Das Münchener Abkommen 1938

 

Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte" von Dr Heinrich Wendig Hefte 1. Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629

 

Sudetenland

Germanische Stämme siedelten seit jeher und vor den Tschechen in Böhmen und Mähren. Das Eegerland kam erst am Ende des Mittelalters (nach 1315) von Bayern an Böhmen. In Prag wurde 1348 die erste deutsche Universität gegründet. Bis 1918/19 gehörten Böhmen und Mähren - das Gebiet der späteren Tschechoslowakei - rund ein ganzes Jahrtausend ohne Unterbrechung zum Deutschen Reich bzw nach 1806 zum deutschen Österreich (Habsburger Monarchie).

Zum Verständnis des Münchener Abkommen (MA) müssen einige geschichtliche Tatsachen genannt werden.

Durch das Diktat von Saint-Germain 1919 sind die sudetendeutschen Gebiete(1) der Republik Deutsch-Österreich entzogen und der neugebildeten Tschecho-Slowakei zugeschlagen worden. 3,5 Millionen Deutschen wurde gegen ihren ausdrücklichen geäußerten Willen(2) und gewaltsam(3) in das neue Staatsgebilde einverleibt.. Aus diesen Gründen wurde ein Minderheitenschutzvertrag(4) geschaffen, der allerdings nur auf dem Papier stand. Nicht nur die Deutschen, auch Ungarn und Polen wurden von den Tschechen, die zahlenmäßig nicht absolute Mehrheit im Staate hatten, unterdrückt. So wurde auch der Vertrag der Tschechen mit den Slowaken - am 30. Mai 1918 in Pittsburg/USA von Masaryk und Exilslowaken unterschrieben -, der den Slowaken u.a. ein eigenes Parlament und die slowakische Amtssprache zubilligte, niemals eingehalten.

 

Jan Masaryk, Jude sein Vater hieß Redlicch

 

 

 

Nach Gründung des tschechischen Staates traten auf sudetendeutscher Seite verschiedene Parteien auf. Für das Parlament in Prag gewannen Mandate; Sozialdemokraten, die Deutsche Christliche Partei, der Bund der Landwirte, die Deutsche Nationalpartei und die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP)(5).

     Konrad Henlein                       

                           

Einem anderen Weg ging der Turnlehrer Konrad Henlein (1898 - 1945) mit seiner völkischen Turnerbewegung. Im Herbste 1933 wechselte er in die Politik über und gründete am 1 Oktober 1933 in Eger die "Sudetendeutsche Heimatfront"(6), die sich zu den Parlamentswahlen in Sudetendeutschlande Partei umbenennen mußte und im Mai 1935 die stärkste Partei des Staates wurde. Henlein telegraphierte dem Präsidenten Masaryk seine Bereitschaft zur Mitarbeit um Staate, wurde jedoch keiner Antwort gewürdigt(7).

Nach dem Anschluß Österreich an das Reich ergab sich auch für die Sudetendeutschen eine veränderte Lage. Die Partei Henleins wuchs sehr schnell, auch aufgrund wirtschaftlicher Not in der Tschecho-Slowakei (von 800.000 Arbeitslosen waren 500.000 Sudetendeutsche). Außerdem hatte Henlein Verbindungen zu englischen und später auch zu französischen Politikern aufgenommen(8).

Im Laufe des Jahres 1938 kam es zu Spannungen zwischen der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reich. Vom allem die provokante tschechische Monlimachung vom 20. Mai 1938 verschärfte die Krise. Das Besondere im Jahre 1938 war, daß sich die englische Führung stark engagierte. Hitler forderte ein Ende des Terrors gegen die Sudetendeutschen. Nicht nur die Deutschen, auch die Slowaken, Polen, Ungarn und Ruthenen forderten ihre Rechte! Der Nationalitätenstaat Tschecho-Slowakei erzitterte in seinem Fundament.

