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Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig” Buch 2, Seite 304 Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629
Amerikaner raubten Goldzug, Fürstenschatz, Bankgold und Handschriften Von Rolf Kosiek
Nach der Haager Landkriegsordnung ist das Plündern und Ausraubung der Zivilbevölkerung durch Angehörige einer Besatzungsmacht verboten. Die Alliierten hielten sich 1945 nicht daran und „befreiten“ viele deutsche Zivilisten von Schmuck, Uhren, Ringen, Fahrrädern und anderen Wertsachen. Aber sie raubten auch große Schätze, die ihnen in die Hände fielen, und vor allem Angehörige der US Army bereicherten sich persönlich daran. Über mehrere solche Fälle berichtete das ZDF-Fernsehen(1) am 5. September 2005 – ausgerechnet – zur späten Nachtstunden um 0.15 Uhr.
1 Der ungarische Goldzug
Kurz vor Kriegsende war ein „von flüchtenden ungarischen Faschisten auf die Reise geschickter“(2), mit Schmuck, Teppichen, Gemälden und anderen wertvollen Kunstschätzen mit Eigentumsvermerken aus dem Besitz ungarischer Juden beladener „Goldzug“ im Salzburger Land den Amerikanern in die Hände gefallen und beschlagnahmt worden. Der Inhalt der 24 Eisenbahnwagen wurde zunächst in eine Salzburger Kaserne gebracht. Schon dabei wurde von den Wachmannschafften einiges gestohlen. Der US-General Harry J. Collins, Chef der 42. US-Division und Kommandant der US-Truppen in Salzburg und Oberösterreich, wegen seiner Vergangenheit als Filmschauspieler „Hollywood-Harry“ genannt, residierte nach Kriegsende auf einem nahen Schloß und ließ sich aus dem wertvollen Geschirr (kompletten Tafelservice für 45 Personen) und Kunstgegenstände dorthin bringen. Später war nicht mehr aufzuklären, was er davon bei seiner Rückkehr 1948 in die USA, persönlich mitnahm. Er starb 1963, es kam nie zu einem Verfahren wegen des Raubes. Der Inhalt des Zuges hatte damals einem Schätzwert von 200 Millionen Dollar (heute, 2007, ungefähr 2 Milliarden Dollar). Früh erhoben Wünsche ungarischer Juden, das wegen der vorhandenen Eigentumsvermerke leicht zuzuordnende Gut betrachten zu dürfen und den rechtmäßige Eigentümern zurückzugeben, wurden von der Besatzungsmacht, insbesondere von General Mark Clark, dem US-Hochkommissar für Österreich zurückgewiesen. Wahrheitswidrig, wurde alles als nicht identifizierbar (unidentifiable) erklärt. Später wurde der Rest in New York versteigert, wobei sich noch ein Ertrag von 2 Millionen Dollar erwirtschaften ließ. Alles Übrige blieb verschollen.
In einem Schreiben vom 6. Januar 1949 an das US-Außenministerium stellte die mit der Sicherung der Kunstgegenstände in Österreich beauftragte amerikanische Beamtin Eve Tucker über ähnliche Vorkommnisse unter anderem fest: „Die Salzburger Goldmünzen-Sammlung wurde geplündert, als sie unter Aufsicht der Militärabteilung in Hallein stand, verschiedene Lastwagenladungen wurden durch General Clark aus Schloß Kleßheim für seine Quartier nach Wien gebracht; sieben Gemälde wurden aus der Mine von Lauffen gestohlen, darunter ein Rubens und ein van Dyck, während sie unter Aufsicht von US-Personal standen; sieben wertvolle Stiche, vier davon von Dücker, wurden aus der Salzmine von Alt-Aussee gestohlen(2)“. Das sei alles mit Wissen der jeweiligen Vorgesetzten erfolgt, die nichts dagegen unternommen hätten. Als sie versucht habe, die Diebstähle aufzudecken, „sei ihr von ihren Vorgesetzten jedesmal bedeutet worden, sie handle sich größere Probleme ein(2)“.
