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Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig". Band 1, Seite 329 Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629 NS-Finanzierung durch deutsche Großindustrie? Von Dr Rolf Kosiek
Seit Anfang der dreißiger Jahren und
verstärk in der Nachkriegszeit -
insbesondere bei den Doch diese Ansicht ist offensichtlich falsch, wie der Würzburger Geschichtsordinarius Rainer F Schmidt in einem 15seitigen Aufsatz nachwies.(3) Die mit vielen Zahlen und Belegen vorgetragene Beweisführung kommt für die einzelnen Phasen der Aufstieg der NSDAP zu den folgenden, die herrschende Meinung korrigierenden Ergebnissen über die Finanzierung der Partei. 1 In der Zeit von 1918 bis 1923 bekam die zunächst sehr finanzschwache NSDAP vor allem Spenden von Geldgebern aus dem persönlichen Bekanntenkreis Hitlers. Hinzu traten wenige Unterstützungen aus dem Ausland wie die von dem amerikanischen Autohersteller Henry Ford. Einige wenige mittelständisch und größere Unternehmen half großzügig mit Sachleistungen und Finanzmitteln. "Hohe Geldspenden aus der Industrie spielten für das Wachstum der NSDAP in dieser Frühzeit also keinen Rolle", da die Partei zu sozialistisch erschien.(4) So habe Paul Relisch, der Generaldirektor der Gutehoffnungshütte einen um Spenden nachsuchenden Abgesandten Hitlers mit den Worten abgekanzelt: "Wir haben keine Veranlassung unsere eigenen Totengräber su unterstützen".(5) Die Partei begann deswegen schon früh und mit großem Erfolg, "ihre Mitglieder und Sympathisanten zur Kasse zu bitten". Der Erfolg war beträchtlich: "Opfergeist, nationalreligiöse Inbrunst und Hingabe unter den frühen Anhänger zahlten sich in klingender Münze aus, so daß die Spendenbereitschaft insbesondere ärmerer Leute ans "Unglaubliche grenzte".(6)
2 Für die anschließende Zeit von der Neugründung der NSDAP im Februar 1925 bis zum großen Durchbruch bei der Reichstagswahl vom September 1930 stellt Schmidt zwar ein von Juni 1926 an "etwa 18 Monate dauerndes, beständiges Werbe Hitlers um die Wirtschaftsmagnaten" gest Hitler habe dafür versucht, "die NSDAP als Bollwerk gegen eine sozialistische Unterwanderung der Gesellschaft zu verkaufen und ihr Parteiprogramm in einer industriefreundlichen Version zu präsentieren"(7) Dennoch sei der Erfolg gering gewesen und nur auf Ausnahmefälle beschränkt geblieben: "Für die Großindustrie in ihrer Gesamtheit galt nach wie vor, daß die Janusköpfigkeit der NSDAP eine Förderung ausschloß"(8).(A) Zur Deckung ihres Finanzbedarfs ging die Partei neben den anhaltenden Appellen an die Opferbereitschaft der Mitglieder auch zu modernen Finanzierungspraktiken über, die man heute mit "Merchandising" bezeichnet. Eine Reichszeugmeister wurde für alle Ausrüstungsgegenstände der SA eingerichtet. Mit mittelständischen Unternehmen wurde nationale Konzessionsverträge abgeschlossen, wonach gegen Gewinnbeteiligung massenverbrauchsartikel verkauft wurden, wie zum Beispiel eine Rasierklinge mit dem Namen "Stürmer", eine Margarine mit der Bezeichnung "Kampf", oder - besonders gewinnbringend - die Zigarettenmarke "Sturm". Dazu kamen die Erlöse bei Massenkundgebungen und vielen örtlichen Versammlungen, bei denen die NSDAP im Gegensatz zu den anderen Parteien es sich erlauben konnten. Eintritt zu erheben. Letzteres machte 1930 - nach Anzug der Unkosten - im ganzen Jahr 1,7 Millionen Mark aus. Weit größere Beiträge seien allerdings immer noch von Mitgliedern und Ortsgruppen aufgebracht worden, allein im August 1930 sind 3 Millionen Mark. "Die Zahlungen für das kommende Vierteljahr ergaben nochmal die Summe von fast 3,3 Millionen Mark." Mit diesen selbst aufgebrachten Mitteln ausgerüstet, führte die NSDAP den Wahlkampf, der ihr dann "im September 1930 den spektakulären Wahlsieg einfuhr. den je eine politische Gruppierung in Deutschland seit 1871 zu verzeichnen gehabt hatte"(9). 3 Dadurch war die Partei im Herbst 1930 zu einem wirklichen Machtfaktor
geworden, und das änderte auch etwas am
Verhalten der Großindustrie ihr gegenüber.
