Aus der Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig” Band 4, Seite  662 Herausgegeben 2007 von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629, Deutschland

 

 

Es gibt keine „Österreichische Nation“

Rolf Kosiek

 

 

Nachdem die Alliierten 1945 Österreich vom Restdeutschland abgetrennt und weiter wie 1919 die Vereinigung mit dem übrigen Deutschland verboten hatten, versuchten separatistische Kreise, die Ostmark von Deutschland auch kulturell und sprachlich abzukoppeln.  Das Deutsche wurde als Schulsprach abgeschafft und dafür die „Unterrichtssprache“ eingeführt.  Man sprach in amtlichen Kreisen von „Österreichischen Nation“.

 

Doch das ist falsch.  Richtig ist, daß es – wenigsten bisher – noch keine solche gibt.  Die Österreicher sind Deutsche und fühlen sich auch in der weitaus größeren Mehrheit als solche.  1938 stimmten sie mit mehr als 99 Prozent für den seit 1918 ersehnten Anschluß an das Deutsche Reich.  Als sich 1955 die Gelegenheit bot, die Besatzungstruppen loszuwerden, gingen sie auf das alliierte Angebot eines selbständigen Staates ein und fuhren gut dabei.  Daß sie alle neuen Anschlußbestrebungen mit Strafe zu bedrohen hatten, mußten sie als Beweis echter Demokratie und von den Alliierten gewährter Selbstbestimmung schlucken.  Die volkliche und kulturelle Verbindung zum deutschen Volk blieb trotz gelegentlicher gegenteiliger Versuche einzelner, sich antideutscher als die frühere Besatzung verhaltender Intellektueller erhalten.

 

Nach der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags am 15. Mai 1955 von links die Außenminister MacMillan (Großbritannien),  Dulles (USA), Pinay (Frankreich), Figl (Österreich)  und  Molotow (UdSSR).  Der Staatsvertrag sah die Neutralität  Österreichs bei völliger Räumung von alliierten Truppen vor.

 

 

Inzwischen hat man auch nach einigen Jahren das Lächerliche der genannten Schulreform eingesehen, und man ist wieder zum alten Deutsch als Schulsprache übergenommen.  Versuche, mit Hilfe besonderer österreichische Sprachbegriffe wie ‚Erdäpfel‘, ‚Schlagober‘, ‚Marillen‘ oder ‚heuer‘ eine österreichische Sprache zu schaffen und sich sprachlich vom deutschen Kulturkreis abzutrennen, sind ebenfalls gescheitert.

 

Dazu ist die Blutsverwandtschaft zu eng und die lange gemeinsame Geschichte zu verpflichtend.  Die österreichischen Herrscher waren Jahrhundert lang deutsche Kaiser und fühlten sich als Deutsche.

 

So schrieb Kaiserin Maria Theresia im April 1768 an ihre Tochter Marie Karolnie: „Meine liebe Tochter …. Sollst Du nie vergessen, daß Du geborene Deutsche bist“(1)

 

Kaiser Joseph II, der „Deutsche“, schrieb in einem Brief vom 13. Juli 1787 an Karl Theodor von Dahlberg: „Deutschland unser gemeinsames Vaterland, welches ich gern so nenne, denn ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“(2)  Besonderes Kaiser Franz Joseph ließ an seinem Deutschsein keinen Zweifel.  Als ihn der englische König Edward VII zu einem Krieg gegen Deutschland gewinnen wollte, entgegnete der Kaiser ihm: „Sire, ich bin ein deutscher Fürst“(3) und lehnte ab.   Nicht von ungefähr war 1848 der Habsburger Erzherzog Johann von der Frankfurter Nationalversammlung  als Reichsverweser eines erstrebten Deutschen Reich unter Einfluß Österreichs gewählt worden.   Im Jahre 1849 erklärte der greise österreichische Feldmarschall Radetzky: „Auch in unserer Brust schlägt ein stolzes deutsches Herz, und wir räumen niemandem das Vorrecht ein, deutscher zu empfinden als wir.“  Selbst die Sozialisten dachten nach 1918 vor der deutsch-österreichischen Nationalversammlung: „Grade in dieser Stunde, wo es so leicht und so bequem und vielleicht auch so verführerisch wäre, seine Rechnung abgesondert zu stellen, und vielleicht auch der List der Feinde Vorteile zu erhaschen, in der Stunde soll unser deutsches Volk in allen Gauen wissen: Wir sind ein Stamm und eine Schicksalsgemeinschaft.“(4)

