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Die Welt ist nicht genug
Stauffenbergs Scheitern im Spiegel der angloamerikanischen
Geopolitik
Die Regie der Sieger
Eine Bande von Verbrechern hat ein Attentat auf Hitler verübt.
Der zum Glück unversehrt gebliebene Führer konnte den Putsch der
heimtückischen Verschwörer vereiteln, die versucht hatte, ihn umzubringen. Die
Hinrichtung der verhafteten Vaterlandsverräter wird bald stattfinden. So
lauteten zeitgenössische Berichte über den am 20. Juli 1944 begangenen Versuch,
den berüchtigten Naziführer zu beseitigen. Sie würden kaum mehr Aufmerksamkeit
verdienen – wenn da nicht der Umstand wäre, daß es nicht die Nazi-Propaganda
war, die das legendäre Attentat des deutschen Widerstands auf diese Weise
abtat, sondern die angloamerikanische Presse. Sie gab damit die einhellige
Meinung der alliierten Kriegsführung wieder: die Nazis, so ließ etwa Churchill
verlautbaren, hätten ihnen nur die Arbeit abgenommen; sie hätten mit den
Verschwörern ebenfalls abrechnen müssen, auch sie waren ihre Feinde.
Tatsächlich musste den Alliierten das Scheitern des 20. Juli
1944 mehr als gelegen kommen. Man stelle sich vor: Hitler stirbt mitten im
Sommer 1944. Ein breitgefächertes Bündnis von Widerstandskämpfern übernimmt
die Regierung, auf deren Geheiß hin die deutschen Truppen die Waffen
niederlegen. Die Kampfhandlungen enden jenseits der Grenzen einer
großdeutschen Nation, die das von Britannien so eifersüchtig überwachte
Gleichgewicht auf dem Kontinent aus der Waagschale geworfen hat. Doch
Besatzung oder gar Teilungen sind unter den gegebenen Umständen nicht in Sicht.
Mehr noch, den gerade erst an den Stränden der Bretagne angelandeten
Amerikanern bleibt es verwehrt, ihre militärische Präsenz nach Westeuropa zu
tragen. Und die Sowjets erhalten keinen Zugriff auf die Länder Osteuropas, die
bald hinter einem „Eisernen Vorhang“ verschwinden werden: Polen, Ungarn,
Bulgarien, die Tschechei, Rumänien, das Baltikum. Dieses Szenario konnte
unmöglich im Interesse der Alliierten liegen. Und so sollte der Krieg andauern,
bis die siegreichen Armeen Stalins, Churchills und Roosevelts ihre längst
untereinander abgesteckten „Claims“ besetzt hatten. Bis zum Handschlag von
Torgau und der Besetzung Berlins musste fanatisch gekämpft werden. Die Regie
der Sieger rief nach SS-Truppen, nach Volksstürmen, nach Parteibonzen, die
Hitlerjungen mit Hakenkreuzfahnen im Arm ins letzte Gefecht schickten.
Vor diesem Hintergrund diente der Nationalsozialismus London, Washington und
Moskau auch als psychologisches weil plakatives Feindbild – ein Feigenblatt,
das mit einer Machtübernahme von Nazigegnern, demokratischen zudem, fortgeweht
worden wäre. So mag sich vielleicht insgesamt besser verstehen lassen, wieso
die Versuche der deutschen Widerständler, ausländische Verbündete für ihre
Pläne zum Umsturz und zur anschließenden Neuordnung zu finden, ständig
frustriert wurden. Und zwar an alleroberster Stelle.
Goerdeler - der „Verräter“
Tatsächlich verfügte der „abenteuerliche Widerstand der Junker“
fernab alliierter Kriegspropaganda in Wirklichkeit über ganz vorzügliche
Referenzen. Vor allem im angloamerikanischen Raum, wohin die Verschwörer des
20. Juli und des Kreisauer Kreises ob ihrer konservativen Grundhaltung auch
hin tendierten. Fabian von Schlabrendorff, dem wir das Buch "Offiziere gegen
Hitler" verdanken, wurde bereits 1939 von Winston Churchill empfangen. Der
Diplomat Adam von Trott zu Solz, Sohn einer englischen Mutter und ehemaliger
Rhodes-Stipendiat in Oxford, hatte Zugang zur gesellschaftlichen und
intellektuellen Elite der Insel. Er traf 1939 mit dem britischen Premier
Chamberlain und Außenminister Lord Halifax zusammen. Trott war es auch, der
gemeinsam mit Hans Bernd Gisevius den Leiter des amerikanischen Geheimdienstes
in Bern Allen W. Dulles über die Pläne des Widerstandes informierte. Alexander
Kirk, der amerikanische Geschäftsträger in Berlin, war mit dem Organisator des
Kreisauer Kreises, Helmuth James Graf von Moltke, bekannt und vermittelte die
Verbindung zu dem Diplomaten George F. Kennan, der später als Historiker über
die Gespräche berichtete. Die Kontakte des deutschen Widerstandes ins Ausland
waren also vielfältig. Und ernüchternd. Vor und nach Ausbruch des Krieges.
Als sich der zivile Führer des 20. Juli, Carl Friedrich
Goerdeler, im März 1938 mit den Alliierten in Kontakt setzte, bereiteten ihm
diese einen mehr als kühlen Empfang. In London bezichtigte ihn der Erste
Ratgeber des britischen Außenministers, Robert Vansittart, sogar des Verrats.
Dasselbe galt auch für den Oberleutnant Ulrich von Schwerin, der vor dem
Einmarsch in Polen nach London entsandt wurde, um die Engländer davon zu
überzeugen, daß die Invasion vereitelt werden könnte, wenn die Engländer
Hitler zu verstehen geben würden, daß sie bereit waren, die slawische Nation
zu verteidigen. „Nur die Gefahr eines Krieges an zwei Fronten kann Hitler
bremsen,“ lautete seine Botschaft. Die auch dieses Mal auf taube Ohren fiel.
Nach Kriegsausbruch versuchte Trott zu Solz am Rande einer
Konferenz in Washington Präsident Roosevelt zur Unterstützung einer
Denkschrift zu bewegen. Diese sollte die sich formierende Opposition gegen
Hitler ermutigen. Vergeblich. Ab 1942 wurden seitens Emissären des Kreisauer
Kreises Versuche unternommen, den Alliierten klarzumachen, daß es durchaus
andersdenkende Kreise gab, die den Nazismus zutiefst verachteten und daß die
Alliierten den Nazismus keinesfalls mit dem deutschen Volk gleichsetzen
dürften. Aber eine solche Unterscheidung wurde von den Alliierten nicht
akzeptiert. Chamberlain zeigte eine „eisige“ Haltung, Roosevelt hielt
Gespräche für „untunlich“ und 1942 ließ er einen Mittelsmann wissen, daß seine
Bitte um Fühlungnahme die „offizielle Politik“ in „Größte Verlegenheit“
bringe. Die Friedensangebote des deutschen Widerstands blockte Außenamtschef
Eden mit der Bemerkung, daß die Angelegenheit zu den Akten gelegt worden sei,
während Churchill mit der Erklärung konterte, daß die Atlantik-Charta nicht
für die Achsenmächte gelte.
Bedingungslose Kapitulation als Garant des Totalen Krieges
Und als nach dem Kriegseintritt Amerikas die Friedensbemühungen
von deutscher Seite (der nazistischen und der widerständlerischen
gleichermaßen) verstärkt wurden, da erhoben die Alliierten im Januar 1943 auf
der Casablanca-Konfernez die Forderung der bedingungslosen deutschen
Kapitulation. Um gleich darauf in aller Öffentlichkeit vernichtende
Kriegsziele zu diskutierten, die für keine deutsche Regierung annehmbar sein
konnten.
Damit setzte die bedingungslose Kapitulation, wenn sie durch eine
verantwortungsbewußte Regierung in Berlin verkündet werden sollte, eine totale
Niederlage voraus. Im Umkehrschluß hieß das, daß jetzt aus deutscher
Perspektive nur mehr ein schmaler Türausschnitt übrig war, an dessen Pfosten
die blutigen Parolen „Totaler Krieg“ und „Endsieg“ angeschlagen standen.
Die Folgen waren für die Männer des 20. Juli, die jetzt nur noch sehr schwer
Unterstützung für Ihre Widerstandsarbeit finden konnten, fatal. Dies zumal die
Alliierten in Casablanca einem „besseren Deutschland“ die kalte Schulter
zeigten. Es wäre leicht gewesen, die verhängnisvolle Forderung nach „bedingungsloser
Kapitulation“ mit dem zur Opposition ermutigenden Nebensatz zu verbinden:
„...so lange Hitler und sein Naziregime an der Macht sind“. Unzweifelhaft
hätten auf diesem Wege eine ganze Reihe führender Generäle – darauf hoffend,
daß eine Umsturzregierung in diesem aussichtlosen Kräftemessen bessere
Friedensbedingungen erhielte als die bestehende - den Weg zum Widerstand
gefunden. Anstelle dessen wurde nun die bedingungslose Kapitulation vom
deutschen Staat verlangt, was – ohne das direkt zu benennen - die Männer um
Stauffenberg mit Hitlers Schergen auf ein und dieselbe Stufe stellte. Während
das alliierte Lager den Widerstand in sämtlichen außerdeutschen Ländern
unterstützte, untergrub es zugleich in geradezu herausfordernder Art und Weise
jenen im direkten Feindesland.
