Wie viele Auschwitz-Opfer?


Die Zahl von sechs Millionen von Deutschen und ihren Verbündeten im Zweiten Weltkrieg umgebrachten Juden ist offiziell von höchster politischer wie moralischer Bedeutung.  Es gibt eine ins Unermeßlische gehende Menge von Büchern,  Broschüren, Zeitschriften, Artikeln, in denen aus jener Zahl weitreichende politische, finanzielle, erzieherische und sogar religiöse Folgerungen gezogen werden.

Innerhalb der Gesamtzahl der getöteten Juden spielt das "Vernichtungslager Auschwitz", so die heute offizielle Bezeichnung, eine entscheidende Rolle.  Es lag in Polen und wurde am 27. Januar 1945 von den Sowjetarmen besetzt.  Etwa fünf Wochen später, am 1. März 1945, wurde in Moskau eine amtliche Erklärung veröffentlicht, wonach in diesem Konzentrationslager "mindesten fünf Millionen Menschen vernichtet worden sind".

 

Ilja Ehrenburg als erste Quelle

  Der Jude Ilha Ehrenburg

  Der Jude Ilja Ehrenburg

Dr.  Joachim Hoffmann  (http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Hoffmann), mehrere Jahren lang Historiker des zum Bundesverteidigungsministeriums gehörenden Militärgeschichtlichen Forschungsamt (früher Freiburg später Potsdam), zuletzt dort Wissenschaftlicher Direktor, hat  in seinem 1995 erschienen Buch "Stalins Vernichtungskrieg 1941 bis 1945", das derzeit in 6. Auflage vorliegt, darauf hingewiesen, daß der in der sowjetischen psychologischen Kriegsführung an prominenter Stelle eingesetzte Schriftsteller Ilja Ehrenburg bereits am 4. Januar 1945, also fast einen Monat vor der sowjetischen Besatzung des Lagers Auschwitz, in einem Aufsatz unter der Überschrift "Noch einmal - Erinnere Dich!" geschrieben hatte, die Deutschen hätten sechs Millionen Juden vernichtet. 

 

Wenige Wochen darauf sollte die Opferzahl im KZ Auschwitz fünf Millionen betragen - jedenfalls nach amtlicher Verlautbarung der sowjetischen Regierung.  Aus dieser Behauptung zog vor dem Internationalen Militärgerichtshof der sowjetische Ankläger Oberjustizrat Smirnow den politischen Schluß, als er von "Hunderttausenden und Millionen Verbrechen" unter den Deutschen sprach, die für die Tötung der Millionen Juden verantwortlich gewesen seien.

 

Häftlingsankunft in Auschwitz.   Wo sind die Auswahlskommando?

 

In den Nachkriegsjahren variierten die bekanntgegebenen Totenzahlen erheblich.   Trotz der amtlichen sowjetischen Behauptungen von zunächst sechs, dann fünf Millionen, ging der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg in seiner Urteilsbegründung von drei Millionen Opfer in Auschwitz aus. Des ungeachtet stand viele Jahre vor der Gedenkstätte des KZs Auschwitz ein Mahnmal mit der Inschrift, hier seien vier Millionen ermordet worden. Und auch die heute im Handel befindlichen deutschen Lexika, so beispielweise Meyers Großes Taschenlexikon in 24 Bänden, berichtet von "2,5 bis 4 Millionen Menschen", die im Vernichtungslager Auschwitz umgekommen seien.

 

             

 Anzahl der in Auschwitz getöteten Juden vor 1990         Anzahl der in Auschwitz getöteten Juden nach 1990.

 

Im April 1990 wurde ohne Aufhebens die Vier-Millionen-Inschrift vor dem KZ Auschwitz korrigiert.  Eine neue Tafel berichtet, es seien 1,5 Millionen zu Tode gebracht worden. Als seinerzeit der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski, in einer Fernsehsendung gefragt wurde, ob die Reduzierung der Auschwitz-Opfer nicht auch Auswirkungen auf die Gesamtzahl von sechs Millionen jüdischer Opfer habe, wies er diese Anmutung brüsk zurück.

 

 

 

Heinz Galinski vor dem jüdischen Gemeindehaus in Berlin.

Heinz Galinski (* 28. November 1912 in Marienburg, Westpreußen; † 19. Juli 1992 in Berlin.