Hinzu kam zu der Heinrich Brüning
Für die Jahren 1930 bis 1932 ergibt damit der Befund, "daß die Mittel der deutschen Großindustrie, die in diesen Jahren an die Partei Hitlers flossen, nur einen Bruchteil dessen darstellten, was man ihrer Rivalen auf dem rechten Parteienspektrum zukommen ließ."(10) Nach wie vor bildeten bis zur Machtübernahme 1933 die Eigenmittel die Haupteinnahmequelle der Partei, Schmidt kommt gerner aus seinen Untersuchungen für den politischen Bereich zu dem Schluß: "Schließlich kann auch keine Rede davon sein, daß die Vertreter der Großindustrie hinter den Kulissen die Machtergreifung Hitlers betrieben. Nach der Novemberwahl (1932) reiste Hitlers Wirtschaftsbeauftragter, Wilhelm Keppler, durch die Industriegebiete an Rhein und Ruhr und ermunterte alles, was in Wirtschaft- und Finanzkreisen Rang und Namen hatte, sich in eine Liste einzuschreiben, die Hindenburg beweisen sollte, daß die Wirtschaft geschlossen hinter Hitler stünde. Das Ergebnis war enttäuschend: Es waren nur neunzehn Unterschriften zusammengekommen, und unter den Unterzeichnern waren nur wenige prominente."(11) Als Ergebnis für die letzten Jahre vor 1933 ergibt sich aus der Schmidtschen Untersuchungen: "Die finanziellen Subsidien, die die NSDAP seitens der deutschen Großindustrie vor allem in den Jahren 1931/32 erhielt, als die Partei zum Machtfaktor der deutschen Politik wurde, fielen weder für den Aufstieg zum Massenphänomen noch für die Ereignisse im Jahr 1933 entscheidend ins Gewicht".(11) Bedeutsam war dagegen offenbar. was heute gern verdrängt wird, was nur aus der damaligen Zeit zu verstehen und für Nachgeborene schwer verständlich ist, was aber die damalige Wirklichkeit wiedergibt und womit Schmidt weinen auch sonst zeitgeschichtlich sehr interessanten Artikel anschließ: "Die nationalsozialistischen Wähler wurden nicht gekauft, sie wurden überzeugt. Hitlers Kapital steckte nicht in den Börse der Industriemagnaten, sondern in den Herzen der Menschen. Nicht die Macht der Millionäre war der entscheidende Faktor, sondern die Macht der Millionen."(12)
Lesen Sie auch The Myth of "Sidney Warburg" Anmerkungen: 1 Fotomontage von Johann Herzfeld für Titelblatt der "Arbeiter-Illustrierte-Zeitung" vom 16 Oktober 1932, auch in Roland März, Herzgeld montiert, 1930-1932, Leipzig 1993, S 174 2 Zit. In Eberhard Czechon, "Wer verhalf Hitler zur Macht? Zum Anteil deutschen Industrie an der Zerstörung der Weimar Republik", Köln 1978 S 13ff 3 Reiner F Schmidt: "Millionen stehen hinter mir" - Der wahre Sinn des Hitlergrußes. Zur Finanzierung der NSDAP vor 1933," in Historische Mitteilungen der Ranke Gesellschaft" Bd 16, 2003 S 140 - 154. Die Fotomontage wird auf Seite 140 wiedergegeben. 4 Ebenda S 147 5 Ebenda 6 Ebenda 7 Ebenda S. 148 8 Ebenda S. 149 9 Ebenda S. 151 10 Ebenda S. 152 11 Ebenda S. 154 12 Ebenda
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