Angloamerikanische Wasserträger für Hitler
Dennoch darf nicht übersehen werden, daß es unter den
westlichen Alliierten Verantwortungsträger gab, welche den Antisowjetismus in
Deutschland nachhaltig unterstützten. Zu diesen Kreisen unterhielt auch der
konservative Widerstand bis kurz vor dem 20. Juli fortgesetzten Kontakt – und
erfuhr für seine Aufstandspläne teils aufrichtige teils eher doppelzüngige
Ermutigung.[1] Die Verschwörer arbeiteten darauf ihren
Aufstandsplan und ein akkurates Zeitfenster aus. Beides wurde den
angloamerikanischen Geheimdiensten zugetragen, offenkundig, weil man
deutscherseits hier von einer Zusammenarbeit ausging.
Einer der Gesprächspartner: Der Kopf des US-Geheimdienstes
„Office of Strategic Services“ in der Schweiz Allen Dulles, der die Sowjets
mit aller Macht aus Europa heraushalten oder noch besser hinter den Ural
zurückdrängen will. Gegenüber dem starken Widerstand des zivilen Teils der
US-Administration betreibt der antikommunistische Geheimdienstler seit Monaten
Lobbyarbeit für eine prowestliche deutsche Putschregierung, die die Russen im
Osten in Schach hält. Den Männern um Stauffenberg stellt Dulles eine
diplomatische Anerkennung in Aussicht. Auf jeden Fall werde gegenüber einer
Beck-Goerdeler-Regierung keine bedingungslose Kapitulation gefordert werden.[2]
Anfang Juli 1944 meldet er nach Washington, daß „die nächsten paar Wochen
unsere letzte Chance sind, die Bereitschaft der Deutschen an den Tag zu legen,
selbst ihr Land von Hitler und seiner Bande zu befreien und anstelle dessen
eine ordentliche Regierung einzusetzen.“[3 ]
Dulles ahnt nicht im Entferntsten, daß das bündnisloyale Lager in England und
Amerika seine geheimen Nachrichten dazu benutzt, gegen den Umsturz zu
intrigieren: Bereits am 24. Mai setzte das US-State –Department in einer
Denkschrift die sowjetische Botschaft über seinen Schweizer Briefverkehr in
Kenntnis.[4] Kurz darauf erhielt die Naziführung
hochkarätige Warnungen, durch welche es ihr gelang, den zivilen Sektor der
Verschwörung abzugreifen:
Am 4. Juli wurde der designierte Innenminister der geplanten
Übergangsregierung, der Sozialdemokrat (MdR) Julius Leber bei einem
konspirativen Treffen von der Gestapo verhaftet. Nicht weniger als 200 weitere
Verhaftungen schlossen sich an. Am 18. Juli 1944 kursierten bereits
Steckbriefe, die auf die Ergreifung des neuen Reichskanzlers in spe, den
ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Dr. Carl Goerdeler, eine Belohnung
aussetzten. Als Goerdeler schließlich nach Misslingen der Erhebung ergriffen
wurde, führte er bittere Klage über einen „Verrat der Briten“ an Deutschland.
In seinem politischen Testament nannte er „Neville Chamberlain und seine
Clique selbst eine Art Faschisten“, Faschisten, die „mit Hilfe des
Nationalsozialismus“ ihr „Profitsystem“ retten wollten.[5]
Mit diesem von der Zeitgeschichtsforschung viel zu selten beachteten Fluch
spielte Goerdeler auf den Umstand an, daß die Nazis seit den 20er Jahren von
konservativen Engländern zu einem Kreuzzug gegen das sowjetische
Schreckgespenst regelrecht aufgerüstet wurden. Motiv: Die beängstigend um sich
greifende Weltrevolution des Kreml drohte von Irland bis Indien das gesamte
britische Empire aus den Angeln zu heben. Da der Kommunismus ebenfalls die
Pfründe des großen Kapitals bedrohte, wurde Hitler auch aus diesem Lager nach
Leibeskräften gefördert: Die mit Abstand größten Geldzuwendungen vor der
Machtergreifung – ohne die die NSDAP nicht einen ihrer aufwändigen Wahlkämpfe
hätte betreiben können – stammten aus der Schatulle des britischen Shell-Chefs
Sir Henry Deterding. Dessen Milliardenschwere Ölförderindustrie war im
nachzaristischen Rußland durch die Bolschewiki entschädigungslos verstaatlicht
worden. Deterding sagte ganz offen, was er sich von den Braunhemden erwartete:
Den gewaltsamen Sturz der Sowjetmacht. Zu diesem Zweck hatte er bereits vor
Hitler den Ostkriegserfahrenen deutschen General Hoffmann und militante
exilrussische Kreise finanziert.[6]
Aufgeklärte Selbstsucht
Doch auch jenseits des großen Teichs gab es eine starke Lobby
für die Braun- und Schwarzhemden: „Eine Clique von US-Industriellen“,
bekundete der US-Botschafter in Deutschland, William E. Dodd, 1937 gegenüber
einem Reporter der New York Times, „arbeitet eng mit den Faschistenregimes in
Deutschland und Italien zusammen. Ich hatte auf meinem Posten in Berlin oft
Gelegenheit zu beobachten, wie nahe einige unserer amerikanischen regierenden
Familien dem Naziregime sind. Sie trugen dazu bei, dem Faschismus an die Macht
zu verhelfen und sind darum bemüht, ihn dort zu halten.“[7]
Unter die regierenden Familien Amerikas ist nun zweifellos die Bush-Dynastie
zu rechnen. Deren damaliges Oberhaupt Prescott – Vater von Präsident George
Bush sen. und Großvater von George W. – amtierte als Direktor bzw.
Aufsichtsratmitglied von vier Unternehmen, die im Oktober 1942 allesamt wegen
„Nazi-Verbindungen“ staatlich konfisziert wurden.[8]
Sein damaliger Syndikus war niemand geringerer als Allen W. Dulles, welcher
ebenfalls auf Hitlers Barbarossafeldzug setzte, zugleich aber den
Kriegseintritt seines Landes (wie er sagte, aus „aufgeklärter Selbstsucht“
heraus) vorangetrieben hatte. Was auf einen Plan schließen lässt, die
amerikanische Militärmacht wie schon im ersten Weltkrieg als finalen
Entscheidungsträger in das abgekämpfte Europa zu werfen – frei nach der
Empfehlung, die sein enger Vertrauter, der spätere US-Präsident Harry S.Truman
am 24. Juni 1941 in die New York Times stellte: „Wenn wir sehen, daß
Deutschland gewinnt, sollten wir Rußland helfen, wenn Rußland gewinnt, sollten
wir Deutschland helfen, damit sich auf diese Art und Weise soviel als möglich
gegenseitig töten.“
Jetzt, da der demokratische Präsident Roosevelt entschlossen
schien, die Nachkriegswelt mit den Sowjets zu teilen, setzte der Republikaner
Dulles auf einen Separatfrieden mit dem konservativen Teil des Widerstands,
dem es nach einer Machtergreifung ermöglicht werden sollte, im Osten den
Sozialismus zu „containen“. Gerade acht Tage, bevor Stauffenberg seine Bombe
hochgehen ließ, drahtete Dulles aus dem schweizerischen Bern, daß ein „dramatisches
Ereignis“ in Kürze „im Norden“ über die Bühne gehen könnte. Um werbend
hinzuzufügen, daß eine Gruppe der Anti-Hitler-Verschwörung bestrebt sei, „zu
verhindern, daß Zentraleuropa .... unter die Kontrolle der Russen komme.“[9]
Doch diese antisowjetische Vision war ihrer Zeit mindestens ein
Jahr voraus und in den entscheidenden Etagen der Macht tickten die Uhren noch
anders. Quasi als Warnschuß lancierten interessierte Kreise über die Presse
die Nachricht, der spätere CIA-Chef hätte Anfang 1933 im Hause eines engen
Geschäftspartners - des Kölner Bankiers Schroeder - die Koalitionsregierung
zwischen Hitler und Papen auf den Weg gebracht; an der Seite seines Bruders
John Foster Dulles, der nach dem Krieg unter Truman zum US-Außenminister
erhoben werden sollte. Das war lupenreines Insiderwissen: Auch in den
nachgelassenen Tagebüchern des ehemaligen amerikanischen Botschafters in
Berlin, William E. Dodd, findet sich eine Notiz, derzufolge die von J.F.
Dulles vertretenen Banken Ende 1933 Deutschland Anleihen im Wert von einer
Milliarde (!) Dollar gewährt hatten.[10]
Ebenfalls Indiskretionen waren es, die Stauffenberg
währenddessen in Deutschland zwangen, den vorher so oft abgebrochenen
Umsturzplan tatsächlich am 20. Juli ablaufen zu lassen. Am 18. Juli 1944 wurde
nämlich bereits in Diplomatenkreisen über das erwarteten Großereignis
getuschelt. Weiteres Zuwarten bedeutete, das Unternehmen der Gestapo in die
Hände zu spielen. Als Stauffenberg in die Wolfsschanze beordert wurde, war der
Beschluß unumstößlich, diesmal auf alle Fälle zu bomben. Heute weiß jedes Kind,
daß der Anschlag fehlging. Kaum bekannt, bzw. nur ungenügend behandelt wurde
dagegen der tieferliegende Grund: Die Sprengkraft jener Bombe, die Graf
Stauffenberg zur Zündung brachte, war für eine sichere Tötungsaktion weit zu
schwach bemessen. Hitler wurde nicht einmal ernsthaft verletzt. Die offizielle
Forschung mäandert gern an der These, daß die Höllenmaschine vor ihrer
Detonation „einige Fuß weit“ von Hitler weggeschoben worden war. Auch habe ein
Holztisch die Durchschlagskraft der Sprengladung entscheidend gebremst.
