Papst Benedikt XVI. und Bomber-Harris

(R. Heuschneider, Oktober 2010)

   Papst Benedikt XVI      Sir Arthur Travers Harris

Seinen Staatsbesuch in Großbritannien im September 2010 mißbrauchte das Oberhaupt der Katholischen Kirche dazu, seinen Beitrag zur „Nazi-Vergangenheit“ zu leisten:

 

„Papst dankt Briten für den Kampf gegen die Nazis“, und „der Papst würdigte den Widerstand Großbritanniens gegen die ‚Nazi-Tyrannei’, die ‚Gott aus der Gesellschaft entfernen und vielen das allgemeine Menschsein absprechen wollte’„.1

 

Es geht nicht darum, wie Franz Ratzinger, er war Mitglied in Hitlerjugend,   zu dem der Geschichte angehörernden National-sozialismus steht, sondern dass er sich mit dieser, eines Staatsbesuches sachlich völlig unnötigen und unangebrachten Äußerung als „moralische Instanz“, die er als Pontifex maximus beansprucht, auf schändliche Weise disqualifiziert hat. Denn „der Widerstand Großbritanniens gegen die Nazi-Tyrannei“ ist eine Reihenfolge von barbarischen Verbrechen, eine noch nie dagewesene Tyrannei gegen unschuldige deutsche Zivilisten. Oder hat der seltsame Heilige Benedikt das, mittels tausender Phosphorbomben, gewollte und gezielte „Braten“ seiner deutschen Landsleute, das schreckliche Morden von Frauen, Kindern und Alten, von wehrlosen Flüchtlingen in Dresden und fast allen deutschen Städten vergessen? Benedikt ist ein Anhänger der Ankläger gegen sein deutsches Volk, die den Satz prägten: Deutschland ist auch Auschwitz – das zeigte er eilfertig durch seine Reise nach Auschwitz und sein dort erwartungsgemäß zelebriertes Bußritual. Aber wenn Deutschland auch Auschwitz ist, so ist England auch Dresden und Bomber-Harris. Zwischen den perversen Aufrufen jener psychisch kranken deutschen Selbsthasser, die dem Massenmörder Harris mittels Transparenten danken („Bomber Harris Superstar, dir dankt die Antifa“) und ihn zum nochmaligen Massaker bitten („Bomber Harris do it again“) sowie dem Dank und der Würdigung der britischen „Befreiungs“taten durch den Papst, zu denen auch und gerade die singulären Untaten des Bomber-Harris gehören, besteht nur ein gradueller Unterschied. Zu dem vom Papst gewürdigten „Widerstand der Briten gegen die Nazi-Tyrannei“ gehören auch die Lager auf den Rheinwiesen, wo nach dem Kriege ungezählte deutsche Gefangene dem Hungertod aufgeliefert wurden; es gehört auch die britische Schande gegenüber den Kosaken dazu, die auf deutscher Seite gekämpft hatten, auf das Ehrenwort der Briten, sie nicht an Stalin auszuliefern, die Waffen niederlegten und dann dennoch in die Sowjetunion in den sicheren Tod verfrachtet wurden. Es gehört auch dazu die Tragödie des Friedensparlamentärs Rudolf Heß, der 1941 von den Briten gefangengenommen, seitdem fast ein halbes Jahrhundert eingesperrt war und  schließlich am 17. August 1987 von den Briten ermordet wurde.2 Benedikt hat es offengelassen, ob sein Dank an die Briten „gegen die Nazi-Tyrannei“ diesen Mord mit einschließt. Verrat, Treulosigkeit und satanische Mordlust, das war der britische „Kreuzzug“, nicht gegen die „Nazis“, sondern gegen die Wirtschaftsmacht Deutschland, unter der Leitung des Alkohol- und Blutsäufers Winston Churchills, „der den Krieg liebt(e) wie Fliegen das Aas.“3 Dafür dankten ihm gleich nach dem Krieg „Deutsche“ mit dem Aachener Karlspreis, und heute, in der Hölle, wird ihm vielleicht von Luzifer der Dank des „deutschen“ Papstes übermittelt.