Schon Ende Februar 1938 tauchte die Forderung der Slowaken nach Loslösung von Prag auf. Am 28. Mai 1938 brachte eine Abordnung von Slowaken aus den USA das Original des Pittsburger Vertrages mit. Im August 1938 erklärte die Slowakische Volkspartei, die Tschechen vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagen zu wollen. Auch die Polen forderten in schärfer Form die Rückgabe des Olsa-Gebietes.

Nachdem Lord Runciman als offiziöser Vertreter Englands im August und September 1938 einen mehrwöchigen Informationsbesuch in der Tschechoslowakei gemacht hatte, trat er für die Abtretung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich ein(9). Am 158 September traf sich Chamberlain mit Hitler auf dem Obersalzberg und befürwortete offiziell die Abtretung des Sudetenlandes.

                                                                                            Der Jude  Eduard Benesch/Benisch

 

 

 

Heute sind die lange geheimgehaltenen "Necas-Dokumente" bekannt, so genannt nach dem damaligen Sozialminister der Regierung Benesch, Jaromir Necas. Dieser war Mitte September 1938 in Paris und hatte Anweisung von Benesch zu einem geheimen Angebot Prags an die Westmächte. Die Weisungen lauteten im wesentlichen:

1 "Niemals erlauben, daß gesagte wird, der Plan komme von der Tschechoslowakei                                                                         

2 Er (d.h. der Plan) muß äußerst geheimgehalten werden, veröffentlicht werden darf nichts.

3 Er mußte nach genauer Abgrenzung des Gebiets, das wir abtreten könnten, durch uns insgeheim zwischen Frankreich und England vereinbart werden, ad die Gefahr besteht, daß sich jene beiden Mächte im Augenblick, da wir den Grundsatz der Gebietshingabe zulassen, Hitler gegenüber nachgiebig zeigen und alles geben.

4 Der ganze Plan muß Hitler als in sich geschlossene Einheit und letzte Konzession vorgelegt und ihm, zusammen mit anderen Konzessionen aufgezwungen werden.

5 Das würde bedeuten, daß Deutschland so und soviel tausend qkm Gebiet unter der Bedingung erhält, daß es wenigsten 1,5 bis 2 Millionen der deutschen Bevölkerung übernimmt"

Geheimbrief des tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš: Teilabtretung bei gleichzeitiger Massenvertreibung (RjH)

http://www.mitteleuropa.de/necas01.htm

Am 17. September 1938 übermittelte Necas dieses Geheimangebot nach London und paris, und am 21 September 1938 war nach entsprechendem englische-Französischem Druck von der Öffentlichkeit die Zustimmung von Benesch bei den Westmächten.

In München wurden dann von den vier Großmächten am 29 September 1938 nur noch die Moralitäten Abkommens wird darauf ausdrücklich hingewiesen: "Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien und unter Berücksichtigung des Abkommens, das hinsichtlich der Abtretung des sudetendeutschen Gebietes bereits grundsätzlich erzielt wurde, über folgende Bedingungen und Moralitäten dieser Abtretung — übereingekommen."

Benesch hatte auch den Vorschlag der Engländer von sich gewiesen, eine Volksabstimmung in den abzutretenden Gebieten durchzuführen. Er fürchtete (berechtigterweise) eine Blamage(10)!  
So war die Tschechoslowakei zu dieser Gebietabtreibung freiwillig bereit gewesen.  Sie stimmte dann auch dem Münchener Abkommen zu. Daß es unter diplomatischen Druck zustande kam, hat es mit den meisten völkerrechtlichen Abmachungen gemein. Sogar die Nürnberger Rachejustiz hat 1945/46 das Münchener Abkommen anerkannt, es als rechtskräftigen Vertrag angesehen und seine Verletzung angeklagt. Dem Nürnberger Rachetribunal ist auch die Tschechoslowakei beigetreten, eine nicht unwichtige Tatsache für den Gesamtkomplex.
 

Entgegen diesen historisch einwandfrei anerkannten Tatsachen behaupten der tschechische Botschafter in Bonn noch am 29 Oktober 1988 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Das Münchener Abkommen vom 29 September 1938 ist der Tschechoslowakischen Republik vom Naziregime unter der Drohung der Gewalt aufgezwungen worden, wobei es für unermeßliche moralische und materielle Schäden verursachte. Es wurde ohne Teilnahme der Tschechoslowakei und wider ihren Willen vereinbart".