Abgesehen davon, daß die Unversehrtheit von Hitlers unteren Extremitäten
dieser Behauptung den Boden entzieht, ist festzuhalten, daß trotz langer
Tradition kein Fall eines Bombenattentats bekannt wäre, in dem ein Tisch einen
derartigen Anschlag ins geradezu Wirkungslose hätte verpuffen lassen. Fakt
dagegen ist, daß die Sprengkraft der Bombe falsch bestimmt worden sein muß.
Darf es da verwundern, daß das Corpus Delikti englischer Herkunft war...?
Vermutlich hätten die Männer um Stauffenberg ihren Coup niemals
ablaufen lassen, wenn ihnen die eigentlichen Kriegsziele und die daraus
resultierenden Zusammenhalte im Bündnis der Alliierten bekannt gewesen wären.
Anders als gewiß von Dulles oder Empirelastigen Briten erhofft, galten unter
den „Großen Drei“ nämlich nach wie vor die öffentlichen Treueschwüre und –
zwischen Stalin und Roosevelt – das bereits lange vor Kriegsausbruch
datierende Einverständnis, den faschistischen Popanz zu nutzen, um die Welt
unter sich aufzuteilen.[11] Die Forderung nach
bedingungsloser Kapitulation und das Verbot gesonderter Friedensschlüsse trug
dem Rechnung. Darüber hinaus wusste Roosevelt nur zu gut, daß es ein
Friedensgesuch einer neudemokratischen Regierung in Berlin ihm und Churchill
unmöglichen machen würde, den alliierten Soldaten zu erklären, warum es zum
Preis weiterer Millionen Menschenleben nötig sein sollte, weiterzukämpfen.
Diese nicht ganz leichte Aufgabe fiel nun der alliierten Presse zu, die sich
zu dem Spagat genötigt sah, eine Revolte gegen einen Despoten mit dessen
Worten zu erklären.
Die Atmosphäre der finsteren Verbrecherwelt
So textete denn die New York Times über das Attentat, daß
dessen Einzelheiten mehr an „die Atmosphäre der finsteren Verbrecherwelt“
erinnerten als an die, welche man „normalerweise in einem Offizierkorps eines
Kulturstaates erwarten würde.“ Das Renommierblatt zeigte sich entrüstet
darüber, daß höchste Offiziere ein Jahr lang an dem Komplott „gegen das
Oberhaupt des Staates und den Oberbefehlshaber der Streitkräfte“ gearbeitet
hätten. Ein Komplott, bei dem man sich noch dazu „einer Bombe, der typischen
Waffe der Unterwelt“ bedient hatte.[12]
Eine andere wichtige US-Zeitung, The Herald Tribune, kommentierte: „Im
allgemeinen bedauern es die Amerikaner keinesfalls, daß Hitler von der Bombe
verschont wurde und sich nun persönlich seiner Generäle entledigt. Außerdem
haben die Amerikaner mit Aristokraten nichts am Hut, ganz besonders nicht mit
solchen, die Dolchstöße ausführen“.[13]
Und die London Times schlug nach, es wäre wohl kaum nötig
hervorzuheben, daß Hitlers Gegner keine Freunde der Alliierten sind: „Die
Generäle, die sich als Thronfolger aufspielten, handelten nicht als Verfechter
der Freiheit, sondern als Verfechter der Militarismus.“[14]
Eine offenbar an zentraler Stelle ausgegebene Sprachregelung, die darauf
abzielte, die Sympathien der eigenen Bevölkerung von den deutschen Vorgängen
abzuziehen, bewirkte, daß die alliierte Presse ganz allgemein die breite
Beteiligung von Zivilisten an den Umsturzplänen bestritt und zugleich
verschwieg, daß bei einem Gelingen des Putsches zentrale Positionen der neuen
Regierung christdemokratisch, liberal und sogar links (Leuschner/SPD-Vizekanzler,
Leber/SPD-Innenminister) besetzt werde sollten. Allenthalben wurde stattdessen
gebetsmühlenartig von der „Verschwörung der Generale“, von einer „Intrige des
Adels" oder auch vom „Widerstand der Junker“ gesprochen, hinter dem sich
nichts als der verzweifelte Versuch in ihrem Ehrgeiz verletzter Militärs
verberge, aus Interesse an der eigenen Karriere den Tyrannen zu ermorden. Eine
rein soldatische Verzweiflungstat ohne jeden ethischen Hintergrund.
Daß wir besser dastehen
In genau diesem Sinne wurde der antifaschistische Aufstand von
Winston Churchill verhöhnt. Der britische Staatschef, der von den
Attentatsplänen im voraus unterrichtet war, sprach am 2. August 1944 vor dem
Parlament von „Ausrottungskämpfen unter den Würdenträgern des Dritten Reiches“.
Die Köpfe der deutschen Führung versuchten lediglich, ihr vorgezeichnetes
Schicksal, die absolute Niederlage, zu umgehen, indem die „sich gegenseitig
ermordeten“."[15]
Daß diese Worte in Wirklichkeit der Angst eines Jägers
entsprangen, dem um ein Haar noch die sicher geglaubten Felle davongeschwommen
wären, verdeutlicht die Auslassung seines engen Vertrauten John W.
Wheeler-Bennett. Dieser sowohl beim Geheimdienst, als auch beim
Außenministerium akkreditierte „Deutschlandexperte“, hatte eine Woche zuvor
seinen Premier (Churchill) und Außenminister
Eden über die Vorgänge
im Reich wie folgt gebrieft:
``Es kann jetzt mit einiger Sicherheit gesagt werden, daß
wir besser dastehen, so wie die Dinge heute stehen, als wenn die Verschwörung
vom 20. Juli geklappt hätte und Hitler
ermordet worden wäre. In diesem Falle
hätten die Generäle
der ́Alteń
Armee die Macht übernommen und, wie
sich aus dem letzten Statement des Vatikans hinsichtlich der
Vermittlungsbereitschaft des Papstes herleiten lässt,
dann hätten sie
über Baron von Weizsäcker
einen bereits ausgearbeiteten Friedensappell veröffentlicht,
laut welchem sich Deutschland geschlagen gibt und um Bedingungen nachsucht,
die sich von der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation unterscheiden.
Durch das Scheitern des Aufstands sind uns sowohl hier
zu Hause wie in den Vereinigten Staaten Verlegenheiten erspart geblieben,
die aus einem solchen Friedensgesuch möglicherweise
resultiert hätten (etwa wenn sich die
Putschregierung auf vorherige Versprechungen der Engländer
berufen hätte, W.E.) Darüber
hinaus entsorgen die gegenwärtigen Säuberungsmaßnahmen
Hitlers wahrscheinlich zahlreiche Individuen, die uns nicht nur im Falle
eines gelungen Putsches, sondern auch nach der Niederringung eines
nazistischen Deutschlands Schwierigkeiten bereitet hätten.
Wenn es stimmt, daß
eine Anzahl der bedeutenderen Generäle
zusammen mit solchen Zivilisten wie Schacht, Neurath und Schulenburg
erledigt worden sind, so haben uns die Gestapo und die SS einen
gewichtigen Dienst erwiesen, indem sie eine Auslese jener Kräfte
beseitigte, die zweifellos nach dem Krieg als „gute" Deutsche posiert hätten...
Es ist daher zu unserem Vorteil, daß
die gegenwärtigen Verfolgungen weiter
andauern, denn das Töten von Deutschen
durch Deutsche wird uns künftig vor
vielen Verlegenheiten bewahren''[16]
Soweit das Memorandum Wheeler-Bennetts, der vor dem Attentat die
Oppositionsführer Adam von Trott und Goerdeler empfangen und ihnen suggeriert
hatte, er stünde auf ihrer Seite. Das Dokument datiert auf den 25. Juli, als
in Deutschland bereits die ersten Todesurteile gegen festgenommene
Widerstandskämpfer vollstreckt wurden.
Wenn sich „die Revolte verschlimmern“ sollte
Währenddessen zeigte sich auch das Weiße Haus in Sorge um „seinen“
Führer.
So schrieb Franklin D. Roosevelt an seine Frau Eleanor aus
Hawaii: „Möglicherweise muß ich überstürzt zurückkommen, wenn sich die
deutsche Revolte verschlimmern sollte! Ich hoffe, daß das nicht passiert.“
Erst eine Woche nach Hitlers Beinahe-Entmachtung gab der Präsident seine erste
öffentliche Erklärung zu dem Staatsstreich ab. Gegenüber Reportern log er: „Ich
denke nicht, daß ich mehr über die deutschen Vorgänge weiß, als Sie... Wir
mögen alle unsere eigene Anschauung dazu haben.“ Dann fuhr er fort, die
alliierte Forderung nach einer totalen Kapitulation zu betonen: „Fast jeder
Deutsche leugnet die Tatsache, daß sie sich im letzten Krieg ergeben haben.
Aber dieses mal, werden sie mit der Nase darauf gestoßen werden!“[17]
Aus Moskau stimmten Stalins Propagandisten ein: "Das hitleristische
Deutschland wird nicht durch aufrührerische Generäle auf die Knie gezwungen
werden, sondern durch uns und unsere Verbündeten!"[18]
Natürlich blieb diese extreme Sichtweise im Westen nicht ohne Widerspruch.
