
Elly Rosemeyer-Beinhorn
(* 30. Mai 1907 in Hannover; † 28. November 2007 in Ottobrunn) war eine
berühmte deutsche Fliegerin des 20. Jahrhunderts. In den 1930er-Jahren stellte
die Luftfahrtpionierin etliche Langstreckenflugrekorde auf.
Leben und Karriere
Elly Beinhorn war das einzige Kind des Kaufmanns Hans Beinhorn. Als
Sechzehnjährige wollte sie auf Abenteuerreise gehen und bewarb sich beim
Tierpark Hagenbeck als Tierfängerin, bekam aber nie eine Antwort. Im Sommer
1928 besuchte sie einen Vortrag des Fliegers Hermann Köhl. Von da an hatte sie
nur noch das Fliegen im Kopf. Der Hannoversche Aeroclub lehnte es ab, eine
Frau auszubilden, also fuhr sie nach Berlin-Staaken.
Im November 1928 saß Elly Beinhorn erstmals am Steuerknüppel eines Flugzeuges.
Ihr Fluglehrer war Otto Thomsen, der auch Hanna Reitsch und Wernher von Braun
unterrichtete. Thomsen war ein guter Lehrer, und Elly musste sich wie üblich
neben dem Fliegen auch mit Motorenkunde, Wetter- und Instrumentenkunde und mit
rechtlichen Themen befassen.
Im Winter 1929 absolvierte sie ihren A-Schein. Anschließend machte sie in
Würzburg, bei Ritter von Greim, ihren Kunstflugschein. Mit ihrem Ersparten
kaufte sie sich eine Messerschmitt M23, einen Tiefdecker. Ihren ersten Flugtag
bestritt sie in Königsberg unter den Augen von Ernst Udet.
Im Juni 1930 fand in Bonn-Hangelar die erste deutsche
Damenkunstflugmeisterschaft statt. Elly hatte das Reglement nicht richtig
gelesen und vollführte die Figuren nicht vorschriftsgemäß. Tief enttäuscht
musste sie den Titel der Kölnerin Liesel Bach überlassen, die ihn mehrere
Jahre lang verteidigen konnte.
Erster Afrikaflug (1931)
Beinhorn träumte von einem Langstreckenflug, es mangelte ihr jedoch vorerst an
Geld. Gemeinsam mit Katja Heidrich machte sie Reklameflüge für eine Brauerei
aus dem heutigen Saarland, um ihre Kasse zu füllen. In Saarbrücken machte sie
ihren ersten Bruch – sie setzte zu einer übertrieben schneidigen Landung an,
kam mit der Nase auf und prallte auf die Piste. Beinhorn und ihr Passagier
blieben dabei unverletzt.
Dann jedoch hatte sie Glück: Der österreichische Forscher Hugo Bernatzik und
Bernhard Struck vom Dresdner Museum für Völkerkunde waren dabei, eine
Expedition nach Westafrika (Bissagos-Archipel) vorzubereiten, und suchten
dafür einen Sportflieger für Luftaufnahmen. Bernatzik hatte nichts gegen eine
Frau im Cockpit, konnte jedoch die benötigten Mittel für eine neue Maschine
mit Schwimmern nicht zur Verfügung stellen. Mit Hilfe des Präsidenten der
Luftfahrtindustrie Admiral Lahs fand sie schließlich eine gebrauchte Klemm Kl
26, die sie in Böblingen generalüberholen ließ. Ihre Messerschmitt blieb als
Pfand zurück, da sie sich die Kaskoversicherung für die Klemm nicht leisten
konnte.
