Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große  Wendig” Band 2 Seite . Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629

 

Reparationen: Diebstahl geistigen Eigentums

von Claus Nordbruch

 

Immer wieder stößt man im Schrifttum über das Dritte Reich auf die Behauptung, die deutsche Geisteselite habe nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 Deutschland verlassen und sei ins Exil gegangen.  Angesichts der Tatsache, daß die Alliierten bereits vor und erst recht nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht im Mai 1945 Tausende von deutschen Wissenschaftlern, Facharbeitern und Intelektuellen entführt und Zehntausende von Erfindungen, Entdeckungen, Warenzeichen, Patente, Forschungsergebnisse und anderes geistigen Eigentum gestohlen haben, scheint er fraglich, ob sich diese Behauptung nach einer sachlichen Bestandsaufnahme halten läßt.

 

Unmittelbar hinter den kämpfenden alliierten Truppen rückten 1945 anglo-amerikanische Verbände unter der Bezeichnung CIOS nach. Diese unter Führung des amerikanischen Offizier Ted Beets und dem vom britischen Versorgungsamt abgestellten R. F. Sinsteed stehenden Verbände hatten die Aufgabe, im Deutschen Reich geistiges Eigentum zu sichten und sich gegebenenfalls anzueignen.  Darüber hinaus hatten die CIOS-Truppen den Auftrag, die deutsche Intelligenzschicht an einer etwaigen Flucht ins Ausland zu hindern(1).  Die CIOS-Einheiten setzten sich aus 10.000 Technikern und Wissenschaftlern zusammen, die in 3.000 Gruppenverbänden in über 33.000 deutsche Fabriken, Universitäten, Laboratorien, Bibliotheken und Büros eindrangen und tonnenweise Dokumente, Materialproben, Warenzeichen, Patentschriften und Maschinen beschlagnahmten, deutsches Spitzenpersonal verhörten und verschleppen ließen(2).  Allein im Reichspatentamt wurden 186.000 Akten gestohlen(3).

 

Beschlagnahm, gestohlen und geplündert wurde grundsätzlich in allen Gebieten, auf denen  Deutsche forschten, entwickelten und arbeiteten - also im Prinzip überall.  Der britische “News Chronicles” gab am 21 Februar 1946 einen ersten Überblick.  Unter der Überschrift “Deutschland hat seine militärischen Reichtürmer aufdecken müssen” wurden viele der erbeuteten deutschen Geistesschätze aufgelistet, wobei es auffallend ist, daß diese Reichtürmer weit wenigere militärischer als viel mehr medizinischer, technischer und naturwissenschaftlicher Art waren.  Darunter befanden sich beispielsweise Erfindungen und Anleitungen zur Herstellung von syndetischem Triebstoff, syndetischem Gummi, synthetischen Schmierölen, zu synthetischen Faser- und Textilherstellung, Dieselmotoren, Optiker, schweren Druckpressen, Windkanälen, in denen Geschwindigkeiten von über  8.000 km/h erreicht wurden, Infrarot Zielgeräten, Kassettenrecordern, elektrischen Kondensatoren, haltbaren Fruchtsäften, Maschinen zum Einwickeln von Schokolade, Holzzucker, synthetischen Saphiren für Uhren, synthetischen Glimmer, laufmaschenfreien, gehbeständigen Damenstrümpfen, Buttermaschinen, die 1500 Pfund Butter pro Stunde ausstießen, Quarzuhren, Zelluloseprodukten, einer Vielzahl pharmazeutischer Produkte, Insektiziden, Zyanamiden als Rostschutzfarbe und als Ersatz für Zinkchrom, Kunstleder, Plastik, Farbphotographie, Nähnadeln, einer unüberschaubaren Anzahl von Präzessionsgeräten, Frostschutzmitteln und tausend anderen Entdeckungen auf  chemischen, physikalischen, technologischen und elektronischen Gebieten, auf denen die Deutschen allen anderen Nationen um Klassen, sprich um fünf, zehn oder noch mehr Jahren in der Entwicklung voran waren.  Es war eine geradezu unvorstellbare, faszinierende Welt, die sich den Alliierten in den Verhören und Gesprächen mit der deutschen Intelligenz eröffnete.   Die Deutschen “sprachen über Reisen in den Weltraum, über interkontinentale ballastische Raketen, künstliche Satelliten und andere nicht weniger phantastische Pläne, wie zum Beispiel der Einrichtung einer “Rauminsel”, auf der ein riesiger Auffangspiegel angebracht würde, der die Sonnenstrahlen sammeln und auf die Erde gebündelt weiterleiten sollte(4).