Allen Dulles war über die Tragödie des 20. Juli über alle Maßen bestürzt. Und
George Anthony Bell, der Bischof von Chichester, verlangte - außer sich vor
Wut über die alliierte Reaktion – daß alles Menschenmögliche getan werden
sollte, um wenigstens jene Verschwörer, die noch nicht von der SS ergriffen
worden waren, aus Deutschland herauszulotsen. Seinem Appell wurde nicht einmal
eine Antwort zuteil.[19] Wohl, weil die Regierung gerade
in die genau entgegengesetzte Richtung ruderte:
England denunziert die deutsche Opposition
Am 13. Juli 1996 druckte die London Times verschiedene Briefe,
die das Blatt nach Platzierung eines Berichts erhalten hatte, der sich mit
Englands Verrat am deutschen Widerstand beschäftigte. Eine Einsendung
erinnerte an einen Fall direkter britischer Sabotage an der
Anti-Hitleristischen Opposition. Der Verfasser, International Affairs
Rezensent Nicky Bird, verweist darin auf
"die verhängnisvolle
BBC-Radioübertragung vom 22. Juli
1944" – zwei Tage nachdem Stauffenbergs Anschlag gescheitert war -, ``in
welcher bis dato noch nicht verhaftete Verschwörer
genannt wurden." Der Beitrag „wurde von Maurice Latey vom
Deutschlanddienst des BBC verfasst, auf Anforderung von dessen
Schriftleiter Hugh Greene. Greene hatte ein Tonband erhalten, welches eine
lange Liste von Personen namentlich erfaßte,
die man mit dem Coup in Verbindung brachte. Und von denen suchte sich
Latey die wichtigsten heraus.'' Bird weiter: ``Eingesandt worden war das
Band von der in Woburn Abbey eingerichteten Geheimdienstabteilung
́Political Warfare Executive, Foreign
Officé/PWE, die für
den Inhalt der Nachrichtensendungen nach Deutschland verantwortlich
zeichnete. Latey schrieb 1988 in einem privaten Brief,
́weder Hugh noch ich hätten
ahnen können, daß
die PWE uns mit einer Aufstellung beliefern würde,
welche die Verschwörer in
Schwierigkeiten bringen könnte.'
Nichtsdestoweniger taten sie genau das, und die PWE muß
sich der Folgen wohl bewußt gewesen
sein, die aus der Veröffentlichung
einer solchen Liste resultierten.''[20]
Die von den Briten betriebene Denunziationskampagne – sie wurde seinerzeit
auch durch den PWE-eigenen „Soldatensender Calais“ verfolgt[21]
- lag genau auf der Ratschlagsebene des Wheeler-Bennett-Memorandums, die
Fraktion der „guten Deutschen“ noch vor Kriegsende auszudünnen. Was nicht
verwundern darf, da der gefragte Chefberater John Wheeler-Bennett dem Chef der
Political Warfare Executive Bruce Lockhart als Vize zur Seite stand.
Die Londoner Spionagebüros griffen bei ihrem Verrat auf
erstklassige Informationen zurück, die sie im Zuge ihrer engen Verhandlungen
mit den deutschen Widerständlern erhalten hatten: Trott zu Solz traf sich in
Stockholm mehrfach mit englischen Geheimdienstleuten, Abwehrchef Canaris
informierte den britischen Abwehrchef Graham Menzies über die Attentatsplan
gegen Hitler höchstpersönlich.[22] Von der Gegenseite
über das Bestehen eines angeblichen Einvernehmens getäuscht, übermittelte
Stauffenberg zuletzt sogar eine Liste möglicher Ansprechpartnern aus seinem
Widerstandskreis.[23] Eine Vertrauensgeste, die sich nun
als Todesurteil entpuppte.
Dieser Machiavellismus wär umso befremdlicher, wenn man sich vor Augen halten
würde, daß Churchill, Roosevelt und Stalin damals schon seit mehr als einem
Jahr von der gegen das europäische Judentum gerichteten „Endlösung“ hätten
wissen sollen. Doch anstatt den angeblichen Holocaust durch den Widerstand
beenden zu lassen oder auch nur ein einziges Mal mit gezielten Luftschlägen
gegen die Wach- und Vernichtungseinheiten von KZs auf das Geschehen
einzuwirken, mühte man sich, im Nachhinein als Konstrukt gleichsam, um seine
propagandistische Instrumentalisierung. Etwa um den Kampfeswillen der eigenen
Soldaten posthum anspornen haben zu wollen oder - wie bei Churchills
Zivilbombardements angeblich geschehen - um eigene Terrorkampagnen als
Vergeltungsschläge zu begründen, deren wahren Ursachen man weiterhin
verschleiert hielt, die sich aber in den taten umso deutlicher ablesen ließen.
Auch die nachweislich vor langer Hand zu verwirklichenden Absichten als
Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland getarnt wie Teilung, Besetzung und „Umerziehung“
fanden hier eine willkommene zusätzliche rückwirkende und bis heute anhaltende
Argumentationsplattform, dessen Grundton der ist, alles, aber wirklich ALLES,
Deutsche mies zu machen: und in diesem genuinen Antigermanismus spielt Adolf
Hitler da die Hauptrolle… andere weniger wichtige Rollen, wie Rudolf Steiner,
Richard Wagner oder Luther, gar Goethe und Schiller, und die Philosophen wie
Hegel, Schelling, erst Recht Fichte usw… usf…; Früher war das Napoleon, Ludwig
den XV und die Franzosen, dann der 30 Jährige Krieg gegen das Freie Wort, die
Niederlanden, Spanien als Feind Elisabeth der I. … Die Balance of Power hat
eine lange Geschichte und einer ihrer außerordentlichen großen Lehrmeister und
Förderer, ein Prinz der Finsternis wahrlich, ist Lord Baco of Verulam.
Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung
Um die Doppelzüngigkeit noch zu steigern, wurde den
unterlegenen Deutschen die zurückliegende und fortdauernde Zerstörung ihres
Landes damit erklärt, daß sie sich der Nazis nicht frühzeitig selbst entledigt
hatten. Unter der Überschrift „Grundlegenden Ziele der Militärregierung in
Deutschland“ forderte der US-Generalstab am 26. April 1945 von dem
Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen an vorderster
Stelle:
„Es muß den
Deutschen klargemacht werden, daß
Deutschlands rücksichtslose Kriegführung
und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört
und Chaos und Leiden unvermeidlich gemacht haben und daß
sie nicht der Verantwortung für das
entgehen können, was sie selbst auf
sich geladen haben." Bruchlos daran anschließend
heißt es, die Maske des edlen Ritters
ein Stück weit
öffnend: „Deutschland wird nicht
besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat.
Ihr Ziel ist ... die Besetzung Deutschlands, um gewisse wichtige alliierte
Absichten zu verwirklichen."
Wohl auch im Sinne der „gewissen Absichten“ hielten es die
Alliierten nach dem Krieg für angebracht, die Interpretation aufrecht zu
erhalten, laut der die Ereignisse des 20. Juli Frucht einer Verschwörung
einiger weniger ehrgeiziger Offiziere gewesen war. So konnte man nämlich die
(vor allem von der Nazi-Propaganda verbreitete) These stützen, nach der es
während der Naziherrschaft in Deutschland keinerlei Form von Widerstand und
Opposition gegen das Regime gegeben hätte, weshalb alle Deutschen als Nazis
betrachtet und auch als solche behandelt werden müßten. Louis P. Locher,
früherer Chef des Berliner Büros der Associated Press und später
Kriegskorrespondent der Alliierten in Paris, erwähnt in seinem Buch „Always
the Unexpected“, daß die amerikanische Presse gezielt Meldungen über den
deutschen Widerstand unterdrückte. Er erklärt: „Berichte über die
Widerstandsbewegung passten nicht in das Konzept der bedingungslosen
Kapitulation. Schon im Sommer 1942 hatte meine Annahme Bestätigung gefunden,
daß Roosevelt entschlossen war, die Schuld des gesamten deutschen Volkes und
nicht nur des Naziregimes für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges festzulegen.“
Jetzt erließ der US-Präsident sogar eigens eine Weisung, daß schriftliche
Erwähnungen über einen deutschen Widerstand während der Hitlerzeit zu
unterbleiben hätten.[24] Der lange Arm dieses Banns
überschattete ein gutes Stück Nachkriegszeit des besetzten Deutschland und
reichte mitten hinein in die sogenannten Kriegsverbrecherprozesse, bei denen
es auch um die Aburteilung von Widerstandskämpfern ging, die den
Nachstellungen der Gestapo entgangen waren.
Nicht wenige Köpfe der Opposition hatten die Kapitulation auf
diplomatischen Positionen im Ausland überdauert, nur um jetzt zu erleben, daß
sie als Angeklagte vor das Nürnberger Siegertribunal zitiert wurden. Natürlich
baten die Verzweifelten sofort ihre vermeintlichen Freunde im britischen
Außenministerium um Bezeugung ihrer aktiven Widerstandsarbeit, doch liefen
ihren Appelle zumeist ins Leere. So wurde infolge schwerster Rechtsbeugung der
entschiedene Nazigegner Ernst von Weizsäcker, ehemals Staatssekretär im
deutschen Außenamt, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt – obwohl zahllose
bekannte Antifaschisten aus aller Herren Länder für ihn Partei ergriffen.“[25]
Die Rehabilitation sollte auf sich warten lassen. Während der von eigenen
Landsleuten geleistete Widerstand besonders in den Niederlanden, in Polen,
Frankreich und Italien zur Grundlage des politischen Selbstverständnisses der
Demokratie wurde, blieb der Widerstand der Deutschen gegen den
Nationalsozialismus auf Druck der Besatzungsmächte lange Zeit ein Tabuthema.