 

Nochmals: es geht nicht um eine Wertung des Nationalsozialismus, den kann Benedikt nach eigenem Belieben verdammen (obgleich er sich von den Vorteilen, die das Konkordat von 1933 zwischen den „Nazis“ und dem Vatikan der Katholischen Kirche brachte, nicht trennen will), sondern allein darum, dass der höchste Würdenträger der Katholischen Kirche sich nicht schämt, einen ehemaligen Kriegsgegner seines Volkes zu würdigen, dem millionenfach unschuldiges Blut seiner Landsleute an den Händen klebt. Das ist pervers, genauso pervers, als würde z. B. Katholikos (Oberhaupt der armenischen, gregorianische Kirche) den Türken danken, ungeachtet der Tatsache, was diese vor hundert Jahren seinem armenischen Volk angetan haben; es ist genauso pervers, als würde der Nachfahre eines Negersklaven in Amerika den Nachfahren seiner Sklavenjäger danken, weil sie ihn vom Glauben seiner Väter „befreiten“ und dem „alleinseligmachenden“ Christentum zuführten; genauso haarsträubend, als würde ein Japaner, trotz Hiroshima und Nagasaki, den Amerikanern für die „Befreiung“ danken; genauso hirnrissig und lächerlich, als würde das französische Staatsoberhaupt bei seinem Staatsbesuch in Deutschland, Österreich, Russland oder England den Gastgebern danken, weil sie Frankreich und die Welt von Napoleon bzw. dem Napoleonismus befreit hatten. Solche schier unglaublich dümmlichen Eskapaden bleiben offenbar Deutschen vorbehalten; da will der Papst keine Ausnahme machen. Und im übrigen, warum sollte ein „deutscher“ Papst mehr Würde und Souveränität zeigen als ein „deutscher“ Bundespräsident? Die veröffentlichte Meinung sagt, wo’s langgeht, und wer nicht kuscht wird isoliert, und auch der Papst, als Deutscher, hat Angst, sich mangels Anpassung zu isolieren und sich den Zorn gewisser Kreise zuzuziehen. Die „metus judeorum“, die Angst vor den Juden, hat auch ihn längst erfasst.

 

Warum sich die vormals papsttreue Kirche in England 1534 von Rom trennte und zur Anglikanischen Kirche wurde, ist bekannt. Der hedonistische und bluttriefende englische König, Heinrich VIII. (zwei seiner sechs Ehefrauen ließ er ermorden) sagte sich los vom Papst und setzte sich selbst zum Oberhaupt der Anglikanischen Kirche ein, weil der Pontifex seine, Heinrichs, erste Ehe nicht auflösen wollte bzw. ein Scheidungsbegehren versagte. Daß Benedikt XVI. diese vor einem halben Jahrtausend stattgefundene traurige Ursache zur Kirchen-Abspaltung aus Rücksichtnahme zu seinen Gastgebern nicht erwähnte, versteht sich von selbst. Und selbstverständlich konnte er den noch immer als Held bei den Briten angesehenen Schurken Churchill im nachhinein nicht schelten. Aber deshalb brauchte er auf unsägliche verbale Torheiten nicht zu verzichten: dafür war ihm das deutsche Volk gut bzw. schlecht genug; und politisch korrekt war sein Geschwätz obendrein.

 