Er lebte ab 1938 in der Schönhauser Allee 31/32, Berlin. Von dort wurde er 1943 von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert, später musste er für die I.G. Farben Zwangsarbeit im KZ Auschwitz-Monowitz leisten. Nach weiteren Aufhalten als Zwangsarbeiter in den Konzentrationslagern Buchenwald und Bergen-Belsen wurde er am 20. April 1945 von britischen Truppen befreit

 

 

Inzwischen ist auch die Zahl von 1,5 Millionen Toten ins Wanken geraten, ohne daß es eine Korrektur des Erinnerungssteines mit sich gebracht hätte.  Im Mai-Hefte 2002 der wissenschaftlichen Zeitschrift "Osteuropa",  herausgeben von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., deren Präsidentin die ehemalige Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth ist, stieß man auf einen Beitrag des Leitenden "Spiegel" Redakteurs und Jude Fritjof Meyer mit der Überschrift "Die Zahl der Opfer von Auschwitz - Neue Erkenntnisse durch neue Archivfunde".   Man fragt sich zunächst, warum ein "Spiegel" Redakteur seine bemerkswerten Erkenntnisse nicht im "Spiegel" publiziert, sondern in einer von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Fachzeitschrift.

 

Jüdin Rita Süssmuth (geb. Kickuth in 17. Februar 1937 in Wuppertal)  Sie "überlebte auch!"

 

 

Produkt der Kriegspropaganda

In einer Vorbemerkung erklärt der Autor ("Spiegel" Redakteurs und Jude Fritjof Meyer), daß die von der sowjetischen Untersuchungskommission 1945 verbreitete Zahl von vier Millionen Opfer im Lager Auschwitz-Birkenau "ein Produkt der Kriegspropaganda" gewesen sei.  Er, Meyer, habe jetzt zwei neue Belege "zur Kapazität der Krematorien" ausgewertet, aus denen hervorgehe, daß es mehrere hunderttausend weniger Opfer, als bisher behauptet, gegeben habe.  "Damit", so der "Spiegel"-Historiker, "rückt die Dimension des Zivilisationsbruchs endlich in den Bereich des Vorstellbaren".

Meyer wurde fündig beim Studium des soeben in Bloomington/USA erschienenen Buches "The Case for Auswitz - Evidence from the Irving Trail" von Professor Robert Jan van Pelt. Van Pelt war als Gutachter für Deborah Lipstadt vor dem Gericht in London gegen David Irving aufgetreten.  Irving hatte bekanntlich Frau Lipstadt angezeigt, weil sie ihn einen Auschwitz-Leugner genannt hatte. Von Frau Lipstadt waren zahlreiche internationale Sachverständige aufgeboten worden, die Irvings These widerlegen wollten, in Auschwitz-Birkenau habe es keine Gaskammern zum Menschentöten gegeben.  Zu den Gutachtern gehörte Professor van Pelt, der sich als Verfasser von Büchern über Auschwitz einen Namen gemacht hat.

 

                Jüdin Deborah Lipstadt      David Irving  

 

Dem neuen Buch van Pelts entnimmt Meyer, daß die Vergasungen nicht in dem als Leichenkeller gedachten Räumen bei den alten Krematorien innerhalb von Auschwitz-Birkenau stattfanden (diese waren dazu technisch nicht geeignet, sondern "überwiegend in den beiden Bauernhäusern außerhalb des Lagers". Deren Gaskammern faßten zusammen etwa 900 Opfer und waren in einen Fall von Frühjahr 1942 ein Jahr lang in Betrieb, in dem anderen Fall von Dezember 1942 bis zur Einstellung der Gasmorde im November 1944.

 

Schlimm genug

Meyer  berichtet von der Aussage des Lagerführers Ausmeier in Oktober 1945,  wonach Himmler Ende 1942 befohlen habe, unter strengter Geheimhaltung "alle schwachen, kranken oder arbeitsunfähigen jüdischen Gefangenen zu vergasen, um einer weiteren  Ausbreitung der Epidemien) vorzubeugen".    Beim ersten Versuch habe sich herausgestellt, daß der bisher als Leichenkammer benutzte Raum für Vergasungen gänzlich ungeeignet war.  Daher sei angeordnet worden, bei der Errichtung neuer Krematorien Gaskammern mit zu bauen.