Die Alliierten waren auch nach Kriegsende nicht an einem "Nachweis des anderen,
besseren Deutschlands" interessiert. "Sie wollten nicht“, schreibt Gerd
Überschär, „daß sich die Überlebenden der NS-Diktatur auf einen deutschen
Widerstand berufen könnten.“[26] Wobei
praktisch-psychologische Gesichtspunkte, die sich von dem zentralen Begriff
der Kollektivschuld herleiteten, bestimmend waren.
Die Deutschen unten halten
Das Bild wandelte sich erst Anfang der 50er Jahre, als die
Sowjetunion Bonn im Austausch gegen eine Neutralisierung die sofortige
Wiedervereinigung antrug. Zur gleichen Zeit suchten die Westmächte, „ihren“
Teil Deutschlands als aufgerüstete Frontspitze in die NATO zu integrieren.
Jetzt behinderte die Theorie der Kollektivschuld plötzlich die auf Einbindung
der Bundesrepublik ausgerichteten Werbefeldzüge Londons und Washingtons. Um
die eigene Öffentlichkeit von der neuen Partnerschaft mit dem alten Feind zu
überzeugen, beschloß man daher, das Naziregime von seinen Untertanen zu
unterscheiden. Als deren Repräsentanten waren nun die „Guten Deutschen“ der
30er und 40er Jahre gefragt. Die am heißesten gehandelten Ikonen waren dabei
jene Oppositionelle, die in der Tradition des Antikommunismus gestanden
hatten.[27] So begann die Rehabilitation des 20. Juli
1944.
Der Schritt geschah aus rein praktisch-strategischen Gesichtspunkten. Und so
kann es nicht verwundern, daß es der ehemalige Berater des britischen
Außenministers, John Wheeler-Bennett war, welcher jetzt als erster Engländer
von Rang den Verschwörern des 20. Juli ethische Motive zubilligte. Bis hart an
diesen Moment heran hatte der linientreue Geheimdienstmann und „Historiker“
das Wohl und Wehe des Widerstands weit weniger vorteilhaft bewältigt. Wobei
seinem Wort als „Berater des Foreign Office für die Veröffentlichung von Akten
des Deutschen Außenministeriums“ sowie zeitweiligem Chefherausgeber bleibendes
Gewicht zukam. Auf diese Weise montierte nun ausgerechnet ein Mann, der nur
wenige Jahre zuvor Hitlers Rachejustiz an Stauffenbergs Mannen bejubelt hatte,
den Deutschen die spannenderen Passagen ihrer jüngsten Geschichte.
Daß die in der gebotenen Form präsentiert und in ihren
tagespolitischen Implikationen auch verstanden wurden, dafür hatte neben der
alliierten Lizenzpresse vor allem der westdeutsche Rundfunk zu sorgen. Dessen
erster und langjähriger Chef? Niemand geringerer als jener Hugh Greene, der
1944 an der Seite von Wheeler-Bennett die Schwarze Propaganda gegen
Deutschland geleitet und Männer des Widerstandes über den Äther denunziert
hatte.[28]
Diese englischen Quellen fragwürdiger Tradition waren es, die jetzt an
vorderster Front daran arbeiteten, die Bundesrepublik „fit“ für die NATO und
die Wiederbewaffnung zu machen. Daß die Mitgliedschaft in dem Militärbündnis
die deutsche Teilung zementierte, wurde der Öffentlichkeit freilich
verschwiegen. Und auch die strategische Bedeutung der Allianz blieb dem
stolzen Michel, der aufrichtig daran glaubte, nun wieder „wer“ zu sein,
verborgen. Die NATO, sagte deren erster Generalsekretär, der Brite Lord Ismay,
wurde gegründet, um „die Russen draußen, die Amerikaner drinnen, und die
Deutschen unten zu halten“.[29] Am Taufbecken der
vielbeschworenen Wertegemeinschaft stand niemand geringerer als Machiavelli.
Schmerzliches Erwachen
Doch es mußte noch manch andere Lektion nachfolgen, bis der als
Mitglied der „Bekennenden Kirche“ in den Stauffenberg-Aufstand verwickelte
Eugen Gerstenmaier, Bundestagspräsident 1954-1969, in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung einräumte: "Was wir im deutschen Widerstand während des
ganzen Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich
vollends gelernt: daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen
Deutschland geführt wurde. Das Scheitern aller unserer Verständigungsversuche
aus dem Widerstand (...) war deshalb kein Zufall. Es war ein Verhängnis, dem
wir vor und nach dem Attentat machtlos gegenüberstanden“.[30]
Nicht wenige Briten haben Gerstenmaiers Sicht in unverstellter Offenheit
selbst bestätigt, allen voran die „Balance of Power“-Fraktion um Churchill und
Vansittart. Sir Robert Vansittart, Staatssekretär im britischen
Außenministerium und dortselbst diplomatischer Chefberater, stellte nach
Churchills Machtantritt 1940 klar, daß Deutschland niederzuwerfen sei, und
nicht der Hitlerfaschismus. Wörtlich schreibt er in seinem Positionspapier:
"Der Feind ist das Deutsche Reich und nicht etwa der Nazismus, und diejenigen,
die das bislang noch nicht begriffen haben, haben überhaupt nichts begriffen."
Weswegen die britische Regierung auch die Bemühungen zudringlicher
Friedensvermittler satt habe: „Wir haben mehr als genug von Leuten wie
Dahlerus, Goerdeler, Weißauer und Konsorten."[31]
Vor genau diesem Hintergrund erfuhren deutsche Widerständler
auf der Insel immer wieder Zurückweisung. Nur ganz wenigen wurde dabei die
dahinterliegende imperiale Motivation offengelegt, die der langjährige
britische Laborparlamentarier Emrys Hughes in seiner Churchill-Biografie
besonders drastisch überliefert. Ihm zufolge bekam ein Beauftragter des
deutschen Widerstandes während des Krieges von britischer Seite zur Antwort: "Sie
müssen sich darüber klar sein, daß dieser Krieg nicht gegen Hitler oder den
Nationalsozialismus geht, sondern gegen die Stärke der Deutschen, die man ein
für allemal zerschlagen will, gleichgültig, ob sie in den Händen Hitlers oder
eines Jesuitenpaters liegt".[32]
Geopolitische Antriebe sind bis heute in der britischen Politik
nachweisbar. Als im Sommer 1989 die deutsche Wiedervereinigung „drohte“,
kommentierte das die liberale Wochenzeitung "Sunday Correspondent" mit den
Worten: "Wir müssen jetzt ehrlich über die deutsche Frage sein, so unbequem
sie auch für die Deutschen, für unsere internationalen Partner und uns selbst
sein mag. ..Die Frage bleibt in der Essenz die gleiche. Nicht wie wir es
verhindern, daß deutsche Panzer über die Oder oder Marne rollen, sondern wie
Europa mit einem Volk fertig wird, dessen Zahl, Talent und Effizienz es zu
unserer regionalen Supermacht werden läßt. Wir sind 1939 nicht in den Krieg
gezogen, um Deutschland vor Hitler oder die Juden vor Auschwitz oder den
Kontinent vor dem Faschismus zu retten. Wie 1914 sind wir für den nicht
weniger edlen Grund in den Krieg eingetreten, daß wir eine deutsche
Vorherrschaft in Europa nicht akzeptieren konnten!"[33]
Alle bis hier gegebenen Statements spiegeln zwischenstaatliche
Positionen korrekt wieder. Nichtsdestoweniger sind sie mit nationaler Brille
zu kurz gegriffen: Es war Britanniens Schicksal, daß es durch diesen
veralteten europäischen Zentrismus die größeren Abläufe aus den Augen verlor.
Während Downing Street mit dem Containment seiner autarkieversessenen Vettern
beschäftigt war, teilten die verbündeten Russen und Amerikaner nicht nur den
Alten Kontinent, sondern gleich die ganze Welt unter sich auf. London wurde so
zum Juniorpartner seiner alten Koloniallande degradiert; der von einer
amerikanischen Mutter geborene Churchill, schreibt dessen gründlichster und
kritischster Biograph Prof. John Charmley, servierte den Angelsachsen auf dem
Tablett des Sieges „The End of Glory“ – das Ende nationaler Größe.[34]
Doch auch Gerstenmaier übersieht die Bedeutung der
amerikanischen und der russischen Geopolitik, für die nicht nur Hitler sondern
selbst Deutschland eine auswechselbare Größe darstellte - ein Hebel zur
Ausschaltung und Beerbung des zentraleuropäischen Weltachse.
Nun sollten 40 Jahre Kalter Krieg nebst 17.Juni, Ungarnaufstand, und Prager
Frühling im Westen eigentlich zu einem gewissen Aufklärungsbestand in Sachen
Kreml-Imperialismus geführt haben. Gleichzeitig täuschte hier das in Zeiten
sowjetischer Bedrohung koalitionär empfundene Verteidigungsinstrumentarium
NATO lange darüber hinweg, daß auch die USA seit jeher eigene Interessen
wahrnehmen. Heute stellt diese „Wertegemeinschaft“ in einer unipolaren Welt
mehr denn je zuvor einzig die Speerspitze Washingtons dar. Eine Speerspitze,
mit der Amerika seine machtpolitischen Interessen mitunter nach Gutsherrenart
„verteidigt“. Auch in Europa und gegen Europa. Im März 1991, als die
Sowjetunion zusammenbrach und jedermann das goldene Zeitalter des Friedens
angebrochen wähnte, prognostizierte kein geringerer als der ehemalige
amerikanische Justizminister Ramsey Clark gegenüber der französischen
Monatszeitschrift „L´Autre Journal“: „Ich warne die Europäer davor zu glauben,
dass die USA im Rahmen der Neuen Weltordnung Skrupel haben würden, auch in
Europa militärisch zu intervenieren. Unsere Armee wird überall eingreifen, wo
unsere Interessen gefährdet sind und zwar mit allen Mitteln, einschließlich
Atomwaffen. (...) Ich gehe sogar so weit zu behaupten, daß Amerika ohne Zögern
auch in Westeuropa intervenieren würde, wenn dies gegenwärtig auch manchen
Leuten als absurde Idee vorkommen mag. Die USA würden eine europäische
nukleare und wirtschaftliche Großmacht nicht lange dulden."