Nun sind wir längst „befreit“ vom Nationalsozialismus, und das System, das an seine Stelle gesetzt wurde, muß nach Meinung des Oberhauptes der Katholiken moralisch, sittlich und ethisch besonders wertvoll sein, andernfalls es Benedikt nicht einfallen würde, die bereits vor drei Generationen ausgeführte Zerstörung der „Nazi-Tyrannei“ zu preisen. Wenn ein System durch ein anderes ersetzt wird und das neue System erweist sich in moralischer Hinsicht als Schande, dann wird ein ernstzunehmender Papst den gegenwärtigen Irrweg zu korrigieren suchen, soweit es in seiner Kompetenz liegt und angemessener Laizismus dies zulässt. Verinnerlichen wir uns also einmal die „Segnungen“ des gegenwärtigen Regimes. Hat damals, am 1. 2. 1933, die Deutsche Reichsregierung angekündigt, „das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz zu nehmen“, so haben wir jetzt etwas „besseres“: man spricht zwar noch von Christentum, lebt aber die Holocaustreligion; man spricht zwar noch von Familie, meint aber damit ebenso Les-Bi-Schwule Lebensgemeinschaften; man spricht zwar noch leise von zwei Geschlechtern, die aber als ein Irrweg der Schöpfung zu korrigieren seien und deshalb bereits den Kindern im Kindergarten die neue Schöpfungslehre des „Gender mainstream“ beigebracht werden muß; man spricht von Erhaltung des Lebens und beteiligt sich dennoch an der jährlich hunderttausendfachen Tötung des wehrlosesten Lebens im Mutterleib. Aber den Worten des Papstes zufolge wollten die „Nazis“ „Gott aus der Gesellschaft entfernen“. Vielleicht hat er das vergangene mit dem gegenwärtigen System verwechselt?

 

Ferner wollten die „bösen Nazis“ „das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen“4, wollten  „die Ehrfurcht vor unserer großen Vergangenheit, den Stolz auf unsere alten Traditionen zur Grundlage machen für die Erziehung der deutschen Jugend.“ Auch das haben die von Ratzinger gepriesenen „Befreier“ überwunden: heute ist unser ganzer Stolz, weil es gelungen ist, die Gehirne der deutschen Jugend mit der Behauptung zu vergiften, ihre Großväter nähmen in der Rangliste der Weltverbrecher den ersten Platz ein. Wer das nicht wahrhaben will und durch Forschung zu einem anderen Ergebnis kommt, sich also der Holocaust-Religion nicht unterwerfen will, der wird als „Volksverhetzer“ viele Jahre eingesperrt. Wie sagte doch Herr Ratzinger in seiner Eigenschaft als Papst den Briten? Die Nazis hätten „vielen das allgemeine Menschsein abgesprochen.“ Und den als „Volksverhetzern“ Diffamierten, Verfolgten, Geächteten und schwerstbestraften Dissidenten – spricht man ihnen nicht auch das allgemeine Menschsein ab? Nicht einmal seinen Bruder in Christo, Bischof Richard Williamson, wagt der Papst vor den Nachstellungen der großinquisitorischen Holocaust-Religionslehrer in Schutz zu nehmen. Da schweigt er lieber, der Pontifex maximus, der Brückenbauer. Er bastelt lieber Brücken mit dem Zeitgeist und für den Zeitgeist. Der Zeitraum von fast einem dreiviertel Jahrhundert, seitdem die „Befreier“ auf den „Befreiten“ nun einschlagen und ihm die Würde herausprügeln, genügt dem Papst deutscher Herkunft nicht. Er meint, die Bomber-Harris-Sieger von 1945 weiterhin preisen zu müssen, und das im Namen seines Gottes. „Wer aber in einem Geschöpf die Würde vernichtet, der vernichtet den Schöpfer in ihm. Dies ist der Gottesmord, die Sünde, die bis ans Ende der Zeit nicht vergeben wird.“5

 


 

1      Passauer Neue Presse, 17. 9. 2010

2       Ich sah seinen Mördern in die Augen, Abdallah Melaouhi, 2009, Selbst-Verlag

3        Quelle: National-Zeitung Nr. 35/2010: „David Lloyd George hatte über seinen Nachfolger als Premierminister behauptet: ‚Churchill liebt den Krieg wie die Fliegen das Aas’. Und Stanley Baldwin, langjähriger Regierungschef in der Zwischenkriegszeit, urteilte 1943: ‚An Kriege dachte und vom Kriege träumte Winston sein Leben lang’.“

4    Aufruf der Reichsregierung an das Deutsche Volk vom 1. Februar 1933

5     Die vierzig Tage des Musa Dagh, Franz Werfel