Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig” Band 2, Seite 252. Herausgegeben 2007 von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629

 

 

Das Massaker von Lippach

 

 

In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 geriet der kleine Ort Lippach nordöstlich von Lauchheim (etwas 10 Kilometer ostwärts der Kreisstadt Aalen im östlichen Baden-Württemberg) zwischen die Mahlsteine des Krieges.  Die aus dem Rückzug befindlichen deutschen Truppen nahmen kurz Quartier, zogen aber nach Süden ab.  Am 21. April 1945 kam als letzte Nachhut eine rund 300 Mann starke Einheit der Waffen SS und bezog Verteidigungsstellung am Ortsrand und im vorgelagerten Gelände.  Es waren vorwiegend junge Soldaten zwischen 16 und 18 Jahren.

 

Am Sonntag, dem 22. April, rollten amerikanische Panzer, von Norden kommend, an und beschossen das Dorf.  Die eingesetzten deutschen Soldaten erkannten nach kurzem Versuch der Verteidigung bald die Zwecklosigkeit eines Widerstandes gegen Panzer, und die Truppe zog sich in südliche Richtung zurück.  Dabei – so schriebt der Chronist – seinen 36 Soldaten gefallen.  Dies stimmt leider nicht hinsichtlich des Wortes „gefallen“, denn die meisten wurden nachweislich von amerikanischen Soldaten ermordet.

 

Augenzeugen aus Lippach berichten, daß gegen 13 Uhr die Amerikaner in das Dorf einrückten und offenbar nicht allen deutschen Soldaten ein rechtzeitiges Absetzen gelungen war.  Dann versuchten einige der deutschen Soldaten, über die Gärten zu entkommen, was aber nur wenigen gelangen.  Einer dieser Männer wurde auf der Flucht erschossen, ein anderer gefangengenommen.   Die folgenden Ereignisse wurden von einem Dorfbewohner beobachtet:  Der Soldat wurde bei seiner Gefangennahme so brutal geprügelt, daß er mehrfach zusammenbrach.  Als er sich nicht mehr erheben konnte, wurde ihm mit dem Gewehrkolben der Schädel eingeschlagen und anschließend ein Seitengewehr durch die Brust geschoßen, welches den Körper bis ins Erdreich durchdrang.

 

Am Nachmittag, gegen 16 Uhr, trieben etwa 20 bis 25 betrunkene schwarze Soldaten unter Gejohle und Musikbegleitung sechs junge deutsche Soldaten vor sich her.  Sie wurden mit erhobenen Händen die Dorfstraße entlang zum Friedhof gejagt.  Ein  Augenzeuge berichtet, daß sie ab und zu in den Stra0engraben geprügelt wurden, aus dem sie sich dann, blutig geschlagen, wieder mühsam aufrappelten.  Wo der Weg zum Friedhof die Stationen des Kreuzweges erreicht, feuerten die Amerikaner mehrfach in die Luft und schlugen dann den sechs deutschen Soldaten die Schädel ein.  Tags darauf wurden die Toten geborgen.  Sie hatten nur eingeschlagene Köpfe, aber keine Schußwunde.

 

Im Haus Nr- 51 eines Landwirts wurden zwei gefangene Soldaten von betrunkenen Negern in die Scheune des Bauern geführt.  Dort legte man sie auf den Tisch der Kreissäge in der Absicht, sie bei lebendigem Leib zu zersägen.  Als dies wegen Stromausfalls mißlang, schossen die Bewacher die beiden Deutschen einfach über dem Haufen.   Einer verstarb nach einigen Stunden, der andere wurde für tot gehalten und in die Hecke hinter dem Gehöft geworfen.  Dort wurde er, von Schüssen durchsiebt, gefunden und notdürftig verbunden.  Nach Aussage einer4 Lippacherin veranlaßtre am folgenden Tag ein amerikanischer schwarzer Offizier, daß der Schwerverwundete in ein Lazarett kam.

 

Gegen Abend verließen die US-Truppen den Ort bis auf einige Soldaten, darunter auch der schon genannte Offizier.  Dieser Offizier veranlaßte die Bergung und Beerdigung der Toten.  Auf der Schafweide fand man noch etwa 10 tote deutsche Soldaten, keiner habe eine Waffe gehabt, dagegen war die Hälfte mit einem Kopfschuß niedergestreckt.  Am Ortsausgang, Richtung Baldern, lagen weitere vier unbewaffnete deutsche Soldaten auf freiem Feld, viele Meter von ihren Schützenlöchern entfernt.  Die Waffen lagen noch in ihrer Stellung, die Soldaten waren von hinten erschossen worden.

 

Der Vollständigkeit halber sei noch berichtet, daß an diesem Sonntag, dem 22 April 1945, in Lippach etwas 20 Frauen im Alter zwischen 17 und 40 Jahren von Angehörigen der US-Truppen vergewaltigt wurden.  Darunter waren auch einige schwangere Frauen.  Dieses Geschehen, dazu sechsunddreißig tote deutsche Soldaten, von denen einige brutal ermordet wurden, wurde Jahrzehnte lang weitgehend verschwiegen.

 

Der erwähnte Vorgang hatte ein Nachspiel: „Pershing-General Haddock besucht Massaker-Grab“ waren die örtlichen Schlagzeilen im August 1986.  Dieser General, Kommandeur der US-Pershing-Einheit in Europa, hörte von diesem fall und „ließ in den USA nachforschen.  Die Fakten sind unbestritten, ein Verfahren gegen die US-Soldaten hat es übrigens nie gegeben.“  (Frankfurter Rundschau“, 16. August 1986).  General Haddock sprach sein Bedauern über die Vorgänge von 1945 aus.  Derartige Exzesse kämen leider in jedem Krieg vor, das Geschehen ließe sich aber leider nicht rückgängig machen.  Er könne, über Gräber hinweg, nur um Freudschaft bitten.

 

Soweit gut und richtig – wäre (!) so etwas alliierten Rachejustiz die Todesstrafe erhalten; amerikanische Soldaten aber gingen und gehen straffrei aus.  Und das deutsche Fernsehen zeigt in den weitaus überwiegenden Fällen nur Deutsche als Täter, selbst wenn dafür die geschichtliche Wahrheit verbogen werden muß.

 

 

 

Quellen: 

Aussagen mehrerer Ortsbewohner, Namen dem Verfasser bekannt; „Sturmfeder, Gmünder Literaturzeitschrift“ Nr. 3, 1. Jg., April – Mai 1981, S. 58 – 66;  „Der Freiwillige, Nr 4, 1982, S. 16F;  „Schwäbische Post“, Aalen, 20 April 1985;  „Aalener Volkszeitung“, Aalen, 26. U. 30 November 1985;  „Südmährisches Jahrbuch 2004“ mit eiben Erlebnisbericht;  „National-Zeitung“, 28 Oktober 2005

 

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