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Aus die Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte" von Dr
Heinrich Wendig Hefte 10. Herausgegeben von Grabert Verlag, 72006 Tübingen,
Postfach 1629
Polens Marschall in Siegerpose vor dem Brandenburger Tor Im Sommer 1939 rechnete Polen mit einem schellen Sieg über die deutsche Wehrmacht. Selbst der polnische Generalstab war sich eines schnellen Vormarsches bis Berlin sicher. Als der damalige französische Außenminister George Bonner dem polnischen Botschafter in Paris, Graf Julius Lukasiewicz, bei einer Unterredung am 15. August 1939 warnend vorhielt, daß Hitler die polnische Armee innerhalb von drei Wochen zu besiegen gedenke (was dann bekanntlich auch geschah), antwortete dieser entrüstet: "Im Gegenteil, die polnische Armee wird vom ersten Tage an nach Deutschland eindringen." (1) Diese völlig groteske und, wie sich zeigen sollte, tragische Verkennung der Wirklichkeit trug mit dazu bei, daß Warschau im August 1939 die einen Ausgleich der Spannung gewidmeten deutschen Vorschläge zur Lösung der Danzig- und Korridorfrage brüsk ablehnte und im Lande eine Kriegshysterie und Kriegsbegeisterung erzeugte, die sich an vielen Beispielen zeigte.
Bezeichnend war ein Vorfall, den Ernst Rietler aus München in einem Leserbrief in der Quick (2) erwähnte: "Der polnische Marschall Rydz-Smuglz ließ sich bereits vor dem September 1939 ein Ölgemälde anfertigen, das ihn hoch zu Roß in voller Galauniform unter dem Brandenburger Tor zeigt." Und auch in einem fast ganzseitigen Bericht über "Polen 1939" in der FAZ (3) heißt es: "Dieset Siegeszuversicht (Polens (HW), die sich nicht zuletzt auf den Ausbruch eines "allgemeinen Kriegs" stütze, entsprach im übrigen auch ein Gemälde, das der polnische Oberkommandierende, Marschall Rydz-Smigly, bereits im Sommer 1939 in Auftrag gab und das ihn hoch zu Roß in voller Gagauniform als Sieger unter dem Brandenburger Tor zu Berlin zeigte"
Der Verfasser (HW) ist auch der Meinung, vor Jahren die Abbildung solch eines Gemäldes einmal gesehen zu haben, ohne sich jedoch an weitere Einzelheiten mehr erinnern zu können oder einen Hinweis in seinen Archiv zu finden. Er schrieb deshalb an Her Riezler, den er kurz vorher kennengelernt hatte, am 11. 4. 1990 eine Anfrage und erhielt von diesem einen Brief von 20. 4. 1990 (4) in dem es unter anderen heißt: "Die Sache mit meiner Leserzuschrift hat inhaltlich ihre absolute Ordnung. Dieses Bildnis von Tydz-Smigly, in Siegerpose durch das Brandenburger Tot reitend, ist noch tief in meinem Gedächtnis. Jedoch bin ich nicht in die Lage es dahingehend einzuordnen, ob ich es in einer Wochenschau, in einem filmoschen Kriegsbericht, in einer der gängigen Illustrierten, einer Wochen-, einer Tageszeitung oder einer Partei-Zeitung abgebildet gesehen habe. Es hat sich um ein größeren Ölgemälde gehandelt, das von zwei deutschen Soldaten gehalten gezeigt und so photographiert wurde. .... Ich nehme an, daß man dieses Bilddokument, gleichwohl wo es erschienen ist, vernichtet hat. Auf jeden Fall hat es sich um ein Gemälde, das im Polenfeldzug - vermutlich in Warschau - erbeutet wurde." Da Herr Riezler selbst Kunstmaler und Restaurator ist, dürfte seinem Zeugnis ein besonderer Wert ankommen. Weitere Nachforschungen nach diesem Bild oder Darstellungen von ihm blieben ohne Erfolg, auch solche von dem inzwischen verstorbenen Dr Karl-Otto Braun in Washingtoner Archiven Im Januar 2003 brachte die Märkische Zeitung diese Abbildung:
Anmerkungen I Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr 202 vom 31. 8. 1979 S 6 2 Quick Nr 45, 1979 3 Dr Alfred Schickel "Polen 1939 - gesehen mit britischen Augen," in Farnkfurter Allgemeine Zeitung Nr 202 vom 31. 8. 1979 S 5 f 4 Brief von Ernst Riezler , München, vom 20. 4. 1990. Original um Archiv des Verfassers.
Im Mai 1939 - nach der englischen Garantie für Polen - fanden auch polnisch-französische Generalstabsbesprechungen in Paris statt. Der polnische Kriegsminister General Kasprzycki und sein Generalstabschef waren in Paris, um mit General Gamelin zu konferieren- bei einem Frühstück wurde - in Anwesenheit des damaligen französischen Außenministers Geotrges Bonnet - der polnische Kriegsminister nach dem Zustand der Befestigungen an der deutsch-polnischen Grenze gefragt. Kasprzycki antwortete: " Wir haben keine (gemeint waren Befestigungen), denn wir gedenken einen Bewegungskrieg zu führen und gleich zu Beginn der Operationen in Deutschland einzufallen." (Einzelheiten bei Georges Bonnet, Vor der Katastrophe, Köln 1951, S 220-228)
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