Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig”  Band 3, Seite 707. Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629

  

Englischer Offizier stahl Brillanten

 

Rolf Kosiek

 

Helmut Lent (1918 – 1944)

 

Die internationalen Regeln für die Behandlung von Kriegsgefangenen sehen vor, daß deren persönliche Habe ihnen verbliebt.  Das gilt insbesondere für die persönlichen Orden und Ehrenzeichen, die die Gefangenen tragen.  Darüber hinaus ist es auch eine selbstverständliche Achtung des Gegners, ihm die verliehenen Ordens zu belassen.

 

In vielen Fällen haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Alliierten, auch die sonst auf ihr „fair play“ so stolzen Engländer, aber nicht danach gehandelt, sondern den Gefangenen die Orden als wertvolle Souvenirs abgenommen.  Das geschah selbst großen deutschen Soldaten und Heerführern gegenüber.

 

Ein besonders schäbiger Diebstahl ereignete sich um das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten des berühmten Nachtjagdfliegers Oberstleutnant Helmut Lent(1) http://en.wikipedia.org/wiki/Helmut_Lent   . Dieser wurde am 13 Juni 1918 in Neumark geboren, ging 1937 nach dem Abitur zur Luftwaffe, errang im Polenfeldzug und bei der Luftschlacht um England erste Luftsiege und war ab Mai 1941 der erfolgreichste Nachtjäger der Welt.  Nach Ritterkreuz (30 August 1941), Eichenlaub (6. Juni 1942) und Schwertern (3. August 1943) erhielt er am 31. Juli 1944 die Brillanten(2).  Der als Inspektor der Nachtflieger vorgesehene Flieger verstarb nach 102 Abschüssen am 7 Oktober 1944 an den Folgen eines tragischen Flugzeugunfall (Aussetzen eines Motors) kurz vor der Landung auf dem Flughafen Paderborn in dessen Nähe er am 5. Oktober seinen Freund, der Eichenlaubträger Jabs, besuchen wollten.   Seine Habe, darunter waren auch seine Orden, kam zu seiner Witwe nach Altenwalde bei Cuxhaven.

 Im April 1945 hat ein englischer Offizier diese Tapferkeitsauszeichnung sowie zwei Fotoalben der Familie Lent aus dem Hause der Witwe gestohlen.

 

 

 

Helmut Lent errang seinen ersten Luftsieg am 2. September 1939 mit einer zweimotorigen Me 110.  Dies war einer der ersten deutschen Abschüsse im Zweiten Weltkrieg.  Die Me 110 leistete einen wesentlichen Beitrag bei den ersten Blitzsiegen  

 

Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts tauchten die gestohlenen Auszeichnungen und die Fotoalben in London auf dem Militaria-Markt wieder auf.  Der deutsche Luftwaffenattaché an der Botschaft in London bekam davon Kenntnis und hat diese Sachen nach  Zustimmung des Bundesministeriums der Verteidigung für umgerechnet 5000 DM angekauft.  Der Witwe wurde die Fotoalben zurückgegeben.  Mit ihrer Zustimmung kam das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten ihres verstorbenen Mannes als wertvolles Ausstellungsstück in das Wehrgeschichtliche Museum im Schloß Rastatt, http://www.wgm-rastatt.de/   .  Bis zum Auffinden der inzwischen wieder verheirateten Witwe des Ordensträgers hatte Herr Gaffry die Auszeichnungen im Panzerschrank verwahrt.

Die Luftwaffenkaserne der Bundeswehr im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme wurde nach dem berühmten Nachtflieger offiziell „Lent-Kaserne“ genannt(1)

 

 Der Dieb oder seine Erben haben also rund vierzig Jahre später aus der Beute ihrer schändlichen Tat noch materiellen Nutzen gezogen, anstatt sich für diese Handlung zu entschuldigen.  Sie wurden auch nicht zur Rechenschaft gezogen.  Eine Klärung der Strafftat von 1945 erfolgte nicht.  Andere britische Stellen entschuldigten sich ebenso nicht für dieses für eine „Kulturnation“ mindestens peinliche Vorkommnis.

 

  Brilianten

 

 

Anmerkungen

1 Brief des Herrn Ullrich Gaffy, Bonn, vom 23. April 2007 an den Verfasser.  Originalbrief im Archiv des Verfassers

2 Gunter Fraschka, „Mit Schwertern und Brillanten.  Die Träger der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung“, Universität, München 1989, S. 171 – 175

 

    Junkers 87 auf Briefmarke

 

Von einem Leser:

Vielen Dank für diese sehr wichtige Abhandlung.


Den gefangenen deutschen Soldaten alle ihre Wertsachen zu stehlen, die sie besaßen, war die Regel, zu der es wenige Ausnahmen gab. Solch ein Benehmen, with dem Wissen und der Genehmigung der Offiziere, zeigt lediglich wie durch und durch kriminell das amerikanische und selbst das englische Militär waren.

Ich kann mich an ein Ausstellungsstück im West Point Militär Museum vor vielen Jahren erinnern, eine Attrappe, die Hermann W. Görings Lederjagdjacke trug, als ob damit überhaupt nichts falsch gewesen wäre, sein privates, nicht-militärisches Eigentum auszustellen. Jahre zuvor hatten sie stolz das schnörkelhaft verziehrte Gästebuch aus Hermann Görings "Carinhall" ausgestellt (nach seiner ersten schwedischen Frau Carin Freifrau von Kantzow geb. Freiin von Fock benannt, er nannte in Andenken an sie sein pompöses Anwesen in der Schorfheide bei Groß SchönebeckCarinhall“). http://de.wikipedia.org/wiki/Carinhall 

Deutsche Soldaten hatten meistens nur einen Fotoapparat und eine Armbanduhr an sich, als sie sich den Alliierten stellten. Diese deutschen Fotoapparate waren besonders wertvoll, da viele von Zeiss und Leica waren. Amerikanischen Soldaten war allgemein nicht erlaubt Fotoapparate zu besitzen. Der Raub, den die Amerikaner nahmen und an ihren Armen und sonstwo anbrachten, betrug wahrscheinlich ein Vielfaches des Betrages von 1,25 Milliarden Dollar, die Amerika an Deutschland nach dem Krieg unter dem Marshallplan zurückgaben


Zuzüglich stahl auch Amerika geistiges Eigentum jeder Art, das viel mehr als 10 Milliarden Dollar betrug, und welches die Grundlage für Amerikas gewerblichen Wohlstand in der Nachkriegszeit und den folgenden Jahrzehnten wurde. Nach dem Krieg in Deutschland raubten die Amerikaner auf offener Straße auch routinemäßig jedes Wertstücke von normalen Bürgern, von Armbanduhr und alles andere - unter vorgehaltener Schußwaffe, wenn nötig.

Fritz

Carinhall

 

Carinhall innen