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KOMMENTAR: von Dr. Gunther Kömmel
Russischer Geheimdienst beschlagnahmt alle Daten eines
Geschichtsforschers, der das Schicksal von Rußlanddeutschen unter Stalin
erforscht (Anlage).
Den Professor erwartet für seine "unliebsamen Forschungen"
eine Geldstrafe und Sozialarbeit. In der BRD und in vielen westeuropäischen
Staaten ist die Strafe für "unliebsame historische Forschung" nicht alleine
Existenzvernichtung, sondern Gefängnis für drei Jahre, sieben Jahre,
dreizehn Jahre, lebenslänglich.
Deutschrussischer Verein in Nürnberg besorgt
http://www.nz-online.de/artikel_druck.asp?art=1098148&kat=4&man...
Razzia stoppte russischen Historiker
MOSKAU/NÜRNBERG – Die Razzia des russischen Geheimdienstes
FSB traf den Geschichtsprofessor Michail Suprun, der die Schicksale der
Russland-Deutschen unter Diktator Josef Stalin erforscht, völlig unerwartet.
Der Wissenschaftler wollte im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes ein Buch
über tausende deportierte und in sowjetische Straflager verschleppte
Menschen fertigstellen, als das Einsatzkommando zuschlug. Der FSB
beschlagnahmte in Supruns Universitätsbüro und in seiner Wohnung in
Archangelsk im Norden Russlands Computer, Dateien, Dokumente sowie Dutzende
Bücher und Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre. «Wir bemühen uns seit
Jahren um die Aufklärung der vielen Schicksale. Nie hat es Probleme
gegeben», sagte der Vizechef des Historischen Forschungsvereins der
Deutschen aus Russland, Anton Bosch, in Nürnberg. Die Behörden werfen Suprun
sowie Alexander Dudarew, dem Leiter des Informationszentrums der
Innenbehörde von Archangelsk vor, mit der Veröffentlichung tausender Namen
von Opfern des Stalin-Terrors die Persönlichkeitsrechte der Hinterbliebenen
zu verletzen. «Das ist absurd. Ich kann über die Hintergründe
dieses Vorgehens nur spekulieren. Nicht einmal das Internet haben sie mir
gelassen», sagte Suprun gestern. «Mein Lebenswerk ist zerstört.» Die Bücher
der Erinnerung habe es schon zu Perestroika-Zeiten in den 80er-Jahren
gegeben.
Klar scheint, dass die unbequeme Recherche des Autors
offizielle Stellen stört. Die Aufarbeitung des blutigen Terrors unter Stalin
wird nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Memorial in Russland
nicht gern gesehen.
Die russische Staatsanwaltschaft wirft Suprun vor, den
Beamten Dudarew überredet zu haben, die Archive zu öffnen. Dudarew muss sich
nun wegen Amtsmissbrauchs verantworten. «All diese Anschuldigungen sind
absoluter Nonsens», sagt der Anwalt der Beschuldigten, Iwan Pawlow.
Der Historiker hatte sich vor allem mit dem Schicksal der
Russland-Deutschen im Norden Russlands befasst – Tausende von ihnen waren
auch auf die berüchtigte Gefängnisinsel Solowki des sowjetischen
Geheimdienstes KGB im Weißen Meer oder in andere Straflager (Gulag) gebracht
worden. Anton Bosch erzählt, dass er selbst auch erst durch die Archive über
das Schicksal seiner Verwandten Auskunft erhielt.
Viele Familien wissen bis heute nicht, was mit ihren
Angehörigen passierte, als Stalin die Russland-Deutschen nach dem Krieg in
den Norden und nach Sibirien deportieren ließ. Suprun arbeitete an diesem
«Trauer-Buch» für die Region Archangelsk, in dem die Namen der Betroffenen,
Kurzbiografien und einordnende Geschichtsdarstellungen zu den
Sowjetverbrechen veröffentlicht werden sollten. Im Fall einer Verurteilung
drohen dem
54-Jährigen Sozialarbeit und eine Geldstrafe. Ulf Mauder,
dpa 5.10.2009 © NÜRNBERGER ZEITUNG
Druckversion Artikel aus Politik Nürnberger Zeitung
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1 von 1 05.10.2009 22:48
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