 

 

Erzherzog Johann zieht als Reichsverweser am 11. Juli 1848 in Frankfurt/M. ein.  Aufgrund des von der Nationalversammlung verabschiedeten „Reichsgesetzes über die Einführung einer provisorischen Zentralgewalt für Deutschland“ verfügte Johann über den militärischen Oberbefehl und vertrat Deutschland völkerrechtlich

 

 

 

 

Auch nach 1945 haben angesehene österreichische Politiker sich als Deutsche erklärt.  So stellte zum Beispiel der lange Jahre regierende Bundeskanzler Bruno Kreisky gegenüber Jürg Heider bei einem Gespräch fest: „Ich glaub‘ auf eines können wir uns einigen: Wir sind alle Deutsche“(5)

 

  Maria Theresa         Joseph II       Bruno Kresky

In größter Zahl könnten die Erklärungen österreichischer Dichter und Denker wie Franz Grillparzer, Peter Rosegger, Anton Wildgans oder Fritz Stüber angeführt werden.  Es sei auf eine  entsprechende Sammlung von solchen Zitaten aus den Zeiten Walther von der Vogelweides bis in die Gegenwart verwiesen.(1)

 

1983 fragte in einem Leitartikel der FAZ(6) deren Herausgeber Reissmüller: „Sind die Österreicher Deutscher?§  Er kam zu dem Ergebnis, daß die größte Mehrheit sich noch als deutscher fühle, was sich allerdings ändern könne.  Um dieselbe Zeit erschien ein Sammelband über die deutsche Frage und Österreich(7), und zum 30. Jahrestag von Österreichs ‚Unabhängigkeit‘ brachte der spätere Europaabgeordnete Mölzer einen weiteren zu dieser Frage mit vielen Zitaten heraus.(8)

 

Sogar das Ausland sieht das mit Recht in gleicher Weise.  So begründete ein tschechisches Gericht in Brünn im Jahre 2008 seine Ablehnung der Klage eines österreichischen Staatsbürgers unter anderem mit den klaren und zutreffenden Worten: „die Anschauung, daß die berufsführende Partei österreichischer, keineswegs deutscher Nationalität sei, kann nicht beigepflichtet werden.  Eine österreichische Nation existiert nicht.  Es handelt sich um einen Zweig der deutschen Nation, der nur in einigen und verhältnismö0ig kurzen Abschnitten seiner Geschichte in einem vom Mutterstamm abgetrennten staatlichen Gebilde gelebt hat.  Es war dies vom Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen bis zum Jahre 1938 und dann wiederum Zusammenbruch des Dritten Reiches im Jahre 1945.“  Und ebenso richtig stellte das Gericht daran abschließend fest: „der Umstand, daß vielleicht einige selbständige Zeichen einer österreichischen Kultur bestehen, die sich auf einem bestimmten, von Deutschen bewohnten Gebiet entwickelt hat, kann nicht als entscheidend für die Existenz einer selbständigen Nation angesehen werden“(9)

 

 

 

 

 

Anmerkungen:

1 Zitat in: Österreichs Deutsches Bekenntnis, Österreichische Landsmannschaft, Wien 1976, S. 12

2 Ebenda, S 13

3 Ebenda S. 31

4 Ebenda S. 34

5 Zitiert in Die Aula, Dezember 2008, S. 29

6 Johannes Georg Reissmüller. „Sind die Österreicher Deutsche“, in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.9. 1983

7 Heinrich Lutz u. Helmut Rumpler (Hg.) „Österreich und die deutsche Frage im 19. Und 20. Jahrhundert“, Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1982

8 Andreas Molzer (Hg.) „Österreich und die deutsche Nation“, Aula, Graz 1985

9 „Österreichische Nation gibt’s nicht!“, in Die Aula, Dezember 2008, S. 29