  Deutsche Flugscheibe von Typ Haunebu 3, erreichte eine Geschwindigkeit von 7000 km/h

 

 

 

Erst recht auf dem Gebiet der Waffen- und Raketentechnik war das Deutsche Reich  seinen alliierten Gegnern unvorstellbar weit voraus.  Fernlenkung für Raketen und Torpedos, Infrarot, Ultraschall, alle Methoden des Düsenantriebs, Hubschrauber und Raketen waren bekannt.  Die Deutschen hatten Flugzeuge, Marschflugkörper und sogenannte Flugscheiben entwickelt, die Geschwindigkeiten erreichten, die man in allgemeinen nicht für möglich hielt; Spitzenwerke bis zu unglaublichen 8.000 km/h waren erreicht worden.  Selber auf den ausgefallensten Gebieten, die heute nicht nur Homöopathen und Esoteriker begeistern, war das nationalsozialistische Deutschland in der Forschung allen anderen weit überlegen.  Diesbezüglich sind beispielsweise Untersuchungen zu nennen, die a, Kaiser Wilhelm-Institut für Biophysik in Frankfurt/Main durchgeführt wurden: “Diese betrafen die Beziehungen von elektronisch geladener Luft auf die Gesundheit.  Positiv geladener Luft wurde als gefährlich für das menschliche Wohlbefinden festgestellt, weil es Unbehagen und Depressionen, beispielsweise bei fallenden Luftdruck, verursacht.  Bei manchen Personen, so wurde befunden, brachte positiv geladene Luft Asthma, Heufieber und nervöse Erscheinungen.   Der Blutdruck stieg dabei an den Gefahrenpunkt.  Sie verursacht die Symptome, wie sie bei Bergkrankheiten bekannt sind: erschwerte und schnelle Atmung, Schwindel, Ermüdung, Schlaflosigkeit und dergleichen.  Negativ geladene Luft bewirkte das Gegenteil.  Sie wirkte erheiternd, ein Gefühl von Geistesfreiheit und Wohlbefinden.   Gemütsdepressionen wurden dadurch beseitigt.  In pathologischen Fällen beruhigt sie die Atmung, reduziert hohen Blutdruck. beachte ein Auslöschen von Allergien und Asthma.  Die Wichtigkeit negativ geladener Luft ist de, wo menschliche Wesen leben und arbeiten oder von Krankheit Erholung suchen.  Die Schaffung dieser Luftbedingungen wird eines Tages zur Hauptaufgabe werden”(5) Den Deutschen war also nicht anderes gelungen, als die Atemluft mit künstlichen Zusätzen zu versehen, so daß beim Menschen je nach Bedarf Gelassenheit oder Furcht, Verdruß oder Optimismus, Freude oder Niedergeschlagenheit hervorgerufen werden könnten(6).

 

Im April 1945 stießen Soldaten der 1 US-Infanteriedivision in Volkenröde bei Braunschweig auf das Luftfahrtforschungsínstitut Herman Göring, dem modernsten Institut seiner Art auf der Welt.   Die Amerikaner waren perplex: “Die bloße Fülle und hervorragende Qualität der Instrumente, Werkzeuge und Testvorrichtungen war überwältigend.  In der aerodynamischen Abteilung gab es Windkanäle für niedrige Geschwindigkeiten, für den Unterschall-, den Überschall- und den transsonischen Bereich.  Die Triebwerksabteilung war mit einer Kamera ausgestattet, die eintausend Bilder pro Sekunde aufnehmen konnte, um zu untersuchen, wie sich eine Flamme aufbaut; in einer Unterdruckkammer konnte man in einer Höhe von fünfzehn Kilometer herrschenden Bedingungen simulieren.   Die Waffenabteilung besaß zwei vierhundert Meter lange Schießtunnels, in denen die Auswirkungen vom Seitenwindgeschwindigkeiten bis zu achthundert Stundenkilometer auf fliegende Raketen untersucht wurden.(7)”    Diese und unzählige andere überwältigende Beweise der Überlegenheit der deutschen Forschung galt es, für die Amerikaner zu vereinnahmen und damit unschätzbare Forschungsgelder und unermeßlich viel wertvolle Zeit einzusparen.   Was die Amerikaner übrig ließen, wurde 1946 von den Engländern geplündert. abgebaut und nach Britannien verfrachtet. Auf diese Weise entstanden auf der Insel die vier hoch modernen Luftfahrtforschungszentren Farnborough, Bedford und Fort Halstead. 

