|
|
|
|
Aus der Reihe "Richtstellungen zur Zeitgeschichte Der Große Wendig” Band 4, Seite 211 Herausgegeben 2007 von Grabert Verlag, 72006 Tübingen, Postfach 1629
Das Schicksal der Juden in der Sowjetunion Hans Meiser
Ähnlich wie Terrormaßnahmen Stalins gegen die eigene Bevölkerung lange Zeit ein Tabu waren, wurde das Schicksal der mehrere Millionen Juden in der Sowjetunion nach 1917 am Westen Jahrzehnte lang verdrängt. Hinzu kommt, da+ die Haltung der Bolschewisten gegenüber den Juden stark wechselte. Ein Verständnis der Entwicklung im Osten ist ohne das Wissen um diese Vorgänge jedoch nicht möglich.
Unterdrückte werden zu Unterdrückern Die anfangs äußerst starke Beteiligung osteuropäischer Juden am Aufbau des Bolschewismus ist im wesentlichen auf die traumatischen Erlebnisse vieler von ihnen zurückzuführen, auf die Beschränkungen und Pogrome, unter denen sie in Rußland zur Zarenzeit zu leiden hatten. Das erste Exekutivkomitee der Komintern hatte mehr jüdische als nichtjüdische Mitglieder.
Nach der Februarrevolution von 1917 wurden die Beschränkungen, denen die Juden im Zarenreich unterworfen waren, von der Provisorischen Regierung unter Kerenskij aufgehoben. Sie konnten nun ihren Wohnsitz frei bestimmen, erhielten Zugang zu Bildungseinrichtungen, zu politischen Ämter und hohen Militärrängen, konnten an der lokalen Selbstverwaltung teilnehmen und Eigentum in ganz Rußland erwerben.
Von nun an beteiligten sich die Juden in Rußland am politischen Geschehen und am ‚Großen Umbruch‘. Nicht nur im Exekutivkomitee der Arbeiter – und Soldatenräte, sondern auch im neuen Machtapparat, von der bolschewistischen Führungsspitze bis in die ausführenden Organe, nahmen sie bedeutende Posten ein, was im russischen Volk Unmut hervorrief. Die neue Sowjetmacht gründete ein ‚Jüdisches Kommissariat, das bis 1930 bestand. Pläne zur Schaffung einer eigenen Republik auf der Krim oder in Birobidschan scheiterten letztlich.
Rotes Zion im sowjetischen Fernost Am 28. März 1908 wurde unter Stalin an der sibirischen Bahnstation Tichonka (Birobidschan) der ‚Jüdische Nationale Bezirk‘ gegründet, der am 7. Mai 1934 auf Beschluß des Zentralexekutivkomitees zum ‚Jüdischen Autonomen Gebiet Birobidschan‘ (‚Jewrejskaja Autonomnaja Oblast‘) erklärt wurde. Nach dem Willen der Sowjetregierung sollte hier eine sozialistische autonome Republik der Juden entstehen.
Rußlands Präsident Medwedew (selbst einen Jude rjh) besuchte im Mai 2010 die jüdisch autonome Republik Birobidschan und ‚versprach mehr Engagement für das vergessene Land der Juden‘. In der der Autonomen jüdischen Republik bilden die Juden eine Minderheit; 1948: 30.000; 1970: 14.200
Die damals dünnbesiedelte, unwirtliche Region Birobidschan (36 000 qkm) mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt liegt in Nähe der chinesischen Grenze, 5000 Kilometer von Moskau entfernt, am rechten Rand von Chabarowsk. Sie sollte die neue Heimat der Juden in Sowjetunion werden.
Heute leben unter den 200.000 Bewohnern dieses Gebiet nur noch etwa 3000 gläubige Juden. Seit der Gründungszeit konnten sie, selbst unter Stalin Terrorwellen, mehr oder weniger unbehelligt, mit eigenständiger sozialer, und kultureller Struktur leben. Zu Russisch kam Jiddisch als zweite Amtssprache. Schon bald wurde jiddische Tagezeitungen, Verlage und Theater gegründet. Seit 1930 erschien täglich die zweisprachige Gebietszeitung Birbidsbauer Shtern, ao0er am Samstag und Sonntag. Bis heute haben sich in Kammermusiktheater und ein Jiddisches Theater erhalten. In Schulen wird neben Russisch auch in Jiddisch unterrichtet.