Am 4. Januar 1931 startete sie zu ihrem ersten Afrikaflug – und musste schon
nach 650 km mit verölten Zündkerzen auf einem Schneefeld im Schwarzwald
zwischenlanden. Erst nachdem ein Mechaniker der Klemm-Werke aus Böblingen
saubere Kerzen eingebaut hatte, flog sie über Spanien und Gibraltar nach
Rabat, Casablanca und Port Juby. Über 2000 km flog sie an der afrikanischen
Küste entlang nach Dakar. Am 1. Februar traf sie in Bissau ein, wo sie
Bernatzik traf. Während mehrerer Wochen arbeitete sie mit ihm zusammen und
machte die gewünschten Luftaufnahmen. Dabei erlebte Elly Beinhorn einige
Abenteuer, die sie ausführlich in ihrer Autobiografie festhielt: Wanderameisen
im Flugzeug, Sandstürme, Heuschreckenschwärme, aber auch Safaris und ein
bemerkenswerter Flug zur Insel Bubac. „Ich hatte erreicht, wovon ich schon als
Kind zwischen den Hannoverschen Häusermauern geträumt hatte. Das war das Leben!“
Beim Rückflug nach Deutschland musste sie zwischen Bamako und Timbuktu wegen
einer gebrochenen Ölleitung im Sumpfgebiet des Niger notlanden. Sie fand bei
einem Stamm der Songhai Aufnahme, die einen Boten nach Timbuktu schickten.
Drei Tage lang sah und hörte sie die Flugzeuge, die nach ihr suchten, konnte
aber keinen Kontakt mit ihnen aufnehmen. Dann erst fand sie ein Songhai, der
französisch sprach, der aufgrund ihrer Nachricht geschickt wurde um sie nach
Timbuktu zu führen. Krank und völlig erschöpft kam sie schließlich zu Fuß und
per Boot dort an. Die Nachricht ging um die Welt und Elly Beinhorn wurde über
Nacht berühmt.
Nach einigen Tagen Erholung ging sie mit einem Team zurück in den Urwald, um
ihre Maschine zu bergen. Sie konnten jedoch nur den Motor und die Instrumente
retten. In einem Militärflugzeug wurde Beinhorn nach Bamako zurückgebracht.
Dort erfuhr sie von ihrer neuen Berühmtheit: Die B.Z. am Mittag (eine Berliner
Tageszeitung) wollte ihr ein Flugzeug zur Verfügung stellen und schickte Theo
Osterkamp mit der neuen Maschine nach Casablanca. Beinhorn fuhr mit Eisenbahn
und Schiff dorthin. Von dort flog sie gemeinsam mit Osterkamp nach Rom, wo
dieser dann den Zug nahm. Elly Beinhorn flog zurück nach Deutschland und
landete am 29. April 1931 in Berlin-Staaken.
Weltumrundung im Alleinflug
(1932)
Schon kurz nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hatte Beinhorn neue Pläne: sie
wollte nach „irgendwo da unten rechts“ (auf dem Atlas) fliegen. Aber erst galt
es, ihre Schulden zurückzuzahlen sowie die für das neue Projekt der
Weltumrundung benötigten finanziellen Mittel aufzutreiben. Mit Vorträgen,
Zeitungsartikeln und Interviews konnte sie einiges verdienen und nach ihrem
erfolgreichen Afrikaflug fand sie auch schnell Sponsoren für einen Flug nach
Indien.
Am 4. Dezember 1931 startete sie von Berlin-Staaken in Richtung Indien. Von
Berlin über die Türkei nach Bagdad, dann nach Bushire am Persischen Golf. Kurz
vor Bushire musste sie notlanden, weil die Benzinleitungen wegen des
verschmutzten Benzins verstopft waren. Zu Fuß marschierte sie die 150 km nach
Bushire, wo sie den US-amerikanischen Flieger Moye Stephens und den
Reiseschriftsteller Richard Halliburton kennenlernte. Die beiden erklärten
sich bereit, ihr mit ihrem Flugzeug zu helfen. Nachdem die Klemm nach Bushire
transportiert und repariert war, flogen sie gemeinsam über Agra, Allahabad
nach Kalkutta. In Kalkutta hoffte Beinhorn, ihre Kollegin Marga von Etzdorf zu
treffen, die jedoch in China festsaß. Während des Wartens auf Neuigkeiten von
Etzdorf traf sie Charles Kingsford-Smith, der ihr von Australien erzählte.