 

Ein unverdächtiger Zeitzeuge, der amerikanische Journalist C. Lester Walkerm verfaßte ein halbes Jahr nach diesen in Britannian veröffentlichen Sensationsmeldungen in der amerikanischen Monatszeitschrift “Harper’s Magazin” einen ausführlichen Beitrag unter dem Titel “Secrets bz the Thousands” in dem er weitere Einzelheiten bekanntgab.   In diesem Artikel beschreibt er die umfangreiche Arbeit und Aufgaben eines amerikanischen Spezialkommandos auf der Suche nach deutschen Patenten- und Fabrikationsgeheimnissen.  Diese Kommandos wurden fündig und eigneten sich nicht weniger als 150.000 Tonnen geheimes Aktenmaterial an, daß zur Auswertung in die USA verbracht wurde.  ES mußte eigens ein neues Wörterbuch zur Klärung von 40.000 Fachausdrücken angelegt werden.  Der größte Teil der Akten hatte mit Rüstung und Kriegswesen nichts zu tun.  (Alle im folgenden kursiv wiedergegebenen Zitate entstammen Walkers Artikel.)

 

Die Herstellung von Nylon-Strümpfen geht auf die Synthese einer Polyamid-Faser bei der US-Firma DuPont im Jahre 1932 zurück.  Verfahren und Maschinen zur schnelleren und damit preisgünstigeren Fertigung erfanden allerdings die Deutschen.

 

 

Die Deutschen, gemeinhin als “The Nazis” bezeichnet, entdeckten einfärbige Kunstfasern mit Wolleigenschaften, künstlichen Glimmer, hochleistungsfähige Buttermaschinen und Brotbäckereien, künstliches Blutplasma und Plattenspieler, die zehn Platten automatisch wechseln konnten.  Die mit großer Bewunderung entdeckten Infrarot-Nachtsichtgeräte haben sie sofort gegen die Japaner eingesetzt ebenso wie das Verfahren, durch Unterkühlung Todgeweihte wieder zum Leben zu erwecken.  Sie entdeckten plastikähnliche Rollen (Magnetophone tape), die auf einer Seite mit Eisenoxid metallisiert worden waren, auf denen man das Radioprogramm eines ganzen Tages speichern konnte - ohne Nadel und ohne störende Nebengeräusche.   Bei den IG Farben fanden sie 50.000 Rezepte für Farben, die sie selbst bis dahin nicht herstellen konnten.  Eine andere Neuheit war Hefe, die man in unbegrenzten Mengen herstellen konnte, die höhere Temperatur aushielt und mehr Protein und Kalorien enthielt als Rindfleisch.  Es gab revolutionierende Maschinen zur Herstellung von Nadeln oder zur Herstellung von laufmaschenfreien damenstrümpfen.   In der ganze Welt gab es keine vergleichbare Methode wie die deutsche zur Massenherstellung von Käse.  Man entdeckte die kleinsten und unzerstörbaren (virtually indestructible) Kondensatoren ebenso wie die Pasteurisierung von Milch ultraviolette Bestrahlungen, was man in den USA bisher vergeblich versucht hatten.

 

Nicht unerwähnt bleiben darf die sensationelle deutsche Erfindung der Infrarot-Einrichtung, nit denen Hilfe es möglich geworden war, nachts zu sehen.  Deutsche Wagen konnten mit jeder Schnelligkeit in totaler Finsternis fahren und dabei Gegenstände zweihundert Meter weit voraus klar wie am Tage sehen.  Panzer mit dieser Einrichtung konnten zwei Meilen entfernte Tafeln erkennen.  Ein deutscher Schütze konnte mit Hilfe eines Infrarot-Zielfernrohrs einen Feind in totaler Finsternis abschießen(8).  Die Amerikaner wendeten dieses erbeutete Geheimnis zum ersten Mal in der Schlacht um Okinawa (April-Juni 1945) nit durchschlagendem Erfolg an.

