Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte" von Dr Heinrich Wendig Hefte 10. Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629



Leibstandarte erschoß nicht 4000 Gefangene



In seinem Buch "Der große Rausch" (1) - ein Erlebnisbericht eines Frontberichterstatters der ‘SS-Leibstandarte Adolf Hitler’ (LAH) über den Rußlandskrieg - beschriebt Erich Kern Grausamkeiten sowjetischer Truppen an deustchen Gefangenen und Volksdeutschen und führen eine angebliche deutsche Vergeltungsaktion bei Neu-Danzig an (2): "Am nächten Mittag kam der befehl an die Division: Auf Grund der unmenschlichen Grausamkeiten der Roten Armee im Abschnitt unserer Einheiten werden die Gefangenen der letzten drei Tage als Vergeltungsmaßnahme erschossen!

Das Leben von viertausend Mann war verspielt". Und er schildert dann eine Exekution.

Mehrere Historiker haben diese nur an dieser Stelle erwähnte Maßnahme als Kriegsverbrechen der Deutschen aufgegriffen, und sie in die Literatur eingeführt, offenbar ohne die Richtigkeit nachgeprüft zu haben. Nachforschungen ergaben, daß die Schilderung von Kern offenbar erfunden ist. In der mehrbändigen Kriegsgeschichte der leibstandarte heißt er zum "Kampfraum Nowo Danzig (3):

"Mehrere namhafte Zeitgeschichtler des In- und Auslandes lasten der Leibstandarte an, während der eben dargestellten Kämpfe bei Nowo Danzig in einer - auf höheren Befehl angeblich durchgeführten - Vergeltungsaktion 4000 Sowjetsoldaten erschossen zu haben.

Die Herren Reitlinger, Stein Weingarten, Wykes und andere haben, ohne Nachprüfung der Fakten, von einer eher romanhaft geschriebenen Reportage, die unter dem Titel "Der große Rausch" von E. Kern verfaßte und schon 1948 erschienen ist, abgeschrieben.

Der Verfasser hat sich der Mühe unterzogen, die im Bundesarchiv - Militrarchiv - in Freiburg vollständig vorhandenen Kriegstagebücher der in diesem Raum zur fraglichen Zeit gewesenen Verbände und Kommandobehörden nebst deren Anlagen durchzusehen. An keiner Stelle gibt es für diesen Zeitraum (16. - 18. August 1941) einen Hinweis auf das Abfinden von Leichen mißhandelter deutscher Soldaten und auch keinen Befehl an die Leibstandarte, eine irgendwie geartete Vergeltungsaktion durchzuführen. Noch beweiskräftiger als das Ergebnis dieser Nachforschung in die Archiven dürfte indes die Tatschache sein, daß kein einziger der Soldaten LAH, die sich in russischer Kriegsgefangenschaft befunden haben, von den russischen Kriegsgerichten zu diesen angeblichen Erschießungen im Raum Nowo Danzig vernommen, geschweige denn deswegen angeklagt worden ist. Es ist nicht anzunehmen, daß den russischen Behörden eine solche Greultat selbst in den Wirren des Jahres 1941 verbogen geblieben wäre. Der Autor von "Der große Rausch", Erich Kern, weist daraufhin, sein Buch sei eine "Reportage", eine freie Darstellung des Autors (also keinen Dokumentation).

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg, mit der Aufklärung von NS-Gewaltverbrechen befaßt, beantwortete eine diesbezügliche Anfrage wie Folgt: "Über eine Exekution von ungefähr 4000 sowjetischen Kriegsgefangenen die Leibstandarte Adolf Hitler zwischen dem 16. und 18. August 1941 liegen hier keine Erkenntnisse vor".

Anläßlich einer weiteren Betarchtung dieses Falles wure ebenfalls wohl zu Recht festgestellt "Die Sowjetunion hat auch noch in den ganzen 70er Jahren durch eigens hierfür geschaffene Kommissionen in allen je von deutschen Truppen betretenen Teilen ihres heutigen Nachtbereiches eingehende Befragungen der Bevölkerung durchgeführt, um möglicherweise bis dahin unbekannt gebliebene deutsche Verstöße die Kriegsgesetze und die von ihr selbst nicht anerkannten und befolgten internationalen Konventionen aufzudecken. Es darf keines Hinweises auf die damit verfolgten politischen Absichten. Für die oben dargestellte Behauptung haben sich bei dieser ganzen Aktion keinerlei Anhaltspunkte ergeben. Sie ist frei erfunden. (4)
 


Anmerkungen:

1. Erich Kern, Der große Rausch. Thomas Verlag, Zürich 1948; Lizenzausgabe Verlag Lothar Lebenrecht, Waibingen 1950; Verlag K. W: Schütz, Pr Oldebdorf 1971

2 Ebeda, Ausg 1950, S 44, Ausg 1971 S 48 f

3 Rudolf Lehmann u. R. Tiemann, Die Leibstandarte 1933 -. 1945, Bd II, 1980, S 115 F

4 Hiag-Kalender 1985

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Wir möchten heute und vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierung erklären, daß wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferung ehrenhaft zu Land, zu Wasser und in der Luft gekämpf haben, anerkennen. Wir sind überzeugt, daß der gute Ruf und die große Leistung des deutschen Soldaten trotz aller Schmähungen während der vergangenen Jahre in unserem Volk noch lebendig geblieben sind und auch bleiben werden

Bundeskanzler Konrad Adenauer,
an 3. 12. 1952 vor dem Deutschen Bundestag

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