Sie wusste nicht recht, was sie nun tun sollte. Ein Flug nach Australien
erschien ihr vorerst zu gefährlich. Nach Japan konnte sie wegen politischer
Unruhen in China nicht fliegen. Gemeinsam mit Stephens und Halliburton flog
sie in den Himalaya. Nach einer Zwischenlandung in Kalkutta flogen sie dann
gemeinsam weiter nach Bangkok und Singapur. Hier trennten sich ihre Wege: der
„Fliegende Teppich“ flog nach Borneo und zu den Philippinen, während Elly
Beinhorn zu den Sunda-Inseln weiterflog.
In Batavia wurde sie als erste Frau, die mit einem Flugzeug landete, gefeiert.
Sie musste an einer „nie enden wollenden Kette von Empfängen“ teilnehmen. Um
sich die Zeit zu vertreiben, besorgte sie sich gute Karten und sprach mit
Fliegerkollegen, die die Timorsee bereits überflogen hatten. Alle rieten ihr
ab – ihre winzige Klemm-Maschine sei für die gefährliche Strecke einfach zu
klein und zu fragil, die einmotorige Maschine zu schwach und die
Navigationsinstrumente ungenügend. Der Widerspruch reizte Beinhorn jedoch so
sehr, dass sie das vermeintlich Unmögliche möglich machen wollte. Von
Soerabaya aus reiste sie nach Bali.
Sieben Stunden sollte der Flug über die Timorsee dauern. Wegen der
Schauergeschichten, die ihre männlichen Kollegen ihr erzählt hatten, um sie
von dem Flug abzuhalten, ließ sie sich von drei englischen Wasserflugzeugen
begleiten, die sie im Notfall retten sollten. Ohne Probleme trafen sie jedoch
in Darwin ein, wo sie von einem begeisterten Publikum empfangen wurden.
In fünf Tagen flog sie anschließend weiter über den Australischen Kontinent
nach Sydney. Am 2. April 1932 traf sie dort ein und wurde von Charles
Kingsford-Smith und vielen anderen Fliegerkameraden in der Luft begrüßt. „Nie
werde ich es mir verzeihen, dass ich zur Eröffnung der Sydney-Hafenbrücke
vierzehn Tage zu spät gekommen bin“. Beinhorn verbrachte fast einen Monat in
Sydney, wo sie Vorträge hielt und Geld für ihren Weiterflug sammelte. Die
Australier liebten „das hübsche Mädchen in seiner winzigen Holzkiste“. Derweil
organisierte sie ihre Weiterreise nach Südamerika.
Die Strecke war für die einmotorige Klemm zu weit. Also wurde sie zerlegt und
auf einem Schiff nach Neuseeland gebracht. Dort wurde sie umgeladen, um ihre
Reise über den Stillen Ozean anzutreten. Die Reise dauerte für ihren Geschmack
viel zu lange. In Panama musste sie erfahren, dass es nicht möglich sei, von
dort aus weiterzufliegen, da es entlang der gesamten 2000 km der
Südamerikanischen Westküste keinen Flugplatz und kein Benzin gäbe. Noch
während sie sich den Kopf darüber zerbrach, wie sie ihren Weiterflug
organisieren sollte, ließ sie die Klemm auf dem Flugplatz von Panama aufbauen.
Sechs Zusatztanks wurden eingebaut und Beinhorn musste viele ihrer
Gerätschaften (darunter ein Grammofon, das sie bis hierher begleitet hatte)
zurücklassen. Aber nun hatte sie für elf Stunden Sprit.
Elly Beinhorn folgte der Küste entlang nach Cali in Kolumbien. Obwohl sie den
Flug optimal vorbereitet hatte, war ihr bei der Sache gar nicht wohl. Sie flog
im Zickzack über alle vorhandenen Funk- und Radiostationen, damit man im
Notfall Bescheid wusste, wo sie sich gerade befand. Sie erreichte Cali jedoch
ohne Probleme. Von dort flog sie weiter nach Lima (Peru), wo sie vom
peruanischen Präsidenten als Ehrengast empfangen wurde und vom
Luftfahrtminister das offizielle peruanische Fliegerkreuz verliehen bekam.
