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Aus der Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig” Band 3, Seite 793 Herausgegeben 2008 von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629
Hanna Reitsch stellt Hitler-Film richtig Rolf Kosick Im Jahre 1973 wurde der mit monumentaler Ausstattung gedrehte Film „Hitler, die letzten 10 Tage“ aufgeführt, in dem Sir Alec Guinness die Rolle Hitlers spielt. Darin wird über die letzten Tage im Führerbunker 1945 viel Falsches dargeboten. So gab es zum Beispiel kein viertes Testament Hitlers, das im Film vor dem Bunker zerrissen wird. Die Schauspieler stellen die damaligen Vorgänge so dar, wie Klein-Märchen sich den Untergang des Dritten Reiches vorstellt oder vorstellen soll, jedoch nicht so, wie es ablief.
Als Zeitzeugin hat die große Fliegerin Hanna Reitsch(1), die am 26. April 1945 Generaloberst Robert Ritter von Greim(2) in das bereits eingekesselte Berlin flog, bei Hitler war und dann am 29. April auch wieder mit dem Generalfeldmarchall hinausflog, eine Richtigstellung zu dem Film veröffentlicht(3), in der es heißt: „Was nun die Darstellung meiner Person, mein Tun und die Worte, die ich dort gesprochen haben soll, betriff, so ist aber auch jedes Wort und Geschehen unwahr. Hätte man wirklich die Wahrheit sagen wollen, so hätte man ja nur mich persönlich zu Rate zu ziehen brauchen, doch man wußte sicher: ‚Wenn man bei der Wahrheit geblieben wäre, so wäre der Film halt recht undramatisch geworden. Der wirklich dramatische Flug, den ich als Flieger durchzuführen hatte, um Generaloberst von Greim nach Berlin zu bringen, konnte im Film nicht dargestellt werden, do mußte die Phantasie herhalten, und man setzte mich ganz einfach zwischen Adolf Hitler und Eva Braun, um ihnen die Geschichte unsere Fluges zu erzählen. Dabei habe ich niemals in meinem Leben mit ihnen zusammengesessen.
Meine angebliche Erzählung ist ebenso unwahr wie alles andere, zum Beispiel wurde in Wirklichkeit kein einziger Begleitjäger abgeschossen, im Film dagegen 43. Doch war dies wohl notwendig für das zugrunde liegende Konzept. Ja – und verheiraten wollte mich der Regisseur im Film auch noch mit Feldmarschall Ritter von Greim. Er hat nur nicht gewußt, daß Herr von Greim bereits verheiratet war. Unserer ‚Ehe‘ habe – dem Film zufolge – nur im Wege gestanden, daß ich ‚Ehe‘ als überholte Bürgerlichkeit abgelehnt hatte. Das ist, auf gut deutsch gesagt, eine beispiellose Unverschämtheit. So aber wie meine Rolle (im Film) erfunden ist, außer der einfachen Tatsache, daß ich den verwundeten Generaloberst heil vor dem Brandenburger Tor landete und im Bunker pflegte, so sind auch die Worte und Handlungen der anderen Figuren des Films grotesk erfunden. Es gab im Bunker weiß Gott keine Tanzgelage oder Geschunkel bei festlichem Schmaus – so was dort tief bedrückend, es war fast unreal und still wie in einer Gruft“
Diese persönlichen Richtigstellung fügt die berühmte Fliegerin noch einen bezeichnenden Vorgang in Verbindung mit dem britischen Historiker Trevor-Roper an: ‚Die historische Wahrheit des Films stützt sich auf die Angaben des englischen Historiker Trevor-Roper und dessen Buch über die letzten Rage im Hitler-Bunker. Also muß es wohl wahr sein, so meinten wohl die Filmmacher. Daß ein Historiker, der noch heute am Christ-Church-College in Oxford liest, an der Wahrheit nicht interessiert ist, sondern nur an Politik, mag erstaunen, aber es ist Tatsache. Als ich nach anderthalbjährige Inhaftierung durch die Amerikaner eines Tages erschreckt von dem Buch Trevor-Ropers erfuhr und es las, schrieb ich ihm umgehend einen Brief. Ich war damals allerdings noch sehr jung und glaubte selbstverständlich an das ehrliche Bemühen um die Wahrheitsfindung eines Historikers. Ich teilte ihm mit, er sei einer Fälschung zum Opfer gefallen, denn er habe einen sogenannten Augenzeugenbericht von Hanna Reitsch über die letzten Tage im Hitlerbunker benutzt, der in ‚Ich-Form‘ geschrieben sei, den ich aber nie gemacht, nie geschrieben, nie gesehen und vor allem aber auch nie unterschrieben hätte, weil er eben nicht die Wahrheit entspräche.
Ich sei bereit, ihm yu schreiben, was ich dort erlebt hätte. Seine Antwort – für einen Historiker geradezu erstaunlich – war dem Sinne nach: ‚Was er geschrieben habe, das hätte er von der amerikanischen CIC erhalten, und die sei es gewohnt, nur die Wahrheit zu schreiben. Der englische Historiker wollte wohl meinen eigenen Bericht überhaupt nicht, denn Geschichte schreibt sich, erfunden und gefälscht, für einen Historiker aus dem Kreis der Siegermächte viel leichter, schöner und interessanter, zumal wenn es sich um Taten und Reden der Besiegten handelt.
In meinem Buch „Fliegen, mein Leben“ (Lehmann-Verlag, München) kann jeder, der an der Wahrheit interessiert ist, nachlesen, wie es wirklich war!.
Lesen Sie auch Flugkapitän Hanna Reitsch
Anmerkungen: 1 Hanna Reitsch (1912 – 1979) errang zahlreiche Weltrekorde im Siegelfliegen, wurde der erste weibliche Flugkapitän, war im Zweiten Weltkrieg Testpilotin der Luftwaffe, und flog unter anderem erste Hubschrauber und Raketenflugzeuge. Sie erhielt 1942 als erste Frau das EKI und das Goldene Flugzeugführerabzeichen mit Brillanten. Ab 1945 war sie 15 Monate unter schändlichen Bedingungen in US-Haft, wo sie sich weigerte, unwahre Aussagen zu unterschreiben. Später errang sie sich weitere Weltrekorde im Segelflug. Sie schrieb „Fliegen mein Lebe“ (1951), „Höhen und Tiefen (1978) und „Das Unzerstörbare in meinen Leben (1979). 2 Robert Ritter von Greim (1892 - 1945) vernichtete im Ersten Weltkrieg als erster Flieger einen feindlichen Panzer aus der Luft. Inzwischen Generaloberst geworden, wurde er nach der Absetzung Göring im April 1945 letzter Oberbefehlshaber der Luftwaffe und zum Generalfeldmarschall befördert. Am 8. Mai 1945 geriet er in US-Gefangenschaft, in der er am 24. Mai 1945 sich das Leben nahm. Seine Grabstätte liegt auf dem Friedhof des Klosters Bebenhausen bei Tübingen. 3 „Hanna Reitsch stellt Geschichtsfälschung richtig“, in Deutsche Wochenzeitung, Ne. 32, 10 August 1973
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