Michail Kalinin ein großer Befürworter des Roten Zion. Millionen Juden – davon etwa
Das Projekt eines Roten Zion fand anfangs großen Anklang und erfolgte unter internationaler Beteiligung, Die amerikanische Hilfsorganisation ‚Ikor‘ sammelte Geld, kaufte Landmaschinen und organisierte Überfahrten. Amerikanische und britische Prominente, unter ihnen Albert Einstein, unterstützten das Projekt publizistisch und finanziell, auch noch nach 1945.
Nach anfänglichem Erfolg ließ die jüdische Einwanderung rasch nach. Die städtische Bevölkerung wuchs entgegen der staatlichen Absicht schneller als die ländliche. Viele jüdische Neusiedler reisten bereits in den dreißiger Jahren wieder ab. Während der Terrorwellen der Jahre 1936 bis 1939 blieb auch das autonome Gebiet nicht verschont.
Doch weil Stalin 1948 befürchtete, daß sich die Juden die in Sowjet lebten nach Gründung des Staates Israel politisch illoyal verhalten würden. Scheiterte das Birobidschan-Vorhaben. Eine antisemitische Kampagne zerstörte jede kulturelle Selbstständigkeit der Juden in der gesamten Sowjetunion. Jüdische Intellektuelle galten jetzt als ‚entwurzelte Kosmopoliten‘ und ‚Lakaien der westlichen bourgeoisen Kultur‘ und wurden verfolgt. Die jiddischen Bildungseinrichtungen Birobidschans wurden geschlossen, das Jiddische verpönt und die jiddischen Intellektuellen verhaftet oder gemaßregelt.
Juden im Sog der ‚Säuberungen‘ Die Blüten der zunächst geförderten jiddischen Kultur endete in den dreißiger Jahren. Jetzt gerieten auch die Juden in die Säuberung des ‚Großen Terror‘ unter Stalin. Im Krieg mit Deutschland gerieten Juden aus Rußland zwischen die Fronten. Noch ehe die deutsche Wehrmacht einrückte, rächte sich die baltische und ukrainische Bevölkerung wegen des von jiddischen Politoffizieren durchgeführten blutigen Terror mit der Ermordungen Zehntausender von Juden.
Von den bei Kriegsausbruch in sowjetischer Hand befindlichen etwa, .5,3 Millionen Juden – davon etwa 350 000 Juden, die während des Polenfeldzuges in die sowjetische Zone geflohen waren – wurde der größte Teil von den Sowjets nach Sibirien deportiert, wo etwa eine Million in Arbeitslagern oder in der Rote Armee (rund 200 000) umkamen(1). Diese Opfer wurden mit auf das deutsche Schuldkonto geschrieben. Nur etwa 15 Prozent (rund 720 000) der Juden in Sowjet kamen unter deutsche Verwaltung. Es handelte sich dabei überwiegend um Angehörige der älteren Generation mit einer hohen Sterblichkeitsrate, die bei den Kriegshandlungen und auch durch Unterernährung, Erkrankungen usw. hohe Verluste erlitten. Nach Abzug der Wehrmacht lebten dort noch etwa 50 Prozent.
Der Bolschewistische Terror hat in der Sowjetunion zu insgesamt mehr als 60 Millionen Todesopfern geführt. Als Hitler 1933 Konzentrationslager für seine politischen Gegner einrichtete, brandete ihm aus aller Welt wütender Haß entgegen. Während in diesen Lagern bis zum Kriegsbeginn sich nicht mehr als 25 000 Häftlinge befanden (mit relativ wenigen Todesfällen!) , darunter die Hälfte Kriminelle, regte sich weltweit niemand über die seit 1917 vielen Millionen Todesopfer in der UdSSR auf. Mit diesen Morden hat sich schon damals abgefunden. Heute sind diese Gipfel an Verbrechen aus den deutschen Geschichtsbüchern fast verschwunden und in den Schulbüchern überhaupt nicht aufzufinden. Schlimmer noch: ‚Deutsche Linksintellektuelle rechtfertigen bis heute diese Verbrechen“. Alexander und Margarete Mitscherlich beispielsweise schrieben unwidersprochen: Im Übrigen „kann nicht ausgeschlossen werden, daß sich im Laufe der kommenden Jahrzehnte die außerdienstlichen Opfer der russischen Revolution so etwas wie bezahlt (!) machen(2)“.