Von Lima flog sie weiter nach Arica in Chile. Wegen politischer Unruhen war in
Chile das Benzin rationiert: jeder bekam nur fünf Liter pro Woche. Die
deutschen Immigranten in Chile hatten jedoch von der berühmten Landsfrau
gehört und sammelten ihre Benzinrationen, damit sie bis Santiago de Chile
weiterfliegen konnte. Dort erfuhr sie – ein weiteres Mal – dass ein Weiterflug
über die Anden in der kleinen, einmotorigen Klemm „völlig ausgeschlossen“ war.
Während ihres Aufenthaltes in Santiago fand dort eine Revolution statt,
weshalb sie erst einmal festsaß. Sie nutzte die Zeit für Film- und
Fotoaufnahmen, mit denen sie ihre Vorträge illustrieren wollte.
Der Pass, den Beinhorn anfliegen wollte, lag auf 5000 m Höhe. Um mit der Klemm
so hoch steigen zu können, musste Beinhorn weiteren Ballast zurücklassen. Das
Gepäck sollte ihr per Verkehrsmaschine nachgeschickt werden. Sie ließ das
Flugzeug außerdem mit einem Sauerstoffgerät ausrüsten. Die Strecke nach
Mendoza in Argentinien betrug ungefähr 250 km und Beinhorn hoffte, sie in zwei
Stunden bewältigen zu können. Oben auf dem Pass geriet sie jedoch in einen
gefährlichen Aufwind. „Es warf mich herauf und herunter, dass mir Hören und
Sehen verging. Mitten zwischen den Felsen […] blieb mir alle Augenblicke das
Benzin weg, weil durch die furchtbaren Böen der Motor keinen Brennstoff bekam.
Ich kam gut auf der anderen Seite an. Aber unter den gleichen Voraussetzungen
hätte ich den Flug nicht ein zweites Mal gewagt. Gern mit einer stärkeren
Maschine, aber nicht mit 80 Pferdchen.“
Nach diesem Abenteuer rechnete sie für den Flug über die argentinische Pampa
mit keinen weiteren Problemen. Wegen einer brüchigen Zylinderkopfdichtung
musste sie jedoch notlanden. Nachdem sie den Schaden begutachtet hatte, füllte
sie nur Öl nach und flog nach Buenos Aires weiter, um die Reparatur dort
durchzuführen. In Buenos Aires wurde sie erneut mit allen Ehren empfangen und
von Anlass zu Anlass weitergereicht.
Von der argentinischen Hauptstadt wollte Elly Beinhorn erst nach Rio de
Janeiro fliegen, um dort ein Schiff nach Europa zu nehmen. Schlechtes Wetter
zwang sie jedoch dazu, bereits in Argentinien an Bord zu gehen. Nach drei
Wochen Überfahrt legte die Cape North in Bremerhaven an, wo sie von einer
Menschenmenge begrüßt wurde. Im Begrüßungskomitee war auch die glücklose Marga
von Etzdorf, die ihr persönlich zur Rückkehr mit unbeschädigter Maschine
gratulierte. Die „Kaffeemühle“ wurde wieder zusammengesetzt und am 26. Juli
1932 landete Beinhorn in Berlin.
Nachdem die Reden und Ehrungen verstummt waren, fand sich die Rekordfliegerin
mit 18.000 Reichsmark Schulden wieder. Sie wusste nicht, ob sie das Geld je
abarbeiten oder jemals wieder einen Langstreckenflug finanzieren konnte. Die
Rettung kam von Paul von Hindenburg, der sie mit dem mit 10.000 Reichsmark
dotierten Hindenburgpokal für die beste sportfliegerische Leistung ehrte. Der
Reichsverband der Deutschen Flugzeugindustrie übernahm die restliche Summe.
Nachdem sich ihre finanziellen Probleme so wunderbar von selbst gelöst hatten,
plante Elly Beinhorn bereits ihr nächstes fliegerisches Abenteuer.
Zweiter Afrikaflug: Transafrikana
(1933)
Nach ihrem Weltflug war alles ein wenig einfacher für die „berühmteste Frau
Deutschlands“: Mit Vorträgen, Reiseberichten und ihren Filmen und Fotos
verdiente sie innerhalb weniger Monate genug Geld, und ein neues Flugzeug
(eine Maschine mit geschlossener Kabine) wurde ihr zur Verfügung gestellt. Von
Berlin aus wollte sie über Konstantinopel und Aleppo nach Kairo, und danach,
den Nil entlang, über Khartum nach Juba, und schließlich über Nairobi und
Johannesburg nach Kapstadt fliegen.