2 Der Familienschatz des Fürstenhauses Hessen
Während des Zweiten Weltkrieges war der Familienschatz des Fürstenhauses Hessen, Kronen, Diademe, viele Juwelen und andere Schmuckstücke, zunächst in einem Frankfurter Banktresor eingelagert gewesen. Da dieser Aufenthaltsort wegen der zunehmenden Bombardierungen gegen Kriegsende zu unsicher erschien, wurde der ganze Schatz in einen Keller unter dem großen Turm des Schlosses Kronberg am Taunus verbracht und dort eingemauert, wozu noch eine besondere Blendemauer erstellt wurde. 1945 beschlagnahmte die US Army das Schloß, und es wurde ein Offiziersclub unter der Leitung einer US-Offizierin und ihres Geliebten eingerichtet. Durch Zufall untersuchte ein US-Soldat die Mauer, brach sie auf und fand den Schatz. Mit ihm bedienten sich die beiden Vorgesetzen an Wertsachen, nahmen vieles aus dem Schatz und verkauften es bei mehreren Reisen in der Schweiz und in USA. Als die Sache aufflog, kam es 1946 zu einem spektakulären Prozeß, bei dem die drei Angeklagten Haftstrafen von 3 bis 15 Jahre erhielten. Große Teile des Schatzes blieben jedoch verschwunden, der Rest wurde an das Fürstenhaus zurückgegeben.
3 Das Gold der Reichsbank
1945 fanden US-Einheiten bei ihrem Vormarsch in Deutschland das von Berlin nach Thüringen ausgelagerte Gold der deutschen Reichsbank. Die Soldaten entwendeten viele Goldbarren. Der Vorgang wurde dann von der US-Armee vertuscht und wie anderes unter den Teppich gekehrt.
4 Raub des Quedlinburger Domschatzes
Der Wertvolle mittelalterliche Quedlinburger Domschatz mit unersetzlichen und einmaligen Kunstwerken war von besorgten Deutschen vor den Bombenangriffen in eine Höhle ausgelagert worden. US-Truppen übernahmen 1945 seine Bewachung. Ihr Anführer, der US-Offizier Joe T Meador, ein Kunststudent, erkannte den Wert des ihm anvertrauten Schatzes und schickte davon eine Reihe von Teilen mit der Post in seine Heimat in Texas, wo er die Kunstgegenstände einer Bank als Sicherheit für einen Kredit zugunsten seines Geschäftes in ihren Tresor übergab. Als er 1980 verstarb, erbte seine Schwester die noch vorhandenen Stücke des Schatzes, den diese dann dem Kunstmarkt anbot. Im Jahr 1990 konnten restliche Teile unter Abenteuerlichen Umständen von der deutschen Kulturstiftung der Länder (KSL) für den Quedlinburger Dom für fast 3 Millionen Dollar als „Finderlohn“ zurückgekauft werden. Ein texanisches Gericht sprach der Schwester die Summe als rechtmüßig zu. Mehrere Teile des Domschatzes fehlen noch. Räuber und Hehlerin wurden nicht nur nicht bestraft, sondern dürften sich der Wertes sowie des „Finderlohns“ erfreuen.(3) Ein Teil des Quedlinburger Domschatzes das „Samuhel-Evangeliar“ aus dem 8. Jahrhundert
5 Weiterer Kunstraub
Über den Raub einer Reihe weiterer deutscher Kunstschätze durch alliierte Besatzungsangehörige berichtete Jochen Arp unter der Überschrift „Der Raub des Jahrhunderts“ in der „Jungen Freiheit“(4). Er führte unter andrem an: „Im Februar 1996 wurde drei Originalschriften Martin Luthers dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg aus USA zurückgegeben. Das Manuskript von Robert Schumanns 2. Sinfonie in C-Dur Opus 61 wurde am 1. Dezember 1994 bei Sotheby’s in London versteigert, nachdem es 50 Jahre lang verschollen war. Zwei Dürer-Porträts waren von plündernden US-Soldaten 1945 aus Schloß Schwarzburg in die USA geschafft worden und konnten an den Weimar Museumsdirektor Scheidig nach Gerichtsbeschluss zurückgegeben werden, während andere wertvolle Gemälde u.a. von Lenbach, Caspqar David Friedrich, Lukas Cranach d. Ä. sowie eine wertvolle Münzsammlung aus demselben Schloß verschwunden blieben. Die von Weimar in einen Bunker bei Jena gebrachten Zinksärge Goethes und Schillers waren offensichtlich im Sommer 1945, wahrscheinlich noch unter US-Besatzungsherrschaft, aufgebrochen worden, die sechs auf Goethes Brust befindlichen Orden waren gestohlen. „Ende 1945 plünderten Angehörige der 83. US-Infanteriedivision Kunstdepots im St. Florian-Kloster in Österreich und entführten auf fünf LKW wertvolle Gemälde, antike Möbel sowie einen keltischen Goldschatz.