 

Auch im Bereich der Medizin hatten die Deutschen revolutionäre Wege beschrieben.   Beispielsweise hatten deutsche Medizin einen Weg entdeckt, synthetisches Blutplasma herzustellen.  Dieses “Capain” glich im Ergebnis natürlichem Plasma.  Eine weitere Entdeckung war “Periston”, ein Ersatz für Blutverflüssigkeit.  Eine andere Oxydationsprodukt von Adrenalin (adrenichtome) wurde in Mengen erfolgreich von den Deutschen (the Nazi) zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks hergestellt.  “Daran sterben in den USA jährlich 700.000 Personen, die Bevölkerung damit zu versorgen”, wie Walker stolz verkündete.

 

Es war zunächst nur Gerüchte, daß die “Naziwissenschaftler” (Nazi scientists) Versuchspersonen zu Tode gefroren hätten, um sie dann durch neuartige Methoden wieder zum Leben zu erwecken.  Schließlich fanden die amerikanischen Gebirgsjäger (Michael Bar-Zonat) vier “Naziärzte” in einem Laboratorium des Instituts für Luftfahrtmedizin auf Gut Hirschau in Bayern.  Ein amerikanischer Medizin -Corps-Major, Leo Alexander, verhärte im Juni 1945 die Ärzte, um herauszufinden, ob sie Menschen für diese Versuche geopfert wurden.  Die Sachlage blieb ungeklärt, zumal Laboratoriumsausrüstungen für Kleinlebewesen zwar sorgfällig aufbewahrt, alle Ausrüstungen für Großlebewesen jedoch zerstört waren.    Notizen oder Aufzeichnungen über Menschenversuche waren nicht zu finden.  Da brachte das alliierte Radio eine schreckliche Meldung über Konzentrationslager Dachau, wo Untersuchungen an Gefangenen durchgeführt worden sein, die der Kälte ausgesetzt worden wären.  Der Rundfunk nannte als verantwortlichen Leiter den SS-Arzt Dr Siegmund Rascher.   Alexander reiste zur 7. amerikanischen Armee, die für die dortige Gegend zuständig war und im Ruf stand, allerlei geheime Dokumente aus den Beständigen der Schutzstaffel erbeutet zu haben.  Tatsächlich stieß Alexander auf einen vollständigen Schlußbericht an Reichsführer-SS Heinrich Himmler persönlich.  In diesem war von sieben Personen die Rede, die nackt in Eiswasser getaucht wurden, bis sie ihr Bewußtsein verloren.  In dieser Zeit wurden fortlaufende Messungen gemacht.  Reaktionen der Haut, innere Magentemperatur, Puls, Blutzucker, Blutkörperchen, Urin, Rückenmarkflüssigkeit usw, Innerhalb von 53 bis 106 Minuten waren diese Versuchspersonen gestorben.   Die Alliierten betrachteten diesen Bericht als Eingeständnis für sieben Morde.  Diese Behauptung ist jedoch irreführend, da es den deutschen Wissenschaftlern gelungen war, die klinisch Toten (völlig Stillstand des Herzens und Aufhören der Atmung) durch sofortiges Untertauchen in heißen Wasser (122 Grad Fahrenheit gleich 50 Grad Celsius) wiederzubeleben.  (In every one of the dread experiment the subject were successfully revived, bot temporarily and permanently, by immediate in hot water.) 

 

Auch diese für Armee so wichtige Erforschung wurde sogleich an ie noch gegen Japan kämpfende Truppe weitergegeben, um abgeschossene Flieger nach tödlicher Unterkühlung noch zu retten.  Gerade diese Unterkühlungsversuche ersparten der amerikanischen Medizinforschung, wie ein Militärchirurg der US-Armee bemerkte, viele Jahre der Untersuchungen.  Die deutsche Technik für Behandlung nach längeren und gewöhnlich tödlichen Aussetzung in der Kälte (the Germans technique for treatment after prolonged and usually fatal exposure to cold) sei revolutionierend (revolutionary) gewesen.  Heute sei diese Methode als Behandlung für unterkühlte Opfer durch alle amerikabischen Luft- und Seerettungsdienste übernommen und sei allgemein in der heutigen Wissenschaft anerkannt(9).

 

Diesen Erläuterungen hinzuzufügen ist lediglich, daß es kein Geheimnis war, daß im Dritten Reich Menschenversuche durchgeführt wurden.  Hierbei ist allerdings hervorzuheben, daß für  diese Versuche Freiwillige ausgesucht worden.  Sofern es sich hier um Konzentrationslagerhäftlinge handelte wurde diese vor den Untersuchungen und Versuchen über etwaige Risiken informiert.  Ihnen wurde Hafterleichterungen, Haftverkürzungen oder auch sofortige Haftentlassung in Aussicht gestellt.  Die Unterkühlungsexperimentente wurden zuvor an Kleintieren erprobt, bevor sie an Menschen angewandt wurden.  Ob dabei tatsächlich Todesfällen vorgekommen sind, ist bis heute wissenschaftlich nicht einwandfrei erwiesen.

