Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte" von Dr Heinrich Wendig Hefte 10. Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629

Jungholzhausen heute

 

 

Gefangenenmorde bei Jungholzhausen

 

Nach der Genfer Konvention dürften Kriegsgefangene, die sich ergeben haben, weder gefoltert noch ausgeplündert, erst recht nicht getötet werden.

Die Ermordung wehrloser Gefangener gilt zu Recht als Kriegsverbrechen. Dennoch haben sich die Alliierten, besonders zu Kriegsende, als keine Vergeltung mehr zu befürchten war, mehrfach dieses Verbrechens schuldig gemacht. Über beispielhafte Fälle wurde schon berichtet (1). Ein weiterer solcher gut belegter Massenmord geschah im April bei Langenburg in Hohenlohe (2).

In der zweiten Aprilwoche des Jahres 1945 stieß die als "Gangster-Division" berüchtigte 63. US-Infanterie- Division von Westen gegen das wüttenbergische Hohenlohe vor. Das erstmals am 9. April von US-Panzern beschossene Dorf Jungholzhausen bei Langenburg wurde ab 12. April von einer SS-Jägerkompanie aus Leoben in der Steiermark verteidigt. Am Sonntag, dem 15. April, fand am frühen Abend um und in Dorf ein heftiger Kampf statt, den die Amerikaner für sich entschieden, die viele Deutsche, Pionere und SS-Männer, gefangennahmen. Die Sieger schlugen ihr Quartier beim Bürgermeister Baumann auf, dessen Familie in den Keller geflüchtet war.

"Vom Kellerfenster aus sieht der 15 jährige Jörg Baumann mit eigenem Augen, wie die GIs am Abend des 15. April auf der Dorfstraße die deutschen Kriegsgefangenen ermordeten.

Jörg Baunmann: "Die Amerikaner ließen die Deutschen immer in Vierergruppen mit erhobenen Händen vor sich laufen. Dann erschossen sie die Gefangenen mit ihren MPs von hinten durch Kopfschüsse". Diese Kriegsverbrechen kann Baumann nie vergessen. "Ich habe nichts verblümt", betont der rechtschaffene Bauer mit Nachdruck, "ich will sagen: So war es!"

Am anderen Tag liegen die Toten im ganzen Ort herum. "Sie hatten keine Waffen. Alle waren von hinten erschossen", berichtet Pauline Baumann (1929, Tochter des Bürgermeisters).

Auf Anordnung der Amerikaner muß Bürgermeister Baumann die männliche Bevölkerung zum Sammeln der Leichen einteilen.

"Die kommen alle in ein Massengrab," heißt es zunächst. Für die Grube ist bereits ein Platz ausgewiesen. Aber ein US-Offizier winkt ab. "Nix Massengrab. Die Kommen alle fort". "Die Leichen werden auf Lastwagen geladen und nach Bensheim transportiert. Die Schätzung über die Zahl der Leichen schwanken zwischen 30 bis 33 (Blumenstock) und 60, wie man im Dorf sagt." (2)

Mindesten einer der Ermordeten war Sanitäter und trug deutlich sichtbar das Rote Kreuz.

Nachdem das geschilderte Verbrechen Jahrzehnte lang ungesühnt geblieben war, behandelte das Haller Tageblatt in einer Sonderausgabe (3) den Fall. Der pensionierte US-Oberstleutnant George Finlez war davon erschüttert und informierte "höchste" Stellen in Washington (4). Daraufhin befaßten sich im Herbst 1996 Beamte der Stuttgarter Dienststelle der amerikanischen Kriminalpolizei (CID)- Criminal Investigation Devision mit dem Fall (5).  Sie Hörten sich auch die Aussagen zweier Überlebender - Pioniere - des Massakers an, von denen sich der eine, Herbert Heßler, dreieinhalb Tage in einem Bachoffen versteckt halten und dann, von Einheimischen umgekleidet, nach Hause durchschlagen konnte. Der andere, Heinrich Weber, hatte sich beim ersten Schuß fallen lassen und sich dann, an der Hüfte angeschossen, totgestellt, um sich nach Einbruch der Dunkelheit durch die Front zu deutschen Einheiten bei Wolpertshausen durchschlagen. Dort wollte man seine Schilderung zunächst nicht glauben, weil man der Meinung war: "Amerikaner tun so was nicht!"

Die noch nicht, (1997), abgeschlossenen Untersuchungen ergaben, daß der Gesamtzahl von 63 getöteten Deutschen mindesten 13 - vielleicht bis 48 - deutsche Soldaten, die sich ergaben hatten und schon entwaffnet waren, an jenem Abend in Junghilzhausen von Amerikanen erschossen wurden. "Keine vernünftigen Zweifel können daran aufkommen, daß für die Erschießungen am 15 April 1945 Angehörige der "K"- Kompanie des 254 US-infaterieregiments verantwortlich sind. Die CID-Beamten haben Kopien aus dem Kriegstagebich erhalten, in dem die Besetzung der Ortschaft so beschrieben wird " .. die Einheit stieß nach Jungholzhausen vor, kam dort um 18:25 an und nahm es nach einem sehr heftigen Kampf mit einer Kompanie von 70 SS-Angehörigen. Inzwischen Gefecht wurden 65 Toten gezählt .... Bekannt ist, daß am 15. April 1945 das Kommando über die Kompanie wechselte, wann das an diesem Tag geschah, ist offen. Oberleutnant Harvey H. Carrow, 0554141, folgte Hauptmann James R Hyde, 01315173

 

Heinrich Weber zeigt, wo seine Kameraden und er niedergeschossen wurde.
Foto Konziok aus Haller Tagesblatt, Nr. 255, 4 November 1996, S. 24

 

Anmerkungen:

1 Vgl. "Das Massaker von Lippach" in Heinrich Wendig, Richtstellung zur Zeitgeschichte. Hefte 2, Grabert Verlag, Tübingen, 1991 S 47 ff: "Die Morde von Eberstetten," in Heinrich Wendig, Richtstellen zur Zeitgeschichte, Heft 3, Grabert Verlag 1992, S 39 ff

2 "Die andere Seite", in Uwe Jacobi "Das Kriegsende. Szene 1944/45 in Heilbronn, im Untergrund und in Hohenlohe", Verlag der Heilbrunner Stimme, Heilbrunn 1985, S 90

3 Haller Tageblatt, Sonderausgabe, 23 2 1995, S 36

4 Junge Freiheit Nr 42, 11.10. 1996, S. 28

5 Haller Tageblatt, Nr 25, 4.11. 1996, S. 24


----

Wir möchten heute und vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierung erklären, daß wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferung ehrenhaft zu Land, zu Wasser und in der Luft gekämpf haben, anerkennen. Wir sind überzeugt, daß der gute Ruf und die große Leistung des deutschen Soldaten trotz aller Schmähungen während der vergangenen Jahre in unserem Volk noch lebendig geblieben sind und auch bleiben werden

Bundeskanzler Konrad Adenauer,
an 3. 12. 1952 vor dem Deutschen Bundestag

Zurück zum Frontlzeite