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Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig” Band 3, Seite 707. Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629
Englischer Offizier stahl Brillanten
Rolf Kosiek
Die internationalen Regeln für die
Behandlung von Kriegsgefangenen sehen vor, daß deren persönliche Habe ihnen
verbliebt. Das gilt insbesondere für die persönlichen Orden und Ehrenzeichen,
die die Gefangenen tragen. Darüber hinaus ist es auch eine
selbstverständliche Achtung des Gegners, ihm die verliehenen Ordens zu
belassen. In vielen Fällen haben nach dem
Zweiten Weltkrieg die Alliierten, auch die sonst auf ihr „fair play“ so
stolzen Engländer, aber nicht danach gehandelt, sondern den Gefangenen die
Orden als wertvolle Souvenirs abgenommen. Das geschah selbst großen deutschen
Soldaten und Heerführern gegenüber. Ein besonders schäbiger Diebstahl
ereignete sich um das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten
des berühmten Nachtjagdfliegers Oberstleutnant Helmut Lent(1)
http://en.wikipedia.org/wiki/Helmut_Lent . Dieser wurde am 13
Juni 1918 in Neumark geboren, ging 1937 nach dem Abitur zur Luftwaffe, errang
im Polenfeldzug und bei der Luftschlacht um England erste Luftsiege und war ab
Mai 1941 der erfolgreichste Nachtjäger der Welt. Nach Ritterkreuz (30 August
1941), Eichenlaub (6. Juni 1942) und Schwertern (3. August 1943) erhielt er am
31. Juli 1944 die Brillanten(2). Der als Inspektor der Nachtflieger
vorgesehene Flieger verstarb nach 102 Abschüssen am 7 Oktober 1944 an den
Folgen eines tragischen Flugzeugunfall (Aussetzen eines Motors) kurz vor der
Landung auf dem Flughafen Paderborn in dessen Nähe er am 5. Oktober seinen
Freund, der Eichenlaubträger Jabs, besuchen wollten. Seine Habe, darunter
waren auch seine Orden, kam zu seiner Witwe nach Altenwalde bei Cuxhaven. Im April 1945 hat ein englischer Offizier diese Tapferkeitsauszeichnung sowie zwei Fotoalben der Familie Lent aus dem Hause der Witwe gestohlen.
Helmut Lent errang seinen ersten Luftsieg am 2. September 1939 mit einer zweimotorigen Me 110. Dies war einer der ersten deutschen Abschüsse im Zweiten Weltkrieg. Die Me 110 leistete einen wesentlichen Beitrag bei den ersten Blitzsiegen
Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts tauchten die gestohlenen Auszeichnungen und die Fotoalben in London auf dem Militaria-Markt wieder auf. Der deutsche Luftwaffenattaché an der Botschaft in London bekam davon Kenntnis und hat diese Sachen nach Zustimmung des Bundesministeriums der Verteidigung für umgerechnet 5000 DM angekauft. Der Witwe wurde die Fotoalben zurückgegeben. Mit ihrer Zustimmung kam das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten ihres verstorbenen Mannes als wertvolles Ausstellungsstück in das Wehrgeschichtliche Museum im Schloß Rastatt, http://www.wgm-rastatt.de/ . Bis zum Auffinden der inzwischen wieder verheirateten Witwe des Ordensträgers hatte Herr Gaffry die Auszeichnungen im Panzerschrank verwahrt. Die Luftwaffenkaserne der Bundeswehr im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme wurde nach dem berühmten Nachtflieger offiziell „Lent-Kaserne“ genannt(1)
Der Dieb oder seine Erben haben also rund vierzig Jahre später aus der Beute ihrer schändlichen Tat noch materiellen Nutzen gezogen, anstatt sich für diese Handlung zu entschuldigen. Sie wurden auch nicht zur Rechenschaft gezogen. Eine Klärung der Strafftat von 1945 erfolgte nicht. Andere britische Stellen entschuldigten sich ebenso nicht für dieses für eine „Kulturnation“ mindestens peinliche Vorkommnis.
Anmerkungen 1 Brief des Herrn Ullrich Gaffy, Bonn, vom 23. April 2007 an den Verfasser. Originalbrief im Archiv des Verfassers 2 Gunter Fraschka, „Mit Schwertern und Brillanten. Die Träger der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung“, Universität, München 1989, S. 171 – 175
Von einem Leser: Vielen Dank für diese sehr wichtige
Abhandlung.
Ich kann mich an ein Ausstellungsstück im West Point Militär Museum vor vielen
Jahren erinnern, eine Attrappe, die Hermann W. Görings Lederjagdjacke trug,
als ob damit überhaupt nichts falsch gewesen wäre, sein privates,
nicht-militärisches Eigentum auszustellen. Jahre zuvor hatten sie stolz das
schnörkelhaft verziehrte Gästebuch aus Hermann Görings "Carinhall" ausgestellt
(nach seiner ersten schwedischen Frau
Carin Freifrau von Kantzow
geb. Freiin von Fock benannt, er nannte in Andenken an sie
sein pompöses Anwesen in der
Schorfheide
bei
Groß Schönebeck
„Carinhall“).
http://de.wikipedia.org/wiki/Carinhall
Deutsche Soldaten hatten meistens nur einen Fotoapparat und eine Armbanduhr an
sich, als sie sich den Alliierten stellten. Diese deutschen Fotoapparate waren
besonders wertvoll, da viele von Zeiss und Leica waren. Amerikanischen
Soldaten war allgemein nicht erlaubt Fotoapparate zu besitzen. Der Raub, den
die Amerikaner nahmen und an ihren Armen und sonstwo anbrachten, betrug
wahrscheinlich ein Vielfaches des Betrages von 1,25 Milliarden Dollar, die
Amerika an Deutschland nach dem Krieg unter dem Marshallplan zurückgaben Fritz
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