 

Auch ib die Textilienforschung hatte die Suche nach deutschen Wissenschaftsgeheimnissen  nie zuvor Bekanntes offenbar.  Hierunter zählten beispielsweise das Verfahren der deutschen Rayon-Strickmaschinengesellschaft, die bei großer Platzersparnis Produktion um 150% erhöht.  Ihre Links-Links-Webprodukte sind laufmaschenfreie, gehbeständige Damenstrümpfe.  Eine neue deutsche Maschineneinrichtung zur Herstellung von Nadeln werde, so Walker, in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich das Geschäft revolutionieren.  Da war die Haut oder Fasern zu beschädigen, und unter Anwendung des Enzyms aspergil paraciticus. zu behandeln, wobei nicht nur bessere Wolle, sondern auch ein um 10% höherer Ertrag entstand.

 

In Sachen Nahrungsmittel, Medizin und Kriegstechnik waren die entdecken Geheimnisse nicht weniger eindrucksvoll.  Ein Ernährungsgeheimnis bestand darin, Fruchtsäfte ohne Hitze zu sterilisieren.  Milchpasteurisierung durch ultraviolette Strahlungen schlug in anderen Ländern immer, doch die Deutschen fanden heraus, wie es durch Verwendung von Sichtröhren in großen Längen zu machen war und gleichzeitig die milch mit Vitamin D angereichert wurde.  In einer Fabrik in Kiel fanden britische Forscher des ‘Joint Intelligence Objectives Committee’ daß Käse - namentlich Holländer und Tilsiter  - in guter Qualität nach einer neuen Methode mit ungeheuer Schnelligkeit gemacht wurde.  Die Käseindustrie der ganze Welt war nicht zu gleichen fähig.  In einer Molkerei bei Hamburg wurde Butter auf eine von den Amerikanern schon lange gewünschte Art und Weise hergestellt, mittels einer ununterbrochen arbeitenden Buttermaschine (eine Erfindung eines Molkereimaschinenfabrikanten aus Stuttgart).  Sie nahm weniger Raum in Anspruch als amerikanische Buttermaschinen und stieß 1500 Pfund Butter in der Stunde aus.  Die Maschine wurde sofort (was promptly shipped) in die Vereinigten Staaten von Amerika transportiert.  Eine andere Neuheit war, Hefe in unbegrenzten Mengen herzustellen, die zudem bei wesentlich höheren Temperaturen verwendet. werden konnte und doppelt soviel Protein und einen vielfach höheren kalorienwert als Rindfleisch besaß.   Des weiteren hatten die Deutschen auch eine Methode entwickelt, um Nahrungsmittel durch Gefriertechniken zu konservieren oder Brot durch einen besonderen Überzug acht Monate genießbar zu halten.

 

Die A-4 (als V2, “Vergeltungswaffe”bekannt) ging erst am Kriegsende in größere Produktion

Von höchster Bedeutung für die Zukunft waren “die Nazi-Geheimnisse” in der Luftfahrt und bei den verschiedenen Typen von ferngelenkten Geschossen.  Die V2-Rakete, die London bombardierte, so kommentierte eine Armee-Luftwaffen-Veröffentlichung, war geradezu nur ein Spielzeug im Verhältnis zu dem, was die deutschen vorhatten.  Als der Krieg beendet war, wußten die Amerikaner, daß Deutschen (the Nazi) 138 Typen von gelenkten Geschossen in den verschiedenen Stufen der Produktion hatten, jede bekannte Art der Fernlenkung und  -zündung benutzend: “Radiowellen, Radarsysteme, kontinuierliche Wellen, Infrarot, Ultraschall. Lichtbäume und Magnetismus, um einige zu nennen.  Für den Antrieb wurde alle Methoden des Düsenantriebs verwendet, sowohl für geringere Geschwindigkeiten als auch für Superschnelligkeit.  Düsenantrieb wurde sogar für Hubschrauber verwendet.  Der Treibstoff wurde in die Verbrennungskammern der Rotorblätterspitzen geleitet und dort gezündet, do daß die Rotorblätter wirbelten wie die Messer eines Rasenmähers.  Die deutsche A4-Rakete. Die grade in großen Maßstab in die Produktion ging, als der Krieg endete, war sechsundvierzig Fuß lang, wog über 24.000 Pfund und flog 230 Meilen weit.  Sie erhob sich 100 Meilen über die Erde und hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 3735 Meilen in der Stunde, dreimal so schnell, wie sich die Erde um ihre Achse am Äquator dreht.  Das Geheimnis der Superschnelligkeit lag in dem Raketenmotor, der flüssigen Sauerstoff und Alkohol für die Verbrennung verbrauchte.