Henry Kissinger, der ehemalige amerikanische Außenminister,
fügte dem hinzu: „wenn sich auch heute noch keine europäische Macht gegenüber
den USA feindlich zeige, so nähme man doch den Beginn eines irgendwie
gearteten hegemonialen Verhaltens in jener Region unverzüglich als feindliches
Verhalten wahr. Eine diesbezügliche Herausforderung könne sich einerseits aus
den osteuropäischen Instabilitäten ergeben und zweitens from the redefinition
of Germany’s role, durch die Neudefinierung der Rolle Deutschlands“.[35]
So befremdlich dies auch in den Ohren der vermeintlichen
Verbündeten klingen mag - die Warnungen hatten einen sehr realpolitischen,
offiziellen Hintergrund: Als Präsident George Bush sen. in den damaligen
Umbruchtagen (s)eine neue Weltordnung ausrief, stellten die Vereinigten
Staaten darin die einzige verbleibende Supermacht dar. Um diesen Status
beizubehalten, stellte der Verteidigungsminister – und heutige Vizepräsident –
Dick Cheney am 18.2.1992 eine neue Richtlinie zur Verteidigungsplanung fertig.
Die New York Times veröffentlichte Auszüge aus diesem "Defense Planning
Guidance (DPG)“ betitelten, geheimen Pentagonentwurf.
Wir lesen:
"Unser wichtigstes Ziel ist es, das Wiederauftauchen
eines neuen Rivalen, ob auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion
oder anderswo, zu verhindern, der eine Bedrohung
ähnlicher Ordnung wie die frühere
Sowjetunion darstellen könnte. Dieser
Gedanke bestimmt grundlegend die neue regionale Verteidigungsstrategie.
Dies erfordert, daß wir jegliche
feindliche Macht daran hindern, eine Region zu dominieren, deren
Ressourcen es ihr bei genügender
Kontrolle erlauben würden, globale
Macht zu erlangen. Bei den in Frage kommenden Regionen handelt es sich um
Westeuropa, Ostasien, das Gebiet der früheren
Sowjetunion und Südwestasien."
Umgesetzt in die praktische Politik bedingt das drei Aufgabenstellungen: "Erstens
müssen die USA den Führungsstil
zeigen, der nötig ist um eine neue
Ordnung einzuführen und zu sichern,
eine die verspricht, potenzielle Konkurrenten davon zu
überzeugen, dass sie erst gar nicht zu
versuchen brauchen, eine größere Rolle
zu spielen oder eine aggressivere Haltung einzunehmen, um ihre legitimen
Interessen wahrzunehmen. Zweitens müssen
wir in den nicht-militärischen
Bereichen die Interessen der fortgeschrittenen Industrienationen (also
insb. die EU-Staaten und Japan – W.E.) ausreichend berücksichtigen,
um sie davon abzuhalten, unsere Führungsrolle
in Frage zu stellen, oder zu versuchen die bestehende politische und
wirtschaftliche Weltordnung zu kippen. Und schließlich
müssen wir die Mechanismen pflegen,
die potenzielle Konkurrenten davor abschrecken, eine bedeutendere
regionale oder globale Rolle auch nur anzustreben. " [36]
Der Preis ist das wert
Rückblickend kann festgestellt werden, daß das Scheitern des
Stauffenberg-Aufstandes katastrophale Kriegsfolgen nach sich zog: Auf Grund
der fortgesetzten alliierten Sabotage gegen den antifaschistischen Widerstand,
die so weit ging, deutsche Freiheitskämpfer den Nazis ans Messer zu liefern,
wurden die Kämpfe um ihr blutigstes Jahr verlängert. Es war das Jahr der
Zerstörung der deutschen Städte, das Jahr der millionenhaften Vertreibungen,
das Jahr, welches die Kriegspropaganda der Alliierten als das Jahr zu
bezeichnen pflegt in dem eine „Aberzahl“ von Juden nach der Räumung der KZs
auf den todbringenden Evakuierungsmärschen vor Erschöpfung und Krankheiten
umkamen. Endresultat? Zwischen dem 20. Juli 1944 und dem 8. Mai 1945 ließen
allein auf dem heißumkämpften europäischen Kriegsschauplatz mindestens 10
Millionen Menschen ihr Leben: Soldaten und Zivilisten, nicht nur Deutsche,
sondern auch Russen, Franzosen, Engländer und Amerikaner, mehr als in den
gesamten vorangegangenen fünf Jahren dieses schlimmsten Konflikts der
menschlichen Geschichte. Es war ein hoher Preis. Aber die Politik ist
freigiebig, wenn es um die Verzinsung von Opferzahlen geht. Inzwischen wissen
wir, dass allein in Deutschland im Zeitraum 1944-49, so unfassbar das auch
ist, 22 Millionen deutsche Menschen ihr Leben hingeben mussten, als direkter
Ausdruck des Vernichtungswillen des Deutschen Volkes; Hatte schon Clemenceau
in Frankreich während des Ersten Weltkrieges öffentlich erklärt: „Es gibt 20
Millionen Deutsche zu viel!“ Es war eine Forderung, die erst später
verwirklicht werden sollte, ganz gemäß den wahren Absichten der Westmächte;
Dieser Mord am deutschen Volk ist das bestbewahrte Geheimnis des Westens. Und
dieses Zerstörungswerk geht mit anderen Mitteln unvermindert bis heute weiter:
Man hole sich die statistischen Angaben her über die systematische, gewinn
orientierte, gezielt organisierte Abtreibungsindustrie mit allem drum und dran
und wird nüchtern feststellen können, was in Wirklichkeit auf diesem Gebiet
vor sich geht, Hand in Hand mit einer künstlich provozierten Invasion aus der
Dritten Welt um das IQ der besigten nAtion nach Unten gewaltsam zu zwingen und
es gelingt; Die 68-er als Umerzogene Generation wurden Opfer dieser
Todeskräfte und sehen nur die Berechtigung ihres Daseins darin so viel Tod wie
möglich zu produzieren, und es gelingt ihnen ungehemmt.
Erinnern wir uns an den ersten Irakkrieg, dessen Notwendigkeit
bereits in den DPG-Richtlinien vom Februar 1992 hinsichtlich einer Kontrolle
über das Öl am persischen Golf geopolitisch begründet wurde. Erinnern wir uns,
daß George Bush sen. am Ende des Gemetzels den auf Bagdad zustürmenden General
Schwarzkopf zurückpfiff, wodurch Saddam Hussein – außen- und
wirtschaftspolitisch ohnmächtig - im Amt verblieb. Um die Schlacht auf anderen
Ebenen weiterführen zu können, verhängte die UNO anschließend auf Drängen der
USA und Großbritanniens rigide Boykottmaßnahmen gegen die einstige Vormacht
des Mittleren Ostens. Die Auswirkungen auf das geschwächt am Boden liegende
Land waren verheerend, während Washington strategisch und ökonomisch punkten
konnte. In der in Nordamerika ausgestrahlten Fernsehsendung „60 Minutes“
fragte darob die Moderatorin Leslie Stahl am 12. Mai 1996 US-Außenministerin
Albright: „Wir haben gehört, daß eine halbe Million Kinder (aufgrund der
Wirtschaftssanktionen) gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in
Hiroshima gestorben sind. Ist das den Preis wert?“ Madeleine Albright
bezweifelte die Zahlen gar nicht und erwiderte: „Ich denke, das ist eine sehr
harte Wahl, aber wir denken, der Preis ist das wert!“[37]
Soweit die außenpolitische Vertreterin von Bill Clinton,
welchem die republikanische Opposition ausgerechnet in der Irakfrage „Weichheit“
vorwarf. Statt dessen forderten führende Vertreter der neokonservativen
Denkfabrik „Projekt für ein neues amerikanisches Jahrhundert“ (PNAC) im Januar
1998 in einem offenen Brief an den Präsidenten, den Irak mit einem neuen Krieg
zu überziehen. Oder, wie sie es nannten, zur „Entmachtung des Regimes von
Saddam Hussein“ [...] „in kurzer Frist zur Durchführung einer militärischen
Aktion bereit zu sein, da die Diplomatie offenkundig versagt hat.“ Begründung:
Das von internationalen Inspektoren bis unter den letzten Klosettdeckel des
Präsidentenpalastes durchschnüffelte Land produziere heimlich
Massenvernichtungsmittel.[38] Doch das war eine
Argumentation für die Öffentlichkeit. Ein im September 2000 veröffentlichtes
Strategiepapier des PNAC brachte über die neuerlich vorgetragenen
Kriegsplanungen einen entlarvenden Satz, der mit Bezug auf Hitler auch in
einem Roosevelt´schen Europa- und Fernost-Strategiepapier hätte stehen können:
„Der ungelöste Konflikt mit dem Irak ist zwar als unmittelbare Rechtfertigung
hilfreich, der Bedarf für die Anwesenheit einer bedeutenden amerikanischen
Streitkraft am Golf geht aber über die Frage von Saddam Husseins Regime hinaus."