So kommt Ernst Nolte in einem Vorwort zu den Schluß: „Es gibt kaum einen wichtigeren und folgereicheren Mythos als den von dem ‚jüdischen Bolschewismus, Aber die konkreten Erfahrungen, die ihm zugrunde lagen, sind gründlicher vergessen oder verdrängt worden als im Falle aller vergleichbaren Mythen“.
Doch weil das Thema, wie der verstorbene israelische Historiker Jacob Talmon erklärte, „explosive“ ist und dem politisch korrekten Täter-Opfer-Mythus zuwiderläuft, wurde es tabuisiert(3).
Auf Veranlassung der sowjetische Regierung versammelten sich am 24. August 1941 in Moskau „Vertreter des jüdischen Volkes und gründeten in der Folgezeit das ‚Jüdische-antifaschistischen Komitee‘ (JAFK oder JAK(. Stalin selbst duldete das Komitee nur als Geldquelle und Propagandainstrument. Am 7. April 1942 veröffentlichte es seinen ersten Appell an Juden in der ganzen Welt, der von 48 Personen des öffentlichen Lebens unterzeichnet wurde. Solomon Michoels wurde zum Vorsitzenden des JAFK ernannt. Sekretär war der Journalist und Sowjet-Agent Schachne Epstein. Dem Vorsitzenden Michoels gelang es 1943 sogar, in den USA, Mexiko, Kanada und England für die Sowjetunion Gelder zu sammeln. Gleichzeitig spionierte der JAFK-Vertreter Itzak Fefer für den NKWD.
Sowjetpropaganda gegen Juden nach 1945 Die Völker der Sowjetunion, die während des Krieges durch die Deutschen eine Welt kennengelernt und sich großenteils vom Stalinismus distanziert hatten, sollten nach 1945 erneut diszipliniert werden. Ihre Einladung in ein totalitäres Räderwerk betrachtete die stalinistische Clique nun als ihr wichtigstes Ziel. Das stalinistische System benötigte die hermetische Abschottung von der Außenwelt, Kriegshysterie und Einkreispsychose. Dazu dienen imaginäre ‚Volksfeinde‘ und angebliche ‚Verschwörerzentren‘. Die neue Feinde – die Juden – hatten all das zu verkörpern, was den Russen angeblich fremd war – fehlender Nationalstolz, Doppelzüngigkeit, Feigheit und Machtgier.
Atomphysiker Pjott Kapza mit dem jüdischen Schauspieler und Vorsitzenden des ‚Jüdischen Antifaschistischen Komizees‘ Solomon Michaels im Jahre 1946.
Während die Sowjetunion 1947/48 den Zionisten in Palästina durch massive diplomatische, politische und militärische Unterstützung half, einen eigenen Staat zu errichten, ließ Stalin im Januar 1948 den Vorsitzenden des 1942 gegründeten ‚Jüdischen Antifaschistischen Komitee‘ (JAK) Solomon Michoels ermorden und eröffnete in der Sowjetunion eine antijüdische Kampagne. Er benötigte offensichtlich neue Feindbilder, um in bewährter Manier sein System zu legitimieren. Am 30. November 1948 wurde das ‚Jüdische Antifaschistische Komitee‘ aufgelöst und seine führenden Mitglieder Ende 1948/Anfang 41949 verhaftet. In einem Leitartikel des Zentralorgans der Partei Pravda vom 28. Januar 1949, dem Stalin nahe stand, wurde die ‚Kosmopoliten‘, wie die Juden diffamierend genannt wurden, mit Schmarotzern verglichen, die alles Gesunde in der organischen Welt zu zerstören trachteten. ‚Antipatriotischen Haltung‘ stand im stalinistischen Vokabular für ‚Volksfeinde‘.