 

Die Rakete wurde entweder fernkontrolliert oder durch gyroskopische Mittel selbstführend  zu ihrem Ziel geleitet (radio controlled or self-guided  to’s target by gyroscopic means).  Da ihre Schnelligkeit übergroß war, mehrmals schneller als der Schall, konnte die Rakete vor ihrem Einschlag gar nicht gehört werden.

 

Eine andere deutsche Rakete, die noch im Entstehen war, lief unter Bezeichnung “A9".  Diese war noch größer, 29000 Pfund schwer, und hatte Tragflächen, die ihr Reichweite von 3000 Meilen gaben.  Sie wurde in der berühmten Penemünde Armee-Versuchsstation hergestellt und erreichte die unglaubliche Geschwindigkeit von 5670 Meilen (ca 8000 km) in der Stunde.

 

Ein Langstrecken-Raketenbomber, der wie es die Dokumente aussagen, noch nicht hergestellt werden konnte, weil der Krieg letztlich zu schnell zu Ende gegangen war, würde befähigt gewesen sein, von Deutschland nach New York in 40 Minuten zu fliegen.  Von einem Piloten in einer Überdruckkabine geführt, erreichte er eine Höhe von 154 Meilen.  Gestartet wurde von einem Katapult mit 500 Meilen per Stunde, so daß er in nur vier Minuten seine Flughöhe erreicht hätte.  Dort würde er, nachdem der Triebstoff verbrauch war, durch äußere Atmosphäre gleiten und sein Ziel niederstoßen.  Mit hundert Bombern dieser Art, so hätten die Deutschen gerechnet, wäre es möglich gewesen, jede Stadt auf der Erde in einer Militäroperation von wenigen Tagen zu zerstören.

 

      

Die von den Gebrüdern Horten, entwickelten Nurflügel-Maschinen lösen nach wie vor Erstaunen über den technologischen Vorsprung der Deutschen aus

 

Die Deutschen hatten sogar Erfindungen bereits abgeschlossen, die sich um die Piloten bemühten, die bei Supergeschwindigkeiten das Flugzeug während des Fluges verlassen müßten.  Normalerweise würde einem Kopf abgerissen werden.  Sein Fallschirm würde beim Öffnen in Stücke zerreißen.  Un diese unglücklichen Zwischenfälle zu verhindern, wurde ein Ausstoßen erfunden, der den Piloten augenblicklich herausschleuderte.  Sein Schirm war bereits durchlöchert, das war hergestellt aus Bänder, gitterähnlich, die seinen Fall nur hemmten, bis der nachlassende Gewichtsdruck automatisch den normalen Fallschirm freigab.

 

Auf dem Truppenübungsplatz Heuberg südlich von Stuttgart begann möglicherweise die Mondfahrt am 1 März 1945.  Für 55 Sekunden lenkte der Pilot Sieber die erste bekannte Rakete der Welt, eine Ba 349 “Natter”, bevor das Gefährt in tausend Splitter zerriß.   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Natter-Rakete;

 

 

Pilot Sieber beim Einstieg in die Rakete.  Siehe; Der Spiegel Nr 52, 2002                                   

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Messerschmitt Me 163, das erste raketengetriebene Flugzeug der Welt war ein Abfangjäger mit phänomenale Steigleistungen und kam Herbst 1944 zum Einsatz.  Weiterentwicklung wie die Me 163C/D oder die Me 263 kamen über die Planungsstadium nicht mehr hinaus.

 

 

 

 

Das Modell M 262 B-2, das als Nachtläger vorgesehen war, stand im Mai 1945 unmittelbar vor die Fertigstellung - eine schöne Beute für die Amerikaner

 

 

 

 

 

Eine Nazi variation der Fernlenkgeschosse war ein Unterwassertorpedo, der unbeirrbar auf sein Ziel zusteuerte, angezogen von einer Schraubengeräusch des angegriffenen Schiffes.  Das funktionierte bis zu einer 40 Meilen un der Stunde und hinterließ kein Kielwasser.  Sobald er unter dem Ziel war, erfolgte die Explosion.

