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Hitler wollte keine Atombombe (Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte" von Dr Heinrich Wendig Hefte 10. Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629)
Im Sommer 1995 wurde des 50. Jahrestages des ersten Abwurfs einer Atombombe am 6. August 1945 durch die US-Air Force auf Hiroshima gedacht. Obwohl Japan damals bereits zur Kapitulation bereit war und über Rußland an die USA ein entsprechendes Angebot gemacht hatte, mordeten die Amerikaner in Hiroshima mehr als 200.000 Zivilisten, drei Tage später in Nagasaki mit der zweiten Atombombe ähnlich viele Menschen. Beide Massenvernichtungen waren gegenüber Japan militärisch sinnlos, sie sollten die militärische Überlegenheit der USA gegenüber Moskau beweisen. Anläßlich des Jubiläum wurde in der Presse ausführlich erörtert, warum die deutsche Erfindung der Atomkernspaltung nicht im Zweiten Weltkrieg in Deutschland stärker vorangetrieben wurde. Neben dem Widerstand der Physiker und technischen Schwierigkeiten wurde zur Begründung auch Hitlers Desinteresse und sein angeblich mangelndes technisches Verständnis angeführt. Daß auch ein anderes, bei den Alliierten bezeichnenderweise nicht vorhandenes Motiv eine Rolle gespielt haben könnte, geht aus dem folgenden Bericht Otto Skorzenys hervor. Otto Skorzeny schrieb in "Meine Kommandounternehmen" von Otto Skorzeny: "Wahrscheinlich wird es einem künftigen Historiker erstaunlich erscheinen, daß Deutschland nicht die Atombombe gebaut hat, obwohl er seit 1938 theoretisch und praktisch die Möglichkeit dazu besaß. Ende dieses Jahres 1938 lieferten Prof. Otto Hanh und Prof. Straßemann den chemischen beweis für die Kernspaltung. Prof. Hahn erhielt 1945 den Nobelpreis der Chemie. Er arbeitete am Kaiser-Willhelm-Institut in Berlin und Dahlem mit Prof. Werner Heisenberg und einer Reihe andere erstklassiger Forscher. Aber der Assistent Prof Heisenberg war Carl Friedrich v. Weizsäcker, Sohn des Diplomaten Ernst v. Weizsäcker, einer der Verschwörer gegen Hitler. Prof. Frisch, der in Deutschland gearbeitet hatte und frühzeitig nach England emigriert war, brachte als erster (im Januar 1939) den physikalischen Beweis für die Kernspaltung. Seine Tante, Frau Prof. Lise Meitner, eine der Mitarbeiterinnen Otto Hanhs, lebte als Flüchtling während des ganzen Krieges in Stockholm, blieb aber mit Berlin in Verbindung. Ein anderes Institut in Deutschland betrieb ebenfalls schon frühzeitig Forschungsarbeit über das Atom. Das Institut, das sich, wie ich glaube, in Hamburg befand, stand unter Leitung eines jungen, hervorragenden Phzsiker, Manfred v. Ardenne, der nach dem Kriege in Rußland und in Ostdeutschland arbeitete. Goebbels interessierte sich sehr für diese Arbeit. Nach dem Krieg erklärten viele deutsche Physiker, sie hätten die Möglichstes getan, um den Bau der deutschen Atombombe zu verhindern. Das konnte man ihnen moralisch hoch anrechnen, wenn es der vollen Wahrheit entspräche. Seit 1939 interessierte sich Hitler für die unglaublichen Möglichkeiten, die sich aus der Kernspaltung ergaben. Im Herbs 1940 hatte er darüber eine lange Unterhaltung mit Dr Todt, dem Rüstungsminister. Seine Meinung änderte sich nie: er dachte, daß die Anwendung der Atomenergie zu kriegerischen Zwecken das Ende der Menschheit bedeuten würde. (Meine, RJH, Unterstreichung.) Es ist uns heute auch bekannt, daß Hitler nicht nur den Vortrag gelesen hat, den Prof. Heisenberg 1942 an Kaiser-Willhelm-Institut gehalten hatte (über Die Kernsplatung und den Bau Atommeilers mit Uran und die Elektronenschleuder) sondern aucg Berichte anderer, vor 1941 erzielter Forschungsergebnisse. Albert Speer schrieb, daß Hitler "nicht von der Perspektive entzückt war, während seiner Regierungszeit unseren Planeten in einen von Flammen verzehrten Himmelkörper verwandelt zu sehen." (Meine, RJH, Unterstreichung.) Er schrieb dies, wie er sagt, basierend auf wenigen Unterhaltungen, die er mit Hitler "über die Möglichkeit, eine Atombombe zu bauen hatte. Das bedeutet, daß Adolf Hitler diese Frage nicht mehr zur Debatte stand. Dazu möchte ich noch ein persönliches Erlebnis schildern: Nach dem Budapest-Einsatz flog ich im Oktober 1944 wieder einmal nach Ostpreußen ins Führerhauptquartier. Die Ardennenoffensive wurde gerade vorbereitet, und Hitler wollte mir seine Instruktionen für das Unternehmen Greif erteilen. Auch ohne Atomphysiker zu sein, wußte ich, daß er unter Benutzung der Spaltung des Urans möglich war, einen Sprengkörper herzustellen. Mir fiel der Anfang 1943 unternommene englische Sabotage-Einsatz auf, der gegen die Schwerwasserfabrik in Norwegen geführt wurde, und die im nächsten Herbst folgende Bombardierung, die diese fabrik stark beschädigte. Außerdem versenkte man eines Frachtschiffe, das Schwerwasser transportierte. Ich kombinerte für mich: Norwegen, die Reden und Artikel Dr Goebbels und was der Führer eben sagte. Spontan sprach ich von den aufgetauchter gerüchten über die künstliche Radioaktivität und ihre eventuelle Nutzung als Waffe. Hitler sah mich glänzenden, fiebrigen Augen an:
Diese Randbemerkungen Hitlers dauerten kaum mehr als ein paar Minuten. Aber an die Minuten erinnere ich mich genau. Am Anfang meiner Kriegsgefangenschaft, im August 19*45, hörte ich, daß zwei Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Unnötige Bomben nebenbei, denn der japanische Kaiser hatte schon vorher die Amerikaner um ihre Friedensbedingungen gebeten"
Otto Skorzeny "meine Kommandounternehmen", Limes-Verlag, Wiesbaden-München 1993 Siete 149 ff |