Auf dieser Reise hatte Beinhorn mehr Probleme als je zuvor. Einerseits machte
ihr der tragische Tod ihrer Kollegin Marga von Etzdorf schwer zu schaffen.
Andererseits hatte sie ständig mit den Bürokraten der Kolonialverwaltungen in
Afrika zu kämpfen. So war es beispielsweise Frauen verboten, ohne männlichen
Geleitschutz den Sudan zu überfliegen. Nachdem ihre Einsprüche (schließlich
hatte sie ohne männlichen Schutz die Welt umrundet) nicht fruchteten, machte
sie sich auf die Suche nach einem Begleitflugzeug. Zwei Engländer machten sich
schließlich eine Freude, die Pilotin zu schützen. Als diese jedoch unterwegs
notlanden mussten, flog Beinhorn – nach der Feststellung, dass sie sich nicht
in Gefahr befanden und nur ein Reifen geplatzt war – alleine weiter. In Juba
wurde sie jedoch festgehalten – ohne Begleiter kein Weiterflug. Alles war sehr
kompliziert: Als Frau ohne Begleitung war es ihr nicht möglich, zu den beiden
Engländern zurückzufliegen und ihnen einen Schlauch zu bringen. Schließlich
bekam sie von der britischen Kolonialverwaltung eine Ausnahmebewilligung und
konnte den Flug planmäßig fortsetzen und abschließen.
Amerikareise
(1934)
Elly Beinhorn verfügte nun über eine Klemm Kl 32 mit einem 160-PS-Motor,
Kabine und drei Sitzen. Damit wollte sie die historischen Städte der Maya auf
der Halbinsel Yucatán in Mittelamerika besuchen. Ein Flug alleine dorthin
hätte sich jedoch nicht gelohnt, weshalb sie diese Reise mit einem Besuch der
USA verband.
Wiederum reiste sie per Schiff auf den amerikanischen Kontinent. In Chichén
Itzá verbrachte sie einige Wochen und erforschte die Ruinen auf eigene Faust.
Anschließend flog sie in die Vereinigten Staaten.
In Los Angeles traf sie zu ihrem großen Vergnügen Moye Stephen wieder, mit dem
sie zu Beginn ihres Weltfluges einige Zeit lang gemeinsam geflogen war.
Anschließend besuchte sie die von ihr bewunderte Amelia Earhart in Kansas –
sie war hingerissen von ihrer Persönlichkeit und Natürlichkeit. Den geplanten
Besuch bei Anne Morrow und Charles Lindbergh ließ sie fallen, als sie erfuhr,
dass zu ebendieser Zeit der Prozess gegen den aus Deutschland stammenden
Entführer ihres Babys stattfand.
Überall, wo sie auf ihrem Amerikaflug durchkam, hielt Elly Beinhorn Vorträge
und zeigte ihre Filme. Sie wurde von den Pilotinnen der Ninety Nines
eingeladen, „um mit ihnen zu sprechen und zu fliegen“. Gemeinsam mit Thea
Rasche nahm sie das Dampfschiff zurück nach Deutschland.
Rekordflüge und Ehe mit Rosemeyer
Bernd
Rosemeyer (Links), Elly Beinhorn-Rosemeyer und Ferdinan Porsche
Mit einer Messerschmitt Bf 108 plante Beinhorn einen Rekordflug der besonderen
Art. In 24 Stunden wollte sie von Deutschland nach Asien und wieder zurück
fliegen. Sie ließ dazu in den eleganten Viersitzer zwei größere Zusatztanks
einbauen.