 

Anmerkungen

1 Der Begriff "Sudetendeutsche" erschient zum erstenmal 1902, vom sudetendeutschen Politiker Franz Jesse geprägt.

2 Sudetendeutscher Rat (Hrsg): "München 1938 - Dokumente sprechen". Universität Buchdruckerei, München 1964, auch: "Reinhard Poroerny: "Wir suchen die Freiheit". Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung. Vlotho 1978

3 Am 5 März 1910 wurden in mehreren Städten des Sudetenland 54 Sudetendeutsche bei friedlichen Demonstrationen für die Selbstbestimmungsrecht und den Anschluß an Deutsch-Österreich von tschechischen Militär erschossen, viele Hunderte wurden verletzt.

4 Traité entre les Etats-Unis d’Amerique. L’Empire britannique, la France, L’Italie, et le Japan et la Tschécoslowakquie, unterzeichnet am 10 September 1919 in Germain-en-Laye

5 Am 15 November 1903 wurde von Burschofsky, Knirsch und Ciller die "Deutsche Arbeiterpartei" gegründet, die am 15 Mai 1918 in "Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP)" umbenannt wurde. Vgl. Georg Franz-Willing: "Ursprung der Hitlerbewegung, 1919 - 1922", Verlag K. W. Schütz, Preuß, Oldendorf(2) 1974

6 Konrad Henlein wurde am 6 Mai 1898 in Maffensdorf in Sudetenland geboren. Er besuchte später in Gablonz die Handelsakademie, geriet 1917 in Gefangenschaft, aus der er 1919 entlassen wurde. Im der schändlichen Behandlung zu entgehen, wählte er am 10 Mai 1945 nach Eröffnung der bevorstehenden Auslieferung an die Tschechen in einem US-Gefangenenlager in Rotzikau bei Pilsen den Freitot. Vgl R. Zascher "Konrad Henlein. Ein Lebensbild", Verlag Emil Elster, Kaufbeuren-Neugablonz 1983

7 Viktor Aschenbrenner: "Sudetenland. Ein Überblick über seine Geschichte". Verlag Neue Schule, Bad Reichenhall o. J. S 96

8 H.G.D. Laffen: "The Crisis over Czchoslowakia Jamuary to September 1938", 2 Bde, Oxford University Press, London 1951. Hermann Raschhofer: "Die Sudetenfrage" Isar Verlag, München 1953

9 "Times" (London) vom 7 September 1938

10 Edvard Benes: ""Détruisez l’Austriche-Hongrie" Libraire Delagrave, Paris 1918. Dieses Buch schrieb Benesch im französische Exil und forderte darin die Zerstörung des bewährten Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Sein Vielvölkerstaat Tschecho-Slowakei erfuhr 1938/39 dann das gleiche Schicksal Ironie der Geschichte!

 

 

"Arnold Wilson, konservativer Abgeordneter, im britischen Unterhaus am 31. Juli 1939: "Ich hoffe, wir werden nicht genötigt sein, den englischen-russischen Pakt blindlings zu unterschreiben, nur ..... um einen Vertrag zu haben. ... Rußland verlangt, daß seine Truppen durch polnisches und rumänisches Gebiet marschieren können, eine Aussicht, die diese Länder wahrscheinlich als unannehmbar ansehen werden".

Martin Gilnert: "Britain and Germany between the wars"

Longmans, London 1964

 

„Folgendes wir in verschiedenen Lexika zu einigen Schlüsselthemen berichtet:“

Encyclopaedia Britannica 2000

Benesch
Bohemia
Henlein
Masaryk
Moravia
Munich Agreement
Sudentenland
The Holly Roman Reich German Nations


Bertelsmann Unvversal Lexikon

Benesch
Böhmen
Heilige Römische Reich Deutsche Nationen
Henlein
Masaryk
Münchener Abkommen
Sudeten
Sudetenland