Die Kontrolle des Golfs und seiner Ölreichtümer, fügte das Dokument hinzu, sei
notwendig, "um die globale Vorherrschaft der USA zu erhalten, dem Aufstieg
einer rivalisierenden Großmacht vorzubeugen und die internationale
Sicherheitsarchitektur gemäß den amerikanischen Prinzipien und Interessen zu
gestalten".[39]
Wenige Monate später saßen die Schreibtischtäter des PNAC
bereits an den Hebeln der Macht. Von ihnen waren 10 Minister und
Staatssekretäre in der Bush II-Administration, allesamt im außenpolitischen
und verteidigungstechnischen Bereich, ganz oben an der Spitze Vizepräsident
Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Noch im Frühsommer 2001
brachten sie von hier ihre militärischen Planungen für Angriffskriege gegen
den Irak und Afghanistan auf den Weg. Weil sich die Taliban weigerten, Amerika
als Transitbasis zum Abpumpen der kasachischen Ölfelder zu dienen, sollten
gegen sie die Waffen bereits im Oktober sprechen.[40]
Die Geschichte wäre nicht „vollständig“, vergäße man zu
erwähnen, daß die PNAC-Studie im gleichen Atemzug mit den genannten
Mittelostaspirationen auf die Gefahr hinwies, dass bei fortlaufendem Trend der
laschen Haltung zu Verteidigungsfragen die weltweite US-amerikanische
Vorherrschaft nicht mehr lange aufrechterhalten werden könne. Zugleich werde
die Ingangsetzung eines dem Wortlaut gerecht werdenden „offensiven
amerikanischen Jahrhunderts“ mit Widerständen zu kämpfen haben und viel Zeit
in Anspruch nehmen - es sei denn, so steht es in dem Bericht wörtlich, »ein
katastrophales und katalysierendes Ereignis tritt ein, wie ein neues Pearl
Harbor«, das die Bereitschaft der US-amerikanischen Gesellschaft zu Opfern
wieder erhöht.[41]
Solches, wie die angebliche „Mondlandung“, der heute als Betrug
erwiesener „Auschwitzholocaust“, die Vorfälle in der , Tonkingbucht als
Starschuss des Vietnamkrieges, der Verrat an Chang-Kai-Chek, der
Lusitaniaschwindel usw. gehört zur Benebelungstaktik durch groß inszenierte
Aktionen, um die wahren Ziele zu verschleiern, welche diese Hintergrundsmächte
verfolgen. Und in diesem Sinne war dann die Zeit reif für den 11. September.
Oder, wie das Ereignis in Neo-Cons-Pentagonkreisen – also im Klartext
Macht-Jüdische Cliquen- euphorisch auch genannt wird, den Beginn des „3.
Weltkriegs“.
Wolfgang Eggert, geboren 1962, Studium der Politik, Geschichte und
Journalistik, redaktionelle Ausbildung bei TV-Sendern, seit 2000 freier
Publizist, Autor mehrerer Bücher zu zeithistorischen Themen. Zuletzt „Erst
Manhattan – dann Berlin. Messianisten-Netzwerke treiben zum Weltenende“
München 2006,
http://www.chronos-medien.de/

Befreier, die nicht zur Befreiung kamen: Churchill, Roosevelt und Stalin
Bibliographie
[1]Knightly, Phillip. The Master Spy: The Story of Kim Philby, New York:
Alfred A. Knopf, 1989, Seite 108
[2] Schmädeke, Jürgen / Steinbach, Peter (Hrsg): Widerspruch gegen den
Nationalsozialismus, München/Zürich 1985, Seite 1048 sowie Valentin Falin:
Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition.
Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachfolger, München 1995, Seite 414
[3] Beschloss, Michael. The Conquerors: Roosevelt, Truman and The Destruction
of Hitler's Germany, 1941-1945, New York: Simon & Schuster 2002, 1. Kapitel:
The Plot to Murder Hitler
[4] Falin,Valentin: Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der
Anti-Hitler-Koalition. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachfolger,
München 1995, Seite 414
[5] Krause, Friedrich (Hrsg.), Goerdelers politisches Testament. Dokumente des
anderen Deutschland, New York: 1945, Seite 58
[6] Zu Deterding siehe: Roberts, Glyn, The Most Powerful Man in the World. The
Life of Sir Henry Deterding , New York: Covici Friede, 1938. Deterding zeigte
sich auch nach Hitlers Machtantritt spendabel. Am 12. Januar 1937 trug
Goebbels in sein Tagebuch ein: Deterding hat 40 Millionen gestiftet. Die
Tagebücher von Josef Goebbels- Sämtliche Fragmente, Band 3, KG Saur, München
1987. Insgesamt spricht man allein bei diesem Geldgeber von einem
Spendenaufkommen von 55 Millionen Pfund Sterling.
[7] Seldes, George. Facts and Fascism, New York: In Fact Inc, 1943, Seite 122
[8] Tarpley, Webster/Chaitkin, Anton: George Bush - The Unauthorized Biography,
Washington: Executive Intelligence Review 1992 sowie Joshua Tree/CA:
Progressive Press 2004, Kapitel 2 „The Hitler Project“
[9] Beschloss, Michael. The Conquerors: Roosevelt, Truman and The Destruction
of Hitler's Germany, 1941-1945, New York: Simon & Schuster 2002, Kapitel 1:
The Plot to Murder Hitler
[10] Deschner, Karlheinz, Der Moloch. Eine kritische Geschichte der USA,
Kapitel 10 „John Foster Dulles - eine Milliarde Dollar für den »Führer«“ Heyne,
München 1997. Die gegen Dulles gerichteten Enthüllungen „hielten“ sich und
erreichten bald die Höhen der Politik: Im Oktober 1944 äußerte US-Senator
Claude Pepper, Florida, zu jenen, die Hitler zur Macht verhalfen, habe auch
John Foster Dulles, der unter Präsident Dwight D. Eisenhower von 1953 bis 1959
als Außenminister diente, gehört, »denn es waren Dulles´ Firma und die
Schroeder-Bank, die Hitler das Geld beschafften, das er benötigte, um seine
Laufbahn als internationaler Bandit anzutreten«.(Deschner, ebenda)
[11] Ein früher strategischer Paktabschluß zwischen den USA und der UdSSR zur
Teilung der Welt stellt bis heute eine Black-Box in der
Zeitgeschichtsforschung dar. Der Begründer des akademischen Revisionismus,
Berkely- Professor David L. Hoggan, datiert eine entsprechende Übereinkunft
auf das Jahr 1933, als beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen
wiederaufnahmen. Als Kronzeugen beruft Hoggan sich auf persönliche Aussagen
von William C. Bullitt, 1933 bis 1936 erster US-Botschafter in der Sowjetunion.
Hoggan: „Die Tatsachen des Roosevelt-Stalin-Bündnisses von 1933 sind von den
offiziellen Vertretern nie öffentlich eingestanden worden. Das Geheimnis des
Bündnisses von 1933 wurde mir 1947 persönlich bestätigt, als ich Gast in
Bullitts Haus in Washington, DC, war. Ich wurde Bullitt durch meinen
bedeutendsten Harvard-Professor William Langer (1896-1977) vorgestellt. Langer
war im Zweiten Weltkrieg Chef der geschichtlichen Abteilung des OSS, des
damaligen CIA." (Hoggan, Meine Anmerkungen zu Deutschland, Grabert, Tübingen
1990, Seite 18f.) Auch die russisch-amerikanische Finanzierung des
Nationalsozialismus schon während der 20er Jahre und der zeitige Beginn der
sowjetischen Kriegsrüstung (1928) vermitteln den Eindruck eines frühen
Agreements.
[12] Klemperer, Klemens von. German Resistance Against Hitler: The Search for
Allies Abroad: 1938-1945. New York: Clarendon Press/ London:Oxford University
Press 1992, Seite 386. Bezug auf New York Times vom 9. August 1944
[13] Rothfels, Hans. The German Opposition to Hitler: An Appraisal, Hinsdale/Ill.:
H. Regnery Co 1948, Seite 160f. Bezug auf New York Times vom 9. August 1944
sowie Diese ´Verbrecher´, die dem Krieg ein Ende setzen wollten, Artikel in
der „Civiltà Cattolica“, von Giovanni Sale. Interview: Davide Malacaria, 2003
[14] Klemperer, Klemens von. German Resistance Against Hitler: The Search for
Allies Abroad: 1938-1945. New York: Clarendon Press/ London:Oxford University
Press 1992, Seite 386
[15] Beschloss, Michael. The Conquerors: Roosevelt, Truman and The Destruction
of Hitler's Germany, 1941-1945, New York: Simon & Schuster 2002, 1. Kapitel:
The Plot to Murder Hitler sowie Kettenacker, Lothar. Der deutsche Widerstand
aus britischer Sicht. In: Der deutsche Widerstands gegen Hitler: „Wahrnehmung
und Wertung in Europa und den USA“. Hrsg. von Gerd R. Überschär, Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002, Seite 28, Anmerkung 15
[16] Lamb, Richard. The Ghosts of Peace: 1935-1945, Salisbury, Wiltshire (GB):
Michael Russel 1987, Seite 296-297 nach Artikel British Aimed For End Of
Germany, Not Nazism, gedruckt im “Executive Intelligence Review”, Oktober,
1998 sowie Klemperer, Klemens von. German Resistance Against Hitler: The
Search for Allies Abroad: 1938-1945. New York: Clarendon Press/ London:Oxford
University Press 1992, Seite 387
[17] Roosevelt-Zitate nach Beschloss, Michael. The Conquerors: Roosevelt,
Truman and The Destruction of Hitler's Germany, 1941-1945, New York: Simon &
Schuster 2002, 1. Kapitel: The Plot to Murder Hitler
[18] Beschloss, Michael. The Conquerors: Roosevelt, Truman and The Destruction
of Hitler's Germany, 1941-1945, New York: Simon & Schuster 2002, 1. Kapitel:
The Plot to Murder Hitler
[19] Klemperer, Klemens von. German Resistance Against Hitler: The Search for
Allies Abroad: 1938-1945. New York: Clarendon Press/ London:Oxford University
Press 1992, Seite 386
[20] Artikel British Aimed For End Of Germany, Not Nazism, gedruckt in:
“Executive Intelligence Review”, October, 1998
[21] Empire Radio, The Biggest Aspidistra In The World, Teil 8, erstellt von
Michael R Burden, members.aol.com/skywave48/aspidistra.htm. Hier ist explizit
erwähnt, daß sich der deutsche Marineattaché in Stockholm, von Wahlert, unter
den Genannten befand.