Am 13. August 1935, um halb vier in der Frühe, startete sie in Gleiwitz. Um 6
Uhr hatte sie bereits fünf Länder überflogen. Um 9 Uhr 20 erreichte sie die
asiatische Seite des Bosporus, landete auf dem Rollfeld von Yesilköy zwischen,
um aufzutanken und machte sich nach einer knappen Stunde Pause wieder auf den
Heimweg. Da sie Berlin anflog, musste sie 450 km mehr bewältigen als auf dem
Hinflug. Kurz vor Berlin geriet sie in eine Schlechtwetterfront (wegen der die
Lufthansa ihre Flüge nach Berlin abgesetzt hatte), erreichte jedoch trotz
großer Schwierigkeiten Berlin Tempelhof. Um 18 Uhr 08 landete sie nach 3470
zurückgelegten Kilometern. Ihr ehemaliger Fluglehrer Ernst Udet begrüßte sie
persönlich in Berlin mit den Worten „das hast du ganz nett gemacht“.
Im September 1935 besuchte Elly Beinhorn ein Autorennen auf dem Masaryk-Ring
bei Brünn und lernte dort den Rennfahrer Bernd Rosemeyer kennen. Bald hatten
die beiden ein Verhältnis, Beinhorn verspürte jedoch nicht den Wunsch zu
heiraten. Sie befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, durfte die
neuesten Sportflugzeuge testfliegen und konnte sich vor Anfragen für Vorträge
kaum retten. Das alles wollte sie vorerst nicht aufgeben. Bernd Rosemeyer
konnte sie jedoch überzeugen und am 13. Juli 1936 heirateten sie.
Pünktlich zum Hochzeitsfest wurde ihre brandneue Bf 108 „Taifun" geliefert und
sie begann sogleich mit den Versuchsflügen für einen neuen Rekordflug (in 24
Stunden über 3 Kontinente). Während sie ihre neue Maschine einflog, trainierte
Rosemeyer auf dem Nürburgring für den GP von Deutschland.
In Berlin fanden die Olympischen Sommerspiele statt, Rosemeyer trainierte in
Livorno und Elly Beinhorn flog über Konstantinopel nach Damaskus. Dort war der
Startpunkt für ihren spektakulären Rekordflug, der sie in einem Tag über drei
Kontinente führen sollte. Am 6. August 1936 startete sie um zwei Uhr morgens.
Bei Sonnenaufgang hatte sie Kairo erreicht, wo sie zwischenlandete. Von Kairo
flog sie über das Mittelmeer nach Athen. Als sie sich von dort nach Berlin
aufmachen wollte, riss ihr ein Stein auf dem Rollfeld das Seitenruder weg. Die
Techniker der Deutschen Lufthansa vor Ort reparierten den Schaden so schnell
wie möglich und Beinhorn konnte ihren Flug planmäßig fortsetzen. Nach 3750
Kilometern landete sie am Abend wohlbehalten in Berlin Tempelhof, wo sie von
ihrem Mann schon erwartet wurde.
Auf ihrer verspäteten Hochzeitsreise ins südliche Afrika ließ sich Rosemeyer
von Elly Beinhorns „Flugverrücktheit“ anstecken. Bald nahm er Flugstunden und
kaufte sich eine Klemm Kl 35.
Am 12. November 1937 kam in Berlin Bernd Rosemeyer Junior zur Welt (heute
Prof. Dr. med. in München). Elly Beinhorn war auch während ihrer
Schwangerschaft geflogen, was ihr scharfe Kritik einbrachte. Am 28. Januar
1938 wurde der Wagen ihres Mannes Bernd Rosemeyer bei einem Rekordversuch auf
der Autobahn Frankfurt – Darmstadt in der Nähe von Mörfelden-Walldorf bei
einer Geschwindigkeit von 440 km/h von einer Seitenwindböe erfasst und
überschlug sich mehrmals. Rosemeyer war auf der Stelle tot.
Elly Beinhorn floh in die Luft. Sie wollte sich „die Augen und das Herz
ausblasen“, ließ den kleinen Bernd bei seinen Großeltern und flog über Persien
nach Indien und Siam. Sie wollte vergessen, „fliegen und vorwärts denken“.
Über die Türkei, den Balkan und Ungarn flog sie zurück.