 

Angesichts der damals im Deutschen Reich wirklich vorhandenen Erfindungen und der Herstellung derartiger futuristischer Waffen waren die vom Reichspropagandaministerium ausgegebenen Durchhalteparolen kein unsinniges Geschwätz.  Tatsächlich hätte der Krieg, hätte er noch einige Monate länger gedauert oder wenn die Invasion ein halbes Jahr verschoben worden wäre, von Berlin gewonnen werden können.  Etliche dieser noch in der Erprobung, oder in der Anfangsstadien der Fertigung gewesenen Produkte hätte bis dahin zum Einsatz gelangen können.  Allein die Wirkung der Fernlenkwaffen mit ihrer großen Zielgenauigkeit hätte einiges Entsetzen ausgelöst.   Nicht nur diese ferngesteuerten Geschosse, sondern auch die Düsenjäger würden die alliierten Bombenverbände angeschickt haben, da die ferngesteuerten Torpedos feindliche Truppentransporte und Kriegsflotten aus der Ferne vernichtet hätten.

 

Dem amerikanischen Geistlichen Ludwig A. Fritsch zufolge stahlen allein die Amerikaner  den Deutschen, diese “Giganten der Wissenschaft, die den Tuberkel-, Typhus-, Diphterie-Bazillus entdeckten und auch die Gegenmittel, die Menschheit von diesen Plagen zu befreien, die das Atom sprengten und die Röntgenstrahlen fanden, die aus Kohle Fett herstellten und die feinsten Instrumente der Erde konstruierten,”(10) hunderttonnenweise Patentdiebstahl gezogen haben (und ziehen), ist nicht abschätzbar; er ging in die Milliarden, die heute Billiarden Dollar wert sind, oder, wie es die “Westfählische Nachtichten” im Januar 1947 nüchtern ausdrückten: “Mit der Herausgabe dieser seiner Patente und Erfindungen hat des deutsche Volk in Wirklichkeit bereits eine Reparationsleistung vollbracht, wie es in solcher Höhe noch kein Volk der Welt jemals aufgebracht hat.  Diese Tatsache wird im Ausland meist mehr oder wenig geflissentlich übersehen”.  Und im Bachkriegsdeutschland ebenso, wäre hinzuzufügen.

 

Der Gesamtumfang und der Wert gestohlener Patente durch die Alliierten kann nur geschätzt werden.  Der US-amerikanische Professor für Geschichte (Kalifornien und Düsseldorf) John Gimel zeigt Beispiele auf, in denen die Geistesarbeit einer einzelnen deutschen Wissenschaftlers oder Techniker amerikanischen Firmen Profite von vielen Zigmillionen Dollar eingebracht hatte(11).  Den Enthüllungen des Historikers zufolge stahlen die Alliierten Deutschland geistigen Gut und Patente im Werte von 4,8 Milliarden bis 12 Milliarden US-Dollar.  Der Gesamtwert der gestohlenen Zeichnungen.  Patente und Warenzeichen schwanke, dem Protokoll über die Tagung mit Firmenvertretern und Sachverständigen am 16. Juni 1948 in Königsstein zu folge. zwischen 12 und 30 Milliarden Mark(12). - letzter Zahl dürfte wohl am ehesten zutreffen: An deutschen Patenten wurden von den Siegern insgesamt 346.000 Patente als Kriegsbeute beschlagnahm, davon waren 200.000 deutsche Auslandspatente.  Hinzuzuzahlen sind 20.870 deutsche Warenzeichen sowie 50.000 neue Farbformen, die in den Forschungsstätten der IG Farben erarbeitet worden waren.  Alle Beschlagnahmungen bedeuten für Deutschland, Herbert Grabert zufolge, einen Gesamtschaden von etwa 30 Milliarden DM (Stand 1952).(13)

 

Für die notwendige Berechnung des Gesamtumfangs der Werte allein an gestohlenen Patenten liegen bezeichnenderweise keine endgültige nachprüfbaren Zahlen vor - auch nicht bei Stellen, von denen man es erwarten können sollte.  So muß der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) einräumen, daß leider “keine Erkenntnisse” vorliegen(14), dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) ist es “nicht möglich den Wert der Reparationen die Durch die zeitweise Beschlagnahme von Schutzrechten geleistet wurden, zu quantifizieren”(15), und dem Österreichischen Patentamt sind “Untersuchungen betreffend gestohlener Patente gleich gar nicht bekannt”(16).