[22] Falin, Valentin: Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der
Anti-Hitler-Koalition. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachfolger,
München 1995, Seiten 391, 400, 423
[23] So übermittelte der von Widerständlern als Brücke nach England genutzte
Bankier Wallenberg im November 1943 in einem Gespräch mit Goerdeler, Churchill
sehe dessen Verschwörungsvorbereitungen positiv. in: Moltke, Freya von/Balfour,
Michael/Frisby, Julian: Helmuth James von Moltke 1907-1945, Stuttgart 1975.
Stauffenbergs Liste ist im Bericht der Gestapo vom 2.8.1944 genannt, der sich
mit der Vernehmung von Hauptmann Kaiser befasst.
[24] Klemperer, Klemens von. German Resistance Against Hitler: The Search for
Allies Abroad: 1938-1945. New York: Clarendon Press/ London:Oxford University
Press 1992, Seite 386
[25] Martin, Brian. The British Foreign Office and the German resistance to
Hitler, Essay Blick auf Patrica Meehan´s The Unnecessary War(… Whitehall and
the German Resistance to Hitler, London: Sinclair-Stevenson, 1992/1997),
veröffentlicht in “Nonviolence Today”, No. 39, July/August 1994, Seite 16-18
[26] Ueberschär, Gerd R., Der nicht endende Kampf um die Erinnerung,
„Frankfurter Rundschau“ Nr. 159 v. 12.07.1994, Seite 10
[27] Hamerow, Theodore. On The Road To The Wolf´s Lair: German Resistance To
Hitler, Cambridge/Mass: Belknap Press of Harvard University Press 1997, Seite
2f.
[28] Mit Beginn des Kalten Krieges mauserte sich der Gründer des NWDR zum
„Roten Tuch“ der Sowjets, da er eine Reihe hochrangiger Journalisten wegen
ihrer „kommunistischen“ Sympathien feuerte (darunter den Kölner Intendanten
Burghardt und den politischen Kommentatoren Karl von Schnitzler). Nicht wenige
der freien Stellen besetzte Greene anschließend mit waschechten – dafür aber
umso fügsameren – Altnazis, die ihre Sporen in Goebbels Propagandaministerium
verdient hatten . Tracey, Michael: The Illusive Ideal: An Essay on Hugh Greene
and the Creation of Broadcasting in the Federal Republic of Germany.
Dissertation Univ. of Leicester 1984, Seiten 57-58.
[29] Pond, Elizabeth. The Rebirth of Europe, Washington D.C.: The Brookings
Institution, 2002, Seite 23 sowie Varwick, Johannes/Woyke, Richard: Die
Zukunft der Nato. Transatlantische Sicherheit im Wandel, Opladen: Leske und
Budrich 2000, Seite 55 sowie „Die Welt“, 18.5.2001, Seite 8
[30] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 1975. Nach Wikipedia,
de.wikiquote.org/wiki/ Eugen_Gerstenmaier, sowie Die Aula – Das Freiheitliche
Magazin, Graz, 15.1.2006, Seite 3
[31]„Dringender“ Brief Vansittard an Außenminister Halifax vom 6. September
1940 betr. Weisung für den britischen Botschafter Mallet in Stockholm, alle
deutschen Friedensfühler zurückzuweisen. Die Zerstörung Deutschlands gewann
gegenüber der von den Konservativen angestrebten gegenseitigen Zerstörung
Deutschlands und der Sowjetunion nun den Vorzug. Foreign Office To Mallet /
Nr. 1011 / FO 371/24408-Public Records Office/PRO / XC 1973. In : Allen,
Martin, The Hitler- Heß Deception, London : HarperCollinsPublishers, 2003. Der
deutsche Text stammt aus der im gleichen Jahr erschienenen Übersetzung
Churchills Friedensfalle, Seite 113f.
[32] Hughes, Emrys, Winston Churchill.British Bulldog: His Career in War and
Peace, New York, Exposition Press, New York 1955, Seite 145
[33] The Sunday Correspondent, 17.September 1989, zitiert in Frankurter
Allgemeine Zeitung vom 18. September 1989. Der Herausgeber des SC, Peter Cole,
arbeitete als Stellvertretender Chefredakteur des Guardian und
US-Korrespondent für die London Evening News
[34] Charmley, John, Churchill: The End of Glory, Hodder and Stroughton, 1993.
(dt. u.d.T. Churchill - Das Ende einer Legende bei Propyläen und Ullstein)
[35] Gerhard Wisnewski/Wolfgang Landgraeber/Ekkehard Sieker: Das RAF-Phantom,
Knaur München, 1992, Seite 197f. sowie Konkret, Hamburg, Ausgabe 9/92
[36] New York Times vom 8. März 1992. Dt. siehe Blätter für deutsche und
internationale Politik, Nr. 4/92, Seite 429f. sowie Der Spiegel, 16. März
1992. Führend bei der Erstellung dieses Dokumentes waren der damalige
Staatssekretär im Verteidigungsministerium Paul Wolfowitz (unter Bush II
Vizeverteidigungsminister) und der stellvertretende Staatssekretär im
Verteidigungsministerium Lewis Libby (unter Bush II Stabschef und Nationaler
Sicherheitsberater des Vizepräsidenten).
[37]Unter anderem in The Independent, London 25.9.2002 und junge Welt, Berlin
7. 12.2002
[38] Letter to President Clinton on Iraq, 26.Januar 1998, Webseite des PNAC,
http://www. newamericancentury.org/iraqclintonletter.htm. In ähnlicher Weise
argumentiert der Offene Brief an Clinton vom 19. Februar 1998 des ebenfalls
neokonservativ besetzten "Komitee für Frieden und Sicherheit in der
Golfregion".
[39] Rebuilding America´s Defenses: Strategy, Forces and Resources for a New
Century, September 2000, Webseite des PNAC, http://www.newamericancentury.org/Rebuilding
AmericasDefenses.pdf. Zur Mitautorenschaft von Cheney und Rumsfeld siehe
Jochen Bölsche, "Bushs Masterplan - Der Krieg, der aus dem Think Tank kam",
Der Spiegel, 4. März 2003
[40] Michael Meacher, „This war on terrorism is bogus“, The Guardian,
6.September 2003. Meacher amtierte unter den Laborregierungen Harold Wilson,
James Callaghan und zuletzt Tony Blair (1997-2003) als britischer Minister.
Die Entlarvung des Afghanistan-Kriegsplans findet sich zuerst bei George Arney,
US planned attack on Taleban, BBC News, 18.September 2001 sowie vier Tage
später detaillierter im Guardian.
[41] Rebuilding America´s Defenses..., Seite 63. Großbritanniens Ex-Minister
Meacher, der 9/11 in die Nähe eines „Inside Jobs“ rückt, schlägt in seinem
vorerwähnten Artikel den Bogen zwischen beiden Ereignissen: »Das
Nationalarchiv der USA hat enthüllt, dass Präsident Roosevelt in Bezug auf
Pearl Harbor am 7. 12. 1941 genau diese Taktik angewandt hat. Warnungen über
den bevorstehenden Angriff waren rechtzeitig eingegangen. Die anschließende
nationale Entrüstung (über den japanischen Angriff) überzeugte eine
widerwillige amerikanische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit, sich am
Zweiten Weltkrieg zu beteiligen« Roosevelts Taktik drückt sich vielleicht am
plastischsten in einem Tagebuchvermerk aus, den sein Verteidigungsminister
Henry Stimson am 25.11.1941 nach einer Unterredung mit dem Präsidenten
notierte. »Die Frage war“, schreibt er über die Japaner, „wie man sie in eine
Position manövrieren könnte, in der sie den ersten Schuss abgeben würden, ohne
dass uns allzu viel passiert [...] es war wünschenswert, sicherzustellen, dass
die Japaner dies wären (die den ersten Schuss abgeben), sodass niemand auch
nur den geringsten Zweifel haben könnte, wer der Aggressor war.« Ausführlich
zum Thema z.B. Robert B. Stinnett: Pearl Harbor. Wie die amerikanische
Regierung den Angriff provozierte und 2476 ihrer Bürger sterben liess,
Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2003, (Besprechung auf 3sat)
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