Kriegs- und Nachkriegszeit
Im Herbst 1939 begann der Zweite Weltkrieg und an Sportfliegerei war nicht
mehr zu denken. Beinhorn musste vorerst am Boden bleiben, ihre Taifun tat
Dienst als Kuriermaschine bei der Luftwaffe. Elly Beinhorn heiratete 1942
erneut, den Industriekaufmann Dr. Karl Wittmann (1904–1976). 1942 kam ihre
Tochter Stephanie zur Welt.
Anders als Beate Uhse, Hanna Reitsch und Gräfin Schenk von Stauffenberg war
Beinhorn keine Luftwaffenpilotin.
Ihre Wohnung in Berlin wurde ausgebombt – fast alle ihre Erinnerungsstücke an
ihre Flüge verbrannten dabei – und die Familie zog nach Ostpreußen um. Als die
Front immer näher rückte, flüchtete sie mit ihren Kindern quer durch das
zerbombte Deutschland und fand schließlich in Trossingen auf der Hochebene der
Baar eine neue Heimat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg durften deutsche Staatsbürger vorerst nicht fliegen.
Ungeduldig wartete Elly Beinhorn auf den Moment, in dem sie sich wieder in die
Luft erheben konnte. Oft besuchte sie den Segelflugplatz Klippeneck auf der
Schwäbischen Alb, und eines Tages im Spätsommer 1948 fragte sie der
französische Kommandant des Flugplatzes (der sie kannte), ob sie fliegen wolle.
Also lernte sie Segelfliegen. Im Frühjahr 1951 erneuerte sie in der Schweiz
mit einer gemieteten Piper ihren Pilotenschein (in Deutschland war dies immer
noch verboten). Für eine Illustrierte flog sie als Journalistin und Fotografin
nach Italien, Afrika, Finnland und in andere Länder.
Als in Deutschland das Fliegen wieder möglich wurde, erneuerte Beinhorn auch
ihren Kunstflugschein. 1959 nahm sie erfolgreich am 13. Powder Puff Derby teil
und gewann die Goldmedaille im europäischen Sternflug. 1963 wurde sie Erste in
der Kategorie Damen beim Europaflug sowie Zweite beim Alpen-Sternflug. Mit
ihren Kindern zog sie nach Freiburg im Breisgau, wo sie Bücher und Hörspiele
für den Rundfunk schrieb.
Im Jahr 1968 heiratete ihr Sohn Michaela Gräfin zu Castell-Rüdenhausen
(*1945), die Tochter des Flugkapitäns Wulf Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen
(1905-1980) und seiner zweiten Gattin, der bekannten Schauspielerin Luise
Ullrich (1910-1985).
1979 gab die damals 72-Jährige ihren Pilotenschein freiwillig ab. Zuletzt
lebte sie in einem Seniorenheim bei München. Ihren 100. Geburtstag feierte sie
dort am 30. Mai 2007 im kleinen Familienkreis, wobei man ihr noch einmal
Gelegenheit gab mit einem Flugzeug vom Flugplatz Oberschleißheim aus in die
Lüfte zu steigen. Die Vereinigung Deutscher Pilotinnen (VDP), zu deren
Gründungsmitgliedern sie 1968 gezählt hatte, ermöglichte den halbstündigen
Rundflug über das Alpenvorland.
Elly Beinhorn starb am 28. November 2007 im Alter von 100 Jahren. Die
Trauerfeier fand am 1. Dezember 2007 in München statt. Begraben ist sie in
Berlin auf dem Waldfriedhof Dahlem neben ihrem ersten Mann Bernd Rosemeyer.
Briefmarken

2007 wurde ein 55-Eurocent-Gedenkbriefumschlag zum 100. Geburtstag
herausgegeben. Er trägt einen Werteindruck der Briefmarke Flugboot DoX (Bund
MiNr. 2428). Zum 75. Jahrestag des Rekordflugs von Deutschland nach Istanbul
und zurück im Jahre 1935 erschien am 12. August 2010 eine
55-Eurocent-Sonderbriefmarke mit einem Porträt der Fliegerin und einem Bild
des Flugzeugs Bf 108 Taifun. Der Entwurf stammt von Stefan Klein und Olaf
Neumann, Iserlohn