssteuern zu bezahlen. ...

Um in den Zeiten des offiziellen Lohn-, Preis- und Mietstopps doch eine kräftige Lohnerhöhung zu erreichen, wurden Ende 1940 die Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit erstmals (und bis heute) von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen freigestellt. Die Spitze des Reichsfinanzministeriums kommentierte: "Auf die deutsche Öffentlichkeit und auf das Ausland wird es bestimmt einen sehr starken Eindruck machen, wenn in diesem gigantischen Krieg durchgreifende Kriegssteuermaßnahmen bei uns tatsächlich ausbleiben."

Nicht für die Reichen, sondern für das ganze Volk, so war Hitlers Nationalsozialismus!

 

Mit den Reichen und den Unternehmen ging die Regierung Hitler weit weniger zartfühlend um. So stieg die Körperschaftsteuer bis auf 55 Prozent. Hinzu kamen die ab 1941 wirksame Gewinnabführung und der Einkommensteuerzuschlag, der die Normalsteuer der Besserverdienenden seit September 1939 um 50 Prozent erhöhte. ...

Hitler erreichte die Mehrheitsfähigkeit seiner Politik und seiner Kriegszüge im Wesentlichen nicht mit den Mitteln des politischen Fanatismus, sondern mit den bis in die Gegenwart geschätzten und gut bekannten Techniken des Sozialstaats. "Innerhalb des deutschen Volkes", so formulierte er das Leitmotiv des nationalen Sozialismus, "höchste Volksgemeinschaft und Möglichkeit der Bildung für jedermann!" ...

"Kein Zweifel mehr: Der Nationalsozialismus war ein Teil des Modernisie-rungsprozesses der deut-schen Gesellschaft. Er beschleunigte den sozia-len Wandel in Deutsch-land. Er brachte unterpri-viligierten Bevölkerungs-schichten, auch den Frau-en, ein Mehr an Chancen-gleichheit und Emanzipa-tion."

Heinz Höhne, Gebt mir vier Jahre Zeit, Ullstein, Berlin 1996, S. 10

Sie erklärt zwanglos, warum sich nach 1945 die meisten Deutschen noch lange mit positiven Gefühlen an die NS-Zeit erinnerten. ...

Der Nationalsozialismus bezog seine verführerische Kraft nicht aus der speziellen Nähe zum großen Geld, sondern aus der insgesamt sozialstaatlich ausgelegten Kombination von Rassen- und Klassenpolitik. Mit materieller Umverteilung verbunden, senkte die NS-Führung die Klassengrenzen im Inneren ...

In dieser Mixtur vereinigten sich die Ideen nationaler und sozialer Homogenisierung ...

Goebbels: "Der Nationalsozialismus muß eine Erneuerung durchmachen.  Noch sozialistischer als früher haben wir uns an das Volk anzuschließen.  Das Volk muss auch immer wissen, dass wir seine gerechten und großzügigen Sachwalter sind."  Der sozial ausgleichende Egalitarismus des nationalen Sozialismus ließ die Sympathiewerte des NS-Regimes im Inneren immer wieder steigen.