 

 

     Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler.

 

Meyer untersucht akribisch das Fassungsvermögen der neuen im Mai 1943 fertiggestellten Krematorien.  Auch diese wiesen so viele Mängel auf, daß sie nicht ständig in Betrieb sein konnten.  Der erste Ofen fiel bereits nach neun Tagen aus und mußte lange Zeit still liegen, um repariert werden zu können.  Den anderen erging es ähnlich.  Mitte Juni 1943 war das Krematorium III unbrauchbar geworden.   Nach den vorhandenen Unterlagen errechnete Meyer, daß in den Tagen, in denen die Krematorien in Betrieb waren, insgesamt 313.866 Tote verbrannt worden seien.  Der ehemalige Auschwitz-Kommandant Höß hatte ausgesagt, darüber hinaus seien 107.000 Leichen aus den Massengräbern, die bis November 1942 angelegt worden waren, auf Scheiterhaufen verbrannt worden.  Hinzu kommen noch 12.000 aus einem alten Krematorium, so daß nach Meyer insgesamt rund 433.000 Leichen in Auschwitz verbrannt worden seien.  "Diese Zahl korrespondiert fast genau mit der Summe, die sich aus den Einlieferungen in das Lager Auschwitz-Birkenau abzüglich der Überstellungen in andere Lager ergibt".  Und Meyer meint auch errechnet zu haben, daß sie in Übereinstimmung zu bringen ist mit der Kapazität der neuen Gaskammern in den beiden Bauernhäusern.   (Warum sagte keiner der Zeugen im Nürnberger Militärgericht etwas über die zwei Bauernhäuser und deren Gaskammern aus? )

 

Geständnis unter Folter

Immer weder trifft man in der einschlägigen Literatur auf Aussagen des ehemaligen Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, wonach Millionen Menschen in Auschwitz ums Leben gekommen seien, 2.500.000  davon seien vergast worden.  Meyer schildert wie, wie diese Aussage zustande gekommen ist.

 

    Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß in britischer Gefangenschaft

 

Höß wurde von britischen Truppen gefangengenommen.  "Nach drei Tagen Schlafentzug, gefoltert, nach jeder Antwort verprügelt und zwangsweise alkoholisiert, war die erste Vernehmung unter "schlagenden Beweisen" zustande gekommen."  Meyer zitiert den amerikanischen Professor van Pelt, der britische Vernehmer Sergeant Clarke habe ausgesagt, man habe Höß eine Fackel ins Gesicht "gerammt", endlos sei er geschlagen worden, immer wieder mit Fäusten ins Gesicht.  Dann schließlich um 2.30 Uhr nachts schrieb Höß das gewünschte Geständnis nieder.  1947 wurde er von den Polen hingerichtet.

 

 

 

Er wurde als Kriegsverbrecher 1947 zum Tode durch den Strang verurteilt und im Stammlager hingerichtet.   Während seiner polnischen Gefangenschaft unterschrieb Rudolf Höß ein Geständnis in Polnisch. Höß konnte kein Polnisch – aber dennoch hatte er dieses Geständnis unterschrieben.

 


 

 

Meyer gelangt zu dem Schluß, insgesamt seien in Auschwitz 510.000 Menschen zu Tode gekommen, davon wahrscheinlich 356.000 im Gas.  Von den zunächst behaupteten fünf Millionen sind damit zehn Prozent übriggeblieben.  Entsetzlich genug.

Der Historiker Joachim Hoffmann, Anfang 2002 verstorben, schrieb in seinem schon erwähnten Buch "Sie (die Auseinandersetzung über das Auschwitz-Problem) wird nicht wenig beeinträchtigt durch amtlich dekretierte Denk- und Formulierungsverbote, über deren Einhaltung das politische Denunziantentum argwøhnnisch wacht.   Die hierin liegende Behinderung der freien Erörterung eines bedeutenden zeitgeschichtlichen Problems, so mißlich sie heute auch manchmal sein mag, wird auf die Dauer freilich keinen Bestand haben.   Denn erfahrungsgemäß läßt sich die freie Geschichtsforschung durch strafrechtliche Maßnahmen nur zeitweise behindern".


 

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Der Artikel http://www.vho.org/GB/c/Meyer.html

 

Den Artikel kann man hier herunterladen

 

            

     

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