Der russische Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn beschrieb in seinem Buch ‚Zweihundert Jahre gemeinsam‘(4) die antisemitischen Kampagnen gegen die ‚Kosmopoliten‘. Sie sollten anscheinend Schauprozesse gegen führende Vertreter des sowjetischen Judentums propagandistisch vorbereiteten. Fast alle verhafteten Mitglieder des JAK waren nach entsprechender „Behandlung“ durch die Sicherheitsorgane bereits im Frühjahr 1949 „geständige“. Schauprozessen stand nun nichts mehr im Wege. Plötzlich aber ließ Stalin ohne Angabe von Gründen die Kampagne vorübergehend einstellen.
Nach einer kleinen Atempause wurde 1949 die antisemitische Kampagne in einer wesentlich schärferen Form blutig erneuert. Jetzt war von ‚wurzellose, antipatriotischen Kosmopoliten‘ die Rede. Mitte 1952 fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit vor dem obersten Militärgericht in Moskau ein Prozeß gegen die bereits 1948/49 inhaftierten Mitglieder des ‚jüdischen Antifaschistischen Komitees‘ statt. Der Vorsitzende des Gerichts erhielt noch vor dem Beginn der Verhandlung vom Politbüro den Befehl, von den 14 Angeklagten 13 zum Tode zu verurteilen. Tatsächlich wurden diese im August 1952 hingerichtet. ‚Zionistische Agenten‘ und ‚Kosmopoliten‘ wurden auch in der DDR, in Ungarn, Rumänien und Polen verfolgt.
Besonders am Kampf gegen jüdische Ärzte wird Stalins Antisemitismus deutlich. So erschien am 12. Januar 1953 in der Pravda anonym eine Hetzschrift Stalins mit dem Titel Schreckliche Spione und Verbrecher hinter der Professorenmasche. Dies löste im Land eine hysterische Pogromstimmung aus.
Das Drehbuch für den geplanten Schauprozeß gegen die Kremlärzte wurde von Stalin persönlich verfaßt. Er las tagtäglich Verhörsprotokolle, verlangte mehr Härte, um die verhafteten Ärzte zu Geständnissen zu zwingen. Ein Mitglied des ZK-Präsidium, Wladimir Malyschew, notierte beispielsweise im Dezember 1952 folgende Aussage Stalins: „Jeder Jude ist ein Nationalist und Agent des amerikanischen Nachrichtendienstes, Die jüdischen Nationalisten sind der Meinung, daß ihre Nation von den USA gerettet worden sei.“
Immer wieder weise Historiker – wie etwa Arno Lustiger in seinem 1998 erschienenen Rotbuch Stalin und die Juden – darauf hin, daß Stalin eine Art „Endlösung“ geplant habe und diese den Juden nur durch den Tod des Diktators erspart geblieben sei.
Schon einige Wochen nach dem Tod Stalins (5. März 1953) änderte sich die Atmosphäre in der Sowjetunion grundlegend. Bereits am 4. April 1953 wurde das Verfahren gegen die Ärzte von der neuen Moskauer Führung eingestellt und als Provokation der ehemaligen Leitung der Sicherheitsorgane dargestellt.
Von nun an distanzierten sich immer mehr Juden vom Bolschewismus und nahmen an der Dissidentenbewegung teil. Dank internationaler Unterstützung erhielten sie in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Möglichkeit der Ausreise, vornehmlich nach Israel oder in die Bundesrepublik. Damit endete das 200jährige Zusammenlebenden von Rußland und Juden.
Alexander Solschenizyns Bücher: Zweihundert Jahre gemeinsam, Herbig Verlag, München 2003. (Diese Bücher sind sehr interessant und kann uns vieles erzählen, auch über einige Weltlügen der Juden – z.B. die Lüge über Babi Jar wurde in Moskau erfunden. RjH)
Anmerkungen 1 Von den 350 000 deportierten Juden aus Polen kehrten 1946 150 000 zurück. Walter N. Sanning „Die Auflösung des osteuropäischen Judentum“, Grabert, Tübingen 1983, S 130FF. 2 Alexander u. Margarete Mitscherlich „Die Unfähigkeit zu trauern“, München 2004, S 333 3 Karl Rogalla von Bieberstein „Jüdischer Bolschewismus, Mythos und Realität“. Mit einem Vorwort von Ernst Nolte, Dresden 2002 4 Alexander Solschenizyn Zweihundert Jahre gemeinsam, Band 2, russisch 2002, deutsch München 2003
|