 

Nach welchen Richtlinien können die dem Deutschen Reich und der deutschen Nation  entstandenen Schäden und Verluste berechnet werden?  Dem Wert des gestohlenen Patente oder Produkts und Zeitraum und Kosten hinzuzurechnen, die zur Entwicklung nötig gewesen waren.  Außerdem muß der Ausfall für die deutsche Wirtschaft berechnet werden.  Falls eine derartige Berechnung überhaupt angestellt werden könnte - Ende der vierziger,  Anfang der fünfziger Jahren mißling ein derartiger Versuch der (westdeutschen) Industrie- und Handelskammer aufgrund ungleichwertiger Rückläufe der Firmen, die steuerliche Konsequenzen bei Angabe ihrer tatsächlich erlittenen Verluste(17) befürchteten -, würde selbst diese annähernde Berechnung lediglich ein Schätzwert von astronomischer  Größe sein.   Für C. Lester Walker stellte sich das unvorstellbare Ausmaß wie folgt dar: “1945 spielte sich der gewaltigste Diebstahl von geistigen Eigentum ab.  Die entdeckten und gestohlenen wissenschaftlichen, industriellen und militärischen Geheimnisse des nationalsozialistischen Deutschland waren, wie Walker mit Berufung des Washingtonzitirt, §die grüßte einzelne Quelle dieser Art von Material in der Welt, die erste ordentliche Ausbeuting der Geisteskräfte eines ganzen Volkes”.  Es handelt sich in der Tat um den größten Geistesraub in der Weltgeschichte.

 

Lesen Sie auch: http://www.nonkonformist.net/4107/john-de-nugent-der-grosse-patentraub/#more-4107

 

Anmerkungen:

1     Siehe detaillierte Angabe in: Claus Nordbruch “Der deutsche Aderlaß.   Wiedergutmachung an Deutschland und Entschädigung für Deutschland”, Tübingen 2003, S 329 ff

2     Vgl Hans Dollinger (Hg) “Deutschland unter Besatzungsnächten 1945 1949, Seine  Geschichte in Texten, Bildern und Dokumenten”, München 1967 S 282

3     Vgl Thomas Stamm, “Zwischen Staat und Selbstverwaltung.  Die deutsche Forschung  in Wiederaufbau 1945 - 165", Köln. 1981 S 48 

4     Michel Bar-Zohar, “Die Jagd auf die deutschen Wissenschaftler 1944 - 1960", Berlin  1966, S 165

5     C Lester Walker, “übersetzte Wiedergabe von Hans Werner Wolterdorf, “Die größte  Geistbeute der Weltgeschichte”, maschinenschriftliches Manuskript, o.O.u.o. J., S. 6

6     Vgl.  Michel Bar-Zohar, aaO. /(anm. 4) S 152

7     Tom Bower,  “Verschwörung Paperclip, NS-Wissenschaftler”, München 1988, S.  111 f

8     “German cars could drive at any speed in total blackout, seeing objects clear as day  two hundred meters a head.  Tanks with this device could spot targets two miles away.  As sniper scop it enable German riflemen to pick off a man on total blackness

9     C. Lester Walker, “Sectre by the thousands”, in Harper’s Magazune, Oktober 1946,  S. 329ff., zitiert nach http://www.histropgraphyproject.com/documents/19461000german_secrets.html 

10   Ludwig A. Frisch, “Amerikas Verantwortung für die Verbrechung am deutschen  Volk”, Grabert, Tübingen 1969, S. 63

11   Vgl. ebeda S 100 f

12   Vgl. Nicholas Balabkins, “Germany under direct control.  Economic aspects of  industrial disarmament 1945 - 1948", New Brunswick, 1946 S 142

13   Vgl. Herbert Grabert, “Hochschullehrer klagen as.  Vom der Demontage deutscher Wissenschaft”, Göttingen 1952, S. 25

14   Schreiben des Deutschen Industrie- und Handelstage vom 20. Juli 2000 an den  Verfasser

15   Schreiben des Deutschen Patenten- und Markenamtes vom 31 August 2000 an den  Verfasser

16   Schreiben des Österreichischen Patentamts von 3. August 2000, an den Verfasser

17   Vgl. John Gimbel, “Science Technology, and Reparations, Exploitation and Plunder in  Postwar Germany”, Stanford 1990, S 158