“ „Aus der Universitäts-Bibliothek Leipzig stahlen US-Kulturoffiziere eine Schrift des Aristoteles, die sich seit 1431 im Besitz der Universität befand, sowie eine Gutherberg-Bibel samt 250 Originalbriefen an Erasmus von Rotterdam.“ Britische Truppen plünderten 1945 das Schloß Glücksberg bei Flensburg und entwendeten unter anderem den Familienschmuck des dorthin geflüchteten Herzogs von Mecklenburg. Die Briten brachen auch die Sarkophage in der Krypta des Schlosses mit den Leichen der Vorfahren der schleswig-holsteinischen Herzöge auf und zerrten auf der Suche nach Schmuck die Mumien heraus. Aus anderen Herrenhäusern Schleswig-Holstein oder dem Schloß in Bückeburg transportierten britische Truppen die wertvollen Möbel und Kunstwerke b, die nie wieder auftauchten. Auch hochrangige englische Heerführer bedienten sich: „So nahm der Chef des britischen Generalstabs, Feldmarschall Sir Alan Brook, mit anderen hohen Offizieren kostbare Werke der Bibliothek von Schloß Cecilienhof in Potsdam mit, wie auch Lord Portal, Marschall der Royal Air Force, oder der Herzog von Cunningham, Flottenadmiral der Royal Navy, ihre Privatbibliotheken auf diese Weise ergänzen“. Mehr als 200 auf Anordnung von US-Hochkommissar Lucius D. Clay im Dezember 1945 in die USA geschaffte Gemälde aus Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin mußten im März 1948 auf Druck der Öffentlichkeit und nach Unterstützung durch einige US-Senatoren, insbesondere Senator Fulbright, wieder nach Deutschland zurückgebracht werden.
US-Besatzer mit Kriegsbeute (Nachbildung des Insignien Karls des Großen) Selbst US-Hochkommissar Lucius D Clay kam in Versuchung. Er schrieb dem Pentagon, er wolle die Briefmarkensammlung des Reichspostmuseum in „den Vereinigten Staaten vermarkten.“ Sein Vorhaben scheiterte offenbar am Einspruch einer höheren Instanz. Die acht wertvollsten Marken der Sammlung, darunter eine Blaue Mauritius, landeten später im Tresor des amerikanischen Zoll. Siehe: „Der Spiegel, Nr 25, 2001 S. 153
6 Diebstahl des Hildebrandliedes
Die Handschrift des Hildebrandliedes, des ältesten germanischen Heldenlieds in deutscher Sprache, war im Zweiten Weltkrieg aus der Landesbibliothek Kassel von Bombenangriffen in das ruhigere Bad Wildungen wie auch die kostbare Willehalm-Handschrift gebracht worden.
In einem 2003 erschienenen Buch(5) werden unter anderem dieser Raub und weitere Schicksal der Handschriften genau verfolgt. Es gelang der Verfasserin sogar, den Namen des Diebes, eines US-Offiziers, zu ermitteln. Darüber hinaus bringt sie auch viele weitere Einzelheiten zum US-Kunstraub in den ersten Nachkriegsjahren durch Angehörige der amerikanischen Besatzungstruppen, wobei auch „amerikanische Soldaten bis in die höchsten Ränge“(6) beteiligt waren. Handschrift des Hildebrandliedes, der einzigen erhaltenen Überlieferung germanischer Heldendichtung in deutscher Sprache – ein besonders wertvolles Dokument, da die germanische Heldendichtung ursprünglich fast ausschließlich für die mündliche Überlieferung gedacht war
Anmerkungen 1 Zweites Deutsches Fernsehen, Reihe „History“, Die Sieger und das Nazi-Gold“, am 5. September 2005 um 0 Uhr 15 2 Salzburger Nachrichten, 22 Oktober 1999; siehe auch Hans Janitschek „US-Truppen raubten Judengold“, in Kronen-Zeitung, 16 Oktober 1999 3 Sie dazu Beitrag Nr. 316, „US-Offizier stahl Quedlinburger Domschatz“. 4 Jochen Arp, „Der Raub des Jahrhunderts“, in Junge Freiheit, Nr. 8. 14 Februar 1997 5 Opritsa D Popa, Bibliophiles and Bibliothieves. The Search for the Hildebrabdlied and the Willehalm Codex, de Gruyter, Berlin-New York 2003 6 Besprechung des popa-Buches von Kondrad Wiedemann, “Für ein paar Dollar mehr”, in Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr 21, 26 Januar 2004, S 30.
Lesen Sie auch (englisch): http://www.exulanten.com/plunder.html und weiter hier (auch englisch): http://www.exulanten.com/plundertwo.html
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